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"Stuttgart 21" - Studien zur Nachhaltigkeit des neuen Durchgangsbahnhofs in Stuttgart

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 36 Pages
Author: Florian Huber
Subject: Politics - Political Systems - Germany

Details

Event: Nachhaltige Entwicklung in der Kommunalpolitik: Das Beispiel Stuttgart
Institution/College: University of Stuttgart (Institut für Sozialwissenschaften)
Tags: Stuttgart, Studien, Nachhaltigkeit, Durchgangsbahnhofs, Stuttgart, Nachhaltige, Entwicklung, Kommunalpolitik, Beispiel, Stuttgart
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 36
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 33  Entries
Language: German
Archive No.: V84671
ISBN (E-book): 978-3-638-01114-3
ISBN (Book): 978-3-640-10168-9
File size: 210 KB

Abstract

Schon die Tatsache, dass dieser Artikel mehr als zehn Jahre zurückliegt, zeigt, wie lange sich Politik, Öffentlichkeit und Wirtschaft bereits mit dem Projekt S21 beschäftigen. Erste Vorschläge für dieses Projekt stammen bereits aus den 1980er Jahren. Damals brachte der Verkehrswissenschaftler Prof. Gerhard Heimerl den Bau einer Schnellbahntrasse von Stuttgart nach Ulm ins Gespräch, um die berühmte und berüchtigte Geißlinger Steige zu umgehen. Dazu passend sollte in Stuttgart ein unterirdischer Bahnhof gebaut werden um einen Durchgangsverkehr für den IC von Mannheim und Karlsruhe zu ermöglichen. Dieses Projekt, das als „Heimerl-Trasse“ bekannt wurde bildet den Grundstock für S21. 1994 kam das Vorhaben wieder in die Schlagzeilen, jetzt vorrangig mit dem Tiefbahnhof in Stuttgart. Erste Modell und Pläne für die Umsetzung und die Neugestaltung der Stadt und der freiwerdenden Flächen entstanden. Allerdings taten sich immer wieder neue Probleme, zumeinst in der Finanzierung auf, welche eine Realisierung bis heute unmöglich machten. Allerdings steht heute nun fest: Stuttgart 21 wird gebaut. Am 19. Juli 2007 einigten sich die DB, die LHS, das BWL und der Bund auf die Finanzierung. Schon 2009 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden, bis 2019 wollen die Planer den Durchgangsbahnhof und die anderen Bahnanlangen realisiert haben. Nun sollen in dieser Arbeit aber weder die Entwicklung dieses Bauvorhabens noch die Umsetzung desselben dargestellt werden. Im Hinblick auf die aktuelle Debatte über den Klimaschutz und die steigende Umweltproblematik soll hier S21 auf seine Nachhaltigkeit hin untersucht werden. Dabei wird die Nachhaltigkeit der Region, und der LHS im Vordergrund stehen. Im Bezug auf das Projekt S21 heißt dies, eine Untersuchung der Nachhaltigkeit des Tiefbahnhofes in Mitten der Stadt. Ausgewählte Indikatoren der Nachhaltigkeit, vor allem solche des Erhalts der Umwelt, der Wasserqualität und des Klimas sollen dabei untersucht und auf mögliche, durch den Bau von S21 zu erwartende, Veränderungen analysiert werden. Besonderen Stellenwert erhalten dabei das Klima im Talkessel, Zu- und Abluftströme, die Trinkwasserver-sorgung, sowie die in Stuttgart vorkommenden Mineral- und Heilwasserquellen. Aber auch andere Umweltaspekte sollen berücksichtigt werden. Dem Analyseteil vorangehen werden daher die nötigen theoretischen Vorklärungen und Definitionen, sowie ein historischer Teil. Letztere soll einerseits die Entwicklung des Projektes S21 aufzeigen und andererseits verdeutlichen welche Baumaßnahmen und damit verbundene Eingriffe und Veränderungen in das ökologische System zu erwarten sind.


