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Die Entstehung der Kategorien in Anlehnung an die ‚Kritik der reinen Vernunft‘ von Immanuel Kant

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 23 Pages
Author: Michael Schmidt
Subject: Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 5  Entries
Language: German
Archive No.: V85666
ISBN (E-book): 978-3-638-02035-0
ISBN (Book): 978-3-638-92308-8
File size: 368 KB

Abstract

„1. Was können wir wissen? 2. Was sollen wir tun? 3. Was dürfen wir hoffen?“ Kaum ein anderes Programm vermochte es bisher, die Gemüter so anhaltend und nachhaltig zu beschäftigen, wie das Kantische Oeuvre. In diesem Satz steckt gewissermaßen der ganze Anspruch seiner Philosophie, eine Philosophie die es sich zur Aufgabe macht, das ganze Phänomen „Mensch“ in all seinen Grundlagen und Grenzen zu fassen. Der Boden dieses gewaltigen Vorhabens bildet seine Erkenntnistheorie, welche im ersten seiner drei Hauptwerke ausgebreitet vor uns liegt, nämlich in der „Kritik der reinen Vernunft“ (im Folgenden mit K.d.r.V. abgekürzt). Einige Passagen daraus sind Ausgangspunkt und Gegenstand dieser Arbeit. Mit dem Vormarsch der Hirnphysiologie ist der Schlussstrich unter philosophische Überlegungen noch lange nicht gezogen, im Gegenteil, gerade sie gibt Anlass die Kantischen Gedanken noch einmal näher zu beleuchten. Oft stellt sich dabei heraus, dass die Richtigkeit der Annahmen Kants nun mit naturwissenschaftlichen Mitteln bewiesen werden. Aber das ist ein anderes Thema, welches in dieser Arbeit nicht näher verfolgt wird. Sie handelt vielmehr von einem Problem, das auch die Hirnphysiologie in absehbarer Zeit nicht wird lösen können. Und zwar soll auf eine Lücke im Kantischen Denken aufmerksam gemacht werden, ohne ihm vorzuwerfen, etwas übersehen zu haben. Es geht hier um ein grundsätzliches Problem, das die prinzipielle Richtigkeit seines Denkens überhaupt nicht in Frage stellt, sondern eher eine wichtige Voraussetzung betrifft, die bis heute nicht ausreichend er- bzw. geklärt ist. Wie Begriffe überhaupt, also Begriffe die einen konkreten Gegenstand bezeichnen, zustande kommen haben Peirce und nach ihm Eco auch schon gefragt, und haben durch ihre Arbeit zur Präzisierung der Kantischen Überlegungen beigetragen. Wie steht es jedoch mit den Kategorien? Wie kommen wir dazu? Was hier nicht geschieht, ist eine Nacherzählung dessen, was in besagter Kritik steht, sondern nur soviel, wie zum Aufweis dieser Frage, die in enger Verbindung mit den Kerngedanken Kants zu stehen scheint, nötig ist. Der erste Teil dieser Arbeit enthält demnach eine Skizzierung der zentralen Gedanken der Systematik der „Kritik der reinen Vernunft“, vor allem aber der Teile bis einschließlich der „Transzendentalen Deduktion“ . „Soviel wie nötig“, nicht „soviel wie möglich“ wird die Maßgabe der Herangehensweise dieses Textes sein.


Excerpt (computer-generated)

Johann Wolfgang Goethe Universität

Frankfurt am Main

Fachbereich 08

Institut für Philosophie

Eine Hausarbeit von Michael Schmidt mit dem Titel:

,,Die Entstehung der Kategorien in Anlehnung an die ,Kritik der reinen Vernunft`

von Immanuel Kant"

Im Hauptseminar: Kant: ,,Beschluß" der Kritik der praktischen Vernunft

Im Sommersemester 2006


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Skizzierung der Kerngedanken der ,,Kritik der reinen Vernunft" in Bezug auf die

Kategorien 4

3. Die Kategorien als notwendige Bedingung für die Erkenntnis der Gegenstände der

Erfahrung 13

4. Das Rätsel der Entstehung der Kategorien 16

Literaturverzeichnis 22

2


1. Einleitung

,,1. Was können wir wissen?

