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"Flucht und Vertreibung" im Diskurs der Erinnerungen - Die Kontroverse über Zwangsmigrationen nach 1945 im deutsch-polnischen Gedächtnis

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 13 Pages
Author: Patricia Romanowsky
Subject: History - Newer History, European Unification

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 13
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V84262
ISBN (E-book): 978-3-638-00497-8

File size: 111 KB
Notes :
Die Arbeit ist in jeder Hinsicht ausgezeichnet gelungen.


Abstract

In der vorliegenden Arbeit soll neben den historischen Hintergründen, welche den Ereignissen des Frühjahrs 1945 vorausgingen, vor allem die Beschäftigung mit dem Thema „Flucht und Vertreibung“ in der polnischen und deutschen Wissenschaft, aber auch in der Öffentlichkeit beleuchtet werden. Im Besonderen soll dabei die sich über die Jahre verändernde Kontroverse zwischen Deutschen und Polen ins Visier genommen werden, welche bis heute, auch durch die Diskussion über ein „Zentrum gegen Vertreibungen“, zu keinem absehbaren Ende gefunden hat.


Excerpt (computer-generated)

TU Berlin, Zentrum für Antisemitismusforschung
Hauptseminar: „Nationalsozialistische Politik in Polen 1939-1945“
SoSe 2007

"Flucht und Vertreibung" im Diskurs der Erinnerungen -
Die Kontroverse über Zwangsmigrationen nach 1945 im deutsch-polnischen Gedächtnis

von

Patricia Romanowsky

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung... 2

1. Die nationalsozialistische Volkstumspolitik als eine Ursache der Zwangsmigrationen nach 1945... 3

2. Die Kontroverse über Flucht und Vertreibung in Deutschland und Polen... 6

Schlussbetrachtungen... 9

Literaturverzeichnis... 11


 

Einleitung

In Deutschland ist das öffentliche Interesse am Themenkomplex „Flucht und Vertreibung“ in jüngster Zeit stark angewachsen, was sicherlich nicht unwesentlich an der Diskussion um die Errichtung eines „Zentrums gegen Vertreibungen“ liegt. Ein solcher Ort wird nicht nur seit langem vom Bund der Vertriebenen in Deutschland gefordert, sondern er ist auch von der derzeitigen Bundesregierung im Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2005 als „sichtbares Zeichen der Erinnerung“ angeregt worden.
Parallel zu diesen Forderungen verschiedener Institutionen nach einer Musealisierung der Erinnerungskultur stieg jedoch auch innerhalb der deutschen Gesellschaft die Bereitschaft und der Wille zu einer objektiven Beschäftigung mit dem Thema stetig an – wohl nicht zuletzt dadurch, dass uns eine immer größere Zeitspanne von den Ereignissen trennt und damit der starke emotionale Bezug zu der Thematik „Flucht und Vertreibung“ unter den nachwachsenden Generationen abnimmt.
Jedoch bedeutet die Beschäftigung mit dem Themenkomplex immer noch eine Herausforderung für die Zeitgeschichte, da dieser auch in der Gegenwart immer wieder bewusst von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und ebenso von Einzelpersonen polarisierend eingesetzt wird. So waren die Zwangsmigrationen nach 1945 nicht nur das Hauptmotiv zahlreicher neuerer literarischer Auseinandersetzungen mit dem Thema1, sondern oftmals auch ein entzweiendes politisches Objekt verschiedener Wahlkämpfe, beziehungsweise ein Konfliktpunkt in der Europapolitik. Denn trotz einer umfangreichen Aufarbeitung des Themas nach 1989 durch polnische und gleichsam deutsche Historiker, ist es verschiedenen Interessenvertretern durch den, historisch gesehen, kurzen zeitlichen Abstand zu den Ereignissen immer noch möglich, starke Emotionen in einigen Teilen der Gesellschaft zu wecken und diese damit letztlich zu instrumentalisieren. Dieser bewusste Gebrauch der Thematik stellt eine der Hauptherausforderungen für die Forschung zur Zeitgeschichte dar. In der vorliegenden Arbeit soll neben den historischen Hintergründen, welche den Ereignissen des Frühjahrs 1945 vorausgingen, vor allem die Beschäftigung mit dem Thema „Flucht und Vertreibung“ in der polnischen und deutschen Wissenschaft, aber auch in der Öffentlichkeit beleuchtet werden. Im Besonderen soll dabei die sich über die Jahre verändernde Kontroverse zwischen Deutschen und Polen ins Visier genommen werden, welche bis heute, auch durch die Diskussion über ein „Zentrum gegen Vertreibungen“, zu keinem absehbaren Ende gefunden hat.

1. Die nationalsozialistische Volkstumspolitik als eine Ursache der Zwangsmigrationen nach 1945

Die Wurzeln der Vertreibung von Deutschen aus den Ostgebieten ab Oktober 1944, als die Rote Armee Ostpreußen erreichte, liegen in der Intention des nationalsozialistischen Staates begründet, eine neue Weltordnung schaffen und dafür rücksichtslos „minderwertige Völker“ ausbeuten und letztlich auslöschen zu wollen, um dem nach NS-Ideologie „überlegenen deutschen Volk“ immer mehr „Lebensraum“ zukommen zu lassen. Geographisch lag es daher nahe, diesen Raum zunächst auf die im Osten an das Deutsche Reich angrenzenden Gebiete Polens, Tschechiens, später auch der Ukraine und Russlands auszudehnen und die dort lebende Bevölkerung zunächst immer weiter zurück zu zwingen.
So begann im Herbst 1939 eine durch die Nationalsozialisten angetriebene Bevölkerungsbewegung bis dahin ungeahnten Ausmaßes, bei der schon in der ersten Phase über neun Millionen Menschen aus dem gesamten europäischen Raum umgesiedelt, vertrieben, „eingedeutscht“, oder auch verschleppt wurden.2 Gemäß der Propagandafloskel vom „Lebensraum im Osten“ sollten zunächst die so genannten Volksdeutschen wieder „heim ins Reich“ geholt und in den besetzten und also nunmehr deutschen Gebieten angesiedelt werden. Geplant wurden diese Bevölkerungsbewegungen, die in ihrer Dimension einem Bevölkerungsaustausch gleich kamen, seit Oktober 1939 vom Reichsführer SS, Heinrich Himmler. Dieser war am 7.Oktober von Hitler zum „Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums“, kurz RKF, ernannt worden.
Zwar ließ Hitler die Definition dieser Position bewusst unpräzise, doch bevollmächtigte das Amt Himmler im Kern dazu, so genannte „Reichsfeinde“ auszuschalten und die Umsiedlung der Volksdeutschen in die Ostgebiete in Gang zu bringen. So war es eben die Formulierung über die „Gestaltung neuer deutscher Siedlungsräume“, auf die sich Himmler und die SS in den folgenden Jahren immer wieder beriefen und mit der sie ihren Führungsanspruch in der Siedlungspolitik gegenüber anderen nationalsozialistischen Institutionen auszubauen suchten3.

[...]


1 Vgl. etwa: Grass, Günther: Im Krebsgang. Göttingen 2002.

2 Benz, Wolfgang: Ausgrenzung, Vertreibung, Völkermord. Genozid im 20. Jahrhundert. München 2006. S. 126

3 Zu Konflikten in Bezug auf die Zuständigkeiten bei der Siedlungspolitik kam es zwischen der SS vor allem mit der Reichsstelle für Raumordnung, der Wehrmacht, dem DAF-Reichsheimstättenwerk und dem rassenpolitischen Amt der NSDAP


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