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"Haec nos Deo seruat..." Heilsnotwendigkeit der Kirche

Subtitle: Ein Vergleich der Konzepte bei Cyprian und im Dekret "Extra Ecclesiam Nulla Salus"

Scholary Paper (Seminar), 2006, 25 Pages
Author: Anna-Maria Tetzlaff
Subject: Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 25
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V84974
ISBN (E-book): 978-3-638-01391-8

File size: 242 KB


Excerpt (computer-generated)

Proseminararbeit im Fach Kirchengeschichte

,,Haec nos Deo seruat..."

Heilsnotwendigkeit der Kirche

Ein Vergleich der Konzepte bei Cyprian und im

Dekret ,,Extra Ecclesiam nulla salus" (1949)


INHALTSVERZEICHNIS

I. EINLEITUNG ­ ,,EXTRA ECCLESIAM NULLA SALUS" 3

II. VORBETRACHTUNGEN 5

1. EINZELDARSTELLUNGEN ­ CYPRIAN UND PIUS XII. 5

A. Cyprian, Bischof von Karthago 5

B. Papst Pius XII. 6

2. FORSCHUNGSÜBERBLICK 7

III. DIE HEILSNOTWENDIGKEIT DER KIRCHE 9

1. VERGLEICH DER KONZEPTE VON DER HEILSNOTWENDIGKEIT 9

A. Das Heil 9

B. Der Weg zum Heil 9

a. Über die Einheit der Kirche bei Cyprian 9

b. Über die Unterordnung unter Kirche und Papst 11

C. Die Wirkung des Heils 12

a. Abgestufte Zugehörigkeit nach Pius XII 12

b. Reelle Zugehörigkeit bei Cyprian 13

D. Eine Veränderung des Verständnisses? 14

2. HINTERGRÜNDE 15

A. Die Weite der Welt zu Zeiten Cyprians 15

B. Inkonsequente Exklusivität bei Cyprian 16

C .Die Entwicklung des voti impliciti 17

D. Die diplomatische Tätigkeit Pius′ XII 19

IV. SCHLUSS ­ ,,HAEC NOS DEO SERVAT..." 21

LITERATURVERZEICHNIS 23


Heilsnotwendigkeit der Kirche

I. EINLEITUNG ­ ,,EXTRA ECCLESIAM NULLA SALUS"

...salus extra ecclesiam non est...

Diese Behauptung stellte der Kirchenvater und Bischof von Karthago Cyprian in

einem seiner Briefe1 im Zuge des Ketzertaufstreits 253 n. Chr. auf, um die

Heilsnotwendigkeit der Kirche zu verdeutlichen. Auf ähnliche Weise tat dies auch

Origenes ungefähr zur gleichen Zeit in dem Gebiet der oströmischen Kirche:

,,Extra honc domum, id est extra ecclesiam, nemo salvatur."2 Mit der Zeit

verfestigten sich diese Aussagen zu dem Lehrsatz der katholischen Kirche: ,,Extra

Ecclesiam nulla salus" über Augustin3, der maßgeblich Einfluss auf die Lehre der

mittelalterlich-katholischen Kirche nahm, bis hin zur Bulle Bonifaz` VIII. ,,Unam

Sanctam"4 von 1302. Würde dieser heute so exklusiv gedeutet, wie er klingt und

wie er lange ausgelegt worden ist5, so könnten am Ende nur knapp zwanzig

Prozent der Weltbevölkerung gerettet werden. Die Frage danach, wie eine

Institution wie die katholische Kirche mit dieser Tatsache umgeht

beziehungsweise umgangen ist, ist an dieser Stelle sicher berechtigt. Um diese zu

beantworten ist es wichtig, die Vorstellung, wie sie sich im dritten Jahrhundert

gebildet hat, darzustellen. Wie also ist das Fundament gestaltet, auf dem sich das

,,Extra..."-Axiom gründen konnte? Ist es wirklich so exklusiv, wie es über lange

Zeit rezipiert wurde? Wodurch wurde es beeinflusst? Im Vergleich dazu ist zu

betrachten, ob sich die römische Kirche in einer sich verändernden Gesellschaft

gebührend mit dem Lehrsatz auseinandergesetzt hat. Wie also hat sich die

Deutung des Axioms entwickelt, hat sie sich verändert? Wenn ja, wie und warum?

