Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Termpaper, 2002, 24 Pages
Author: Marco Dietze
Subject: Philosophy - Miscellaneous
Details
Institution/College: Martin Luther University (Germanistisches Institut)
Tags: Gedanken, Philipp, Reemtsma, Texten, Holocaust, Buchenwald
Year: 2002
Pages: 24
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-10203-7
ISBN (Book): 978-3-640-10169-6
File size: 193 KB
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
Jan Philipp Reemtsma kategorisiert die Texte Überlebender des Holocaust als "Überlebensmemoiren". Was das Charakteristische dieser unterschiedlichen literarischen Formen ist, was ihren Gegenstand und die Wirkung dieser Literatur ausmacht, ist Gegenstand meiner Arbeit. Dabei findet das Werk von Imre Kertesz in besonderer Weise Beachtung, da es mir den Zugang zur Problematik des "Berichten-Wollens" verbunden mit dem Wissen des "Nicht-Vermitteln-Könnens" der Erfahrungen des Konzentrationslagers auf eindrucksvolle Weise aufgezeigt hat. Es bleibt Reemtsma gleichwohl zuzustimmen, dass diese Texte etwas über unsere Welt auszusagen in der Lage sind, worüber wir auch als Unbeteiligte aufgeklärt werden können.
Excerpt (computer-generated)
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften
Germanistisches Institut
PS: Buchenwald
WS: 2002/03
Hausarbeit:
Überlebensmemoiren
Gedanken von Jan Philipp Reemtsma zu den
Texten Überlebender des Holocaust
Vorgelegt von: Marco Dietze
Fachsemester: 7
Fächer: Philosophie/Germanistische Literaturwissenschaft
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 3
Das Leid 4
Die Deutungsautorität 5
Die Memoiren Überlebender 7
Eine neue Textgattung? 11
Haupt- oder Nebengattung? 14
Überleben als erzwungenes Einverständnis 15
Resümee 19
Literaturverzeichnis 22
2
Vorwort
Ich beschäftige mich in meiner Hausarbeit hauptsächlich mit Texten von Jan Philipp
Reemtsma. Darin geht es, wie dem Titel der Arbeit zu entnehmen ist, um Texte der
Überlebenden des Holocaust.
Dessen Verständnis der, wie er es nennt, Überlebensmemoiren haben mir Problembereiche
aufgezeigt, die mir zuvor nicht bewusst waren. Deshalb haben sie auch meinen Umgang mit
der Originallektüre stark geprägt. Die theoretische Abhandlung vollziehe ich vor dem
Hintergrund der von mir gelesenen Originallektüre. Ich bin mir dabei sehr wohl bewusst, dass
es sich dabei nur um einen kleinen Ausschnitt der bestehenden Texte handeln kann.
Tief beeindruckt hat mich aber vor allem die Lektüre der Texte von Imre Kertesz. Deshalb
werde ich zum Ende der Arbeit verstärkt auf diesen zu sprechen kommen.
Um den Kreis da aufzuknüpfen, wo er am Ende geschlossen wird, beginne ich die Arbeit mit
einem, wie mir scheint, wesentlichen Zitat aus dem
Galeerentagebuch
von Kertesz.
Nicht Gott ist tot, die Seinsbedingungen haben sich geändert. Nicht die Werte sind
zusammengebrochen, ihre Brauchbarkeit ist fraglich geworden. Nicht die Wahrheit hat sich
geändert, sie wird bloß anders gehandhabt. Entfremdung gab es wahrscheinlich auch schon im
Mittelalter, und das Absurde wird im Altertum ebenso offensichtlich gewesen sein wie heute.
Das individuelle Sein ist nur ein Traum. Und desgleichen sind es alle Werte solange die
Werte nicht eines Tages wichtiger werden als das Sein: Dann und nur dann könnte in der
menschlichen Geschichte etwas qualitativ Neues geschehen; dies wäre der Wendepunkt der
Geschichte, von dem an der Mensch substantiell anders leben würde, nicht mehr auf der Stufe
seiner immanenten Triebe, sondern nach seinen Werten, die er als primäre Seinsbedingung
ansehen würde. Dazu reicht aber das Beispiel von Einzelnen absolut nicht aus, dazu müsste
der Mensch offenbar eine biologische Veränderung durchmachen; und es ist fraglich, ob ein
derart durchgeistigtes Wesen noch zur bloßen Selbsterhaltung fähig wäre in einer Natur, die
bloße Selbsterhaltung schamlos als ihr einzig erkennbares moralisches Gesetz verkündet.1
1 Kertesz, Imre. Galeerentagebuch. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH 1999. 2. Aufl.
S. 51.
3
Das Leid
In dem Text
Die Memoiren Überlebender
2 untersucht Reemtsma die Wirkung von Literatur.
Genauer: die Wirkung einer ganz speziellen Art von Literatur und er bezeichnet sie als eine
weltweit neue Art von Literatur des vergangenen Zwanzigsten Jahrhunderts.
Einleitend weist er daraufhin, dass Literatur immer auch ein Ausdruck von Leid gewesen ist.
Der Unterschied zu der tradierten Literatur vor dem Zwanzigsten Jahrhundert bestand aber,
abgesehen von der Ausnahme, welche die Regel bestimmt (etwa Dostojewskis
Aufzeich-
nungen aus einem Totenhaus
), darin, dass erfahrenes Leid seine ,,literarische Salonfähigkeit"
nur über einen Umweg gefunden hat und nicht von der Person geschildert wurde, die dieses
Leid erfahren hat. ,,Literarisch salonfähig" wurde es durch die Aufarbeitung von
Schriftstellern.3 Dabei ist es unerheblich, ob es beispielsweise einen Odysseus, wie ihn uns
etwa Homer oder aber auch Dante usw. geschildert haben, tatsächlich gegeben hat oder nicht.
