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Termpaper, 2004, 30 Pages
Authors: Dipl. Germ. Univ. Nikolai Sokoliuk, Markus Erhard
Subject: Communications: Journalism, Journalism Professions
Details
Tags: Soziale, Missstände, Jahren, Ursache, Revolution, Franken
Year: 2004
Pages: 30
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 13 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-01654-4
File size: 135 KB
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Abstract
Die Revolution von 1848 in Deutschland war ein Ereignis, das sich auf viele unterschiedliche Weisen dargestellt hat. Je nach dem, welche Region des damals noch in einzelne Königreiche aufgeteilten Landes man betrachtet, kann man sehr unterschiedliche Gründe, sowie große Differenzen in der Artikulations- bzw. Aktionsweisen der Betroffenen Menschen erkennen. In Bayern stellt die nördliche Region, also das „neubayerische“ Franken im Gegensatz zum altbayerischen Süden den Hauptschauplatz der Revolution dar. Hier war eine deutliche radikale, also demokratische Opposition gegenüber dem bayerischen König Ludwig I und seiner Regierung zu spüren. Revolutionäre Zentren innerhalb Frankens stellten wiederum einige Städte (v.a. Würzburg, Schweinfurt, Bamberg und Nürnberg) dar, wobei auch auf dem Land, speziell in wenig fruchtbaren und stark gewerblich durchsetzten Gebieten, der Protest gegen die alte, monarchistische Tradition sehr ausgeprägt war. Diese Arbeit wird sich im Folgenden mit den Ursachen der Revolution beschäftigen; insbesondere hierbei mit den sozialen Missständen, die in den 1840er Jahren zu dem großen Unmut und Umsturzwillen der Bevölkerung führten.
Excerpt (computer-generated)
Otto Friedrich Universität Bamberg
Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaften
Hauptseminar: Die Revolution von 1848 als Medien- und Kommunikationsereignis
SS 2004
Abgabedatum: 25.05.2004
Soziale Missstände in den 1840er Jahren
als Ursache für die Revolution
in Franken
Nikolai Sokoliuk
Markus Erhard
Diplom Germanistik
Schwerpunkt Journalismus
2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die sozialen Missstände und ihre Ursachen 4
2.1 Bevölkerungswachstum 4
2.2 Missernten und Teuerung 5
2.3 Technische Neuerungen und Industrialisierung 6
2.4 Presse und Zensur 7
3. Die Auswirkungen 8
3.1 Bauern 8
3.2 Arbeiter 10
3.3 Handwerk 11
3.4 Flößer 12
3.5 Bildungsbürgertum 13
4. Aktionen und Artikulation der verschieden Bevölkerungsgruppen 14
4.1 Reaktionen und Artikulation der Bauern 15
4.2 Reaktionen und Artikulation der Arbeiter und Handwerker 18
4.3 Reaktionen und Artikulation der Flößer 20
4.4 Reaktionen und Artikulation des Bildungsbürgertums 21
5. Das Ende und die Ergebnisse der Revolution 26
6. Schluss 28
Literatur 29
3
1. Einleitung
Die Revolution von 1848 in Deutschland war ein Ereignis, das sich auf viele unterschied-
liche Weisen dargestellt hat. Je nach dem, welche Region des damals noch in einzelne König-
reiche aufgeteilten Landes man betrachtet, kann man sehr unterschiedliche Gründe, sowie
große Differenzen in der Artikulations- bzw. Aktionsweisen der Betroffenen Menschen er-
kennen.
In Bayern stellt die nördliche Region, also das ,,neubayerische" Franken im Gegensatz
zum altbayerischen Süden den Hauptschauplatz der Revolution dar. Hier war eine deutliche
radikale, also demokratische Opposition gegenüber dem bayerischen König Ludwig I und
seiner Regierung zu spüren. Revolutionäre Zentren innerhalb Frankens stellten wiederum ei-
nige Städte (v.a. Würzburg, Schweinfurt, Bamberg und Nürnberg) dar, wobei auch auf dem
Land, speziell in wenig fruchtbaren und stark gewerblich durchsetzten Gebieten, der Protest
gegen die alte, monarchistische Tradition sehr ausgeprägt war.
Diese Arbeit wird sich im Folgenden mit den Ursachen der Revolution beschäftigen; ins-
besondere hierbei mit den sozialen Missständen, die in den 1840er Jahren zu dem großen
Unmut und Umsturzwillen der Bevölkerung führten. Um die vielen unterschiedlichen Fakto-
ren, die eben diese sozialen Probleme auslösten, klar darstellen zu können, wird sich ein erster
Punkt alleine mit diesen Ursachen beschäftigen.
Neben dem explosionsartigen Bevölkerungswachstum, den Missernten der Jahre 1842 und
1846 und der Lebensmittelteuerung als Folge der Nahrungsknappheit, spielt hier die begin-
nende Industrialisierung als Ursache für das Entstehen des vierten Standes eine große Rolle.
