Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Institutionen als Problemlösung - Zu Abram de Swaans "Der sorgende Staat" close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Institutionen als Problemlösung - Zu Abram de Swaans "Der sorgende Staat"

Scholary Paper (Seminar), 2006, 30 Pages
Author: Manuel Herold
Subject: Sociology - Methodology and Methods

Details

Event: Privatissimum aus Methoden der empirischen Sozialforschung
Institution/College: University of Innsbruck (Institut für Soziologie)
Tags: Institutionen, Problemlösung, Abram, Swaans, Staat, Privatissimum, Methoden, Sozialforschung
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 30
Grade: 1
Bibliography: ~ 1  Entries
Language: German
Archive No.: V85038
ISBN (E-book): 978-3-638-00793-1
ISBN (Book): 978-3-638-91388-1
File size: 321 KB

Abstract

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Institutionen als Problemlösung und dabei mit den Erklärungsansätzen von Abram de Swaan in seinem Werk „Der sorgende Staat“. De Swaan untersucht die Kollektivierung im Gesundheits-, Bildungs- und Fürsorgewesen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und den USA in einem historischen Vergleich, den er mit der Theorie kollektiven Handelns verbindet. Um die Gründe für die Etablierung kollektiver und landesweite Einrichtungen gegen Risiken und Defizite zu erläutern, werden die die Ansätze der Wohlfahrtsökonomik (externe Effekte), sowie der Soziologie von Norbert Elias (Interdependenzketten) herangezogen. Dabei spielt ein Muster voneinander abhängiger Menschen eine zentrale Rolle (Figuration). Mit der Wohlfahrtsöko-nomik analysiert De Swaan komplexe Konstellationen von Interdependenzen und mit der historischen Soziologie den Einfluss externer Effekte auf die gesellschaftliche Entwicklung. Die Interdependenz zwischen Bürgern durch Staatenbildung, Kapitalismus, Urbanisierung und Säkularisation führte zu neuen externen Effekten durch individuelle Risiken und Defizite. Im Kollektivierungsprozess spielen die Interdependenzen zwischen Armen und Reichen eine zentrale Rolle. Die Armen stellten für reichere Bevölkerungsteile sowohl Gefahren als auch Chancen dar, weshalb Wohlhabende durch die externen Effekte der Armut kollektiv betroffen waren. De Swaan zeigt das Dilemma der Wohlfahrtsökonomik, wonach jede gemeinsame Anstrengung der Reichen gegen die Folgen der Armut auch den Menschen nutzte, die nichts dazu beigetragen hatten. Er zeigt drei Hauptaspekte der Kollektivierung von Fürsorgemaßnahmen auf wonach die Maßnahmen im Lauf der Zeit ganze Nationen in ihr Spektrum einschlossen oder bestimmte Gruppen abgrenzten. Daneben wurden die Maßnahmen immer kollektiver und vom Staat oder öffentlichen Anstalten getragen. Der Staat erreichte so genügend Autorität um sich den Verwaltungsapparat zu schaffen. Für die Durchsetzung kollektiver Zwangsvorkehrungen definiert De Swaan Bedingungen, die diese Maßnahmen beschleunigen: Zum einen die Ungewissheit über den Zeitpunkt und das Ausmaß der Notlage, die Ungewissheit über die Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen, sowie die Ungewissheit über das Ausmaß und die Reichweite externer Effekte für nicht Betroffene.


Excerpt (computer-generated)

Institutionen als Problemlösung - Zu Abram de Swaans "Der sorgende Staat"

von

Manuel-Bastian Herold

1. Fachsemester

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung... 1

2 Institutionen kommunaler Fürsorge... 2

2.1 Das Problem des kollektiven Handelns... 3
2.2 Der Wechsel von der kommunalen Fürsorge zu einem regionalen Gleichgewicht... 4
2.3 Ein Spielmodell mit 2 Personen... 5
2.4 Die Institution des Arbeitshauses und die Rolle zentraler Behörden... 6
2.5 Der Einfluss des Arbeitshauses im Spielmodell... 7

3 Institutionen der Bildung und Kommunikation... 8

3.1 Die Blütenfiguration von Kommunikationsnetzen... 8
3.2 Eine statistische Betrachtung der Kommunikationspotentiale... 9
3.3 Die Rolle des Klerus und des Landadels im Erziehungswesen... 11

3.4 Die Institutionen zur Massenerziehung in den untersuchten Ländern... 11

4 Institutionen im Gesundheitswesen... 13

4.1 Die Cholera als Beispiel für Interdependenz... 13
4.2 Die stadtweite Ausdehnung der kollektiven Einrichtungen... 14

5 Institutionen zur Vorsorge: Arbeiterhilfsvereine und die Sozialversicherung... 14

5.1 Der Wechsel von den Hilfsvereine zur staatlichen Sozialversicherung... 15
5.2 Die Akkumulation von Transferkapital in einer vierseitigen Figuration... 16
5.3 Die Zwangsakkumulation... 16
5.4 Risiken des Erwerbslebens... 17
5.5 Die Entstehung der Sozialversicherung in den untersuchten Ländern... 18
5.6 Die Kollektivierung nach 1945... 20

6 Die Entwicklung der Mittelschicht, Expertenregimes und der Zivilisation... 22

6.1 Die Rolle der Ärzteschaft... 22
6.2 Kollektivierung und Zivilisation... 23

LITERATURVERZEICHNIS... VIII


 

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Institutionen als Problemlösung und dabei mit den Erklärungsansätzen von Abram de Swaan in seinem Werk „Der sorgende Staat“. De Swaan untersucht die Kollektivierung im Gesundheits-, Bildungs- und Fürsorgewesen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und den USA in einem historischen Vergleich, den er mit der Theorie kollektiven Handelns verbindet.1 Um die Gründe für die Etablierung kollektiver und landesweite Einrichtungen gegen Risiken und Defizite zu erläutern, werden die die Ansätze der Wohlfahrtsökonomik (externe Effekte), sowie der Soziologie von Norbert Elias (Interdependenzketten) herangezogen. Dabei spielt ein Muster voneinander abhängiger Menschen eine zentrale Rolle (Figuration). Mit der Wohlfahrtsökonomik analysiert De Swaan komplexe Konstellationen von Interdependenzen und mit der historischen Soziologie den Einfluss externer Effekte auf die gesellschaftliche Entwicklung.2 Die Interdependenz zwischen Bürgern durch Staatenbildung, Kapitalismus, Urbanisierung und Säkularisation führte zu neuen externen Effekten durch individuelle Risiken und Defizite. Im Kollektivierungsprozess spielen die Interdependenzen zwischen Armen und Reichen eine zentrale Rolle. Die Armen stellten für reichere Bevölkerungsteile sowohl Gefahren als auch Chancen dar, weshalb Wohlhabende durch die externen Effekte der Armut kollektiv betroffen waren. De Swaan zeigt das Dilemma der Wohlfahrtsökonomik, wonach jede gemeinsame Anstrengung der Reichen gegen die Folgen der Armut auch den Menschen nutzte, die nichts dazu beigetragen hatten.3
Er zeigt drei Hauptaspekte der Kollektivierung von Fürsorgemaßnahmen auf wonach die Maßnahmen im Lauf der Zeit ganze Nationen in ihr Spektrum einschlossen oder bestimmte Gruppen abgrenzten.4 Daneben wurden die Maßnahmen immer kollektiver und vom Staat oder öffentlichen Anstalten getragen. Der Staat erreichte so genügend Autorität um sich den Verwaltungsapparat zu schaffen. Für die Durchsetzung kollektiver Zwangsvorkehrungen definiert De Swaan Bedingungen, die diese Maßnahmen beschleunigen: Zum einen die Ungewissheit über den Zeitpunkt und das Ausmaß der Notlage, die Ungewissheit über die Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen, sowie die Ungewissheit über das Ausmaß und die Reichweite externer Effekte für nicht Betroffene.5 Stärke und Umfang der Effekte hängen dabei von der Dichte und Verzweigung des sozialen Netzes ab. Ungewissheit über den Zeitpunkt und die Wirksamkeit lässt sich in breit gefächerten Kollektiven am besten bewältigen, wo das Wohlergehen vieler die Not weniger aufwiegt. Die kollektiven Maßnahmen müssen dabei nicht zwingend sein. Eine kollektive aber freiwillige und kommerzielle Versicherung gegen Risiken ist möglich. Externe Effekte sind aber über den Markt oder freiwillige Regelungen schwerer einzudämmen, da sie die beteiligten Parteien nicht direkt betreffen. So sind die auftretenden Konflikte des kollektiven Handelns nur durch Vertrauen oder Zwang lösbar.6 Die Untersuchung von De Swaan behandelt die entscheidenden Phasen der institutionellen Bereiche (Fürsorge, Erziehung, Gesundheitswesen) in ihrer chronologischen Abfolge.