Excerpt (computer-generated)

Universität Stuttgart, Institut für Sozialwissenschaften
Abteilung für Politische System und Politische Soziologie
Hauptseminar: „Nachhaltige Entwicklung in der Kommunalpolitik: Das Beispiel Stuttgart“
SS 2007, 8. Fachsemester

"Stuttgart 21" - Studien zur Nachhaltigkeit des neuen Durchgangsbahnhofs in Stuttgart

von

Florian Huber

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung... 5

2. Die nachhaltige Region... 6

3. Der Stuttgarter Hauptbahnhof... 7

3.1 Geschichte des Stuttgarter Hauptbahnhofes... 8
3.2 Planung und Entwicklung von Stuttgart 21... 10
3.3 Der neue Stuttgarter Tiefbahnhof... 11

4. Theoretische Vorklärungen... 12

4.1 Gesetzliche Grundlagen... 12
4.2 Nachhaltige Entwicklung... 13
4.3 Region, Kommune und kommunale Entwicklung... 13

5. Zwischenfazit... 15

6. Zu berücksichtigende Aspekte der Nachhaltigkeit bei S21... 16

6.2 Bauflächenmanagement... 16
6.3 Der neue Tiefbahnhof... 17
6.4 Bebauung freiwerdenden Flächen... 18
6.5 Frischluftversorgung und Kaltluftströmungen... 18
6.7 Schutz heimischer Flora und Fauna... 19
6.8 Erhalt des Grundwasserspiegels... 19
6.9 Schutz der Mineral- und Heilquellen... 20

7. Umsetzungsmöglichkeiten nachhaltiger Aspekte... 21

7.1 Nachhaltiges Bauflächenmanagement... 21
7.2 Die Nachhaltigkeit des neuen Tiefbahnhofes... 22
7.3 Nachhaltiges Bauen auf freiwerdenden Flächen... 23
7.4 Frischluftversorgung und Kaltluftströmung... 23
7.5 Nachhaltiger Schutz heimischer Flora und Fauna... 24
7.6 Erhalt des Grundwasserspiegels... 26
7.7 Nachhaltiger Schutz der Mineral- und Heilquellen... 27

8. Kritik am Projekt „Stuttgart 21“... 29

9. Zusammenfassung und Fazit... 30

Literaturverzeichnis... 32

Quellen im Internet... 35


 

Abkürzungsverzeichnis

AWW = Arbeitskreis Wasserwirtschaft
BMBF = Bundesministerium für Bildung und Forschung
BMVBS = Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
BWVEL = Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft
BMWi = Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
BUND = Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
DVWG = Deutsche Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft e.V.
FNP = Flächennutzungsplan
NBM = Nachhaltiges Bauflächenmanagement in Stuttgart
UNESCO = United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation
UNO = United Nations of Organisations
VCD = Verkehrsclub Deutschland
VRS = Verband der Region Stuttgart
VVS = Verkehrsverbund Stuttgart
[...]

 


1. Einleitung

“Der ICE 791 `Hercules` gleitet fast lautlos in die unterirdische
Halle des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs. Eine hohe
Glaskuppel wölbt sich über dem weiß-roten Zug... Eine Vision
vom modernen Verkehr, wie sie in 15 Jahren Wirklichkeit
werden soll. ´Stuttgart 21` heißt das Projekt bei dem etwa 85
Hektar Bauland in bester City-Lage gewonnen werden
könnten.“

Aus: Zug, NR.2 /1995 in Wolf, Winfried 1996: Hauptbahnhof im Untergrund.

