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Die Königlichen Hoftheater in Stuttgart

Termpaper, 2007, 73 Pages
Author: Tobias Marc Demuth
Subject: Civil Engineering

Details

Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 73
Bibliography: ~ 4  Entries
Language: German
Archive No.: V85065
ISBN (E-book): 978-3-638-00888-4

File size: 6862 KB

Abstract


Excerpt (computer-generated)

Universität Stuttgart, Institut für Architekturgeschichte
Vorlesung: ‚Stadtbaugeschichte Stuttgart (Teil 1)’
WS 2006/ 07

Die Königlichen Hoftheater in Stuttgart

von

Tobias Marc Demuth

 


Inhalt

1. Prolog

1.1 Geschichte des Theaters 7
1.2 Vorgeschichte der Planung 7

2. Planung

2.1 Vorbemerkung 10
2.2 Doppelhausprojekte und Bauplatzfrage 10
2.3 Doppelhaus in axialer Anordnung 11
2.4 Doppelhaus in Parallelstellung 12
2.5 „Kompromisshaus“-Entwurf und neue Standorte 13
2.6 Vereinfachtes Doppelhaus-Projekt 14
2.7 Neue Diskussionen 15
2.8 Die Situierungsvorschläge Theodor Fischers 16
2.9 Alternativvorschlag von Prof. Reinhardt 17
2.10 Beschlussfassung 17
2.11 Exkurs: Vergleich des Prinzregententheaters in München mit den Projekten für den Waisenhausplatz in Stuttgart 18

3. Wettbewerb und Bau

3.1 Der Wettbewerb 1908 21
3.2 Ausführungsplanung und Bauauftrag 23

4. Baubeschreibung

4.1 Vorbemerkungen zum theatergeschichtlichen Stellenwert 26
4.2 Lage & Konzeption 26
4.3 Außenbau 27
4.3.1 Aufbau und künstlerischer Schmuck des Äußeren 29

4.4 Innenraum 29
4.4.1 Innerer Ausbau und künstlerischer Schmuck des Inneren 30

5. Epilog

5.1 Neubeginn nach 1945 33
5.2 Das Große Haus nach 1956 33
5.3 Das neue Kleine Haus 33

6. Abbildungen , Grundrisse und Schnitte

6.1 Abbildungen 36
6.2 Grundrisse und Schnitte 61

7. Quellenangaben 70


 

1. Prolog

1.1 Geschichte des Theaters

Das neue Lusthaus wurde Ende des 16. Jahrhunderts von Georg Beer am Rande der Stuttgarter Anlagen errichtet und durch zahlreiche Um- und Anbauten den wachsenden Anforderungen eines Hoftheaters angepasst (Abbildung 1). Im 18. Jahrhundert entstand in unmittelbarer Nähe des Hoftheaters das neue Residenzschloß. Ein zweites kleineres Theater von 1840 stand im Anschluss an die Gärten der Wilhelma in Cannstatt. Während im Hoftheater die großen Opern- und Theateraufführungen stattfanden, diente das Wilhelmatheater den modernen Dramen. Trotz der wachsenden Einwohnerzahl musste das Wilhelmatheater wegen Besuchermangels im Jahre 1900 geschlossen werden. Der Grund war wahrscheinlich die Entfernung von einer halben Stunde vom Stadtzentrum aus, die den meisten Besuchern zu groß war.
Neben dem königlichen Hoftheater gab es nur noch ein Privattheater von Bedeutung, das Kurtheater in der Vorstadt Berg. Da Stuttgart damals die einzige größere Stadt Württembergs war, gab es außer dem königlichen Hoftheater keine württembergische Bühne, die ein Theaterleben von wesentlicher Bedeutung hatte. Theater, die das ganze Jahr bespielt werden konnten, gab es in Württemberg nur noch in Ulm und Heilbronn. Daher kamen die Besucher aus dem ganzen Land nach Stuttgart. König Wilhelm II. selbst war ein großer Förderer der Kunst, insbesondere des Theaters. Kurz nach seiner Thronbesteigung im Jahre 1891 setzte er Baron von Putlitz als neuen Hoftheaterintendanten ein. Baron von Putlitz, ein 31-jähriger badischer Offizier, wurde am 16. Januar 1892 zunächst für ein Jahr mit der Intendanz der Stuttgarter Hoftheater beauftragt. Gleichzeitig beschränkte sich aufgrund einer Neuregelung der Einfluss der Hofkammer in Theaterfragen lediglich auf finanzielle Aspekte. Die Hoftheaterintendanz unterstand unmittelbar dem König. Wichtigste Aufgabe für die neue Theaterleitung war, eine größere Bevölkerungszahl für das Theater zu gewinnen und zu interessieren. Diesbezüglich wurde einiges unternommen. So stellte man zum Beispiel in den einheimischen Zeitungen eine Spalte für Theaterfragen zur Verfügung. Des weiteren richtete die Theaterintendanz Sonntagnachmittag-Aufführen mit ermäßigten Eintrittspreisen und zusätzlich noch verbilligte Schüleraufführungen ein, ferner veranstaltete man im Jahre 1911 – ein Jahr vor der Fertigstellung der neuen Königlichen Hoftheater – eine Theaterausstellung im Stuttgarter Königsbau. Diese Maßnahmen waren erfolgreich und es gelang, die Theaterlust der Stuttgarter und Württemberger Bevölkerung wesentlich zu steigern.

1.2 Vorgeschichte der Planung

Am 19./ 20. Januar 1902 brannte das alte Hoftheater am Schlossplatz bis auf seine Grundmauern ab. Um ohne Zeitdruck ein neues Theater planen und erbauen zu können, wurde ein Interimstheater beim ehemaligen Hofwaschgebäude und Leibstall der Akademie aufgestellt (Abb. 2). Noch im Oktober desselben Jahres konnte das Interimstheater eröffnet werden. Unmittelbar nach der Brandkatastrophe erfolgte auf Veranlassung des Finanzministeriums die Gründung einer Kommission zur Erörterung der Theaterfrage, die sich aus Vertretern des Hofes und des Staates zusammensetzte. Es begann eine lange, insgesamt acht Jahre dauernde Auseinandersetzung um den Bau des neuen Theaters. Einen Wiederaufbau hielt man nach dem Zustand des alten Theaters für ausgeschlossen. Der Staat hatte infolge des Brandes die Verpflichtung, der Krone einen Ersatz für das Theatergebäude und dessen Einrichtungen zu leisten, allerdings nur ein an Größe und Ausmaß dem alten Theater entsprechendes Gebäude. Da aber die wachsende Einwohnerzahl, das wachsende Theaterinteresse in der Bevölkerung und auch die neuen bühnentechnischen Einrichtungen ein größeres Theater erforderlich machten, wurde der Stadt nahegelegt, sich an der Finanzierung eine Neubaus zu beteiligen.
Nach mündlichen Vereinbarungen mit den Architekten Fellner, Seeling und Littmann erhielten diese von der Kommission den Auftrag allgemeine Gutachten zu den Theaterverhältnissen in Stuttgart zu verfassen. Das Gutachten der drei Architekten vom 9. und 11. März 1904 stimmten darin überein, dass ein Theater mit jeweils einer Bühne und einem Zuschauerraum für die große Oper, das klassische Drama und das große Ausstattungsstück einerseits wie auch für die Spieloper sowie für das moderne Konversationsstück andererseits zu erstellen ist. Auch die Hoftheaterintendanz sprach sich aus technischen und künstlerischen Gesichtspunkten für ein Doppeltheater aus. Für dieses gab es zwei Lösungsmöglichkeiten. Entweder werden zwei Bühnen und die notwendigen Verwaltungsräume unter einem Dach untergebracht oder die erforderlichen Theaterräume werden getrennt voneinander gebaut. Ein großer Komplex wie das Doppeltheater konnten nur in Zusammenhang mit dem zur Verfügung stehenden Platz projektiert werden. Die Architekten hatten drei mögliche Plätze zur Auswahl. Eine naheliegende Möglichkeit war, das neue Theater auf dem alten Theaterplatz zu errichten. Fernen kamen noch der Botanische Garten nördlich der Residenz und der Platz des Waisenhauses in die engere Auswahl (Abb. 3). Sie standen bereits in einem Vertrag zwischen Littmann und der Württembergischen Hofdomänenkammer vom August 1902 fest. Entsprechend diesem Vertrag sollte auf einem der drei Plätze – später gesellte sich als vierte Situierungsalternative das Gelände bei der Eberhardsgruppe hinzu - ein Projekt mit Doppeltheater und allen notwendigen Räumlichkeiten unter einem Dach und darüber hinaus ein zweiter Entwurf mit zwei Parallelhäusern erstellt werden. Außerdem waren für die beiden anderen Plätze Skizzen mit den jeweils vorgeschlagenen Theaterpositionen einzureichen.