Es ist, nach Reemtsma, sogar besser, dass es diese Personen, deren Leid dem Rezipienten
geschildert wird, im wirklichen Leben gar nicht gegeben hat bzw. nicht gibt.
Denn der ästhetische Mehrwert der Beschäftigung mit solchen Texten würde verloren gehen,
wenn dem Rezipienten das Distanzgefühl zum Leidenden verloren geht.4
Wieso? Ganz einfach. Wer sich mit dem tragischen Schicksal eines Menschen auseinander-
setzt, und durch diese Beschäftigung mit der Schilderung dieses Erlebten berührt wird, muss
Konsequenzen ziehen. Diese müssen sich nun nicht darin äußern, dass der entsprechende
Rezipient dieser Person beispringt und etwa Hilfe anbietet. Er muss mit sich und dem Text
alleingelassen, entscheiden, wie er zu dem geschilderten Sachverhalten steht. Es würde also
eine wo nicht moralische so doch zumindest emotionale Nötigung entstehen, der er sich dann
zu stellen hat. Sich dieser Nötigung zu stellen, wird nicht jeder bereit sein. Von fremden Leid
zu hören ist das eine, es nachzuvollziehen etwas anderes.
Insofern bieten fiktive Geschichten die Möglichkeit, eine personale Distanz aufzubauen, die
es rechtfertigt, dass Buch nach erfolgter Lektüre aus der Hand zu legen, und sich dem realen
Geschehen im wirklichen Leben zu widmen, bis zu dem Zeitpunkt, an welchem man sich
wieder mit und durch die Lektüre von den Anstrengungen im wirklichen Leben erholen will.
Lesen dient in diesem Sinne also eher dem Ablenken von den Sachverhalten und Zwängen,
die in der Welt sind. Natürlich kann es umgekehrt der Fall sein, dass das Lesen über
2 Reemtsma, Jan Philipp. Die Memoiren Überlebender. In: Mord am Strand. Allianzen von Zivilisation und
Barbarei. Berlin 2000. S. 227-253.
3 Ebd. S. 229.
4 Ebd. S. 230.
4
Sachverhalte, Zustände und Begebenheiten der Welt, aufklärt. Und der Reiz liegt gerade
darin, dass man sich als Lesender über Seinszustände informiert und sie zugleich vor dem
eigenen Erfahrungshorizont vergleichen kann, ohne sie selber gemacht haben zu müssen. Es
ist ja gerade die Neugierde, die den Menschen dazu bringt, Geschichten zu hören, und im
Geschichten erzählen wird unter anderem eben auch diese Neugierde zu befriedigen versucht.
Gleichwohl bleibt es dabei. Fiktive Schilderungen über Einzelschicksale, egal ob sie realen
Vorbildern nachempfunden wurden oder nicht, können dem Rezipienten etwas über den
Zustand der Welt sagen und zeigen. Es bleibt aber eben auch dem Rezipienten überlassen, die
geschilderten Berichte für das eigene Verständnis zu deuten. Er kann das Geschilderte vor
seinem individuellen Erfahrungshorizont vergleichen und es für wichtig oder aber auch für
unwichtig erachten. Deshalb kann er von fremden Leid lesen, und sich zugleich vorstellen,
selbst betroffen zu sein. Es obliegt damit seiner Vorstellungskraft und natürlich auch der Güte
des Textes, inwieweit er sich vom Geschilderten ergriffen fühlt oder nicht.
Die Deutungsautorität
Diesem Verständnis der Wirkungsweise von Literatur setzt Reemtsma ein neues Verständnis
gegenüber. Er spricht in diesem Kontext auch von einem ,,ästhetischen Mehrwert".5
Wie im vorigen Kapitel geschildert, kann sich der Leser durch einen literarischen Text
ergriffen fühlen oder nicht. Dies liegt natürlich zunächst am Inhalt des Buches. So beschäftigt
sich beispielsweise die Novelle
Billy Budd
von Herman Melville mit dem Einzelschicksal,
und eben auch Leid, des jungen Matrosen Billy Budd.6
Im Affekt erschlägt dieser den Waffenmeister des Kriegsschiffes, welcher ihn in der Kajüte
des Kapitäns und vor demselbigen lügenhafterweise belastet, und wird deshalb hingerichtet.
Dies ist eine tragische Geschichte und sie kündet, wenn auch fiktiv, von Leid und von
Unrecht, welches sich so tatsächlich in der realen Welt ereignen kann.
Was hat es nun mit dem oben angesprochenen Begriff des ästhetischen Mehrwerts auf sich?
Nun, als Leser habe ich die Erwartungshaltung, dass mich diese Novelle auf sprachlich
hohem Niveau unterhält, mir zugleich aber auch erklärt, was es mit der Welt ,,auf sich hat".
Diesen Anspruch hat der Leser aber, wenn er Interesse an Literatur entwickelt, generell.
5 Ebd. S.230.
6 Melville, Herman. Billy Budd. Zürich: Diogenes Verlag AG 1981.
5
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Erzählen um zu überleben. Interpretationen der Rolle Scheherazades
Author: Annika Silja SesterhennOrientalism / Sinology - Arabistic, 2005 Download as PDF-file for 9,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für Microsoft Word
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für OpenOffice.org
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 9,99 EUR
Formatvorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit / Vorlage zur Erstellung einer Hausarbeit
Author: Marco FeindlerPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit
Author: Zoran ZivkovicPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Author: Claudia NickelPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Author: Maik PhilippPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - Hausarbeiten - Seminararbeiten
Author: Mark RichterPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008
This text can be quoted and accessed from this url: