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Emile Jaques-Dalcroze - und die Hellerauer Schule

Scholary Paper (Seminar), 2005, 18 Pages
Author: Gunther Wilms
Subject: Pedagogy - Miscellaneous Topics

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 18
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V85257
ISBN (E-book): 978-3-638-00324-7
ISBN (Book): 978-3-638-91127-6
File size: 482 KB

Abstract

„Und wenn das ganze System der rhythmischen Erziehung sich auf der Musik aufbaut, so geschieht dies eben, weil die Musik eine hervorragende psychische Kraft ist, eine dem Seelenleben und dem Ausdruckswillen zugleich entspringende Kraft, die durch ihre anregende und ordnende Gewalt unsere sämtlichen vitalen Funktionen zu regeln vermag.“ Musik in der Bewegung erleben, die Sinne für das Aufnehmen für Musik sensibilisieren, um die musikalische Ausdrucksfähigkeit im Menschen zu vertiefen, das waren die neuen Impulse, mit denen der Schweizer Musikpädagoge Emile Jaques-Dalcroze (1865-1950) die Entwicklung der rhythmisch-musikalischen Erziehung (Rhythmik) auslöste. Damit entstand ein neues Bewusstsein für die Bedeutung des Körpers und der Bewegung als Ausdruck eines freieren Lebensgefühls. Wie es dazu kam, welche Bedeutung die Persönlichkeit Dalcroze’ dazu hatte und wie die äußeren Umstände waren, soll im Folgenden erläutert werden. Selbstverständlich schließt sich diesem eine Darstellung von Dalcrozes’ Rhythmik an, sowohl ihrer Merkmale in theoretischer Hinsicht als auch ihrer Umsetzung speziell in der "Bildungsanstalt Jaques-Dalcroze" in Hellerau (bei Dresden).


Excerpt (computer-generated)

UNIVERSITÄT LÜNEBURG
Fachbereich Erziehungswissenschaften
Institut für Deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik
Thema des Seminars:
Musik und Rhythmik
Fach: Musik

Der Schweizer Musikpädagoge

Emile Jaques-Dalcroze

Ausarbeitung

Verfasser: 

Gunther Wilms

Semesterzahl: 7
Datum: 21.09.2005

 

 

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1

2. Eckpunkte des Zeitgeschehens um 1900 3

3. Emile Jaques-Dalcroze 4

4. "Bildungsanstalt Jaques-Dalcroze" in Hellerau (bei Dresden) 6

5. Dalcrozes Grundgedanken 9
5.1. Rhythmus und Bewegung 9
5. 2. Dalcrozes Kunst- und Ästhetikbegriff 10
5.3. Musik, Bewegung und Tanz 10
5.4. Licht- und Buhnengestaltung 12
5.5. Die Wahrnehmung und das Empfinden von Kunst 12

6. Schluss 13

7. Quellenverzeichnis 15

 

 

1. Einleitung

„Und wenn das ganze System der rhythmischen Erziehung sich auf der Musik aufbaut, so geschieht dies eben, weil die Musik eine hervorragende psychische Kraft ist, eine dem Seelenleben und dem Ausdruckswillen zugleich entspringende Kraft, die durch ihre anregende und ordnende Gewalt unsere sämtlichen vitalen Funktionen zu regeln vermag.“1

Musik in der Bewegung erleben, die Sinne für das Aufnehmen für Musik sensibilisieren, um die musikalische Ausdrucksfähigkeit im Menschen zu vertiefen, das waren die neuen Impulse, mit denen der Schweizer Musikpädagoge Emile Jaques-Dalcroze (1865-1950) die Entwicklung der rhythmisch-musikalischen Erziehung (Rhythmik) auslöste. Damit entstand ein neues Bewusstsein für die Bedeutung des Körpers und der Bewegung als Ausdruck eines freieren Lebensgefühls. Wie es dazu kam, welche Bedeutung die Persönlichkeit Dalcroze’ dazu hatte und wie die äußeren Umstände waren, soll im Folgenden erläutert werden. Selbstverständlich schließt sich diesem eine Darstellung von Dalcrozes’ Rhythmik an, sowohl ihrer Merkmale in theoretischer Hinsicht als auch ihrer Umsetzung speziell in der "Bildungsanstalt Jaques-Dalcroze" in Hellerau (bei Dresden).

