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Ansätze zur Bewertung im Financial Sourcing

Diploma Thesis, 2005, 114 Pages
Author: Dipl. oec. Roman Simschek
Subject: Economics / Business: Banking, Stock Exchanges, Insurance, Accounting

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2005
Pages: 114
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 175  Entries
Language: German
Archive No.: V85344
ISBN (E-book): 978-3-638-90717-0
ISBN (Book): 978-3-638-91131-3
File size: 679 KB

Abstract

„Hätte die Automobilindustrie die gleiche Wertschöpfungstiefe wie die deutsche Kreditwirtschaft, müsste sie für die Lederausstattung der Sitze eine Rinderzucht unterhalten.“ Ernst Welteke, Bundesbankpräsident a. D. Dieses Zitat spiegelt die aktuell in der Finanzbranche weit verbreitete Meinung wider, Banken betrieben ein nicht mehr zeitgemäßes Wertschöpfungsmodell. Zahlen belegen, dass diese Einschätzung zutreffend zu sein scheint: Noch immer liegt die Wertschöpfungstiefe von Banken bei etwa 70 Prozent, während sie sich in der Automobilindustrie je nach Quelle inzwischen bei 25 bis 35 Prozent eingependelt hat. Hieraus resultiert die Forderung, dass nun auch Banken das umsetzen sollten, was Autohersteller bereits vor Jahrzehnten begonnen haben: die tief greifende Restrukturierung ihrer Wertschöpfungskette, verbunden mit einer Senkung der Wertschöpfungstiefe. Es ist somit nicht verwunderlich, dass befragte Bankenvertreter mit einer Reduzierung der Wertschöpfungstiefe um mindestens zehn Prozentpunkte allein in den nächsten fünf Jahren rechnen. Insofern stehen Banken vor der schwierigen Entscheidung darüber, welche Bereiche und Prozesse künftig noch innerhalb des eigenen Geschäftsmodells und welche durch externe Dienstleister beziehungsweise in Kooperation mit Dritten erbracht werden sollten. Die Suche nach der optimalen Sourcing-Strategie beziehungsweise dem optimalen Sourcing-Modell im Banking hat begonnen. Sourcing-Entscheidungen werden meist auf die Frage des „Make or Buy“ reduziert. Die Komplexität von Sourcing-Entscheidungen, speziell im Banking, ist jedoch wesentlich umfassender. Bei der Auswahl des optimalen Sourcing-Modells ist das klassische „Make or Buy“ nur eine von vielen zu treffenden Entscheidungen. Aufgrund dieser Komplexität erfordern Sourcing-Entscheidungen einen ganzheitlichen Bewertungsrahmen, der dieser Vielschichtigkeit gerecht wird. Geleitet von diesem Gedanken verfolgt die vorliegende Arbeit das Ziel, Bewertungsmethoden zu analysieren, die diesen Rahmen ausfüllen könnten.


Excerpt (computer-generated)

Ansätze zur Bewertung im Finacial Sourcing

Roman Simschek

Diplomarbeit zur Erlangung des Abschlusses eines DiplomÖkonomen

 

Inhaltsverzeichnis

1 Banken auf der Suche nach dem optimalen Sourcing-Modell ... 1

1.1 Relevanz des Themas ... 1

1.2 Ziele der Arbeit ... 1

1.3 Vorgehensweise und Aufbau ... 2

2 Theoretische Grundlagen ... 3

2.1 Financial Sourcing ... 3

2.2 Bewertung und Auswahl von Sourcing-Modellen ... 5

2.3 Entscheidungstheoretische Fundierung ... 6
2.3.1 Grundmodell der Entscheidungstheorie ... 6
2.3.2 Berücksichtigung verschiedener Informationsstände ... 9

2.4 Begriffliche Abgrenzung ... 10

3 Anforderungen an Bewertungsmethoden ... 12

3.1 Methodische Anforderungskriterien ... 12
3.1.1 Informationsberücksichtigung ... 12
3.1.2 Operationalisierung ... 13
3.1.3 Betrachtungshorizont ... 13
3.1.4 Automatisierung ... 14

3.2 Inhaltliche Anforderungskriterien ... 15
3.2.1 Business Engineering ... 15
3.2.2 Erfolgsmessung ... 16
3.2.3 Risikomessung ... 19
3.2.4 Interaktion Sourcing-Modell und Partnerwahl ... 19
3.2.5 Ablauf eines Sourcing-Projekts ... 20
3.2.6 Bankspezifische Anforderungen ... 21