2. Planung

2.1 Vorbemerkung

Auch wenn man in Rechnung stellt, dass die Formulierung eines Bauvorhabens von der Größe und dem Anspruch der Stuttgarter Doppelanlage von der ersten Projektskizze bis zum baureifen Ausführungsentwurf mehrgleisig verläuft und die Zuständigkeiten miteinander rivalisierender fachlicher und politischer Instanzen berührt, so überrascht doch die fast zehnjährige Dauer der Entwurfs- und Projektierungsphase. Schon ein grober Überblick macht deutlich, dass hier divergierende Interessen des Hofes und der Stadt einander gegenüberstanden, dass politisches Taktieren und Reagieren sowie die aus unterschiedlichen künstlerischen Ansprüchen und auch aus persönlichem Ehrgeiz der Beteiligten genährten Kontroversen die objektive Beurteilung der Sachfrage überwogen. Hier ist zunächst auf das Bündnis zweier Hauptakteure hinzuweisen, durch deren Zusammenspiel die gesamte Planungsgeschichte geprägt wurde. Auf der einen Seite ist es der Hoftheaterintendant Joachim Gans Edler zu Putlitz (1860 – 1922). Mit einem herausragenden künstlerischen Gespür und diplomatischen Geschick erkannte er den Brand des alten, insgeheim längst als unzulänglich empfundenen Hoftheaters vom Januar 1902 als Chance zu einer generellen Neuorientierung der gesamten Stuttgarter Theater(bau)-Verhältnisse. Er verfolgte seine weitgesteckten Ziele mit Beharrlichkeit, wobei die rasche Errichtung des Interimtheaters keineswegs ein Hinausschieben der eigentlichen Neubaupläne bedeutete, sondern diesen Zeit für eine umfangreiche und detaillierte Bearbeitung bot.
Bereits im Zusammenhang mit dem Planungen für diesen nur als Zwischenlösung gedachten Theaterbau gewann Putlitz sich einen Verbündeten mit verwandten Anliegen, der nicht nur die Vorstellungen des Intendanten planerisch umsetzten, sondern auch eigene, von reformatorischem Anspruch getragenen Ideen zum Problem Theaterbau beizusteuern vermochte, den Münchner Architekten Max Littmann (1862 – 1931), mit dessen Namen sich zahlreiche Lösungen unterschiedlichster Bauaufgaben in München und im süddeutschen Raum verbanden. (Abb. 4) Obwohl mit den Stuttgarter Theaterverhältnissen zunächst nicht vertraut und obwohl zu dieser Zeit andere Architekten bzw. Ateliers eher als ‚Theaterspezialisten’ gelten konnten, hatte sich Littmann durch dem im Jahr zuvor fertiggestellten und weithin beachteten Bau des Münchner Prinzregenten-Theaters mit einem Schlag auf diesem Sektor profiliert. Der erste Kontakt zwischen Putlitz und Littmann betraf eine auf Bitten des Intendanten erstellte ungefähre Kostenschätzung für den Bau des Interimtheaters. Littmann brachte sogleich einen eigenen Vorschlag ins Spiel, der eine Modifikation des Zuschauerraums des Prinzregenten-Theaters enthielt. Littmann hatte sich wohl bereits Hoffnungen auf einen Stuttgarter Bauauftrag gemacht, aber auch nachdem ihm Planung und Ausführung des Interim-Theaters ‚entgangen’ waren, bleib er in der Stuttgarter Theaterbaufrage engagiert.

