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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 33 Pages
Author: Cathleen Bochmann
Subject: Philosophy - Philosophy of the 19th Century
Details
Institution/College: Dresden Technical University (Philosophie)
Tags: Akteuren“, Eine, Abhandlung, Laborwissenschaften, Hauptseminar, Studien
Year: 2005
Pages: 33
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-00788-7
File size: 191 KB
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Abstract
Als Reisende in einem fremden Land, so betreten die hier behandelten Philosophen eine spannende Welt voller Reagenzgläser, Nebelkammern und kryptischen Forschungsberichten, um den Einheimischen über die Schulter zu schauen. Die hier vorliegende Arbeit beruht primär auf den Werken der Technikphilosophen Bruno Latour und Karin Knorr-Cetina. Ian Hacking, Peter Galison und Steve Woolgar werden begleitend herangezogen. Diese Autoren repräsentieren eine Unterkategorie von STS und Technoscience - die Laborstudien – welche seit den siebziger Jahren an Bedeutung gewinnen. Allen gemeinsam ist ein methodischer Internalismus, das heißt, der Schwerpunkt liegt auf der Deskription und Analyse des Prozesses wissenschaftlicher Arbeit in den Laboratorien und weniger auf dem fertigen Endprodukt, sei es ein neues wissenschaftliches Paradigma oder ein technisches Artefakt. Wie wird im Laboratorium Erkenntnis produziert und transformiert? Wie funktioniert die Fabrikation von Wissenschaft im praktischen Alltag? Welche Rolle spielen die Apparaturen und Veröffentlichungen?
Excerpt (computer-generated)
TU Dresden, Teilbereich Technikphilosophie
Hauptseminar STS - Studien
SoSe2005
„Folgt den Akteuren“ - Eine Abhandlung zu Laborwissenschaften
von
Cathleen Bochmann
Gliederung
Einleitung... 3
Laborstudien... 4
Charakteristika von Laboratorien... 6
Laborarbeit als soziale Überzeugungstaktik... 10
Instrumente und Apparate... 13
Konstruktivismus?... 19
Verhandlungsräume... 25
Probleme und Kritik... 27
Literatur... 31
Einleitung
Als Reisende in einem fremden Land, so betreten die hier behandelten Philosophen eine spannende Welt voller Reagenzgläser, Nebelkammern und kryptischen Forschungsberichten, um den Einheimischen über die Schulter zu schauen. Die hier vorliegende Arbeit beruht primär auf den Werken der Technikphilosophen Bruno Latour und Karin Knorr-Cetina. Ian Hacking, Peter Galison und Steve Woolgar werden begleitend herangezogen. Diese Autoren repräsentieren eine Unterkategorie von STS und Technoscience - die Laborstudien – welche seit den siebziger Jahren an Bedeutung gewinnen. Allen gemeinsam ist ein methodischer Internalismus, das heißt, der Schwerpunkt liegt auf der Deskription und Analyse des Prozesses wissenschaftlicher Arbeit in den Laboratorien und weniger auf dem fertigen Endprodukt, sei es ein neues wissenschaftliches Paradigma oder ein technisches Artefakt. Wie wird im Laboratorium Erkenntnis produziert und transformiert? Wie funktioniert die Fabrikation von Wissenschaft im praktischen Alltag? Welche Rolle spielen die Apparaturen und Veröffentlichungen? Auch die Interdependenzen, Verhandlungsräume und Schützengräben zwischen laborwissenschaftlicher Arbeit und der Gesellschaft werden thematisiert. Denn genauso wie die instrumentellen Anordnungen und der personelle Mikrokosmos im Labor direkt, gehören auch die Akteure von Außerhalb zum Netzwerk, welches den ‚Context of Discovery’ prägt. Das Schlagwort der Laborwissenschaftsphilosophie lautet demgemäß „Folgt den Akteuren!“
Laborstudien
Wie bereits einleitend bemerkt, handelt es sich beim hier thematisierten Forschungsfeld um eine Unterkategorie von STS (Science, Technology and Society) und Technoscience Studies. Im Folgenden soll etwas näher auf die Merkmale des Untersuchungsgegenstandes eingegangen werden. Bruno Latour und Steve Woolgar benutzen den Begriff „Technoscience“ für in Technik eingebettete und mit Hilfe von Technik durchgeführter Wissenschaft. In erster Linie denken sie hierbei an experimentelle Naturwissenschaften und Ingenieurswissenschaft. Dabei unterscheiden sie nicht zwischen wissenschaftlichen Fakten, welche durch Nutzung von Technik zustande kommen, und technischen Artefakten, welche entwickelt werden. Eine anhand von Teleskopmessungen erstellte astrophysikalische Theorie wirkt in ihrer Funktionslogik nicht viel anders, als ein neu entwickeltes Computersystem. Stattdessen betrachten die Laborstudien das, was beide vereint: Eine Kontroverse über Wahrheit und Machbarkeit wird angestoßen und im wissenschaftlichen Prozess gelöst. Latour betont die Tatsache, dass sowohl die Frage, ob die Theorie anwendbar ist, als auch ob das Computersystem sich bauen lässt, durch einen mit Technik vermittelten Prozess gelöst wird.1 Die Vorgehensweise, die sich aus der herausgehobenen Stellung des Prozesses der Wissenschaft ergibt, ist eine Art Wissenschaftsarchäologie. Die Methoden der Laborstudien sind die der qualitativen Sozialwissenschaft, speziell der Beobachtung und Inhaltsanalyse. So vollzieht Latour in „Science in Action“ eine gedankliche Umkehrung zurück zur Evolution der Theorie oder Erfindung. Er betrachtet die wissenschaftliche Praxis; den Diskurs der sie begleitet. Wie ein Schatten folgt er den Wissenschaftlern durch ihr Alltagsgeschäft. Dabei, so meint er, zeigen sich ansonsten verborgene Einflüsse auf Wissenschaft. Sie ist kein platonisches, abstraktes Erkennen von frei im Raum schwebenden Theorien, sondern eng an menschliche Einflüsse gebunden. Zwei Pole prägen die Wissenschaft: ihr technischer und der soziale Inhalt. Der Prozess selbst, ist auch nicht eindimensional, sondern vielschichtig, mit einer Vielzahl agierender Elemente. Um zu verdeutlichen, welchen Erkenntnisgewinn er aus der Inversion der Betrachtungsweise gewinnt stellt Latour in „Science in Action“ Janusköpfe gegenüber, welche Wissenschaft vor der Lösung des Problems und nach der Lösung gegenüberstellen. Diese Aussagen sind folgende:
1. “Get rid of the useless facts – vs. – Get the facts straight.
2. Let’s define what efficiency should mean – vs. – Get the most efficient machine.
3. The machine works, when all relevant people are convinced – vs. – Once the machine works, it will convince people.
4. When things (e.g. experiments) hold, they start becoming true – vs. – When things are true, they hold”.2
Es zeigt sich, dass nach der Lösung der wissenschaftlichen Kontroverse, der Prozess, welcher sie begleitete, in einer Black Box verschwindet, die nur die Fakten oder das Artefakt übrig lässt. Alternative Vorstellungen beispielsweise einer DNA, welche keine Doppelhelix hat, scheinen für die Nachwelt völlig absurd. Im Vorfeld hingegen dominieren Unsicherheit und das Fehlen eines Überblicks wie das Arbeitsfeld überhaupt aussehen mag. Die konkurrierenden Ansätze scheinen völlig gleichwertig. So schien es 1951 durchaus auch denkbar, dass Watson und Crick eine Triplehelixstruktur der DNS entdecken würden.3 Nur aus der nachträglichen Betrachtung erschließt sich die Komplementarität der Nukleinsäuren als offensichtlichen Hinweis auf eine Doppelhelix. Wenn jedoch konkurrierende Ansätze gleichwertig in den Wettstreit der Fabrikation neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse eintreten, gewinnen andere Faktoren neben der Theorie an Bedeutung. Der in der hier vorliegenden Arbeit betrachtete Faktor des Erkenntnisgewinns ist die Arbeit im Labor. Die spezifische Umgebung einer laborwissenschaftlichen Versuchanstalt ermöglicht wie kaum eine andere eine effiziente Lösung der Kontroversen des wissenschaftlichen Alltagsgeschäfts. So sagt Latour nicht umsonst: „Give me a laboratory and I will raise the world.“4 Dabei spielt selbstverständlich eine Rolle, über welche Instrumente und Techniken, über welche Mitarbeiter und gesellschaftliche Unterstützung ein Laboratorium im Prozess der Wissensproduktion verfügt. Latour zufolge ‚gewinnt’ unter Umständen nicht derjenige, der über den überlegenen Wissenschaftsansatz verfügt, sondern derjenige, der Zugriff auf ein modernes kreatives Labor hat. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass den Laborstudien die antideterministische Annahme zu Grunde liegt, dass soziale Kontexte (und nicht irgendeine inhärente Eigenlogik) die Entwicklung von Technik und Wissenschaft bestimmen.
Charakteristika von Laboratorien
[...]
1 Den Wahrheitsbegriff, welchen er an dieser Stelle benutzt werde ich später weiter ausführen.
2 Latour 1987, S.7ff.
3 siehe Latour 1987, S. 1.
4 Latour in Knorr-Cetina 1983, s. 141.
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