2. Was sollen wir tun?

3. Was dürfen wir hoffen?"1

Kaum ein anderes Programm vermochte es bisher, die Gemüter so anhaltend und

nachhaltig zu beschäftigen, wie das Kantische Oeuvre. In diesem Satz steckt

gewissermaßen der ganze Anspruch seiner Philosophie, eine Philosophie die es sich

zur Aufgabe macht, das ganze Phänomen ,,Mensch" in all seinen Grundlagen und

Grenzen zu fassen. Der Boden dieses gewaltigen Vorhabens bildet seine

Erkenntnistheorie, welche im ersten seiner drei Hauptwerke ausgebreitet vor uns

liegt, nämlich in der ,,Kritik der reinen Vernunft" (im Folgenden mit K.d.r.V.

abgekürzt). Einige Passagen daraus sind Ausgangspunkt und Gegenstand dieser

Arbeit. Mit dem Vormarsch der Hirnphysiologie ist der Schlussstrich unter

philosophische Überlegungen noch lange nicht gezogen, im Gegenteil, gerade sie

gibt Anlass die Kantischen Gedanken noch einmal näher zu beleuchten. Oft stellt

sich dabei heraus, dass die Richtigkeit der Annahmen Kants nun mit

naturwissenschaftlichen Mitteln bewiesen werden. Aber das ist ein anderes Thema,

welches in dieser Arbeit nicht näher verfolgt wird. Sie handelt vielmehr von einem

Problem, das auch die Hirnphysiologie in absehbarer Zeit nicht wird lösen können.

Und zwar soll auf eine Lücke im Kantischen Denken aufmerksam gemacht werden,

ohne ihm vorzuwerfen, etwas übersehen zu haben. Es geht hier um ein

grundsätzliches Problem, das die prinzipielle Richtigkeit seines Denkens überhaupt

nicht in Frage stellt, sondern eher eine wichtige Voraussetzung betrifft, die bis heute

nicht ausreichend er- bzw. geklärt ist. Wie Begriffe überhaupt, also Begriffe die einen

konkreten Gegenstand bezeichnen, zustande kommen haben Peirce2 und nach ihm

Eco3 auch schon gefragt, und haben durch ihre Arbeit zur Präzisierung der

Kantischen Überlegungen beigetragen. Wie steht es jedoch mit den Kategorien? Wie

kommen wir dazu?

Was hier nicht geschieht, ist eine Nacherzählung dessen, was in besagter Kritik

steht, sondern nur soviel, wie zum Aufweis dieser Frage, die in enger Verbindung mit

1 Kant, Immanuel, Kritik der reinen Vernunft, Hrsg. Wilhelm Weischedel, Bd. 3, Frankfurt a. M. 1974, B 833.

2 Peirce, Charles Sanders, Phänomen und Logik der Zeichen, Hrsg. Helmut Pape, Frankfurt a. M. 19983.

3 Eco, Umberto, Kant und das Schnabeltier, München 2003.

3


den Kerngedanken Kants zu stehen scheint, nötig ist. Der erste Teil dieser Arbeit

enthält demnach eine Skizzierung der zentralen Gedanken der Systematik der ,,Kritik

der reinen Vernunft", vor allem aber der Teile bis einschließlich der

,,Transzendentalen Deduktion"4. ,,Soviel wie nötig", nicht ,,soviel wie möglich" wird die

Maßgabe der Herangehensweise dieses Textes sein.

2. Skizzierung der Kerngedanken der ,,Kritik der reinen

Vernunft" in Bezug auf die Kategorien

Das von Kant angestrebte Ziel ist es, den Umfang und die Grenzen unseres

Vernunftvermögens auszuloten, da er der Ansicht ist, dass sobald die Vernunft über

die Grenzen der Erfahrung hinaus schreitet sie sich notwendigerweise in

Widersprüche oder zumindest ungesicherte Erkenntnisse verstrickt, deren Grund und

Boden sie sich meist nicht versichert hat. Er möchte nun die Grenze alles Wissbaren

zum bloß Gemutmaßten abstecken und damit einer schwärmerischen Metaphysik

Einhalt gebieten. Es muss deshalb zuerst das Fundament klargestellt werden, auf

dem Metaphysik betrieben werden kann. In der Vorrede der K.d.r.V. schreibt Kant

hierzu:

,,Dogamtism ist also das dogmatische Verfahren der reinen Vernunft, ohne

vorangehende Kritik ihres eigenen Vermögens. Diese Entgegensetzung soll daher

nicht der geschwätzigen Seichtigkeit, unter dem angemaßten Namen der Popularität,

oder wohl gar dem Skeptizism, der mit der ganzen Metaphysik kurzen Prozeß macht,

das Wort reden; vielmehr ist die Kritik die notwendige vorläufige Veranstaltung zur

Beförderung einer gründlichen Metaphysik als Wissenschaft, die notwendig

dogmatisch und nach der strengsten Forderung systematisch, mithin schulgerecht

(nicht populär) ausgeführt werden muß, denn diese Forderung an sie, da sie sich

anheischig macht, gänzlich a priori, mithin zu völliger Befriedigung der spekulativen

Vernunft ihr Geschäfte auszuführen, ist unnachlaßlich."5

Um also Metaphysik betreiben zu können, müssen zuerst die Grundlagen des

Denkens offengelegt werden auf die das spekulative Denken aufbaut. Erst dann lässt

4 Kant, Immanuel, Kritik der reinen Vernunft, Hrsg. Wilhelm Weischedel, Bd. 3, Frankfurt a. M. 1974, B 124 ff.

5 Ebenda, B XXXVI.

4


sich, so Kant, ein systematisches Gebäude der Metaphysik errichten. Die K.d.r.V. ist

nichts anderes als eine Propädeutik zu diesem Vorhaben, in welcher Kant versucht

auszuloten bis wohin reine Vernunft ohne Beigabe empirischer Data in Bezug auf

Erkenntnisse reicht. Unter Erkenntnissen versteht Kant Urteile, wobei er zwischen

Erfahrungsurteilen und reinen Erkenntnissen a priori Unterscheidungen trifft.

Erfahrungsurteile, oder besser noch Beobachtungsurteile, sind solche, die

hauptsächlich in der Naturwissenschaft angetroffen werden. Sie bedürfen eines

konkreten in der Empirie vorkommenden Gegenstandes. Letzterer wird anhand der

jeweiligen naturwissenschaftlichen Methode beschrieben und klassifiziert, d.h. es

werden aposteriorische Beobachtungsurteile gefällt. Das problematische an dieser

Art von Erkenntnissen ist, dass sie zwar als allgemeingültig angesehen werden

können, aber niemals als notwendig angenommen werden dürfen, da sie, wie schon

erwähnt, induktiv, also durch Beobachtung gewonnen werden. Alles was aus der

Empirie als Erkenntnis abgezogen wird ist in weiten Teilen kontingent, insofern hat

Hume ganz recht, wenn er sagt, dass wir vieles nur aus Gewohnheit so und so

erkennen, aber uns niemals einbilden dürfen, dass es notwendigerweise so und so

ist.

Kant sieht dieses Problem zwar auch, schlägt aber einen anderen Weg ein als

Hume. Für ersteren ist es geradezu selbstverständlich, dass es notwendige

Erkenntnisurteile geben muss, und zwar solche, die völlig a priori in unserem

Verstand liegen. Was ihn interessiert sind die Grundlagen jeglicher Art von

Erkenntnisurteilen, angeleitet von der Frage: was muss angenommen werden, wenn

wir von einem Erkenntnisurteil sprechen? Schon in der Einleitung zur K.d.r.V. taucht

deshalb auch die Unterscheidung zwischen analytischen und synthetischen Urteilen

a priori auf6, d. h. Urteile, die vor aller Erfahrung notwendige Gültigkeit besitzen. Ein

analytisches Urteil ist ein Erläuterungsurteil bspw. eines bestehenden Satzes, ein

synthetisches Urteil hingegen ist ein zusammengesetztes aus zwei oder mehr Teilen,

ein Erweiterungsurteil also. Ein synthetisches Urteil a priori ist ein solches, das vor

aller Erfahrung zwei oder mehr Teile so miteinander verbindet, wie in der Mathematik

zwei Zahlen miteinander addiert werden, was vor empirischen Gegebenheiten als

richtig und allgemeingültig eingesehen werden kann. Kant selbst bedient sich eines

einfachen Rechenbeispiels um dies zu zeigen, nämlich der Addition 7 + 5 = 127.

6 Ebenda, B 10 ff.

7 Ebenda, B 15.

5



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