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Termpaper, 2007, 16 Pages
Author: Annika Onken
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Münster (Germanistisches Institut)
Tags: Rolle, Funktion, Marionettentheaters, Bildungsdiskurs, Jahrhunderts, Beispiel, Goethes, Wilhelm, Meisters, Lehrjahre, Heinrich, Kleists, Marionettentheater, Seminar, Subjekt, Bildung, Institution, Goethes, Wilhelm, Meister
Year: 2007
Pages: 16
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-89240-7
ISBN (Book): 978-3-638-89335-0
File size: 145 KB
Gute intertextuelle Verbindung über eine anspruchsvolle Problematik. Der Akzent liegt aber etwas zu sehr bei Kleist. Gerade im Wilhelm Meister ist doch die Frage von Selbst - und Fremdsteuerung inhaltlich und ästhetisch zentral.
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Abstract
Einleitung Das Marionettentheater weckt bei vielen Menschen lebhafte Erinnerungen an ihre Kindheit, an ganze Nachmittage, die man mit den Puppen zubrachte, um, zusammen mit Freunden, das ein oder andere kleine Stück für die Familie aufzuführen. In diesem unschuldigen Rahmen konnte, vom Teufel über den Polizisten bis hin zur Prinzessin, jede beliebige Identität angenommen und durchgespielt werden. Oftmals zögerte man nicht, sich selbst zur Puppe zu machen und mit vollem Körpereinsatz eine eigene Darbietung der Figur zu liefern. In der Zeit der Aufklärung, des naturwissenschaftlichen und technischen Fortschritts, der Bildung eines neuen Bürgertums und des Individuums an sich, spielte das Marionettentheater eine besondere Rolle. Durch die verschiedenen, teilweise paradoxen, kulturellen Erscheinungen des 18. Jahrhunderts , begegneten dem damals vorherrschenden Weltbild oft gegenläufige Ansichten. Der Körper – und Bildungsdiskurs der Aufklärung wirft bezüglich der Marionetten die Frage auf, wer anmutiger sein kann – der Mensch oder die Marionette? Außerdem kann gefragt werden, inwieweit die aufklärerischen Ideologien der Gesellschaft den Menschen selbst zur Marionette machen. Im Folgenden soll versucht werden, die Einflüsse dieser Zeit auf das Marionettentheater und die daraus resultierende Funktion in der Gesellschaft zu erläutern. Für einen intertextuellen Vergleich dienen als Primärtexte Johann Wolfgang von Goethes Bildungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ und Heinrich von Kleists „Über das Marionettentheater“ .
Excerpt (computer-generated)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster Germanistisches Institut
Seminar: Subjekt – Bildung – Institution. Goethes Wilhelm Meister
Germanistik, Anglistik (2-Fach Bachelor)
Rolle und Funktion des Marionettentheaters im Bildungsdiskurs des 18. Jahrhunderts am Beispiel von Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ und Heinrich von Kleists „Über das Marionettentheater“
von Annika Onken
2007
Inhalt
Einleitung ... 2
1 Das Marionettentheater in Wilhelm Meisters Kindheit ... 2
1.1 Neue Regeln für den Körper des Schauspielers ... 5
2 Ästhetisches Paradox in Kleists „Über das Marionettentheater“ ... 7
3 Das Marionettentheater im Bildungsdiskurs des 18. Jahrhunderts ... 11
4 Schluss ... 14
Einleitung
Das Marionettentheater weckt bei vielen Menschen lebhafte Erinnerungen an ihre Kindheit, an ganze Nachmittage, die man mit den Puppen zubrachte, um, zusammen mit Freunden, das ein oder andere kleine Stück für die Familie aufzuführen. In diesem unschuldigen Rahmen konnte, vom Teufel über den Polizisten bis hin zur Prinzessin, jede beliebige Identität angenommen und durchgespielt werden. Oftmals zögerte man nicht, sich selbst zur Puppe zu machen und mit vollem Körpereinsatz eine eigene Darbietung der Figur zu liefern.