Für die Beantwortung dieser Fragestellungen eignet sich ein Vergleich von zwei

Quellen aus den betreffenden Zeiten. In Cyprians Schrift ,,De Ecclesiae

Catholicae Vnitate" kommt durchgängig, besonders im sechsten Kapitel, der

Gedanke von der Heilsnotwendigkeit der Kirche zum Tragen. Dazu soll eine

Quelle von 1949 herangezogen werden: Das Dekret ,,Extra Ecclesiam nulla salus"

1 CYPRIAN: Epistula LXXIII (11), Z. 380.

2 ORIGENES: In Jesu Nave 3, 5 (PG 12,841), z.n. KERN: Außerhalb der Kirche kein Heil?

3 Vgl. AUGUSTIN: Ep. ad Caesar (PL 43,695) ,,Extra ecclesiam catholicam totum potest habere

praeter salutem.", z.n. RAHNER: Die Gliedschaft in der Kirche, S. 44.

4 DH 870: ,,Unam sanctam Ecclesiam catholicam [...], extra quam nec salus est et nec remissio

peccatorum."

5 Als Überblick dazu ist der systematische Index im Denzinger-Hünermann zu empfehlen. Dort

werden unter Marginalzahl G2bc alle wichtigen Stellen zum Thema ,,Heilsnotwendigkeit der

Kirche" angeführt.

3


Heilsnotwendigkeit der Kirche

vom Heiligen Offizium unter Pius XII. Das Offizium versucht hier, die

Heilsnotwendigkeit weniger exklusiv als komprehensiv zu definieren und ist

deswegen zur Darstellung eines veränderten Verständnisses gut geeignet.

An die Einleitung schließt sich in den Vorbetrachtungen eine kurze Erläuterung

der historischen Umstände sowohl bei Cyprian als auch zur Zeit Pius′ XII. und

eine Einordnung der Quellen an. Es folgt ein Überblick zu verschiedenen

Ansätzen in der Forschung über die Vorstellung von der Heilsnotwendigkeit der

Kirche bei Cyprian und über die Stufung der Kirchenzugehörigkeit in der

katholischen Kirche in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Gegenstand dieser Arbeit

soll es nicht sein, das Gesamtkonzept der Einheit bei Cyprian und seine

Einheitsschrift in Gänze darzustellen. Das Untersuchungsinteresse richtet sich

primär dahin, eine Veränderung des Verständnisses der Heilsnotwendigkeit

aufzuzeigen. Somit werden betreffende Stellen in Cyprians Einheitsschrift

ausgewählt, die sich für einen Vergleich eignen. Die innere Analyse beider

Schriften ordnet sich nach den Gesichtspunkten: Beschaffenheit des Heils,

Vermittlung des Heils, Personengruppen, die das Heil erlangen können. Unter

diesen werden die Quellen teilweise gemeinsam, aber größtenteils getrennt

voneinander betrachtet. Es folgt abschließend eine überblicksartige

Zusammenfassung der Analyseergebnisse. In Punkt 3 des Hauptteils werden diese

zu den historischen Umständen in Beziehung gesetzt und auf die Frage hin

untersucht, wie die jeweilige Vorstellung zustande gekommen ist. Dabei werden

verschiedene Forschermeinungen mit einbezogen. Dem Hauptteil schließt sich ein

die Ergebnisse zusammenfassendes Nachwort an, welches auf die oben

beschriebene Ausgangsproblematik eingeht.

