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„Eine Frage der Ehre!“ - Die Bedeutung der Ehre bei Migranten in Deutschland

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 28 Pages
Author: Hüseyin Tunc
Subject: Sociology - Political Sociology, Majorities, Minorities

Details

Event: Kultur und Konflikt
Institution/College: University of Education Freiburg im Breisgau
Tags: Frage, Ehre, Bedeutung, Ehre, Migranten, Deutschland, Kultur, Konflikt
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 28
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V84530
ISBN (E-book): 978-3-638-00872-3
ISBN (Book): 978-3-638-91442-0
File size: 236 KB

Abstract

In dieser Hausarbeit werde ich mich mit dem „Ehrbegriff“ und der Bedeutung der Ehre für Migranten in Deutschland beschäftigen. Ich werde speziell auf die Migrantengruppe türkischer Herkunft eingehen, weil Migranten türkischer Herkunft 1. die größte nicht-deutsche Bevölkerungsgruppe in Deutschland bilden. Und 2. weil viele der Jugendlichen bzw. auch Erwachsenen mit türkischem Migrationshintergrund sich bei der Begründung einer Tat auf ihre Ehre beziehen. „Sie müssen ihre Ehre verteidigen“ ist eine häufige Aussage dieser männlichen Bevölkerungsgruppe. Mit dieser Arbeit möchte ich ebenfalls herausarbeiten, welche Bedeutung die Ehre vor allem für jugendliche Migranten hier in Deutschland hat. Zunächst ist es daher wichtig auf einige Begrifflichkeiten des Ehrbegriffes einzugehen. Im zweiten Punkt werde ich mich darauf beziehen, welche Bedeutung die Ehre in den Ländern Türkei und Deutschland hat. Und um einen Vergleich zu einem anderen christlich geprägten Land zu haben, werde ich die Bedeutung der Ehre auf Sardinien darstellen. Schließlich möchte ich noch auf das Phänomen des Ehrenmordes zu sprechen kommen, um dann anschließend mit einem Fazit die Arbeit zu beenden. I. Der Ehrbegriff...


Excerpt (computer-generated)

Pädagogische Hochschule Freiburg i. Br.
Soziologie Hauptseminar: Kultur und Konflikt
SS 07, 10. Juli 2007

„Eine Frage der Ehre!“ - Die Bedeutung der Ehre bei Migranten in Deutschland

von

Hüseyin Tunc

 


Inhaltsverzeichnis

Vorwort... 3

I. Der Ehrbegriff (türkische Begriffe – Übersetzungen)... 4

1. Die Ehrbegriffe „namus“ und „şeref“... 4
2. „onur“ – „Würde“... 5

II. Ehre in der Türkei, auf Sardinien und in Deutschland... 6

1. Die Ehre in der Türkei... 6
2. Die Ehre auf Sardinien... 9
3. Der Ehrbegriff in Deutschland... 12

III. Ehrbegriff bei jugendlichen Migranten in Deutschland – Ursache für Konflikte?... 14

IV. Ehrenmorde... 18

V. Fazit... 24

VI. Quellenverzeichnis... 26


 

Vorwort

Zahide A. war 21 Jahre alt, als Berner Polizeibeamte sie fanden. Sie lag tot auf einem Teppich in der Küche ihrer Wohnung, mit Stichverletzungen am ganzen Körper: an der Brust, an den Händen, an den Ellenbogen, an den Lenden und an den Unterschenkeln. Ihre Kehle war durchschnitten worden. Wenige Meter von ihr entfernt, in der Badewanne, lag Süleyman K., 25 Jahre alt, der Freund der jungen Frau. Brust, Beine und Arme waren durchstochen, der Schädelknochen und die Lungenoberlappen verletzt. Süleyman K. war verblutet. Auch seine Kehle war durchschnitten worden. (Windlin, Sabine 2004) Dieser grausame Doppelmord fand nicht etwa in einem fernen Land in Süd-Ost-Asien in einem unbekanntem Dorf statt. Es ereignete sich mitten in Europa im schweizerischen Bern. Als Motiv nannte der Täter das „Fehlverhalten“ seiner Schwester, sie hätte die Ehre der Familie beschmutzt. Und um die Ehre der Familie wiederherzustellen musste ein männliches Mitglied der Familie sie umbringen.
In dieser Hausarbeit werde ich mich mit dem „Ehrbegriff“ und der Bedeutung der Ehre für Migranten in Deutschland beschäftigen. Ich werde speziell auf die Migrantengruppe türkischer Herkunft eingehen, weil Migranten türkischer Herkunft 1. die größte nicht-deutsche Bevölkerungsgruppe in Deutschland bilden. Und 2. weil viele der Jugendlichen bzw. auch Erwachsenen mit türkischem Migrationshintergrund sich bei der Begründung einer Tat auf ihre Ehre beziehen. „Sie müssen ihre Ehre verteidigen“ ist eine häufige Aussage dieser männlichen Bevölkerungsgruppe. Mit dieser Arbeit möchte ich ebenfalls herausarbeiten, welche Bedeutung die Ehre vor allem für jugendliche Migranten hier in Deutschland hat. Zunächst ist es daher wichtig, auf einige Begrifflichkeiten des Ehrbegriffes einzugehen. Im zweiten Punkt werde ich mich darauf beziehen, welche Bedeutung die Ehre in den Ländern Türkei und Deutschland spielt. Und um einen Vergleich zu einem anderen christlich geprägten Land zu haben, werde ich die Bedeutung der Ehre auf Sardinien darstellen. Schließlich möchte ich noch auf das Phänomen des Ehrenmordes zu sprechen kommen, um dann anschließend mit einem Fazit die Arbeit zu beenden.