2.2 Doppelhausprojekte und Bauplatzfrage

Der neue und richtungsweisende Typ der Stuttgarter Theateranlage, das Doppeltheater aus Großem und Kleinem Haus, ist nicht die ausschließliche Erfindung Littmanns, auch war diese Idee schon lange vor dem Wettbewerb 1908 entwickelt. Littmann und Putlitz kommt jedoch der Verdienst zu, diesen Gedanken, der aus dem Wunsch nach einer Trennung von Oper und Schauspiel geboren war, als Grundlage des Wettbewerbs und der Bauausführung durchgesetzt zu haben. Bestrebungen, für Schauspiel und Opernaufführungen zwei eigenständige, den jeweils szenischen und stilistischen Anforderungen angemessenere Spielstätten zu gewinnen als sie das alte Hoftheater bot, sind schon für die Zeit um 1900 mit der Wiederherstellung und zeitweiligen Bespielung des Wilhelma-Theaters durch die Hofbühne greifbar. Als mit der Vernichtung des alten, für den gemischten Spielbetrieb kaum ausreichenden Hoftheaters eine grundsätzlich neue Situation entstanden war, wurde dieser Wunsch nach zwei unterschiedlichen, aber möglichst eng beieinanderliegenden Spielstätten bestimmend und fordernd für alle weiteren Zukunftsperspektiven. Der von Putlitz öffentlich und intern geäußerte Wunsch erfuhr noch eine entscheidende Präzisierung, die von Max Littman zumindest mitformuliert worden war. Sie beinhaltete die Zusammenfassung der beiden angestrebten unterschiedlichen Zuschauerhäuser samt Bühnen- und Nebenräumen mit den Magazin- und Verwaltungsräumen zu einem Baukomplex, der zwar architektonisch differenziert, doch in funktioneller und betrieblicher Hinsicht eine Einheit bilden sollte. Dieser Gedanke wurde auch von den mit der Theaterneubaufrage befassten Regierungsstellen und Kommissionen als Leitvorstellung übernommen und blieb – nicht immer unangefochten - als solcher über die Jahre bestehen.
Die durch die Vorbereitung und Realisierung des Bauvorhabens gestellten unterschiedlichsten Anforderungen hinsichtlich Bauvolumen, Platzbedarf und Standort im urbanen Kontext, hinsichtlich funktioneller und gestalterischer Lösungen und nicht zuletzt hinsichtlich der Finanzierungsfrage stellen eine Bündelung von Problemfeldern dar. Diese wurden über die Jahre hinweg etappenweise auf verschiedenen fachlichen, populistischen und administrativen Ebenen behandelt, was hinsichtlich der vor allem von Theodor Fischer formulierten urbanen Zielvorstellungen der Stadt zu erheblichen Kontroversen zwischen den Wünschen der Krone und den Vorstellungen der Regierung führte. Das Kgl. Finanzministerium hatte am 15. Juli 1902 grundsätzlich zugestimmt, den Bau eines Doppeltheaters als grundlegendes Prinzip für die weiteren Projektplanungen festzusetzen, jedoch noch ohne deutliche Präferenz für einen der drei hauptsächlich in Betracht kommenden Bauplätze (den des alten Hoftheaters, den Botanischen Garten, den Waisenhausplatz; Abb. 3). Darüber hinaus war erwogen worden, ob nicht neben Littmann noch einheimische Architekten mit der Bearbeitung eines Vorprojekts betraut werden sollten. Laut Vertrag mit der Kgl. Hofdomänenkammer vom 15. Juli 1902 erhält jedoch Max Littmann den ‚Alleinauftrag’ detaillierte Vorprojekte für zwei Häuser von 1400 bzw. 800 Plätzen nebst Magazinen als definitiven Ersatz des abgebrannten Hoftheaters auszuarbeiten. Als möglichem Standort wird nun auch offiziell dem Waisenhausplatz der Vorzug gegeben, während die Eignung der anderen Plätze durch nur orientierende Grundrissskizzen erwiesen werden sollten.

2.3 Doppelhaus in axialer Anordnung

[...]


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