3.3 Empirische Studien zum Financial Sourcing ... 25

3.4 Ableitung des Kriterienrasters ... 27

4 Methoden der Bewertung und Auswahl von Sourcing-Modellen ... 29

4.1 Bewertungsansätze ... 29
4.1.1 Qualitative Bewertungsansätze ... 29
4.1.1.1 Ansätze des Strategischen Managements ... 29
4.1.1.1.1 Market-based View ... 29
4.1.1.1.2 Resource-based View ... 30
4.1.1.1.3 Wertorientierte Unternehmensführung ... 31
4.1.1.1.4 Balanced Scorecard ... 32
4.1.1.2 Neue Institutionenökonomik ... 33
4.1.1.2.1 Prinzipal-Agenten-Theorie ... 34
4.1.1.2.2 „Property Rights“-Theorie ... 35
4.1.1.2.3 Transaktionskostentheorie ... 36
4.1.1.3 Kritische Analyse der qualitativen Bewertungsansätze ... 39
4.1.2 Quantitative Bewertungsansätze ... 42
4.1.2.1 Kostenrechnung ... 42
4.1.2.1.1 Total Cost of Ownership ... 42
4.1.2.1.2 Prozesskostenrechnung ... 43
4.1.2.2 Investitionsrechnung ... 45
4.1.2.2.1 Statische Verfahren ... 45
4.1.2.2.2 Dynamische Verfahren ... 46
4.1.2.3 Kritische Analyse der quantitativen Bewertungsansätze ... 48

4.2 Bewertungstechniken ... 51
4.2.1 Übersicht über Bewertungstechniken ... 51
4.2.2 Argumentenbilanz ... 53
4.2.3 Business Cases ... 53
4.2.4 Nutzwertanalyse ... 55
4.2.5 Portfoliotechnik ... 56
4.2.6 Kritische Analyse der Bewertungstechniken ... 58

4.3 Multitheoretische Entscheidungsmodelle ... 61
4.3.1 Strategic Sourcing Framework ... 61
4.3.2 IBI-Kubus – Multikausales Entscheidungsmodell ... 64
4.3.3 Sourcing-Optimierungsmodell ... 68
4.3.4 Bankbetriebliches Produktionsentscheidungsmodell ... 71
4.3.5 Zusammenfassende kritische Analyse der multitheoretischen Entscheidungsmodelle ... 75

5 Sourcing-Entscheidungen in der Praxis ... 77

5.1 Bankhaus Wölbern ... 77

5.2 Landesbank Baden-Württemberg ... 81

6 Fazit und Ausblick ... 86

Literaturverzeichnis ... 89

Anhang A: Unternehmensprofile ... 104

Anhang B: Interviewverzeichnis ... 105

Anhang C: LBBW-Vorgehensmodell ... 106

 

1 Banken auf der Suche nach dem optimalen Sourcing-Modell

1.1 Relevanz des Themas

„Hätte die Automobilindustrie die gleiche Wertschöpfungstiefe wie die deutsche Kreditwirtschaft, müsste sie für die Lederausstattung der Sitze eine Rinderzucht unterhalten.“

Ernst Welteke, Bundesbankpräsident a. D.

Dieses Zitat spiegelt die aktuell in der Finanzbranche weit verbreitete Meinung wider, Banken betrieben ein nicht mehr zeitgemäßes Wertschöpfungsmodell. Zahlen belegen, dass diese Einschätzung zutreffend zu sein scheint: Noch immer liegt die Wertschöpfungstiefe von Banken bei etwa 70 Prozent, während sie sich in der Automobilindustrie je nach Quelle inzwischen bei 25 bis 35 Prozent eingependelt hat [vgl. Nakamura 2004, S. 13]. Hieraus resultiert die Forderung, dass nun auch Banken das umsetzen sollten, was Autohersteller bereits vor Jahrzehnten begonnen haben: die tief greifende Restrukturierung ihrer Wertschöpfungskette, verbunden mit einer Senkung der Wertschöpfungstiefe. Es ist somit nicht verwunderlich, dass befragte Bankenvertreter mit einer Reduzierung der Wertschöpfungstiefe um mindestens zehn Prozentpunkte allein in den nächsten fünf Jahren rechnen [vgl. Accenture 2004, S. 16]. Insofern stehen Banken vor der schwierigen Entscheidung darüber, welche Bereiche und Prozesse künftig noch innerhalb des eigenen Geschäftsmodells und welche durch externe Dienstleister beziehungsweise in Kooperation mit Dritten erbracht werden sollten. Die Suche nach der optimalen Sourcing-Strategie beziehungsweise dem optimalen Sourcing-Modell im Banking hat begonnen.

