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Subtitle: Generationsspezifische Geschichtsphänomene in palästinensischen Selbstzeugnissen
Bachelor Thesis, 2006, 50 Pages
Author: Alexandra Samoleit
Subject: Orientalism / Sinology - Miscellaneous
Details
Tags: Palästinensische, Generation
Year: 2006
Pages: 50
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 24 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-88608-6
File size: 326 KB
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Abstract
Ich möchte mich in der folgenden Arbeit der Frage zuwenden, ob es ein historisches Konstrukt gibt, das als palästinensische 67/68er Generation bezeichnet werden kann. Dabei ist für mich, neben die geschichtliche Definition aus der Retrospektive, vor allem die Selbstdefinition verschiedener Zeitzeugen von Interesse. Aus diesem Grund liegen dieser Arbeit drei autobiografische Texte zugrunde, die in Bezug auf die Fragestellung untersucht werden. Es wird zunächst eine theoretische Basis geschaffen, indem wichtige Aspekte aber auch methodische Probleme der Generations- und autobiografischen Forschung dargelegt werden. Ziel der Betrachtung ist es eine Definition für ‚Generation’ festzulegen, anhand welcher die untersuchten palästinensische Autobiografien eingeordnet und analysiert werden. Die theoretische Basis beruht dabei vor allem auf Überlegungen von Karl Mannheim in seinem Essay Das Problem der Generationen, wird aber noch um einige Aspekte erweitert. Zur Einordnung der autobiografischen Texte beziehe ich mich auf Überlegungen aus dem Feld der Selbstzeugnisforschung, um den Rahmen für die Untersuchung möglichst offen zu halten und nicht aufgrund von zu strengen Genredefinitionen, wie sie in der Autobiografieforschung existieren, auf wichtige Elemente verzichten zu müssen. Nach der theoretischen Verortung folgt ein historischer Überblick über die palästinensische Geschichte von 1948 bis 1970 um Ereignisse herauszuarbeiten, die für eine mögliche 67er Generation von entscheidender Bedeutung gewesen sein könnten. Dabei werden geschichtliche Daten bereits mit persönlicher Wahrnehmung und Deutung aus den Selbstzeugnissen in Verbindung gebracht. Im Anschluss daran wird aus den Texten zunächst eine Identitätsdefinition als Palästinenser und im Anschluss daran eine Generationsdefinition der einzelnen Autoren abgeleitet, um schließlich zu einer allgemeinen Beschreibung der palästinensischen 67/68er Generation zu kommen. Zum Abschluss soll diese noch in einem Vergleich der deutschen 68er Generation gegenüber gestellt werden, um sie letztendlich in einen internationalen Kontext einzuordnen.
Excerpt (computer-generated)
Erfurt, 13.07.2006
Die Palästinensische Generation von 1967/1968
Generationsspezifische Geschichtsphänomene in palästinensischen
Selbstzeugnissen
Von Alexandra Samoleit
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
2. Theoretischer Hintergrund ... 2
2.1 Generationsforschung ... 2
2.1.1 Definition des Begriffs ’Generation’ und Kritikpunkte ... 2
2.1.2 Revolutionäre Generationen ... 4
2.1.3 Minderheitenprägung ... 5
2.1.4 Fremdwahrnehmung und Selbstreferentialität ... 5
2.1.5 Die Generation der 68er in Deutschland ... 6
2.1.6 Zusammenfassung ... 7
2.2 Autobiographische Texte in der Geschichtswissenschaft ... 8
2.2.1 Autobiographie oder Selbstzeugnis? ... 8
2.2.2 Persönlichkeitskonzepte im arabischen Kulturraum ... 10
2.2.3 Palästinensische Selbstzeugnisse nach 1948 ... 11
2.2.4 ‚Weibliche’ Selbstzeugnisse ... 12
2.3 Palästinensische Selbstzeugnisse am Beispiel von Leila Khaleds Mein Volk soll leben; Hanan Ashrawis Ich bin in Palästina geboren und Fawaz Turkis The Disinherited ... 13
2.3.1 Textauswahl ... 13