Schon die Tatsache, dass dieser Artikel mehr als zehn Jahre zurückliegt, zeigt, wie lange sich Politik, Öffentlichkeit und Wirtschaft bereits mit dem Projekt S21 beschäftigen. Erste Vorschläge für dieses Projekt stammen bereits aus den 1980er Jahren. Damals brachte der Verkehrswissenschaftler Prof. Gerhard Heimerl den Bau einer Schnellbahntrasse von Stuttgart nach Ulm ins Gespräch, um die berühmte und berüchtigte Geißlinger Steige zu umgehen. Dazu passend sollte in Stuttgart ein unterirdischer Bahnhof gebaut werden um einen Durchgangsverkehr für den IC von Mannheim und Karlsruhe zu ermöglichen. Dieses Projekt, das als „Heimerl-Trasse“ bekannt wurde bildet den Grundstock für S21 (Turmforum, 2005).
1994 kam das Vorhaben wieder in die Schlagzeilen, jetzt vorrangig mit dem Tiefbahnhof in Stuttgart. Erste Modell und Pläne für die Umsetzung und die Neugestaltung der Stadt und der freiwerdenden Flächen entstanden. Allerdings taten sich immer wieder neue Probleme, zumeinst in der Finanzierung auf, welche eine Realisierung bis heute unmöglich machten (www.stuttgarternachrichten. de). Allerdings steht heute nun fest: Stuttgart 21 wird gebaut. Am 19. Juli 2007 einigten sich die DB, die LHS, das BWL und der Bund auf die Finanzierung. Schon 2009 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden, bis 2019 wollen die Planer den Durchgangsbahnhof und die anderen Bahnanlangen realisiert haben (www.tagesschau.de). Nun sollen in dieser Arbeit aber weder die Entwicklung dieses Bauvorhabens noch die Umsetzung desselben dargestellt werden. Im Hinblick auf die aktuelle Debatte über den Klimaschutz und die steigende Umweltproblematik soll hier S21 auf seine Nachhaltigkeit hin untersucht werden. Dabei wird die Nachhaltigkeit der Region, und der LHS im Vordergrund stehen. Im Bezug auf das Projekt S21 heißt dies, eine Untersuchung der Nachhaltigkeit des Tiefbahnhofes in Mitten der Stadt. Ausgewählte Indikatoren der Nachhaltigkeit, vor allem solche des Erhalts der Umwelt, der Wasserqualität und des Klimas sollen dabei untersucht und auf mögliche, durch den Bau von S21 zu erwartende, Veränderungen analysiert werden. Besonderen Stellenwert erhalten dabei das Klima im Talkessel, Zu- und Abluftströme, die Trinkwasserversorgung, sowie die in Stuttgart vorkommenden Mineral- und Heilwasserquellen. Aber auch andere Umweltaspekte sollen berücksichtigt werden.
Dem Analyseteil vorangehen werden daher die nötigen theoretischen Vorklärungen und Definitionen, sowie ein historischer Teil. Letztere soll einerseits die Entwicklung des Projektes S21 aufzeigen und andererseits verdeutlichen welche Baumaßnahmen und damit verbundene Eingriffe und Veränderungen in das ökologische System zu erwarten sind.

2. Die nachhaltige Region

Das nachhaltige Denken ist in der aktuellen Politik nicht mehr weg zu denken. Die Nachhaltigkeit bildet mittlerweile eine Art Schlüsselbegriff. Bevor ich aber auf diese selbst zu sprechen kommen, soll grob dargestellt werden, in wie weit sie schon die Regionen, also einzelne Städte oder Gemeinden erreicht hat. Eine genauere Definition soll erst später folgend.1 Zu Beginn sollte geklärt werden, wie genau Regionen sich nachhaltig entwickeln. Schon zu Beginn der 1990er Jahre wurden, mit auf den Brundtlandbericht, zahlreiche Bundesministerien aktiv. So bildeten sich Arbeitskreise auf allen politischen Ebenen, wurden Wettbewerbe und Aktionen gestartet. Vor allem das BMVBW, das BMVEL und das BMBF wurden auf regionaler und kommunaler Ebene aktiv. Gezielt wurden die Kooperation und die Vernetzung in Bereichen wie Verkehr, Bau, Infrastruktur und soziokultureller Arbeit verbessert. Aber auch die Prozesse der kommunalen Selbstverwaltung wurden gestärkt. Dazu wurden durch den Bund diverse Fonds, Anreize, sowie die Möglichkeit einer zentralen Koordination geschaffen, (Wiechmann, et al. 2004, S. 3ff). Im Zuge dieses Vorhabens wurden in Deutschland 25 sog. Zukunftsregionen geschaffen, acht davon werden im Modellcoaching zusätzlich gefördert. Bei den Regionen handelt es sich um Großstädte, Ballungszentren und Wirtschaftsräume. Eine dieser Modellregionen ist die Region Stuttgart mit der Landeshauptstadt und den umliegenden Landkreisen Böblingen, Ludwigsburg, Esslingen, Göppingen und dem Rems-Murr-Kreis. Innerhalb solcher Regionen bestehen Netzwerke mit Austauschmöglichkeiten über nachhaltige Projekte unter Einbeziehung ortsansässiger Hochschulen. Stuttgart 21 ist ein solches Projekt. Von ihm werden Vorteile, auch solche von nachhaltiger Natur für die ganze Region erwartet (Wiechmann, et al. 2004 S. 15f). Die Grundlage der Nachhaltigkeitsdebatte liegt dabei auf dem Brundtlandbericht der UNO sowie nationaler Nachhaltigkeitssauditen der Bundessrepublik: Danach zeichnet sich Nachhaltigkeit durch eine dauerhafte Entwicklung aus, welche die gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnisse der Gesellschaft befriedigt und zum Ausgleich sozialer, ökologischer und ökonomischer Interessen beiträgt. Dies gilt global ebenso wie regional. (Wiechmann, et al. 2004 S. 22f) Diese Aspekte gilt es in der Analyse des Projektes S21 nachzuvollziehen.