Auch die Zensur der Presse wird hier als ein sozialer Missstand angesehen, da er sich direkt
auf die Gesellschaft und auf die Grund- beziehungsweise Naturgesetze der Menschen aus-
wirkt.
Im Anschluss daran werden zunächst die Auswirkungen der sozialen Probleme für die un-
terschiedlichen Bevölkerungsgruppen deutlich gemacht. Hierbei wird zwischen den damali-
gen Gesellschaftsschichten sowie Berufssparten unterschieden, die von den Problemen natür-
lich unterschiedlich stark, und in völlig verschiedener Weise betroffen waren. Nur um ein
Beispiel zu nennen, waren die Bauern natürlich vor allem von den Missernten, und weniger
vom Einsatz von Dampfmaschinen in modernen Fabriken betroffen.
Diese Differenziertheit der Auswirkungen auf verschiedene Personengruppen führt natür-
lich auch zu unterschiedlichen (Re-)Aktionen. So werden im Folgenden, zunächst die Aktio-
nen sowie die Art und Weise der Artikulation der jeweiligen Menschen, die je nach Bildungs-
4
stand und Betroffenheitsgrad natürlich ebenfalls völlig anders geartet ausfielen, beschrieben
und analysiert.
In einem letzten Punkt sollen schließlich der Ausgang der Revolution und die Ergebnisse
beschrieben werden.
2. Die sozialen Missstände und ihre Ursachen
Wie sehr die sozialen Missstände auf die Bevölkerung gewirkt haben und wie allgegen-
wärtig sie waren, wird in einem Artikel des Wahrheitsfreundes vom 17. Mai 1848 deutlich.
Hier wird die Ständeversammlung in München klar aufgefordert, nicht lange um den heißen
Brei herumzureden, sondern ,,gerade darauf los zu gehen"1. Hier werden auch alle möglichen
Missstände und Möglichkeiten ihrer Beseitigung aufgezählt. doch zunächst die Ursachen der
Missstände im Detail.
Die sozialen Missstände in ganz Deutschland lassen sich auf verschiedene Faktoren zu-
rückführen. Neben der politischen Unzufriedenheit, die vor allem bei den noch nicht ganz
freien Bauern und dem radikal, bzw. demokratisch eingestellten Bildungsbürgertum zeigte,
spielen auch ganz banale Gründe, die beinahe jeden Menschen damals betroffen haben, eine
große Rolle. Aus ihnen resultiert schließlich der allgemeine Unmut, der die Leute endgültig
nicht mehr zusehen lässt, und sie auf die Straßen treibt, um ihrem Ärger Luft zu machen.
Im Folgenden werden diese Gründe für die allgemeine Unzufriedenheit, die übrigens in
ganz Deutschland verbreitet waren, am Beispiel einiger fränkischer Gegenden und Städte auf-
gezeigt.
2.1 Bevölkerungswachstum
In Bayern ist zwar der Bevölkerungszuwachs in den Jahren vor der Revolution nicht so
ausgeprägt, wie beispielsweise in Preußen oder im gesamten Gebiet des späteren Deutschen
Reiches, doch bemerkt man auch hier einen deutlichen Anstieg. So wächst die Bevölkerung
Frankens von 1837 noch 1.334.100 auf 1855 bereits 1.613.900 Köpfe. Mit einer Wachstums-
rate von ca. 27,5 Prozent liegt Unterfranken hier übrigens ganz vorne. 2
Da zu dieser Zeit noch der Großteil der Bevölkerung auf dem Land lebt, merkt man hier
den Anstieg ganz besonders stark. Die Landbevölkerung macht in Franken 1840 immerhin
zwischen 55% (Mittelfranken) und 73% (Unterfranken) aus. Eine Folge dieser Übervölkerung
1 ,,Der Wahrheitsfreund" Nr. 62. 17.05.1848 S. 246 StaBi BA, M.v.O. Misc. Rev. 88/73
2 vgl. Zimmermann, Ludwig (1951): Die Einheits- und Freiheitsbewegung und die Revolution von 1848 in Fran-
ken. (=Darstellungen aus der fränkischen Geschichte Bd. 9). Würzburg. Ferdinand Schöningh. S. 171 (Im Fol-
genden Zimmerman 1951)
5
ist die zunehmende Armut von Kleinbauern, Häuslern und Tagelöhnern. Sie finden wegen
ihrer großen Anzahl kaum noch auskommen, doch hierzu später mehr.3
Diesem Überschuss an Menschen treten zwei Faktoren nach und nach entgegen: zunächst
,,zeichnen sich Anfänge der Fabrikindustrie ab. Hier konnte ein gewisser Teil (...) unterkom-
men."4 Außerdem wandern immer mehr Menschen aus zwischen 1835 und 1856 sind es in
Franken insgesamt 13.284. Trotzdem wird der rasante Anstieg der Bevölkerung zu einem
immer größeren Problem.