4


Heilsnotwendigkeit der Kirche

II. VORBETRACHTUNGEN

1. Einzeldarstellungen ­ Cyprian und Pius XII.

A. Cyprian, Bischof von Karthago6

Cyprian war, bald nachdem im Alter von ungefähr 40 Jahren Christ geworden

war, Bischof von Karthago im 3. Jahrhundert nach Christus. Ausschlaggebend

für sein Werk war die Zeit der decischen Verfolgung 249, in der alle Bürger und

damit auch die Christen zum Opfer für die römischen Götter und den Kaiser

gezwungen wurden. Damit erhoffte man sich, die Gemeinschaft der Christen

zum Erliegen zu bringen, da Abgefallene eigentlich für immer ausgeschlossen

waren. Diese Umstände lösten in großem Maß Kirchenspaltungen aus, mit denen

auch Cyprian in Karthago zu kämpfen hatte. Als diese begannen, war er bereits

ins Exil geflohen. Der Streit ging um die Vollmacht der Bischöfe und die damit

verbundene Praxis der Wiederaufnahme derer, die dem Opferzwang erlegen

waren, genannt ,,die Gefallenen". Cyprian beschäftigte sich aufgrund der

derzeitigen Situation hauptsächlich mit dem Thema des Standes und der

Funktion von Kirche. Seine Theologie bestand größtenteils aus der

Schriftauslegung.7 In diese Zeit ist auch die Schrift ,,De Ecclesiae Catholicae

Vnitate"8 einzuordnen. Sie wurde als Reaktion auf eines der Schismata dieser

Zeit verfasst.9 Cyprian begründet darin den Ursprung und die Legitimation der

Kirche und des Bischofsamtes von der Bibel her und macht deutlich, dass allein

über die Einheit und Einzigkeit der Kirche der wahre Weg des Glaubens

eingeschlagen werden kann. Besonders im sechsten Kapitel der Einheitsschrift

kommt die Einzigkeit der Kirche als Weg zum Heil zum Ausdruck: ,,Habere iam

non potest Deum patrem, qui ecclesiam non habet matrem."10

6 Vgl. KGE, S. 54.

7 Vgl. CAMPENHAUSEN, Lateinische Kirchenväter, S. 39.

8 Cyprian selbst verwendet in seiner Schrift nie den Begriff ,,catholica" in Verbindung mit der

Kirche. Dieser taucht erst deutlich später in seinen Werken auf (erstmals in Ep. 44). Deswegen

kann nach Koch der ursprüngliche Titel nur ,,De Vnitate Ecclesiae" lauten (vgl. KOCH,

Cyprianische Untersuchungen, S. 102f.).

9 Vgl. weiterführend dazu KOCH: Cyprianische Untersuchungen, S. 83-110.

10 CYPRIAN: De Ecclesiae Catholicae Vnitate (6), Z. 149f.

5


Heilsnotwendigkeit der Kirche

B. Papst Pius XII.11

Pius XII., mit Geburtsnamen Eugenio Pacelli, war schon vor der Wahl zum

Papst im Jahr 1939 kontinuierlich im Vatikan tätig. Er hatte Theologie,

Philosophie und kirchliches Recht studiert und schlug bald eine Laufbahn im

Auftrag des Vatikans ein. Er übernahm die päpstliche Friedensvermittlung mit

dem deutschen Reich nach dem ersten Weltkrieg und schloss zahlreiche

Konkordate ab. Diesen diplomatischen Kurs führte er während seiner Zeit als

Papst fort. Er versuchte, die Gefahr des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges zu

bannen, hielt sich aber später mit provozierenden Aussagen zurück und verhielt

sich politisch weitestgehend neutral. Schon 1936 traf er mit einem

Nordamerikabesuch Vorkehrungen für die Aufnahme von diplomatischen

Beziehungen mit den USA, die allerdings erst 1953 realisiert werden konnten.

Zusammenfassend kann seine päpstliche Tätigkeit als sehr offen beschrieben

werden. Er war dabei stets darum bemüht, seine Autorität auszubauen und auch in

der nichtkatholischen Welt Einfluss zu erlangen.

Der Brief des Heiligen Offiziums ,,Extra Ecclesiam nulla salus" vom 8. August

1949 antwortete mit einer weiterführenden Auslegung zu Pius′ XII. Enzyklika

,,Mystici Corporis Christi" auf die rigoristische Auslegung des Axioms durch

einige Jesuiten vom St. Benedict′s Center in Boston. Unter der Führung von

Leonard Feeney behaupteten Bostoner Lehrtätige gegen amerikanisch-liberale

Strömungen innerhalb der römisch-katholischen Kirche, dass diese der

ausschließliche Weg zum Heil sei und verlangten eine Ex-Cathedra-

Entscheidung zu diesem Thema vom Papst.12 Außerdem drohte Feeney brieflich

,,den Mitgliedern des US-Kongresses die Verdammnis an, so sie nicht zur

römischen Kirche konvertierten"13. Aufgrund dieser so genannten ,,Boston

heresy" wurde er schließlich 1953 exkommuniziert. Das Dekret wurde erstmalig

im Oktober 1952 in der American Ecclesiastical Review veröffentlicht und

später in gekürzter Version in das Enchiridion Symbolorum aufgenommen.

11 Vgl. http://www.bautz.de/bbkl/p/pius_xii.shtml; TRE Art. Pius XII.

12 Vgl. DIETZFELBINGER: Die Grenzen der Kirche, S. 109f.; HARTL: Außerhalb der Kirche

kein Heil?, S. 419.

13 BEINERT: Die alleinseligmachende Kirche, S. 265.

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