3. Der Stuttgarter Hauptbahnhof

Nicht nur die Idee und die Planung des Projekts Stuttgart 21 dauert schon Jahre an, auch die Geschichte des Stuttgarter Hauptbahnhofes ist sehr vielseitig. Obwohl diese zwar nicht Thema dieser Arbeit ist, möchte ich sie einer Darstellung der Entwicklung von S21 voranstellen. Dies soll zeigen wie wichtig der Bahnhof für Stuttgart und die Entwicklung der Stadt ist, und welche Rolle er noch haben könnte. Außerdem lässt sich so auch die immense Rolle der Nachhaltigkeit für S21 und die LHS verdeutlichen.

3.1 Geschichte des Stuttgarter Hauptbahnhofes

Der erste Stuttgarter Bahnhof entstand 1846 in der heutigen Bolzstraße. Das Gebiet der heutigen Bahnanlagen war noch nahezu unerschlossen. Der erste zweigleisige Bahnhof machte Ausfahrten in Richtung Feuerbach/ Ludwigsburg, sowie Bad Cannstatt/ Esslingen möglich. Für letztere wurden eigens der Rosensteintunnel sowie eine Holzbrücke über den Neckar gebaut. Diese Planung wurde durch König Wilhelm I. durchgesetzt. Anfangs sahen die Planungen nur einen Minimalanschluss des Talkessels an das württembergische Gleisnetz vor. Die Hauptstrecken sollten wegen der topographischen Lage der Stadt an Stuttgart vorbeigeführt werden (Walz, 1984. S. 16ff).
Der Bahnhof in der Bolzstraße war mehrfach optimiert und von zwei auf acht Gleise erweitert worden. Doch auch so konnte das wachsende Verkehrsaufkommen nicht mehr lange bewältigt werden. Dies wird vor allem durch die rasante Zunahme der Bevölkerung in Stuttgart verdeutlicht (siehe Tabelle 1). Bis zur Jahrhundertwende war der Bahnhof derart überlastet, dass nach einer dauerhaften Lösung gesucht werden musste (DB Projekt AG 2005, S. 2f). Schon 1901 gab es daher erste Pläne für einen Durchgangsbahnhof, die aber schnell wieder verworfen wurde. Diese erste Idee stammte vom Württemberger Ingenieur Arthur Sprickerhof aus Bad Cannstatt. Eine unterirdische Gleisschleife aus drei Tunnel mit je zwei Gleisen sollte unter dem Kriegsberg hindurch, von Feuerbach kommend gegraben werden. Der Durchgangsbahnhof war oberirdisch geplant und sollte seinen Vorplatz auf Höhe der heutigen Königsstraße, Ecke Thouret-/Marstallstraße haben.

[...]


1 Vgl. Punkt 4.: Theoretische Vorklärungen.


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