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Seminararbeit, 2007, 22 Seiten
Autor: Juliana Hartwig
Fach: Philosophie - Philosophie der Antike
Details
Tags: Schöne, Entwicklung, Platon, Plotin
Jahr: 2007
Seiten: 22
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 6 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-01121-1
Dateigröße: 188 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Im Gegensatz zur Kunst, die sich zugunsten der ,Innovation’ vom Kriterium der Schönheit abgewandt hat, kommt es im Alltag oft vor, dass etwas als ,schön’ bezeichnet wird. Gebäude, Kleidung, Gegenstände, Musik, literarische Werke, und auch Menschen werden ,schön’ genannt. Damit ist gemeint, dass etwas gefällt – also sinnlich ansprechend ist. Das Urteil ,schön’ wird heute nicht nur in der Kunst, sondern im Allgemeinen als subjektives Urteil anerkannt, wie die Sprichwörter „Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ und „Über Geschmack lässt sich nicht streiten, zeigen. Im Alltag ist dennoch zu beobachten, dass der Einzelne in Diskussionen seine Mitmenschen dazu auffordert, sein Urteil wenn nicht zu teilen, dann wenigstens nachzuvollziehen. Das Moment der Allgemeingültigkeit im Schönen anzunehmen, und seine Erkenntnis als förderlich zu betrachten, scheint in der Natur des Menschen zu liegen . Diese Tendenz findet sich auch in der gesamten Entwicklungsgeschichte des Schönheitsbegriffes. So galt die Schönheit im vorchristlichen Zeitalter für viele griechische Philosophen als Zeichen für eine gegebene Weltordnung göttlichen Ursprungs. Überlegungen zum Schönen waren früher in ontologische Gedankensysteme eingebunden, den philosophischen Teilbereich Ästhetik gab es nicht. Vor allem bei Platon (427 v. Chr. - 347 v. Chr.) und seinem gedanklichen Nachfolger Plotin (204 n. Chr. - 270 n. Chr.) zeigt sich das enge Verhältnis von Schönheitstheorie und Weltbild. In ihren Konzeptionen gerät das Schöne nicht nur in den transzendenten Bereich, sondern enthält zudem ein erkenntnistheoretisches und moralisches Moment. Das ansprechende Gefühl, welches das Schöne auslöst, wird ebenfalls thematisiert: Für Platon und Plotin ist das Schöne nicht ohne die Liebe denkbar. In ihren Theorien finden sich alle Elemente, die dem Schönen von nachfolgenden Philosophen abwechselnd zu- und abgesprochen werden. Vor dem Hintergrund, dass „[das] Gemeinsame [im vermeintlich Schönen] zu finden [bis heute] das Hauptproblem der Schönheitsdiskussion geblieben [ist]“ , erweisen sich Platons und Plotins Konzeptionen des Schönen als noch immer diskussionswürdig. Durch den aristotelischen Einfluss ist Plotins Schönheitstheorie trotz ihrer transzendenten Grundlage mehr als Platons Konzeption auf das sinnlich Schöne bezogen, und liefert damit zumindest Ansätze einer Ästhetik.
Textauszug (computergeneriert)
Institut für Philosophie, Fakultät IV
Aufbau-Modul 4: ,,Ästhetik / Kulturphilosophie
Seminar: ,,Über das Schöne"; SoSe 2007
,Das Schöne′
in der Entwicklung von Platon zu Plotin
Juliana Hartwig
Germanistik/Philosophie, 4. FS
Cloppenburger Str. 77
26135 Oldenburg
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Die ersten Ansätze einer Theorie des Schönen 4
2. Das Schöne bei Platon 5
2.1. Das Schöne im ,Hippias Maior′: Schönheit als Teilhabe am Schönen 5
2.2. Das Schöne im ,Phaidros′: Erkenntnis, Liebe und Glücksseligkeit 6
2.3. Das Schöne im ,Symposion′: Das Schöne als Wegweiser zum Guten und Wahren . 9
2.4. Das absolute Schöne 10
3. Plotins Theorie des Schönen 11
3.1 Die Stufenleiter des Schönen 11
3.1.1. Die ,,sinnliche Schönheit" Plotins Ästhetik 11
3.1.2. Seelische Schönheiten 15
3.1.3. ,Innere Schönheit′ durch Geist 16
3.1.4. Die ,,höchste[ ] Schau" Verschmelzung mit dem ersten Schönen 17
Zusammenfassung 19