I. Der Ehrbegriff (türkische Begriffe – Übersetzungen)

Bevor ich dazu komme welche Relevanz der Begriff der Ehre in den oben erwähnten Ländern hat, möchte ich vorerst zu einigen Übersetzungen türkischer Begriffe kommen, die ins Deutsche mit Ehre übersetzt werden können.

1. Die Ehrbegriffe „namus“ und „şeref“

Wörtlich übersetzt heißt namus „Ehrbarkeit“. Wird aber im weitesten Sinn mit Ehre übersetzt. Im Türkischen finden sich Sätze wie: „Namus insanın kanı pahasıdır“ („Besser ehrlich gestorben, als schändlich verdorben“ oder „des Menschen Ehre ist so wertvoll wie sein Blut“ (wörtl.)) oder „namus uğruna cinayet işlemek“ („aufgrund der Ehre einen Mord begehen“). Für das Wort „şeref“ gibt es mehrere Übersetzungen. Als da wären, das Ansehen, die Würde, der Ruhm und die Ehre. Begrifflichkeiten wie „şeref kurallari“ (der Ehrenkodex) oder „şeref sözünü bozma“ (Die Ehrverletzung) spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.
Für den deutschen Begriff der Ehre gibt es im Türkischen mehrere Übersetzungen. Unter anderem, „haysiyet“, „onur“, „ırz“, „iffet“, „izzetinefis“, „özsaygı“. Allerdings werden die drei Begriffe „namus“, „şeref“ und „onur“ am häufigsten verwendet, wobei der Begriff „onur“ der modernen türkischen Sprache zusagt wird. Ein weiterer wichtiger Begriff ist die „Achtung“ („saygi“). Wenn eine Person als ehrvoll gilt, muss dieser Person Achtung erwiesen werden. Die Ehrbegriffe sind immer in Zusammenhang mit der Gesellschaft zu bringen. Innerhalb der Kernfamilie spielen diese Werte und Normen zwar eine Rolle, doch richten die Familienmitglieder nicht ihr Verhalten danach aus. Außerhalb der Familie spürt man allerdings den enormen Einfluss, den diese Werte haben können. Im weiteren Verwandtschaftskreis, unter Nachbarn, im Dorf, in der Kleinstadt oder unter Angehörigen einer ethnischen Gemeinschaft spürt man die sanktionierende Wirkung (Yalçin-Heckmann, Lâle. 2000 S.144). Die Familienmitglieder haben Angst von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden, wenn sie nichts unternehmen um diese Werte zu wahren. Die „öffentliche Meinung“ zählt sehr viel in diesem Zusammenhang. Zur sozialen Kontrolle dienen u. a. Medien, wie die Promenade in Südspanien, das Kaffeehaus in Griechenland oder das öffentliche Bad im islamischen Raum (Kürşat, Elçin. 2002 S. 8). In Deutschland sind es dann meist die einzelnen Cafés, in welchen sich die Mitglieder der jeweiligen Herkunft zusammenfinden. Allerdings spielt der Ehrbegriff nicht nur in gesellschaftlichen Kontexten eine Rolle, sondern auch zwischen zwei Privatpersonen. Wenn eine Person die Geschlechtsidentität des anderen beleidigt, gegebenenfalls sogar in Frage stellt oder nahestehende Personen beleidigt, kann dies als eine Ehrverletzung gelten. Und mit entsprechenden Maßnahmen geregelt werden. Es besteht eine gewisse Grenze zwischen Personen, wenn eine der Personen diese Grenze als überschritten empfindet, wird es in den meisten Fällen als Ehrverletzung ausgelegt. Der Begriff „namus“ ist somit in Zusammenhang mit der Geschlechtsidentität zu bringen. Es ist ein allgemeines Gesetz, dass „namus“ vom männlichen Geschlecht gewahrt werden muss. Frauen können ihre Ehre nicht selbst bewahren, da sie in einer patriarchalischen Gesellschaft leben. Männer sind den Frauen überlegen und da davon ausgegangen wird, dass der Angriff auf die Ehre von Männern vollzogen wird, können nur andere Männer die Ehre wiederherstellen.
Die Ehre (namus) ist ausschlaggebend für die Stellung in einer Männergesellschaft, sie bestimmt über Kontrollverhältnisse und über Akzeptanz bzw. Nicht-Akzeptanz innerhalb dieser Gesellschaft (Yalçin-Heckmann, Lâle. 2000 S.147). Im Gegensatz zum Begriff des Ehrgefühls („namus“) kann Wertschätzung, Anerkennung („şeref“) gewonnen bzw. verloren werden. Weitaus schlimmer allerdings als keine Wertschätzung zu genießen, ist als ehrlos zu gelten. Eine Person die ehrlos betitelt wird, kann auch kein „şeref“ haben. Einer Person der keine Anerkennung zukommt, kann aber durchaus als ehrvoll gelten. Daher kann man sagen, dass der Begriff namus einen weitaus absoluteren Charakter besitzt (Yalçin-Heckmann, Lâle. 2000 S.147). Wenn eine Person von der Gesellschaft Anerkennung genießt, hat diese eine gewisse Stellung oder genießt ein gewisses Prestige innerhalb der Gesellschaft.

2. „onur“ – „Würde“

[...]


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Author: Markus Arndt
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