In der Zeit der Aufklärung, des naturwissenschaftlichen und technischen Fortschritts, der Bildung eines neuen Bürgertums und des Individuums an sich, spielte das Marionettentheater eine besondere Rolle. Durch die verschiedenen, teilweise paradoxen, kulturellen Erscheinungen des 18. Jahrhunderts1 , begegneten dem damals vorherrschenden Weltbild oft gegenläufige Ansichten. Der Körper – und Bildungsdiskurs der Aufklärung wirft bezüglich der Marionetten die Frage auf, wer anmutiger sein kann – der Mensch oder die Marionette? Außerdem kann gefragt werden, inwieweit die aufklärerischen Ideologien der Gesellschaft den Menschen selbst zur Marionette machen.
Im Folgenden soll versucht werden, die Einflüsse dieser Zeit auf das Marionettentheater und die daraus resultierende Funktion in der Gesellschaft zu erläutern. Für einen intertextuellen Vergleich dienen als Primärtexte Johann Wolfgang von Goethes
Bildungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“2 und Heinrich von Kleists „Über das Marionettentheater“3.
1 Das Marionettentheater in Wilhelm Meisters Kindheit
Das Wilhelm Meister, der Protagonist des 1795 / 96 in vier Bänden erschienenen Romans, in seiner Kindheit mit dem Marionettentheater in Berührung kommt, wird zunächst durch seine Mutter ermöglicht, welche für ihn und seine Geschwister an Heilig Abend ein Puppenspiel organisiert. Zwischen zwei Türpfosten errichtet, „baute sich ein Portal in die Höhe, das von einem mystischen Vorhang verdeckt war.“ Man spielte das Stück „David und Goliath“, welches Wilhelm nicht zuletzt durch die „wunderlichen Sprünge der Mohren und Mohrinnen, Schäfer und Schäferinnen, Zwerge und Zwerginnen“4 die Zeit im leeren, neuen Haus versüßte.
Als sich am nächsten Morgen keinerlei Spuren der vorabendlichen Ereignisse mehr auffinden lassen, empfindet Wilhelm bereits nach seinem ersten Kontakt mit dem Puppenspiel einen so tragischen Verlust, dass, „wer eine verlorne Liebe sucht, [...] nicht unglücklicher sein“5 kann. Gegen die Prinzipien des Vaters, dass zuviel Vergnügen eben dessen Wert zunichte mache, findet Wilhelm zur Freude nach einiger Zeit ein weiteres Puppenspiel statt, welches nun nach dem anfänglich bestaunenden Amüsement, Fragen nach den Zusammenhängen und dem Funktionieren des Theaters aufwirft. Der junge Wilhelm durchschaut ganz richtig, dass die Puppen weder von selbst reden, noch sich bewegen können. Sein Verstand ist sich der faszinierenden Illusion bewusst, welche das Marionettentheater hervorruft und er möchte deren Funktionieren in aufklärerischer Manier ganz durchschauen und verstehen. Die Tatsache, dass er sich wünscht, „zugleich unter den Bezauberten und Zauberern zu sein, zugleich [seine] Hände verdeckt im Spiel zu haben und als Zuschauer die Freude der Illusion zu genießen“6, stellt für den jungen Protagonisten jedoch ein Rätsel dar.
[...]
1 Shahar, Galili: Verkleidungen der Aufklärung. Narrenspiele und Weltanschauung in der Goethezeit. Göttingen: Wallstein 2006. S. 33.
2 Goethe, Johann Wolfgang von: Wilhelm Meisters Lehrjahre. 10. Auflage. München: dtv September 2004.
3 Kleist, Heinrich von: Über das Marionettentheater und andere Prosa. Durchgesehene Ausgabe 2002. Stuttgart: Reclam 2005.
4 Goethe, J.W.: Wilhelm Meister. S. 13. Kap. 2
5 Goethe, J.W.: Wilhelm Meister. S. 18. Kap. 3.
6 Ebd. S. 18.
7 Goethe, J.W.: Wilhelm Meister. S. 19. Kap. 4.
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