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Klima und Wintertourismus in Mitteleuropa - Stand und Perspektiven

Termpaper, 2007, 41 Pages
Author: Sven Fitz
Subject: Geography / Earth Science - Tourism Geography

Details

Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 41
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 33  Entries
Language: German
Archive No.: V85726
ISBN (E-book): 978-3-638-01594-3

File size: 1652 KB

Abstract

Wetter und Klima können auf vielfältige Art und Weise Einfluss auf den Tourismus nehmen. Sie sind sowohl limitierende Faktoren als auch Steuergrößen der touristischen Nachfrage. Unter Wetter und Klima versteht man aber nicht nur grundlegende Größen wie Lufttemperatur und Niederschlag, sondern das ganze Spektrum der meteorologischen Größen und Phänomene der atmosphärischen Umwelt (MATZARAKIS 2006). Die Beschreibung und Bewertung des aktuellen Wetters und der klimatischen Bedingungen sind Grundbestandteil der Tourismus-Klimatologie. Kenntnis dieser Bedingungen bildet die notwendige Grundlage für das Tourismuspotential einer Region, welche mit Hilfe der Touristischen-Klima-Indizes beschrieben und bewertet werden kann. Die atmosphärischen Vorgänge in Mitteleuropa werden in den Wintermonaten wesentlich durch die Ausprägung der Nordatlantischen Oszillation beeinflusst, deren Variabilität neben der übergeordneten Klimaänderung die zukünftige Schneesicherheit in den Gebirgslagen Mitteleuropas bestimmt. Mit Hilfe von Schneemodellierungen auf der Basis von zwei unterschiedlichen Klimaszenarien (ECHAM und CCC) wird die Schneesicherheit am Beispiel des Skigebietes Engelberg analysiert und beschrieben. Unter veränderten Bedingungen, welche für den Zeitraum 2030-2050 erwartet werden, können nur noch Skigebiete oberhalb 1600 bis 2000 m NN als schneesicher bezeichnet werden. Die Klimaänderung beschleunigt die aktuellen Entwicklungen im Wintertourismus. Wenig rentable Skigebiete werden aus dem Markt ausscheiden, während höher gelegene Gebiete vorerst profitieren können. Neben wirtschaftlichen Auswirkungen treten auch ökologische Auswirkungen immer mehr in den Vordergrund. Um die Attraktivität von Tourismusdestinationen zu erhalten, müssen die Tourismusverantwortlichen das Angebot den neuen Bedingungen anpassen. Durch neue Konzepte oder eine entsprechende Verlagerung der Schwerpunkte kann die Attraktivität einer Destination erhalten werden.


Excerpt (computer-generated)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für physische Geographie
Hauptseminar: „Angewandte Klimatologie“
Freiburg, 1. August 2007

Klima und Wintertourismus in Mitteleuropa - Stand und Perspektiven

von

Sven Fitz

 


Inhaltsübersicht

ZUSAMMENFASSUNG... 4

1. KLIMA UND WINTERTOURISMUS... 5

1.1 DIE ENTSTEHUNG DER EUROPÄISCHEN WINTERWETTERLAGEN... 5
1.2 KLIMA ALS STANDORTFAKTOR IM TOURISMUS... 7

1.2.1 Klima-touristische Indizes... 10

Physiologisch Äquivalente Temperatur PET... 11
Bioklimadiagramm... 12
Klima-Tourismus-Informations-Schema CTIS... 14

2. AUSWIRKUNGEN EINER KLIMAÄNDERUNG... 15

2.1 SCHNEESICHERHEIT... 16

Analyse der Schneesicherheit am Beispiel Engelberg... 17

2.2 SCHNEEDECKENMODELLRECHNUNG... 21
2.3 SCHNEESICHERHEIT VON HEUTE UND MORGEN... 26
2.4 ÖKOLOGISCHE AUSWIRKUNGEN... 30
2.5 AUSWIRKUNGEN AUF DEN TOURISMUS... 32

3. ANPASSUNGSSTRATEGIEN... 33

3.1 SICHERUNG DES SKISPORTS... 33
3.2 ALTERNATIVEN ZUM WINTERTOURISMUS... 34
3.3 FINANZIELLE HILFELEISTUNG... 35
3.4 FATALISMUS... 36

4. FAZIT... 36


 