2.3.2 Begründung der Textauswahl ... 14
3. Die ausgewählten Selbstzeugnisse im Kontext der historischen Entwicklung von 1948 bis 1970 ... 15
3.1 Die Vertreibung 1948 und der Beginn der palästinensischen Freiheitsbewegung ... 16
3.1.1 „Palästinensisches Bewusstsein“ für Geschichte und Politik ... 16
3.1.2 Gründung von al-Fatah und PLO ... 18
3.2 Der Juni-Krieg 1967 und die Folgen ... 20
3.2.1 Niederlage und Demütigung ... 20
3.2.2 Die PFLP und der Guerilla-Kampf ... 21
3.3 Der Zerfall der palästinensischen Revolution ... 28
3.3.1 „Der schwarze September“ in Jordanien ... 29
3.3.2 Marxistische Ideologie und das Scheitern von Bewusstseinsgenerierung ... 30
4. Identität und Generation der Palästinensischen 67er ... 31
4.1 ‚Generation’ als Konstruktion des kollektiven Gedächtnisses ... 31
4.2 Palästinensische Identität – Palästinenser-Sein ... 33
4.3 Die Palästinensische 67er Generation ... 35
4.4 Moderne und Feminismus ... 37
4.5 Die deutschen 68er und die palästinensischen 67er im Vergleich ... 40
5. Resümee ... 43
1.Einleitung
Ich möchte mich in der folgenden Arbeit der Frage zuwenden, ob es ein historisches Konstrukt gibt, das als palästinensische 67/68er Generation bezeichnet werden kann. Dabei ist für mich, neben die geschichtliche Definition aus der Retrospektive, vor allem die Selbstdefinition verschiedener Zeitzeugen von Interesse. Aus diesem Grund liegen dieser Arbeit drei autobiografische Texte zugrunde, die in Bezug auf die Fragestellung untersucht werden.
Es wird zunächst eine theoretische Basis geschaffen, indem wichtige Aspekte aber auch methodische Probleme der Generations- und autobiografischen Forschung dargelegt werden. Ziel der Betrachtung ist es eine Definition für ‚Generation’ festzulegen, anhand welcher die untersuchten palästinensische Autobiografien eingeordnet und analysiert werden. Die theoretische Basis beruht dabei vor allem auf Überlegungen von Karl Mannheim in seinem Essay Das Problem der Generationen, wird aber noch um einige Aspekte erweitert. Zur Einordnung der autobiografischen Texte beziehe ich mich auf Überlegungen aus dem Feld der Selbstzeugnisforschung, um den Rahmen für die Untersuchung möglichst offen zu halten und nicht aufgrund von zu strengen Genredefinitionen, wie sie in der Autobiografieforschung existieren, auf wichtige Elemente verzichten zu müssen.
Nach der theoretischen Verortung folgt ein historischer Überblick über die palästinensische Geschichte von 1948 bis 1970 um Ereignisse herauszuarbeiten, die für eine mögliche 67er Generation von entscheidender Bedeutung gewesen sein könnten. Dabei werden geschichtliche Daten bereits mit persönlicher Wahrnehmung und Deutung aus den Selbstzeugnissen in Verbindung gebracht.
Im Anschluss daran wird aus den Texten zunächst eine Identitätsdefinition als Palästinenser und im Anschluss daran eine Generationsdefinition der einzelnen Autoren abgeleitet, um schließlich zu einer allgemeinen Beschreibung der palästinensischen 67/68er Generation zu kommen.
Zum Abschluss soll diese noch in einem Vergleich der deutschen 68er Generation gegenüber gestellt werden, um sie letztendlich in einen internationalen Kontext einzuordnen.
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Generationsforschung
Im Folgenden soll zunächst eine Definition für den Begriff ‚Generation’ festgelegt werden, der als Basis für die weiteren Überlegungen dieser Arbeit fungiert.
Neben einer möglichen Definition werden aber auch Probleme und Kritikpunkte angesprochen; zum Beispiel der spezifische Fall revolutionärer Generationen, Selbstreferentialität und historische Fremdwahrnehmung, sowie die Frage nach Minderheitenprägung und gesamtgesellschaftlicher Relevanz.
