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Determinanten der Beschäftigungsentwicklung in ländlichen Regionen - Diskussion der Arbeitsmarktmodellierung in Computable General Equilibrium Modellen

Diplomarbeit, 2007, 97 Seiten
Autor: Dipl.Ing. agr. Robert Schulte-Drüggelte
Fach: Agrarwissenschaften

Details

Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2007
Seiten: 97
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 89  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V84399
ISBN (E-Book): 978-3-638-88133-3
ISBN (Buch): 978-3-638-88156-2
Dateigröße: 4152 KB

Zusammenfassung / Abstract

Im Zuge der fortschreitenden wirtschaftlichen Integration der EU gewinnt die Region als Analyseebene zunehmend an Bedeutung. Während auf europäischer Ebene Konvergenzprozesse zwischen den Mitgliedstaaten zu beobachten sind, zeigen sich abhängig von den verwendeten Kriterien die regionalen Disparitäten weitgehend persistent oder vergrößern sich noch. Als wichtiges Merkmal zur Beurteilung der wirtschaftlichen Lage einer Region gilt dabei die Beschäftigung. Diese Arbeit konzentriert sich daher auf die Identifizierung der empirisch entscheidenden Determinanten der Beschäftigungsentwicklung, die Darstellung der theoretischen Grundlagen ihrer Wirkungsweise und die Diskussion der Umsetzbarkeit dieser Mechanismen in einem regionalen CGE Modell. Untersucht werden die systematischen Auswirkungen des regionalen Lohnniveaus, der Branchenstruktur, der Betriebsgrößenstruktur, der Qualifikationsstruktur und der Siedlungsstruktur. Vor allem die Wirkungsweise der Branchen- und der Qualifikationsstruktur erweist sich als empirisch bedeutsam und theoretisch fundiert. Die Analyse der Siedlungsstruktur ermöglicht darüber hinaus Erkenntnisse über den Einfluss der ländlichen Regionen auf deren Beschäftigungsentwicklung. Dabei wird deutlich, dass der Effekt der ländlichen Regionen in der Nähe von urbanen Zentren deutlich positiver ausfällt, als der Effekt der peripheren Regionen. Die Abgelegenheit einer Region lässt sich somit als entscheidender Bestimmungsfaktor ihres Entwicklungspotentials einstufen. Für die Simulierung der Beschäftigungsentwicklung in regionalen CGE Modellen bieten die bislang zur Analyse von Handelspolitiken eingesetzten Modelle eine erste Grundlage. Besonderes Augenmerk bei der Erweiterung sollte auf die Modellierung des Arbeitsmarktes inklusive einer Differenzierung des Faktors Arbeit gelegt werden. Dies ermöglicht es, den Einfluss der Qualifikationsstruktur zu berücksichtigen und genauere Informationen über Arbeitsmarktsegmente zu erhalten. Für die Abbildung der ländlichen Entwicklung ist es entscheidend, eine räumliche Modellstruktur zu schaffen. Dies ist über die Modellierung von eins zu eins Handelsströmen zwischen den Regionen und entfernungsabhängigen Transportkosten möglich.


Textauszug (computergeneriert)

Determinanten der Beschäftigungsentwicklung in ländlichen Regionen
Diskussion der Arbeitsmarktmodellierung in
Computable General Equilibrium Modellen

Diplomarbeit
Landwirtschaftlichen Fakultät
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

19. Juli 2007
Von cand.agr. Robert Schulte-Drüggelte

 

 

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Abkürzungen ... IV

Verzeichnis der Abbildungen ... V

Verzeichnis der Tabellen ... V

Verzeichnis der Karten ... VI

1 Einleitung ... 1

1.1 Problemstellung ... 1

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise ... 2

2 Region als Analyseebene ... 3

2.1 Vorbemerkungen ... 3

2.2 Definition des Begriffs Region ... 3
2.2.1 Allgemein ... 3
2.2.2 Systematik der Gebietseinheiten für die Statistik (NUTS) ... 4

2.3 Regionale Unterschiede in Europa ... 6

3 Regionale Arbeitsmärkte ... 12

3.1 Identifikation der Determinanten ... 12
3.1.1 Vorbemerkungen ... 12
3.1.2 Methodenbeschreibung ... 12

3.2 Wirkung der Einflussfaktoren auf die Beschäftigungsentwicklung ... 14
3.2.1 Lohnniveau ... 14
3.2.1.1 Arbeitsmarkt aus mikro- und makroökonomischer Perspektive ... 14
3.2.1.2 Wirkung des Lohnniveaus auf das Beschäftigungswachstum ... 19
3.2.2 Branchenzusammensetzung ... 25
3.2.2.1 Determinanten der Spezialisierung von Regionen ... 25
3.2.2.2 Auswirkung auf die Beschäftigungsentwicklung ... 27
3.2.3 Betriebsgrößenstruktur ... 34
3.2.4 Qualifikationsstruktur der Arbeitskräfte ... 43
3.2.4.1 Externalitäten und Wachstumstheorie ... 43
3.2.4.2 Empirische Ergebnisse ... 46
3.2.5 Regionale Standortbedingungen ... 49
3.2.5.1 Individuelle Bedingungen der Region ... 49
3.2.5.2 Siedlungsstruktur ... 52