2 Institutionen kommunaler Fürsorge

In diesem Abschnitt werden die Erklärungsansätze De Swaans zu den Wohltätigkeitseinrichtungen im späten Mittelalter und der Entstehung von Armenhäusern in der frühen Neuzeit dargestellt. Das Bewohnen eines gemeinsamen Lebensraumes setzte ein gewisses Maß struktureller Interdependenz zwischen Besitzlosen und Besitzenden voraus. Im 16. und 17. Jahrhundert war in einem freiwilligen Spendensystem der Reichen zur Umverteilung des „Surplus“ Vertrauen die Voraussetzung.7 Dabei wurden die Armen nach den Kriterien Unvermögen, Nähe und Fügsamkeit zur behördlichen Unterscheidung zwischen würdigen und gefährlichen Armen eingeteilt.

Abbildung 1: Dimensionen der Armut im Europa der frühen Neuzeit [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]

Unvermögen bedeutete, dass jemand seinen Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft leisten konnte, was ihn bedürftig machte.8 Nähe und Fügsamkeit rechtfertigten den Anspruch, wobei Nähe die Zuständigkeit und Versorgung festlegte und Vertreibung der Armen als Lösung ausschloss. Fügsamkeit definierte, ob die Armen aktiv auf Unterstützung drängten. Es wurden schamhafte Arme, die nichts erbettelten, sowie aktive Arme unterschieden, die bettelten oder stahlen und im Extremfall als kräftige Banden die Bauern terrorisierten.9 Den schwachen, sesshaften, untätigen Armen (unterstützt aus den 3 Gründen) standen die wandernden, aktiven, kräftigen Armen gegenüber, die es zu bekämpfen galt.

2.1 Das Problem des kollektiven Handelns

Sich um Arme zu kümmern wurden zunächst als Christenpflicht angesehen und die Unterstützung diente einem Kollektivgut, denn Besitzende und Besitzlose waren in einer komplementären Beziehung aneinander gekettet. Arme waren einerseits Arbeitskräfte, andererseits potentielle Räuber.10 Durch Spenden vermied man Aufstände und konnte potentielle Arbeiter ernähren. Die Armenhilfe stellte eine Versicherung gegen Risiken dar.11 Von kräftigen Arbeitern profitierten jedoch auch Bauern die nichts gaben. So schuf das kollektive Handeln ein unteilbares Gesamtgut. Darauf hin bildeten Bauern und Gemeinden zwischen dem 9. und 14. Jahrhundert Schutzgemeinschaften mit individuellen Abgaben oder Zwangsalmosen. Freiwillige Fürsorgeinitiativen kamen auch in den mittelalterlichen Städten auf. Dort gab es zwar keine Zwangsabgabe, doch die Kommunen wurden gezwungen die Armen zu ernähren. De Swaan analysiert das freiwillige kollektive Handeln zur Überwindung des internen Dilemmas im Sinne einer Figuration von Menschen, die durch Inderdependenz miteinander verbunden sind.12 Er erläutert, dass das Dilemma kollektiven Handelns ein Übergangsphänomen ist. Die interdependierten aber unkoordinierten Menschen gehen in einen koordinierten Verband über, der Maßnahmen wirksam gegen einzelne Mitglieder durchsetzen kann.13 Im Übergang von unkoordinierter Interdependenz zu erzwungener Koordination durch das Kollektiv tritt das Dilemma auf. Solange Misstrauen herrscht, wird niemand an einem kollektiven Projekt teilnehmen. Erst die positive Erwartung einer Mehrheit kann das Vertrauen in den Erfolg des kollektiven Handelns bei anderen auslösen.14 Die Lösung bei der mittelalterlichen Armenhilfe stellt der christliche Glaube dar, durch den man für die Gaben mit Seelenrettung rechnete. Durch das öffentliche Spenden konnte das Kollektiv Sanktionen verhängen.

2.2 Der Wechsel von der kommunalen Fürsorge zu einem regionalen Gleichgewicht

[...]


1 Vgl. zu diesem Absatz De Swaan (1993), S. 11.

2 Vgl. De Swaan (1993), S. 12.

3 Vgl. De Swaan (1993), S. 13.

4 Vgl. zu diesem Absatz De Swaan (1993), S. 17.

5 De Swaan (1993), S. 17.

6 Vgl. De Swaan (1993), S. 18.

7 Vgl. De Swaan (1993), S. 27.

8 Vgl. zu diesem Absatz De Swaan (1993), S. 28.

9 Vgl. hierzu und in folgendem Satz De Swaan (1993), S. 31.

10 Vgl. De Swaan (1993), S. 34.

11 Vgl. zu diesem Absatz De Swaan (1993), S. 35.

12 Vgl. De Swaan (1993), S. 38.

13 Vgl. hierzu und in folgendem Satz De Swaan (1993), S. 39.

14 Vgl. hierzu und in folgendem Satz De Swaan (1993), S. 40.


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/85038/institutionen-als-problemloesung-zu-abram-de-swaans-der-sorgende-staat
please wait Please wait