Nun zu der Frage: Warum habe ich dieses Thema gewählt? Zunächst einmal ist mein Geburtsort ebendieses Hellerau. Selbstverständlich bin ich aufgrund dessen geprägt wurden. Die eindrucksvolle Geschichte, Architektur und der Charme der Gartenstadt haben einen großen Einfluss auf mich ausgeübt. Die ehemalige "Bildungsanstalt Jaques-Dalcroze" bzw. das „Festspielhaus Hellerau“ habe ich in meiner Kindheit als Kaserne der sowjetischen Armee kennen gelernt und nach dem Abzug der russischen Truppen als Ruine erlebt. Da, wo zu Dalcrozes’ Wirkungszeit das Yin-Yang-Zeichen hing, war nun nur noch der Sowjetstern zu sehen. Heute ist wieder ein internationales Interesse der Rhythmiker an der Örtlichkeit Festspielhaus Hellerau zu verzeichnen. So wurde das „Institut Rhythmik Hellerau e.V.“ gegründet. Aber nicht nur das. Neben mehreren „Internationalen Rhythmikwerkstätten“ und der Ausstellung „Emile Jaques-Dalcroze - Musik in Bewegung“ finden audiovisuelle Performances und „electronic beats“-Veranstaltungen u.ä. statt.

Aber um meine oben gestellte Frage endgültig zu klären: Neben meinem Interesse resultierend aus meiner Herkunft und den heutigen Besuchen des Festspielhauses aufgrund der o.g. Veranstaltungen spielt das Musikverständnis von Dalcroze eine gehörige Rolle, da er durch seine revolutionären Ideen die musikalisch-rhythmische Erziehung prägte wie kaum ein Zweiter. Für mich als angehender Lehrer an berufsbildenden Schulen mit der Fachrichtung Sozialpädagogik (d.h. ich werde zukünftige Erzieherinnen und Erzieher ausbilden) ist das Wissen über Dalcrozes Wirken somit von äußerst großer Bedeutung.

2. Eckpunkte des Zeitgeschehens um 1900

Um die Jahrhundertwende fand eine entscheidende Trendwende statt, die bedeutende Entwicklungen und Theaterreformen nach sich zog. Es herrschte bis dahin der Naturalismus vor. Sowohl in der Literatur als auch auf der Bühne wurde das Leben der Menschen dargestellt. Doch es gab immer stärker werdende Kritik an dieser Methode und stattdessen orientierte man sich zunehmend an der neuen Ästhetikkonzeption, die Nietzsche mit seinem Werk "Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik" geliefert hatte. Die Musik avancierte zum neuen ästhetischen Modell.

Die mythischen Dimensionen des Theaters sollten als "Fest des Lebens" erneuert werden. Diesem Gedanken wurde durch die Veranstaltung zahlreicher Festspiele, die für die Teilnahme und Mitwirkung von Menschen(-massen) konzipiert worden waren, Rechnung getragen. Ebendiese Massenfestspiele entsprachen in ihrem Charakter dem angestrebten Programm der "Ästhetisierung des Lebens". Derartige Ideen entwickelten sich parallel zu einer Lebensreformbewegung, die an konservativen Wertvorstellungen festhielt und ein einfaches, naturgemäßes Leben idealisierte. In der Schauspielkunst wurde Methoden wie der Stilisierung und der Hervorhebung der Kunsthaftigkeit des Theaterspiels, die man besonders am Beispiel des japanischen Theaters beobachtete, mehr und mehr Bedeutung beigemessen. Auch der Bühnen- und Zuschauerraum wurde diesen neuen Ideen angeglichen, indem man Abstand vom Prinzip der so genannten Guckkastenbühnen nahm und dafür Theaterräume, die für ein Theater des Gemeinschaftserlebnis von Zuschauern und Schauspielern auch architektonisch ermöglichten sollten, schuf.

Dieser fundamentalen Reformbewegung des Theaters gehörten unter anderen namhafte Persönlichkeiten, wie Edward Gordon Craig, W.E. Meyerhold, Georg Fuchs, Adolphe Appia und Emile Jaques-Dalcroze an.

[....]


1 Emile Jaques-Dalcroze: Rhythmus, Musik und Erziehung. Georg Kallmeyer Verlag, Wolfenbüttel. S.75

 


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