Literaturverzeichnis 21
2
Einleitung
Im Gegensatz zur Kunst, die sich zugunsten der ,Innovation′ vom Kriterium der Schönheit
abgewandt hat, kommt es im Alltag oft vor, dass etwas als ,schön′ bezeichnet wird. Gebäude,
Kleidung, Gegenstände, Musik, literarische Werke, und auch Menschen werden ,schön′
genannt. Damit ist gemeint, dass etwas gefällt also sinnlich ansprechend ist. Das Urteil
,schön′ wird heute nicht nur in der Kunst, sondern im Allgemeinen als subjektives Urteil
anerkannt, wie die Sprichwörter ,,Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters" und ,,Über
Geschmack lässt sich nicht streiten, zeigen. Im Alltag ist dennoch zu beobachten, dass der
Einzelne in Diskussionen seine Mitmenschen dazu auffordert, sein Urteil wenn nicht zu
teilen, dann wenigstens nachzuvollziehen. Das Moment der Allgemeingültigkeit im Schönen
anzunehmen, und seine Erkenntnis als förderlich zu betrachten, scheint in der Natur des
Menschen zu liegen1. Diese Tendenz findet sich auch in der gesamten
Entwicklungsgeschichte des Schönheitsbegriffes. So galt die Schönheit im vorchristlichen
Zeitalter für viele griechische Philosophen als Zeichen für eine gegebene Weltordnung
göttlichen Ursprungs. Überlegungen zum Schönen waren früher in ontologische
Gedankensysteme eingebunden, den philosophischen Teilbereich Ästhetik gab es nicht. Vor
allem bei Platon (427 v. Chr. - 347 v. Chr.) und seinem gedanklichen Nachfolger Plotin (204
n. Chr. - 270 n. Chr.) zeigt sich das enge Verhältnis von Schönheitstheorie und Weltbild. In
ihren Konzeptionen gerät das Schöne nicht nur in den transzendenten Bereich, sondern enthält
zudem ein erkenntnistheoretisches und moralisches Moment. Das ansprechende Gefühl,
welches das Schöne auslöst, wird ebenfalls thematisiert: Für Platon und Plotin ist das Schöne
nicht ohne die Liebe denkbar. In ihren Theorien finden sich alle Elemente, die dem Schönen
von nachfolgenden Philosophen abwechselnd zu- und abgesprochen werden. Vor dem
Hintergrund, dass ,,[das] Gemeinsame [im vermeintlich Schönen] zu finden [bis heute] das
Hauptproblem der Schönheitsdiskussion geblieben [ist]"2, erweisen sich Platons und Plotins
Konzeptionen des Schönen als noch immer diskussionswürdig. Durch den aristotelischen
Einfluss ist Plotins Schönheitstheorie trotz ihrer transzendenten Grundlage mehr als Platons
Konzeption auf das sinnlich Schöne bezogen, und liefert damit zumindest Ansätze einer
Ästhetik.
1 Anmerkung: Kant versucht diesem Bedürfnis später der Einführung des Kriteriums der Mitteilbarkeit gerecht
zu werden.
2 Hauskeller, Michael: Was das Schöne sei. Klassische Texte von Platon bis Adorno. München: Dtv 1994, S.13.
3
1. Die ersten Ansätze einer Theorie des Schönen
Platon war nicht der erste, der sich mit dem Begriff des Schönen beschäftigte.
Vorangegangene und zeitgenössische Vorstellungen zum Schönen hatten insofern starken
Einfluss auf Platon, als dass er durch ihre Widerlegungen zu seiner eigenen Schönheitstheorie
kam. Dies zeigen große Teile seiner Dialoge, in denen die verschiedenen Ansätze diskutiert
werden. Zum Verständnis Platons Argumentation ist es deshalb hilfreich, diese Ansätze zu
kennen.
Die jüngeren Pythagoreer des 5. vorchristlichen Jahrhunderts führten die Schönheit der Natur,
und später auch der Künste, auf ihre harmonische Form zurück3. Diese ergab sich für sie aus
Symmetrie, Maß und Proportion. Schönheit war für die Pythagoreer als eine objektive
Eigenschaft der Gegenstände, die nur noch von der Vernunft des Menschen erkannt werden
muss4. Eine symmetrische Form war für die Pythagoreer Ausdruck der gegebenen
vernünftigen Ordnung der Natur5. Im pythagoreeischen Weltbild stimmten alle Dinge
harmonisch zusammen. Schönheit war bei ihnen deshalb auch verbunden mit Nützlichkeit6.