3.3 Ländliche Regionen ... 59

4 Regionale Computable General Equilibrium modelle ... 64

4.1 Entstehung, Aufbau und Funktionsweise ... 64

4.2 Umsetzung der beschäftigungsrelevanten Determinanten ... 67
4.2.1 DREAM Modell ... 67
4.2.2 Erweiterungsmöglichkeiten ... 72

5 Zusammenfassung ... 77

Literaturverzeichnis ... 78

Anhang I ... 83

Anhang II ... 85

Anhang III ... 86

Anhang IV ... 91

 

 

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Die Europäische Union besteht mittlerweile aus 27 Mitgliedstaaten mit unterschiedlicher ökonomischer Entwicklung und Leistungskraft. Jeder einzelne Staat wiederum ist nicht homogen, sondern durch regionale Unterschiede gekennzeichnet. Diese Differenzen zeigen sich oft besonders deutlich bei dem Vergleich zwischen urbanisierten Ballungsräumen und ländlichen, peripheren Gebieten. Dort findet sich häufig eine niedrige Wertschöpfung je Einwohner und eine höhere Arbeitslosigkeit.

Um das Ziel zu erreichen, der stärkste Wirtschaftsraum der Welt mit einer größtmöglichen Beschäftigung zu werden, beschloss der Europäische Rat im Jahr 1997 in Amsterdam die Europäische Beschäftigungsstrategie. Im Jahr 2000 wurde in Lissabon vereinbart, sich insbesondere auf die Schaffung von hochwertigen Arbeitsplätzen zu konzentrieren (EUROSTAT 2007a, S. 131). Die Halbzeitbewertung 2005 wies allerdings noch viele Umsetzungsschwierigleiten auf, so dass die Ziele bisher verfehlt wurden. Zum Beispiel erfolgte zwar eine Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen den Mitgliedstaaten, jedoch zeigten sich die regionalen Disparitäten auch zwischen Agglomerationsräumen und ländlichen Gebieten überwiegend konstant oder vergrößerten sich sogar. Daher muss sich die Strukturpolitik der EU und die zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik zur ländlichen Entwicklung verstärkt auf die Schaffung von Arbeitsplätzen in ländlichen Gebieten konzentrieren (KOM 2005, S. 9). Diese Arbeitsplätze sind notwendig, um die ökonomische Stärke der EU auszubauen und den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Außerdem sorgen sie durch Erhaltung von Beschäftigung in den Regionen dafür, dass eine Reihe von öffentlichen Gütern wie z.B. der Erhalt der Kulturlandschaft, ländliche Traditionen und Umweltschutz auch in Zukunft bereitgestellt werden können (AGRICULTURAL COUNCIL 2003, S. 8).

Um dies vor dem Hintergrund der begrenzten finanziellen Mittel möglichst weitgehend erreichen zu können, ist es wichtig, die politischen Maßnahmen effizient und wirksam durchzuführen. Dazu ist es erforderlich, die Einflussfaktoren für eine erfolgreiche Entwicklung von regionalen Arbeitmärkten zu identifizieren und die Wirkungszusammenhänge zu verstehen. Ohne diese Grundlagenforschung ist eine wissenschaftliche Politikberatung nicht möglich (BLIEN et al. 2001a, S. 48).

Eine Variante, die Erkenntnisse in quantitative Aussagen bezüglich der Beschäftigung umzusetzen, sind allgemeine Gleichgewichtsmodelle bzw. Computable General Equilibrium (CGE) Modelle1. Diese bieten die Möglichkeit einer expliziten Arbeitsmarktmodellierung und erlauben es, verschiedene Politikszenarien zu simulieren, um ex-ante Informationen zu erhalten.

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

Im Rahmen dieser Arbeit sollen daher die Determinanten der regionalen Beschäftigungsentwicklung theoriebasiert untersucht werden. Darauf aufbauend ist es das Ziel, den gegenwärtigen Stand der Umsetzung dieser Determinanten in CGE Modellen zu analysieren und zu bewerten.