1.2 Ziele der Arbeit

Sourcing-Entscheidungen werden meist auf die Frage des „Make or Buy“ reduziert. Die Komplexität von Sourcing-Entscheidungen, speziell im Banking, ist jedoch wesentlich umfassender. Bei der Auswahl des optimalen Sourcing-Modells ist das klassische „Make or Buy“ nur eine von vielen zu treffenden Entscheidungen. Aufgrund dieser Komplexität erfordern Sourcing-Entscheidungen einen ganzheitlichen Bewertungsrahmen, der dieser Vielschichtigkeit gerecht wird [vgl. Soreon 2004a, S. 8]. Geleitet von diesem Gedanken verfolgt die vorliegende Arbeit das Ziel, Bewertungsmethoden zu analysieren, die diesen Rahmen ausfüllen könnten.

1.3 Vorgehensweise und Aufbau

Ausgehend von diesem Ziel werden in dieser Arbeit verschiedene Forschungsfragen thematisiert. Erstens: Welche Bewertungsmethoden für Sourcing-Modelle gibt es? Zweitens: Welche Anforderungen sind an diese Methoden allgemein und speziell im Financial Sourcing zu stellen? Drittens: Welche der dargestellten Bewertungsmethoden werden den erarbeiteten Anforderungen gerecht und sind im Financial Sourcing anwendbar? Letztlich soll noch die Frage erörtert werden, wie die Entscheidungsfindung im Rahmen von Sourcing-Aktivitäten in der betrieblichen Praxis stattfindet.

Diese Fragen liefern den Leitfaden für den Aufbau dieser Arbeit. Im ersten Schritt werden theoretische Grundlagen zur Begrifflichkeit des Financial Sourcing sowie der Bewertung und Entscheidung gelegt. In einem zweiten Schritt wird zunächst ein Kriterienraster für Bewertungsmethoden auf der Grundlage gängiger betriebswirtschaftlicher Konzepte und branchenspezifischer Erfordernisse entwickelt. Im weiteren Verlauf der Arbeit erfolgt eine umfassende Darstellung und Analyse von Methoden der Bewertung, gegliedert nach Bewertungsansätzen, Bewertungstechniken und Entscheidungsmodellen. Diese werden dann jeweils anhand des zuvor entwickelten Kriterienrasters untersucht. Zwei Praxisfälle runden die im Rahmen dieser Arbeit angestellten Analysen ab. Sie sollen zeigen, welche Bewertungsmethoden in der Praxis Anwendung finden und welche Erfahrungen mit ihnen gemacht wurden.

(Abbildung 1: Aufbau der Arbeit [eigene Darstellung] - In Downloadversion enthalten)

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Financial Sourcing

In der Literatur werden die Begriffe „Outsourcing“ und „Sourcing“ häufig als gleichbedeutend verwendet [hierzu beispielhaft Lamberti 2005, S. 73]. Outsourcing setzt sich hierbei aus den englischen Begriffen „outside“, „resource“ und „using“ zusammen [vgl. Riedl 2003, S. 7]. Direkt übersetzt bedeutet Outsourcing somit „Nutzung externer Ressourcen“. Wie Abbildung 2 zeigt, stellt Outsourcing jedoch nur eine Dimension von Sourcing dar. Der Begriff des Sourcing ist demnach weitaus umfassender. Unter Sourcing-Konzepten sind die Kombinationen vielfältiger beschaffungspolitischer und strategischer Elemente und Prinzipien zu verstehen [vgl. Arnold 1996, S. 1861]. Des Weiteren legt Sourcing ein verändertes Verständnis der Unternehmung bezüglich der Wertschöpfung zugrunde. Dieses beinhaltet neben Beschaffungsaspekten auch die Gestaltung der gesamten Beziehungen zu Zulieferern und die Optimierung der Wertschöpfungskette [vgl. Kaufmann 1995, S. 277].

 

[...]


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