Wenn die Natur vernünftig geordnet war, so dachten die Pythagoreer, mussten die schönen
Dinge auch zu etwas brauchbar sein. Dieses Schönheitskriterium wird später von Platon
widerlegt, gewinnt bei Plotin jedoch wieder an Bedeutung. Die Pythagoreer setzten das
Formschöne darüber hinaus mit der Wirklichkeit der Dinge, also der Wahrheit, gleich7. Zwar
hält auch Plotin die geformten Dinge für wesentlich, doch geht er wie Platon von einer
transzendenten Ursache der Formschönheit aus. Die Sophisten, die Ende des 5. Jahrhunderts
vor Christi immer mehr an Einfluss gewannen, zweifelten an der von den Pythagoreern
postulierte Allgemeingültigkeit des Schönen und reduzierten das vermeintliche Erkennen des
Schönen auf subjektive Wahrnehmung8.
3 Ebd., S.11.
4 Vgl. ebd.
5 Vgl. ebd.
6 Vgl. ebd. (Verweis auf: Stobias IV 1, 40 H., Frg. D 4 Diels).
7 Vgl. ebd., S.12.
8 Vgl. ebd., S.12.
4
2. Das Schöne bei Platon
Platon (427 v. Chr. - 347 v. Chr.)
legt keine Theorie des Schönen vor, sondern baut seine
Überlegungen in verschiedene Dialogen ein. Wie die Pythagoreer glaubt Platon: ,,das Schöne
[ ] ist nicht ohne rechtes Maß"9. Das Maß ist für Platon jedoch nur ein notwendiges, kein
hinreichendes Kriterium für die Schönheit. Sie ist für ihn keine objektive Eigenschaft, die
sinnlich wahrnehmbaren schönen Dinge sind für ihn nicht von sich aus schön. Ihre Schönheit
liegt aber auch nicht wie für die Sophisten, sprichwörtlich ausgedrückt, ,,im Auge des
Betrachters", sondern in ein einem transzendenten ,Schönen selbst′.
2.1. Das Schöne im ,Hippias Maior′: Schönheit als Teilhabe am Schönen
"Ist also nicht [ ] alles Schöne durch das Schöne schön?"10, fragt Sokrates′ den Sophisten
Hippias zu Beginn Platons Dialog-Schrift ,Hippias Maior′ von 399 v. Chr. und überzeugt ihn
im weiteren Verlauf davon, dass Schönheit kein subjektives Urteil sei, sondern durch die
Teilhabe an einem ,Schönen selbst′ begründet ist. Demnach ist das Schöne auch keine
Eigenschaft der Gegenstände selbst, wie es die Pythagoreer annahmen. Für Platon ist das
Schöne auch nicht gleich nützlich. Als fiktiver Sokrates führt er die Annahme, dass ,,das
Brauchbare das Schöne [sei]"11, mit folgender logischen Argumentation ad absurdum: Mit
nützlich sei eigentlich immer gemeint, dass sich etwas dazu eignet, ,,Gutes zu verrichten"12.
Das Nützliche sei demnach ein Synonym für ,,das Gutes Hervorbringende"13, also die
Ursache des Guten. Wenn das Nützliche das Schöne wäre, müsste das Schöne die Ursache des
Guten sein, führt Sokrates im ,Hippias maior′ fort. Nach den Sätzen der Logik sei die Ursache
und das aus ihr Hervorgehende voneinander verschieden. Das Schöne könne nicht mehr dem
Guten entsprechen, wenn es als ,,das Gutes Hervorbringende"14, also das Nützliche, sein soll.
Sowohl der fiktive Sokrates als auch Hippias sind jedoch überzeugt davon, dass das Schöne
auch gut sein müsse. Da die Definition des Schönen als das Nützliche eine Äquivalenz des
Schönen mit dem Guten ausschließt, wird sie von beiden verworfen. Die Definition des
Schönen als etwas sinnlich ansprechendes wird ebenfalls verworfen15. Wird das Schöne von
einem bestimmten Sinn abhängig gemacht, so Sokrates′ Argumentation, würden sich fünf
9 Platon: Timaios [1], 87 C 4. In: Gehlhaar, Sabine: Prima Philosophia (Band 18/Heft 2). Cuxhaven und
Dartford: Traude Junghans Verlag 2005, S.127.
10 Ebd., S.23.
11 Ebd., S.23.
12 Ebd., S.25.
13 Ebd.
14 Ebd.
15 Vgl. S.27f.
5
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