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Amok oder Massenmord - Der Fall des Robert Steinhäuser

Termpaper, 2007, 30 Pages
Author: Gabor Nagy
Subject: Psychology - Forensic Psychology, Penal System

Details

Event: Blockseminar: Trauma und Traumabehandlung
Institution/College: University of Heidelberg (Psychologisches Institut)
Tags: Amok, Massenmord, Fall, Robert, Steinhäuser, Blockseminar, Trauma, Traumabehandlung
Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 30
Bibliography: ~ 17  Entries
Language: German
Archive No.: V85784
ISBN (E-book): 978-3-638-01761-9

File size: 264 KB

Abstract

In der folgenden Arbeit wird hauptsächlich die Frage behandelt, ob es sich bei dem Fall des Robert Steinhäuer um einen Amoklauf im traditionellen Sinne oder um einen Massenmord handelt. Die Aktualität der Frage wird vor allem durch die zwischen dem Erscheinungsbild und der Definition des Amoks aus heutiger Sicht bestehende Diskrepanz gerechtfertigt. Bei der Diskussion der Frage wird vor allem auf die Punkte Definition, Stadien, sozioökonomische Charakteristika der Täter, Hintergründe und Motive, Risikomarker, die Rolle der Medien und detaillierter auf das Fallbeispiel von Robert Steinhäuser detaillierter eingegangen.


Excerpt (computer-generated)

Vorgelegt im Rahmen des Blockseminars Trauma und Traumabehandlung
Psychologisches Institut der Universität Heidelberg
Sommersemester 2007

Amok oder Massenmord?
Der Fall des Robert Steinhäuser

von

Gabor Nagy

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung... 3

Amok oder Massenmord. Der Fall des Robert Steinhäuser... 3

1. Begriff, Geschichte und Definition... 4

2. Stadien – wie entwickelt sich ein Amoklauf?... 8

3. Soziodemographischer Hintergrund... 10

4. Waffennutzung... 11

5. Ursachen, Hintergründe, Auslöser... 13

6. Gefährdungsanalyse und Risikomarker... 14

7. Die Rolle der Medien... 17

8. School Shooting und der Fall des Robert Steinhäuser... 19

Vorgeschichte und Tathergang... 19
Diskussion... 20

9. Abschließende Bemerkungen... 23

10. Exkurs... 24

Literaturverzeichnis... 27

Anhang: Chronologie der Gewalt. Amokläufe an Schulen und Universitäten... 28


 

Einleitung

In der folgenden Arbeit wird hauptsächlich die Frage behandelt, ob es sich bei dem Fall des Robert Steinhäuer um einen Amoklauf im traditionellen Sinne oder um einen Massenmord handelt. Die Aktualität der Frage wird vor allem durch die zwischen dem Erscheinungsbild und der Definition des Amoks aus heutiger Sicht bestehende Diskrepanz gerechtfertigt. Bei der Diskussion der Frage wird vor allem auf die Punkte Definition, Stadien, sozioökonomische Charakteristika der Täter, Hintergründe und Motive, Risikomarker, die Rolle der Medien und detaillierter auf das Fallbeispiel von Robert Steinhäuser detaillierter eingegangen.

Amok oder Massenmord. Der Fall des Robert Steinhäuser

„Bis zum 26. April 2002 galt Littleton als das Synonym für den Schrecken des so genannten School Shootings, also für Amokläufe Jugendlicher an Schulen. Fast auf den Tag genau drei Jahre später führten die Ereignisse in Erfurt zu einem neuen traurigen Rekord. … Viele hatten bis dahin derartige Taten für ein spezifisches Problem der USA gehalten. Schuld gab man der dortigen Waffenkultur und der Ideologie eines Individualismus, die den freien Wettbewerb der Stärke propagiert und wenig Verständnis für individuelle Leistungsschwäche und einen Mangel an Durchsetzungsfähigkeit aufbringt.“ (Hoffmann, 2002, S. 28) Aus dieser kurzen Einleitung ergeben sich an der Stelle zwei Frage: Können die Ereignisse in Littleton und in Erfurt als Amok bezeichnet werden? Auf diese Frage wird in der vorliegenden Arbeit versucht, eine Antwort zu finden. Die zweite Frage ist etwas indirekter: handelt es sich beim Amok um ein kulturelles Phänomen? „Zunächst kann festgelegt werden, dass das Amok Phänomen nicht auf bestimmte kulturelle Gemeinschaften beschränkt ist. Es wird in fast allen Kulturen und Gesellschaften beobachtet. … [Die] Störung [scheint aber] auf eine ganz bestimmte kulturelle Gruppierung oder Schicht eingeschränkt [zu sein]. … Genau wegen dieses spezifisch kulturellen Anteils gilt Amok für viele Forscher … als besonders prototypische kulturelle Störung“. (Fiedler, 2001, S. 352, 356) Welche diese Schicht ist, wird im Abschnitt 3 näher beschrieben. Einer ungleichen nationenspezifischen Häufigkeitsverteilung der „Amokläufe“ kann aber schon im Voraus ohne große Vorbehalte zugestimmt werden.