Des Weiteren wird ein kurzer Einblick in wissenschaftliche Überlegungen zur deutschen 68er-Generation gegeben, der an einer späteren Stelle in dieser Arbeit noch einmal aufgegriffen wird, um einen Vergleich mit einem möglichen palästinensischen Pendant anzustrengen.
Abschließend werden bereits Überlegungen zur Bedeutung von Autobiografien für die Generationsforschung angesprochen, die dann in Punkt 3 eingehender erörtert werden.
2.1.1 Definition des Begriffs ’Generation’ und Kritikpunkte
Da in dieser Arbeit die Frage geklärt werden soll, ob man von einer palästinensischen 67/68er Generation sprechen kann und wie diese zu beschreiben wäre, muss zunächst einmal eine allgemeine Definition für den Begriff der Generation bestimmt werden, der als Fundament aller weiteren Überlegungen dienen kann.
Definitionen für ‚Generation’ sind derer in der Geschichtswissenschaft nicht wenige zu finden. Sie reichen von einer eher inflationär gebrauchten Bezeichnung altersmäßig und/oder erfahrungsmäßig homogener Gruppen1, bis hin zu diversen anderen klassischwissenschaftlichen Erläuterungen.
Ich möchte an dieser Stelle nicht alle möglichen Definitionen aufführen, sondern mich auf die Aspekte beziehen, die immer wieder verwendet werden, wenn es darum geht eine Generation zu charakterisieren.
Wenn man verschiedene Definitionen zusammenfasst, handelt es sich bei einer Generation um Individuen einer Altersgruppe, die aufgrund des kollektiven Erlebens von besonders einflussreichen sozialen, kulturellen oder politischen Ereignissen eine gemeinsame Prägung erfahren, welche zu einer spezifischen Bewusstseinsschichtung führt.2
Alle Faktoren, die eine solche homogenisierende Wirkung auf eine Gruppe von Individuen haben, werden von Mannheim unter dem Begriff „Entelechie“ zusammengefasst, den man in etwa mit ‚Zeitgeist’ übersetzen könnte.3
Bei der Betrachtung dieser Definition stellen sich mehrere Fragen, unter anderem wie wichtig das gemeinsame Alter der Individuen tatsächlich für den kollektiven Erfahrungszusammenhang ist. Mannheim legt den zeitlichen Rahmen für eine Generation auf 30 Jahre fest. Das bedeutet, der chronologische Zeitpunkt der Geburt ist von Bedeutung, weil er einen gemeinsamen zeitlichen Ausgangspunkt für das Erleben bestimmter Ereignisse schafft, die sich letztlich als konstituierende Faktoren für das generationale Bewusstsein herausstellen werden. Gleichzeitig räumt Mannheim aber ein, dass ein Individuum zwar in eine Generationslage hineingeboren wird, dies aber nicht zwangsläufig auch bedeutet, dass sich eine bewusste oder unbewusste Generationszugehörigkeit entwickeln muss.4
Als weiterer Kritikpunkt kann angeführt werden, dass es im historischen Prozess immer wieder geschichtliche Ereignisse gibt, die eine prägende Wirkung auf alle Mitglieder einer Gesellschaft, unabhängig von deren Alter, haben und die nicht einen generationsspezifischen sondern einen allgemeinen gesellschaftlichen Wandel hervorrufen.5 Es stellt sich also die Frage in wie weit man solche Ereignisse in die Konstruktion einer Generation als historisches Gebilde mit einbeziehen kann und muss.
Auch wenn man nicht bei allen historischen Ereignissen mit Massenwirkung zwangsläufig von generationsbildenden Faktoren ausgehen kann, widerspricht ihre Einbeziehung in die Generationsforschung auch nicht dem Differenzbegriff der Generation als historischem Konstrukt. Die altersbedingt unterschiedliche Bewusstseinsschichtung, welche jede einzelne Generation auszeichnet, führt zwangsläufig auch zu einer differenzierten Wahrnehmung, Bewertung und Reaktion von und auf Ereignisse, die in ihrer Form von historischer Relevanz sind und die generationsspezifische Deutung legitimieren.6
2.1.2 Revolutionäre Generationen
Durch solche Überlegungen wird deutlich, dass sich aufgrund vom Generationspluralismus vor allem durch parallel existierende, sich durch die Altersgruppen ihrer Mitglieder unterscheidende Generationen, nebeneinander ablaufende „Geschichten“ vollziehen, die in Wechselbeziehungen zueinander stehen.