Zusammenfassung

Wetter und Klima können auf vielfältige Art und Weise Einfluss auf den Tourismus nehmen. Sie sind sowohl limitierende Faktoren als auch Steuergrößen der touristischen Nachfrage. Unter Wetter und Klima versteht man aber nicht nur grundlegende Größen wie Lufttemperatur und Niederschlag, sondern das ganze Spektrum der meteorologischen Größen und Phänomene der atmosphärischen Umwelt (MATZARAKIS 2006). Die Beschreibung und Bewertung des aktuellen Wetters und der klimatischen Bedingungen sind Grundbestandteil der Tourismus- Klimatologie. Kenntnis dieser Bedingungen bildet die notwendige Grundlage für das Tourismuspotential einer Region, welche mit Hilfe der Touristischen-Klima-Indizes beschrieben und bewertet werden kann.
Die atmosphärischen Vorgänge in Mitteleuropa werden in den Wintermonaten wesentlich durch die Ausprägung der Nordatlantischen Oszillation beeinflusst, deren Variabilität neben der übergeordneten Klimaänderung die zukünftige Schneesicherheit in den Gebirgslagen Mitteleuropas bestimmt. Mit Hilfe von Schneemodellierungen auf der Basis von zwei unterschiedlichen Klimaszenarien (ECHAM und CCC) wird die Schneesicherheit am Beispiel des Skigebietes Engelberg analysiert und beschrieben. Unter veränderten Bedingungen, welche für den Zeitraum 2030-2050 erwartet werden, können nur noch Skigebiete oberhalb 1600 bis 2000 m NN als schneesicher bezeichnet werden. Die Klimaänderung beschleunigt die aktuellen Entwicklungen im Wintertourismus. Wenig rentable Skigebiete werden aus dem Markt ausscheiden, während höher gelegene Gebiete vorerst profitieren können. Neben wirtschaftlichen Auswirkungen treten auch ökologische Auswirkungen immer mehr in den Vordergrund. Um die Attraktivität von Tourismusdestinationen zu erhalten, müssen die Tourismusverantwortlichen das Angebot den neuen Bedingungen anpassen. Durch neue Konzepte oder eine entsprechende Verlagerung der Schwerpunkte kann die Attraktivität einer Destination erhalten werden.

1. Klima und Wintertourismus

Wetter, Klima und Tourismus sind auf vielfältige Art und Weise miteinander verknüpft. Es soll deshalb im Folgenden erläutert werden, wie die europäischen Winterwetterlagen entstehen und welche Bedeutung das Klima für die Entwicklung des Tourismus in Mitteleuropa hat.

1.1 Die Entstehung der europäischen Winterwetterlagen

Das winterliche Witterungsgeschehen in Mitteleuropa wird hauptsächlich durch die großen Wassermassen des Nordatlantiks, durch den warmen Golfstrom und die Nähe zu den arktischen Luftmassen beeinflusst. Über dem Nordatlantik bildet sich ein charakteristisches atmosphärisches Muster aus. Zwei wesentliche Bestandteile dieses Musters sind das auf mitteleuropäischen Druckkarten leicht erkennbare Tiefdruckgebiet über Island und das Hochdruckgebiet westlich der Iberischen Halbinsel, das Azorenhoch. Aus diesen Druckgegensätzen resultiert ein Ausgleichswind. Die in rotierenden Bezugssystemen auftretende Corioliskraft, deren Ursache in der Drehimpulserhaltung der Luftmassen liegt, stellt eine Beschleunigung senkrecht zur Bewegungsrichtung dar, die dazu führt, dass Bewegungen vom rotierenden Bezugssystem aus gekrümmt erscheinen. Für die Luftmassen des Nordatlantiks bedeutet dies eine Ablenkung in östlicher Richtung. Luftmassen, die aus allen Richtungen zu dem Punkt des tiefsten Druckes strömen – also zum Islandtief – werden auf der Nordhalbkugel durch die Corioliskraft entgegen dem Uhrzeigersinn rotieren und bilden eine Zyklone. Luftmassen, die aus dem Azorenhoch strömen, rotieren dementsprechend im Uhrzeigersinn.