1. Begriff, Geschichte und Definition

Um das Phänomen näher beschreiben und aus diagnostischer Sicht den Amoklauf von Erfurt diskutieren zu können (falls von einem Amoklauf überhaupt die Rede sein kann), sollen hier zuerst ein kurzer etymologischer Einstieg in das Thema, Definitionen und schließlich ein historischer Überblick angeführt werden Die Herkunft des Begriffs Amok ist umstritten. Er soll zum einen aus dem malaiischen Wort „amuk“ abgeleitet sein, welches mit „wütend“ oder „rasend“ übersetzt werden könnte. Zum anderen heißt es, „er stamme aus der portugiesischen Version „Amuco“, einer in den Hindu- Staaten Indiens gebräuchlichen Bezeichnung für Krieger, die den Feind mit Todesverachtung angreifen und vernichten wollen.“ (http://www.psychosoziale-gesundheit.net/ psychiatrie/amok.html) Der Begriff Amok unterliegt aber einem schnell voranschreitenden Bedeutungswandel. Die im Folgenden aufgelisteten Definitionen müssen neu interpretiert bzw. ergänzt oder geändert werden, da heutzutage etwas anders unter Amok verstanden wird, als es in den folgenden Begriffsbestimmungen steht. Laut Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) versteht man unter Amok „Eine willkürliche, anscheinend nicht provozierte Episode mörderischen oder erheblich (fremd-) zerstörerischen Verhaltens. Danach [treten] Amnesie und/oder Erschöpfung [auf], häufig auch der Umschlag in selbst- zerstörerisches Verhalten, d.h. Verwundung oder Verstümmelung bis zum Suizid.“ (Faust zit. nach http://de.wikipedia.org/wiki/Amok) Nach dem DSM-IV-TR versteht man unter Amok:


„Eine dissoziative Episode, die durch eine Periode des Grübelns charakterisiert ist, auf die ein Ausbruch gewalttätigen, aggressiven oder menschengefährdeten Verhaltens folgt, das sich auf Personen oder Objekte richtet. Eine solche Episode scheint durch eine wahrgenommene Herabsetzung oder Beleidigung ausgelöst zu werden und nur bei Männern vorzukommen. Die Episode geht oft einher mit Verfolgungsideen, Automatismen, Amnesie und Erschöpfung sowie einer anschließenden Rückkehr zum prämorbiden Status. … Die ursprüngliche Berichte, in denen der Begriff benutzt wurde, stammten aus Malaysia. Ein ähnliches Verhaltensmuster tritt in Laos, auf den Philippinen, in Polynesien …, Papua Neuguinea, Puerto Rico … und bei den Navajo- Indianern auf.“ (DSM-IVTR, 2003, S. 931)

Das Lexikon der Psychologie von Arnold, Eysenck, Meili definiert Amok als „eine plötzlich und selten auftretende Geistesstörung, die in erster Linie bei Malaien auftritt, obwohl auch in anderen Kulturen ähnliche Erscheinungen zu beobachten sind. Die Patienten werden wild und beginnen Menschen anzugreifen. Der hyperaktive Zustand dauert bis zur totalen Erschöpfung an.“ (Arnold, Eysenck, Meili zit. nach Fink, 2001, S. 31) Laut Definition von Daly und Wilson versteht man unter Amok, „das aus dem Malaysischem stammt und so viel bedeutet wie Wut, wütend oder, was dem Phänomen noch näher kommt, im Kamp sein letztes geben, eine mörderische Raserei, die ein offenbar wahlloses Töten von jedem, der unglücklicherweise dem Täter über den Weg läuft, zur Erfolg hat. Möglicherweise wird der Amokläufer überwältigt, er tötet sich selbst oder er bricht erschöpft zusammen. Sollte er überleben, so kann er sich meist an nichts erinnern und versucht dies auch nicht.“ (Daly, Wilson zit. nach Fink, 2001, S. 31) Ellenberg definiert den Amok als einen „erweiterten Suizid in einer besonderen, kulturell bedingten Form, in der eine große aufgestaute, aber diffuse Aggression entladen wird.“ (Ellenberg zit. nach Fink, 2001, S. 32) In den oben genannten Definitionen werden für einen Amok wichtige Kriterien und Merkmale genannt. Bevor auf die historische Entwicklung des Begriffs näher eingegangen wird, soll hier eine kurze Zusammenfassung dieser Kriterien stehen. Um eine Massaker als Amok definieren zu können müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

[...]


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