Die Generation der Kinder wird immer auch durch die Elterngeneration geprägt und hat ihrerseits Einfluss auf die ihr folgende Generation. Dieser Einfluss kann sogar einer der entscheidenden Faktoren zur Generationsbildung sein, wenn er sich zum Beispiel als ein radikaler Bruch mit der vorangegangenen Generation vollzieht.
Aus diesem Grund wird die Erlebnisfigur Jugend häufig mit dem Begriff der Generation in Verbindung gesetzt. Diese Betrachtungsweise ist spezifisch mit der geistigen Strömung der Moderne verbunden und schreibt der jugendlichen Generation die entscheidenden Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Erneuerung zu. Das Bedürfnis der Abgrenzung vom Vergangenen und der Schaffung einer eigenen, neuen Gegenwart, die nicht an Historie und Tradition gebunden ist, charakterisiert die Moderne und hat ihren historischen Ursprung in der französischen Revolution, als eine gewaltsame Erneuerung in Form der Geburt der bürgerlichen Nation.7
Nicht alle Generationen sind letztlich revolutionäre Generationen, die durch einen Bruch mit dem Alten einen gesellschaftlichen Wandel anstreben genauso wenig, wie alle Mitglieder einer Altersgruppe zwangsläufig ein und der selben Generation zu zurechen sind.
In der Retrospektive spielt diese Unterscheidung aber nur bedingt eine Rolle, da politische oder auch revolutionäre Generationen im Unterschied zu passiveren, ‚stillen’ Generationen ein besonders stark ausgeprägtes Sendebewusstsein haben und ihren politischen Selbstauftrag aktiv verbreiten. Dieser hegemoniale Deutungsanspruch über die Realität kann zu Gesellschaftskonflikten mit anderen parallel oder zeitlich verschoben existierenden Generationen führen. Letztlich setzen sich aber die dominierenden Generationen mit ihren kollektiven Merkmalen gegen konkurrierende Deutungsmuster durch und erhalten damit verstärkt historische Relevanz.8
2.1.3 Minderheitenprägung
Eine solche Pluralität von Generationen bedeutet auch, dass nicht alle Mitglieder einer Gesellschaft, die sich vor allem durch sozialkulturelle Differenzierung auszeichnet, nur weil sie der selben Altersgruppe angehören, auch Mitglied einer bestimmten Generation sein müssen.9
Grundsätzlich macht ein hohes Maß an gesellschaftlicher Differenzierung die Bildung einer gesamt-gesellschaftlich relevanten Generation eigentlich sogar unmöglich. Das bedeutet, dass Generationen vielmehr auf einer Minderheitenprägung basieren, die aber vor allem wenn sie einen revolutionären Gesellschaftsentwurf basieren, leichter wahrgenommen werden und historisch relevanter sind.
Die Streuung, beziehungsweise Bekanntmachung eines solchen politischen Entwurfs in der Gesellschaft und seine Akzeptanz machen ihn auch auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene repräsentativ. Man kann also sagen, nicht die Anzahl der Akteure ist von Bedeutung, sondern die Anzahl derer, die vom Gesellschaftsentwurf der Minderheit überzeugt werden können. 10
[...]
1 Vgl. Kilian/Komfort-Hein, 1999: 10.
2 Vgl. Weisbrod, 2005: 1.
3 Vgl. Mannheim, 1970: 518f.
4 Vgl. Ebd.: 536f.
5 Vgl. Lepsius, 2005: 49.
6 Vgl. Wildt, 2005: 11f.
7 Vgl. Weisbrod, 2005: 3.
8 Vgl. Weisbrod, 2005: 7f.
9 Vgl. Mannheim, 1970: 536f und Lepsius, 2005: 51.
10 Vgl. Lepsius, 2005: 51 und Wildt, 2005: 22.
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