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Catos Origines

Untertitel: Cato als politischer Schriftsteller und politische Leitfigur

Hauptseminararbeit, 1996, 32 Seiten
Autor: Philipp Wehmann
Fach: Latein

Details

Veranstaltung: Cato als politischer Schriftsteller und politische Leitfigur
Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden (Klassische Philologie)
Tags: Catos, Origines, Cato, Schriftsteller, Leitfigur, römische, Geschichtsschreibung
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 1996
Seiten: 32
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 23  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V85201
ISBN (E-Book): 978-3-638-00617-0
ISBN (Buch): 978-3-638-91306-5
Dateigröße: 249 KB

Zusammenfassung / Abstract

In der vorliegenden Arbeit wird auf der Frage das Hauptgewicht liegen, ob den Origines des älteren Cato eine Gesamtkonzeption zugrunde liegt und, falls dem so ist, wie diese ausgesehen haben kann. Nepos macht in seiner Cato-Biografie hierzu nur ungenaue Feststellungen. Im Laufe dieser Untersuchung soll also nach einer kurzen Darstellung der Überlieferung der Origines auf ihre Struktur eingegangen werden; nach einer Bearbeitung der dafür zugrundeliegenden Quellen geht es um Catos Methoden und Zielsetzungen, bevor dann versucht werden soll, Cato als Geschichtsschreiber zu bewerten.


Textauszug (computergeneriert)

Hausarbeit mit dem Thema:

Catos O rigines

für das interdisziplinäre Hauptseminar in den Fächern Latein und Geschichte:

Cato als politischer Schriftsteller und politische Leitfigur

von 

Philipp Wehmann

Student für die Fächer Geschichte, Latein, Italienisch und Spanisch
an der Technischen Universität Dresden
erstellt im April/Mai 1996

 

 

 

 

Inhaltsangabe

1. Einleitung  2

2. Entstehung und Überlieferung der Origines   3

3. Die Struktur der Origines   6
a) Der Inhalt der Bücher I bis VII  ...  6
b) Die Einheit der Origines   11

4. Catos Quellen für seine Origines   14
a) Griechische Einflüsse und Quellen  14
b) Die Voraussetzungen für Cato in Rom   16
c) Lokale Quellen  18
d) Persönliche Erfahrungen Catos   19

5. Methoden Catos zur Abfassung seines Geschichtswerkes  19

6. Intentionen Catos bei der Abfassung der Origines   22

7. Schlußwort   25

8. Literaturverzeichnis   29
a) Quellen und Textausgaben   29
b) Sekundärliteratur  29

 

 

Einleitung

Als M. Porcius Cato Censorius (234-149)1 die Origines verfaßte, schrieb er gleichsam das erste römische Geschichtswerk in lateinischer Sprache und machte so die Sprache der Römer auch zu derjenigen der römischen Geschichtsschreibung.2 Schon allein diese Tatsache zeigt die Wichtigkeit dieses Werkes für die römische Literatur, aber auch für die Persönlichkeit Catos selber, auf.


"(M. Porcius Cato Censorius) senex historias scribere instituit. earum sunt libri septem. primus continet res gestas regum populi Romani, secundus et tertius unde quaeque ciuitas orta sit Italica, ob quam rem omnes Origines uidetur appellasse. in quarto autem bellum Poenicum est primum, in quinto secundum. atque haec omnia capitulatim sunt dicta. reliquaque bella pari modo persecutus est usque ad praeturam Seruii Galbae, qui diripuit Lusitanos: atque horum bellorum duces non nominauit, sed sine nominibus res notauit. in iisdem exposuit quae in Italia Hispaniisque aut fierent aut uiderentur admiranda: in quibus multa industria et diligentia comparet, nulla doctrina."3

Diese Textstelle ist das "by far the most important of the ancient statements"4 über die Origines Catos. Es wurde geschrieben von Cornelius Nepos, der seine Vita Catonis etwa 36 v.Chr. verfaßte5. Nepos, dessen hier vorliegende Inhaltsangabe der Origines alles andere als genau und eindeutig ist6, kommentiert dieses Werk bei seiner kurzen Erwähnung als mit Fleiß und Sorgfalt, aber ohne "doctrina" abgefaßte Bücher, geht dabei jedoch in keiner Weise auf ihren Wert für die römische Geschichtsschreibung bzw. die römische Literatur im allgemeinen ein.

