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"Caudillismo"

Subtitle: Eine mögliche Abgrenzung des Begriffes

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 18 Pages
Author: Viviana Marcela Alvarez-Schüller
Subject: History - Non-German

Details

Event: Caudillos und Caziquen in Lateinamerika im 19. Jh.
Institution/College: University of Cologne (Iberische und lateinamerikanische Abteilung des Historischen Seminars)
Tags: Caudillismo, Caudillos, Caziquen, Lateinamerika
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 18
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V85084
ISBN (E-book): 978-3-638-00576-0
ISBN (Book): 978-3-638-91605-9
File size: 150 KB

Abstract

Das Wort Caudillo gehört seit Jahrhunderten zum gebräuchlichen Vokabular. Heute findet man es sowohl in Zeitungen, in allgemeiner Literatur als auch in der gesprochenen Sprache. Oft wird von einer besonderen Person des öffentlichen Lebens behautet, dass sie ein Caudillo ihrer Zeit sei. In der Wissenschaft ist dennoch der Begriff widersprüchlich. Einige Wissenschaftler, die von einer engen Definition ausgehen, vermeiden von Caudillos zu sprechen oder begrenzen ihre Erscheinung auf die Zeit der Unabhängigkeitsbestrebungen. Demgegenüber befinden sich andere Wissenschaftler, die den Caudillismo als ungebrochenes Phänomen der lateinamerikanischen Politik betrachten. Aus diesem Grund werden teilweise gewisse Persönlichkeiten der zweiten Hälfte des zwanzigen Jahrhunderts als Caudillos bezeichnet. Diese Arbeit setzt sich mit dem Begriff Caudillismo auseinander und versucht, den Begriff von anderen Begriffen, die oft auch in der Wissenschaft als Synonyme verwendet werden, zu unterscheiden.


Excerpt (computer-generated)

Universität zu Köln
Iberische und lateinamerikanische Abteilung des Historischen Seminars,
Hauptseminar: Caudillos und Caziquen in Lateinamerika im 19. Jh.

„Caudillismo“

Eine mögliche Abgrenzung des Begriffes

von

Viviana Alvarez-Schüller

 

 

 

Inhaltsverzeichnis  2

1. Einleitung  3

2. Rosas: Caudillo oder Diktator  4
2.1. Merkmale des klassischen Caudillo  4
2.2. Beziehung Rosas mit den anderen Provinzen der Konföderation  8
2.3 Die Ökonomie  10
2.4 Die Außenbeziehungen  11
2.5 Die Politische Ordnung  11

3. Abgrenzung des Begriffs Caudillo vom Begriff Diktator  12

4. Abgrenzung des Begriffs Caudillo von dem Begriff Cazique  14

5. Kann man heute noch vom Caudillos sprechen?  15

Literaturhinweise  17

 

 

1. Einleitung 

Das Wort Caudillo gehört seit Jahrhunderten zum gebräuchlichen Vokabular. Heute findet man es sowohl in Zeitungen, in allgemeiner Literatur als auch in der gesprochenen Sprache. Oft wird von irgendeiner besonderen Person des öffentlichen Lebens behautet, dass sie ein Caudillo unserer Zeit sei. In der Wissenschaft ist dennoch der Begriff widersprüchlich. Es gibt Wissenschaftler, die von einer engen Definition ausgehen und daher das Phänomen Caudillismo auf eine bestimmte Epoche begrenzen. Es wird z.B. in bestimmten lateinamerikanischen Lernbüchern vermieden vom Caudillos zu sprechen oder ihre Erscheinung auf die Zeit der Unabhängigkeitsbestrebungen zu begrenzen, wie Riekenberg in seiner Untersuchung über Caudillos und caudillismo1 erläutet hat. Demgegenüber befinden sich andere Wissenschaftler, die den Caudillismo als ungebrochenes Phänomen der lateinamerikanischen Politik betrachten. Aus diesem Grund werden teilweise gewisse Persönlichkeiten der zweiten Hälfte des zwanzigen Jahrhunderts als Caudillos bezeichnet. Diese Arbeit setzt sich mit dem Begriff Caudillismo auseinander und versucht, den Begriff von anderen Begriffen, die oft auch in der Wissenschaft als Synonyme verwendet werden, zu unterscheiden.