Zuerst wird hierzu ein Überblick über die regionalen Disparitäten in Deutschland und der Europäischen Union gegeben. Daraus wird eine gegenüber der Problemstellung dieser Arbeit ausführlichere Motivation zur Regionalforschung abgeleitet. Im nächsten Abschnitt werden mehrere regressionsanalytische Untersuchungen mit dem Beschäftigungswachstum als erklärender Variable verwendet, um signifikante Einflussfaktoren für die regionale Beschäftigungsentwicklung zu identifizieren. Anschließend werden verschiedene theoretische Modelle wie z.B. die neue Wachstumstheorie und die neue ökonomische Geographie benutzt, um die Wirkungsweise dieser Faktoren zu verstehen. Davon ausgehend werden Schlussfolgerungen für die Arbeitsmärkte ländlicher Regionen gezogen. Das vierte Kapitel dient der Untersuchung verschiedener Ansätze zur Arbeitsmarktmodellierung in CGE Modellen und der Frage, ob sie die Wirkungsmechanismen der analysierten Determinanten abbilden können.

Auf Grund der hohen Arbeitslosigkeit in Europa konzentriert sich diese Arbeit auf die Determinanten der Arbeitsnachfrage. Verzichtet wird daher weitestgehend auf eine Diskussion von prinzipiell eher arbeitsangebotsrelevanten Fragestellungen. Hierzu zählen die Migration von Arbeitskräften, sowie die zunehmende Alterung der Gesellschaft2.

2 Region als Analyseebene

2.1 Vorbemerkungen

Der folgende Abschnitt soll dem Leser einen Überblick über die regionalen Unterschiede in der Europäischen Union und in Deutschland liefern. Die dargestellten regionalen Disparitäten orientieren sich an ökonomischen Indikatoren wie dem regionalen BIP und der Erwerbstätigenquote.

In diesem Zusammenhang sollen folgende Fragen beantwortet werden: Was versteht man überhaupt unter einer Region? Wie groß sind die regionalen Unterschiede in Europa? Wie definieren sich ländliche Regionen? Für welche Art von ökonomischen Fragestellungen ist die Region die geeignete Bezugsebene zur Beantwortung? Wie lassen sich regionale Disparitäten erklären?

Die letzte Frage leitet zum dritten Abschnitt dieser Arbeit über. Dieser untersucht explizit regionale Unterschiede bezüglich der Beschäftigung und versucht, diese mit Hilfe von theoretischen Modellen und fundiert durch empirische Erkenntnisse zu erklären.

2.2 Definition des Begriffs Region

2.2.1 Allgemein

Unter dem Begriff Region wird allgemein ein zusammenhängendes geographisches Gebiet von mittlerer Größenordnung zwischen Volkswirtschaften und Lokalitäten verstanden. Der Zweck ist die Kennzeichnung einer Ebene zur räumlichen Analyse (GABLER 1992, S.2790). Eine ähnliche Einordnung der Region nehmen MAIER und TÖDTLING (2002, S.36) im Kontext der Standorttheorie vor3.

Bei der wissenschaftlichen Betrachtung von Regionen werden im Hinblick auf das Kriterium zur Aggregation von Standorten zu Regionen drei Arten unterschieden. Man differenziert zwischen homogenen Regionen bzw. Strukturregionen, funktionalen Regionen bzw. Nodalregionen und technischen Regionen, die auch Programmregionen genannt werden. Unter einer Strukturregion versteht man die Zusammenfassung von mehreren Beobachtungseinheiten, z.B. administrativen Gebieten, die sich in einem oder mehreren Merkmalen sehr ähnlich sind. Demgegenüber definiert sich eine Nodalregion durch ein oder mehrere Bewegungsphänomene, wie Pendlerverflechtungen oder Finanzströme, durch welche die Einheiten einen prozessualen Zusammenhang bilden. Ein anderer Ansatz liegt den Programmregionen zugrunde. Diese werden auf der Basis von vorab festgelegten Kriterien zum Zweck politischer oder raumplanerischer Maßnahmen gebildet (GABLER 1992, S.2790ff).