Abbildung 1: Konzeptionelle Darstellung von Meeresoberflächentemperatur, Meeresströmungen, Meereisverteilung, Luftdruck sowie Temperatur- und Niederschlagstendenz im Raum zwischen Nordamerika, Westeuropa und Nordafrika für den positiven Modus des NAOI (Geographisches Institut, Universität Bern 07/2007) [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]

Wie zwei Schaufelräder schaufeln die beiden Drucksysteme die Luftmassen in östlicher Richtung über den Atlantik, wobei über den warmen Wassermassen des Golfstromes die Erwärmung sowie die Wassersättigung der Luft begünstigt werden. Für den Winter in Mitteleuropa bedeutet diese Konstellation relativ hohe Niederschlagsmengen und milde Lufttemperaturen.

Abbildung 2: Konzeptionelle Darstellung von Meeresoberflächentemperatur, Meeresströmungen, Meereisverteilung, Luftdruck sowie Temperatur- und Niederschlagstendenz im Raum zwischen Nordamerika, Westeuropa und Nordafrika für den negativen Modus des NAOI (Geographisches Institut, Universität Bern 07/2007) [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]

Ist das System von Islandtief und Azorenhoch im Hochwinter weniger stark ausgeprägt, dominiert der Einfluss der arktischen Luftmassen. Die nach Süden verlagerte Westströmung verliert an Intensität und bildet die Tiefdruckgebiete im mediterranen Raum. Das stabile winterliche Kältehoch mit Kern über Russland kann nun weit in südwestlicher Richtung vordringen und bewirkt eine äußerst stabile Wetterlage in Mitteleuropa, dessen kalte Luftmassen die Schneesicherheit in den europäischen Wintersportgebieten begünstigt. Die Stärke der nordatlantischen Oszillation wird durch einen Index bewertet. Der NAO-Index ist definiert als die Differenz der Druckabweichung von den jeweiligen Mittelwerten an der Station Ponta Delgada (Azoren) und Stykkisholmur (Island). Eine Zeitreihe des NAO-Index von 1825 bis 2000 ist in Abbildung 3 dargestellt. Diese Abbildung verdeutlicht, dass der NAO-Index großen Schwankungen unterliegt.

Abbildung 3: Zeitreihe des NAOI (IFM-GEOMAR 07/2007) [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]

Die NAO ist hauptsächlich im Winter ausgeprägt, in den übrigen Jahreszeiten ist sie nur sehr schwach ausgebildet. Wie die Zeitreihe in Abbildung 3 zeigt, schwankt der NAO-Index zwar sehr stark, eine dominante Periodizität ist aber nicht zu erkennen. Häufig werden zwar Schwankungen im Bereich von 8 bis 10 Jahren angegeben, diese Perioden sind aber nicht stationär. Die letzten 20 Jahre zeichnen sich durch fast ausschließlich positive Indizes mit sehr hohen Werten aus, was möglicherweise eine Auswirkung einer globalen Erwärmung sein könnte; Klimamodelle geben zumindest Hinweise darauf (IFM-GEOMAR 2007).

1.2 Klima als Standortfaktor im Tourismus

Der Tourismus ist einer der weltweit größten und am schnellsten wachsenden Industriezweige. Für den Zeitraum von 1980 bis 2002 konnte der Tourismus weltweite Zuwachsraten von über 150% verzeichnen, was einem mittleren jährlichen Wachstum von etwa 7% entspricht (WORLD TRADE ORGANISATION, 2003). Sowohl in der Karibik, den Mittelmeerländern als auch in den Hochgebirgsregionen Mitteleuropas wird die Attraktivität des Reiseziels wesentlich durch das Wetter bestimmt. Wetter, Klima und Tourismus sind auf vielfältige Art und Weise miteinander verknüpft. Das Wetter ist definiert über die Zustände und Vorgänge innerhalb der Atmosphäre zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort. Das Klima, definiert als mittlerer Zustand der Atmosphäre bestimmt neben vielen anderen Faktoren, ob gewisse Tourismusformen an bestimmten Orten grundsätzlich in Frage kommen oder nicht. Unter Touristikern herrschte lange Zeit die Vorstellung, Klima sei etwas Konstantes. Diese Auffassung gilt es zu korrigieren: Das Klima ist nicht statisch, sondern variabel in Raum und Zeit (ABBEG 1996, S.2). Für den Tourismus, der die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder Wohnort noch Arbeitsplatz ist, kann also vereinfacht gesagt werden: Das Klima bestimmt, ob ein Gebiet für bestimmte touristische Aktivitäten in Frage kommt, das Wetter hingegen bestimmt, ob diese Aktivitäten auch tatsächlich ausgeübt werden können.

[...]


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