Um eine Abgrenzung des Phänomens des Caudillismos zu erlangen, werde ich mich anhand des Beispiels von Juan Manuel de Rosas in Argentinien mit dem klassischen Caudillismo auseinandersetzen. Von diesem Beispiel ausgehend werde ich versuchen, allgemeine Aussagen zu treffen, die ähnlichen lateinamerikanischen Phänomenen nicht widersprechen, um herauszufinden, wo die Grenzen zwischen den Begriffen Caudillo, Diktator und Cazique gesetzt werden könnten. Zuletzt werde ich einen kurzen Blick auf die Gegenwart werfen, um eine Meinung darzustellen, über die mögliche Verwendung des Begriffes in der heutigen Zeit in der lateinamerikanischen politischen Realität.

2. Rosas: Caudillo oder Diktator 

2.1. Merkmale des klassischen Caudillo 

Im folgenden Abschnitt versuche ich, die wichtigen Merkmale darzustellen, die ermöglichen, Rosas als klassischen Caudillo zu bezeichnen. Ich gehe zuerst von der Definition von Peter Waldmann aus. Er schlägt in Anlehnung an Francisco Moreno folgende Definition von Caudillismo vor: “Caudillismo soll heißen ein Typus autoritärer Herrschaft, der nicht institutionell verankert ist, sondern primär auf den persönlichen Führungsqualitäten des bzw. der herrschenden beruht“2 Das erste Merkmal, das man hier feststellen kann, ist die charismatische Persönlichkeit der Anführer, der als „Institutionersatz“ fungiert.

Wenn man im Rahmen der Typologie Max Webers zu arbeiten versucht, stellt man fest, dass es sich bei der Herrschaft von Juan Manuel de Rosas nicht um traditionelle Herrschaft handelt. Die Familie Rosas war eine seit Generationen etablierte Landfamilie, die hohes Ansehen genossen hat. Dennoch gab es vor Juan Manuel Rosas keine Familienmitglieder, die ein Amt innehatten, an das Rosas hätte anschließen können.

Über den zweiten Typus Legitimationsherrschafts, die Weber unterscheidet, die wertrationale Form, kann in der rosistischen Regierungszeit in gewissem Sinn gesprochen werden. Rosas wurde im Nachhinein, als Folge militärischer Erfolge, zum obersten Befehlshaber des Militärs in der Provinz berufen. Er wurde 1829 vom Repräsentantenhaus zum Gouverneur von Buenos Aires gewählt, um dem herrschenden chaotischen Zustand der Provinz nach der Ermordung von Dorrego ein Ende zu setzen. Er wurde als einzige mögliche Person angesehen, um Disziplin und Ordnung wieder herzustellen. Dennoch gegen diese Form von Legitimationsherrschaft spricht die Tatsache, dass Rosas sein Amt nur unter Vorbehalt von „facultades extraordinarias“ akzeptierte. Das Parlament verleiht Rosas im Jahr 1829 diese unbeschränkte Macht als vorläufige Lösung. Als diese Macht von dem Repräsentantenhaus nicht erneut wurde, akzeptierte Rosas kein Amt mehr.

[....]


1 Riekenberg, M.: “Caudillos y Caudillismo. La presentación del tema en los libros escolares latinoamericanos de historia”, in: Boletín del instituto de historia Argentina y Americana Dr. Emilio Ravignani; 3 (1991), S. 123- 138.

2 Peter Waldman: „Caudillismo als Konstante der politischen Kultur Lateinamerikas?“, in: Jahrbuch für Geschichte von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft Lateinamerikas 15, 1978, S. 194.


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