Über die Interpretation von "doctrina" in diesem Zusammenhang besteht übrigens Unklarheit7, die es an dieser Stelle jedoch nicht ausführlich zu diskutieren gilt; der Verfasser schließt sich der Auffassung Timpes an, "doctrina" sei die wissenschaftliche Aufarbeitung des vorhandenen Materials8. Im Gegensatz dazu behauptet Meister9 mit Leo10, "nulla doctrina" sei die Nichtberücksichtigung griechischer Quellen, desgleichen heißt es für Knoche11 "sonder Buchwissen".12

In der vorliegenden Arbeit wird auf der Frage das Hauptgewicht liegen, ob diesem Werk eine Gesamtkonzeption zugrunde liegt und, falls dem so ist, wie diese ausgesehen haben kann - auch hierzu macht Nepos nur ungenaue Feststellungen. Im Laufe dieser Untersuchung soll also nach einer kurzen Darstellung der Überlieferung der Origines auf ihre Struktur eingegangen werden; nach einer Bearbeitung der dafür zugrundeliegenden Quellen geht es um Catos Methoden und Zielsetzungen, bevor dann versucht werden soll, Cato als Geschichtsschreiber zu bewerten.

Dagegen soll eine stilistische und sprachliche Untersuchung und damit die für diesen Aspekt ausschlaggebende Caedicius-Passage13 weitestgehend beiseite gelassen werden14, da diese ohne Relevanz für die Leitfrage ist; weiterhin das Fortwirken der Origines, eine sicherlich auch für diese Arbeit interessante Frage, die aber deren Rahmen sprengen würde, und schließlich die (mindestens) zwei eigenen, in die Origines eingebauten Reden Pro Rhodiensibus15 und In Servium Galbam, deren Bearbeitung Aufgabe einer Arbeit über Cato als Redner ist.

2. Entstehung und Überlieferung der Origines

Schon für seinen 192 v.Chr. geborenen Sohn Marcus verfaßte M. Porcius Cato ein Geschichtswerk, damit jener aus der Kenntnis von Taten und Sitten der Vorfahren Nutzen ziehen könne16. Völlig unabhängig davon17 begann er später sein eigentliches historisches Werk, die Origines. Es ist zwar nicht möglich, deren Abfassungszeit exakt zu datieren, da aber Nepos schreibt, Cato habe sein Geschichtswerk als senex, d.h. mit über 60 Jahren, begonnen18, läßt sich der Beginn der Abfassung des ersten Buches frühestens für das Jahr 174 annehmen; und da im zweiten Buch die Gründung der umbrischen Stadt Ameria auf 963 Jahre vor dem Krieg gegen Perseus (171-168) fixiert wird19, kann dieses nicht vor 168 geschrieben worden sein.20 Cato schrieb bis zu seinem Tode am siebten Buch der Origines; nachdem seine noch 149 gehaltene Rede gegen den Propraetor Servius Galba, der 151 als Statthalter in der spanischen Provinz eine Gruppe Lusitanier, die sich bereits ergeben hatten, getötet oder versklavt hatte21, eingearbeitet war, blieb ihm nur noch wenig Zeit: "M. Cato legem suadens in Galbam multa dixit; quam orationem in Origines suas rettulit paucis antequam mortuus est diebus an mensibus"22.

[....]


1 A.E. Astin: Cato the Censor, Oxford 1978 (künftig zitiert als Astin), 1.

2 D. Timpe: Le "Origini" die Catone e la storiografia latina, in: Atti e Memorie dell´ Academia Pataviana di Scienze, Lettere ed Arti 83, 1970/71, III (künftig zitiert als Timpe), 7.