Wie aus diesen Begriffsbestimmungen deutlich wird, sind die Ausmaße und die Bedeutung einer Region immer durch bestimmte Kriterien definiert, die sich je nach wissenschaftlicher oder politischer Fragestellung ändern können. Die Einteilung eines Raumes in Regionen ist somit nicht absolut. Aus diesem Grund gibt es auch keine eindeutigen räumlichen Abgrenzungen und auch keine für alle analytischen Probleme geeignete Definition von ländlichen Regionen oder ländlichen Räumen4. Dieser Begriff ist deshalb so schwer zu fassen, weil er von sehr vielen sozioökonomischen Kriterien bestimmt wird. Zu nennen sind u.a. eine geringe Bevölkerungsdichte, die Absenz von urbanen Zentren, die relative Bedeutung der Landwirtschaft und das Vorhandensein und Pflegen von Traditionen. Hinzu kommt, dass Regionen nicht isoliert betrachtet werden können, sondern die Wechselwirkungen zu benachbarten, sowohl städtischen als auch ländlichen Gebieten, berücksichtigt werden müssen (SERA 2006, S.159).

Es sei zur Vertiefung dieser Thematik auf den Abschnitt 3.3 verweisen, der sich eingehender mit den Charakteristika ländlicher Regionen beschäftigt. An dieser Stelle soll die Einführung in die Problematik der Abgrenzung von Regionen dazu genutzt werden, das hierzu auf europäischer Ebene verwendete Klassifikationsschema vorzustellen. Auf dessen Basis werden im Abschnitt 2.3 regionale Unterschiede in Europa erläutert.

2.2.2 Systematik der Gebietseinheiten für die Statistik (NUTS)

Schon vor mehr als 25 Jahren wurde begonnen, eine auf normativen Kriterien beruhende Systematik für die Einteilung von Regionen in Europa zu entwickeln. Diese wird als NUTS5 (Nomenclature des unités territoriales statistiques) bezeichnet. Unter normativ gebildeten Regionen versteht man Regionen, deren Basis eine politische Willensäußerung ist. Das bedeutet, es sind Gebiete, die auf Grund ihrer Einwohnerzahl oder historischer und kultureller Ereignisse entstanden sind, um politische und wirtschaftliche Aufgaben effizient zu erfüllen. Es handelt sich also um institutionelle Gebietseinheiten. In Deutschland sind dies z.B. Bundesländer oder Kreise. Der Vorteil dieser Einteilung ist eine einfache Datenverfügbarkeit und eine schnelle Umsetzbarkeit von regionalpolitischen Maßnahmen, da die entsprechende Region, natürlich im Rahmen ihrer Kompetenzen, politisch eigenständig agieren kann (EUROSTAT 2007b).

Die NUTS ist ein hierarchisches System mit drei Ebenen. Da die meisten Mitgliedstaaten nicht aus drei Verwaltungsebenen oberhalb der Gemeinden bestehen, ist nicht zwingend jeder NUTS Region genau eine institutionelle Gebietseinheit zugeordnet (EUROSTAT 2007b). Zum besseren Verständnis sei dies kurz am Beispiel der deutschen Verwaltungsstruktur erläutert. Die NUTS 1 Stufe ist die erste Ebene unterhalb der Mitgliedstaaten und entspricht den Bundesländern. Der NUTS 3 Ebene sind die einzelnen Landkreise bzw. die kreisfreien Städte zugeordnet. Für die dazwischenliegende NUTS 2 Region gibt es jedoch keine entsprechende Verwaltungsebene. In den kleineren Bundesländern entspricht sie dem Land. NUTS 1 und 2 Region sind somit identisch. In Nordrhein-Westfalen werden die Regierungsbezirke als Maß für die NUTS 2 Regionen verwendet. In anderen Bundesländern entsprechen die NUTS 2 Regionen lediglich einer relativ gleichmäßigen Zusammenfassung von Kreisen6.

Es wurde angestrebt, die NUTS Regionen so zu wählen, dass sie sowohl hinsichtlich ihrer Einwohnerzahl als auch bezüglich ihrer Fläche in etwa vergleichbar sind. Einen Anhaltspunkt über die ungefähre Einwohnerstärke der einzelnen NUTS Ebenen gibt Tabelle 1.

[...]


1 Auf Grund der überwiegend englischsprachigen Literatur zu diesem Thema wird im Folgenden das Akronym CGE verwendet.

2 Diese für die Entwicklung von ländlichen Regionen wichtigen Herausforderungen werden in der Studie SERA (2006) ausführlich problematisiert.

3 Sie positionieren die Region als Analyseebene zwischen einem Nationalstaat und einer Stadt bzw. Kommune und isolieren so Kriterien zur Standortentscheidung von Unternehmen.

4 BENGS und SCHMIDT-THOMÉ (2004, S.67ff) geben einen ausführlichen Überblick über verschiedene Herangehensweisen.

5 In dieser Arbeit wird von nun an die europaweit übliche französische Abkürzung verwendet.

6 Für eine strukturierte Darstellung aller NUTS Region in der EU siehe: http://ec.europa.eu/eurostat/ramon/nuts/codelist_de.cfm?list=nuts.


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