3 Cornelius Nepos: Exerptum e libro Cornelii Nepotis de latinis historicis. M. Cato 3, 3-4, in: Cornelii Nepotis vitae cum fragmentis, ed. P.K. Marshall, Stuttgart Leipzig 1991 (künftig zitiert als Nep.Cat.)

4 Astin 212.

5 O. Schönberger: M. Porci Catonis scripta quae manserunt omnia. Marcus Porcius Cato Vom Landbau. Fragmente. Alle erhaltenen Schriften, Darmstadt 1980 (künftig zitiert als Schönberger), 387.

6 So urteilen beispielsweise R. Meister: Zu römischen Historikern, in: Anzeiger der österreichischen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse, 1964, 1 (künftig zitiert als Meister), 2, D. Flach: Einführung in die römische Geschichtsschreibung, Darmstadt 21992 (künftig zitiert als Flach), 69 ff., Astin 212 ff. und M. Chassignet: Caton Les Origines (Fragments). Introduction, Paris 1986 (künftig zitiert als Chassignet I), 10 ff.

7 Timpe 18, Anm. 62.

8 Ders. 20.

9 Meister 7.

10 F. Leo: Geschichte der römischen Literatur. 1.Bd.: Die archaische Literatur, Berlin 1913 (künftig zitiert als Leo), 298.

11 U. Knoche: Roms älteste Geschichtsschreibung, in: V. Pöschl: Römische Geschichtsschreibung, Darmstadt 1969 (künftig zitiert als Knoche I) 236.

12 Das vor allem die beiden letzten Ansichten nicht zutreffend sein können: s.u. S. 6 sowie S. 12 ff.

13 M. Chassignet (Hg.): Caton. Les Origines (Fragments), Paris 1986 (künftig zitiert als Origines), IV, 7.

14 Eine eingehende Untersuchung dazu liegt bei M. von Albrecht: Meister römischer Prosa. Von Cato bis Apuleius, Darmstadt 21983 (künftig zitiert als Albrecht Prosa) vor.

15 M. Chassignet: Caton et l´impérialsme romain au IIe siècle av. J.-C. d´après les Origines, in: Latomus 46, 1987 (künftig zitiert als Chassignet II), 295 bespricht anhand dieser Rede ausführlich die politischen und ökonomischen Vorstellungen Catos, die an dieser Stelle am klarsten zum Ausdruck kommen. Aber auch hierauf kann leider aus Platzgründen nicht weiter eingegangen werden.

16 Plutarch: Marcus Cato 20,7; zit. n. Schönberger.

17 M. von Albrecht: Geschichte der römischen Literatur, Bd. 1, München 21994 (künftig zitiert als Albrecht Literatur), 317 und Timpe 11 sind hierin gegen die nicht belegbare Meinung, es bestünde ein Zusammenhang zwischen den beiden Werken, wie es beispielsweise M. Gelzer, R. Helm: Art. `M. Porcius Cato Censorius´, RE 43. Hb. (künftig zitiert als Helm), 146 vermuten.

18 Nep.Cat 3, 3.

19 Origines II, 16: "Ameriam supra scriptam Cato ante Persei bellum conditam annis DCCCCLXIII prodit."

20 Timpe 10 und Chassignet I 7 f. Der Krieg gegen Perseus mußte, entgegen Leo 291, beendet gewesen sein, sonst hätte eine Datierung mit Hilfe dieses Krieges wohl keinen Sinn gemacht.

21 Schönberger 391.

22 Cic., Brut. 89; zit. n. Chassignet I 8. Im Zusammenhang mit dem Problem der Abfassungszeit des Gesamtwerks stellt sich die Frage der Datierung der einzelnen Bücher, die aber ihrerseits auf die vieldiskutierte Frage hinausläuft, ob Cato überhaupt ein zusammenhängendes Werk oder zwei voneinander unabhängige geschaffen hat. Darauf aber soll erst später (S. 9 ff.) eingegangen werden.


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