2.2 Missernten und Teuerung
Ein weiterer, äußerst wichtiger Punkt bei der Aufzählung von sozialen Problemen stellen
die Missernten in den 1840er Jahren dar. Bereits 1842 ist in der Chronik der Familie Messer-
schmitt aus Bamberg von einer Trockenheit die Rede, die den Viehbestand verringerte.5 Nach
einem Hochwasser im Jahr 1845, das ,,alle in den Tälern liegenden Grundstücke über-
schwemmt(e) und die darauf stehenden Früchte größtenteils zugrunde (gehen ließ)"6, fällt
auch im Jahr 1846 die Ernte nicht sehr zufriedenstellend aus: ,,Weizen volle Ernte, Korn einer
Missernte gleich, Gerste wohl genug und Hafer ebenfalls wenig,. Obst hat es ebenfalls gar
nicht gegeben."7 Im folgenden Jahr lässt sich schon zu Beginn ,,aus allen Teilen von ganz
Europa (...) nichts anderes als Teuerung und Hungersnot vernehmen."8
Zusammen mit der steigenden Bevölkerungszahl und der Missernte aus dem vergangenen
Jahr wird 1847 zum regelrechten Hungerjahr für die gesamte deutsche Bevölkerung. Verdeut-
licht wird dies an einem Beispiel aus Schweinfurt: während man hier im Juli 1846 noch 1.522
Gramm Brot für neun Kreuzer erstehen konnte, sind es ein Jahr später gerade noch 645
Gramm. Ähnlich ist es mit dem Schweinefleisch: hier gab es für zehn Kreuzer 1846 noch 500,
1847 dagegen nur mehr 320 Gramm.9
In Schweinfurt war es auch, wo die Hungersnot des Jahres 1847 zu einer Getreideblockade
führte. Hier wurde von Schweinfurter Bürgern teilweise mit roher Gewalt verhindert, dass
3 vgl. Zimmermann 1951 S. 171
4 Zimmermann 1951 S. 171
5 vgl. Artmann, Karl-Heinz (Hg.) (1993): Chronik der Familie Messerschmitt Bamberg. Rangschiffer Bier-
brauer Weinhändler im 18. und 19. Jahrhundert. Bamberg. K. Urlaub GmbH. S. 221 (Im Folgenden als Art-
mann 1993)
6Artmann 1993 S. 232
7Artmann 1993 S. 237
8Artmann 1993 S. 237
9vgl. Haus der Bayerischen Geschichte (Hg) (1999): Die Einheits.- und Freiheitsbewegung und die Revolution
von 1848/49 in Franken. Kolloquiumsbericht. (=Materialien zur Bayerischen Geschichte und Kultur 8/99).
Augsburg. Hoffmann-Druck Augsburg GmbH. S. 22 (Im Folgenden als HBG 1999)
6
,,fremde Aufkäufer"10 (ich nehme an, es handelt sich hier schlicht um Käufer, die nicht Bür-
ger der Stadt Schweinfurt waren) Getreide kaufen konnten. Zudem wurde beispielsweise ei-
nem Getreidehändler ,,mit Brandstiftung und Zerstörung seines Lagers gedroht"11. Diese
Krawalle führten lediglich zu einer strengen Reglementierung der Ausgabe von ,,Brod-
Anweisungskarten"12, angeordnet vom Bürgermeister der Stadt. Auch wurde härter gegen
Bäcker vorgegangen, die zu leichtes Brot buken.13
2.3 Technische Neuerungen und Industrialisierung
Der schwerwiegendste Punkt, was die sozialen Missstände im Vorfeld der Revolution von
1848 angeht, ist mit Sicherheit die beginnende Industrialisierung Deutschlands. Wenn sich
auch in Franken erst einige wenige, spärliche Zeichen derselben auftauchen, so bemerkt man
doch in, oder besser vor einigen Städten, wie zum Beispiel Schweinfurt, einen deutlichen ö-
konomischen Wandel. Am Mainufer vor der Stadt entstehen bereits bis zum Jahre 1845 16
Fabriken. Diese neuen Massenproduktionsanlagen bringen natürlich große Unruhe in die
Stadt vor allem in den Bereichen des Handwerks.14
Waren vorher Meisterwerkstätten die einzigen Hersteller von bestimmten Gebrauchsge-
genständen, so konnten die neuen Fabriken plötzlich alle möglichen Dinge wesentlich billiger
und in größerer Stückzahl produzieren. Hierzu schreibt der Bayerische Gewerbefreund im
Oktober 1848:
,,Nehme man nun aber in einem ganzen Lande die vielen Millionen und Millionen Stun-
den, welche theils durch Eisenbahnen- und Dampfschiffbenützung, theils in Folge des Ma-
schinenwesens frei und überflüssig gewordene Menschenhände frei werden, nehme man die-
ses ungeheure Vorrathekapital freigewordener Zeit und was damit anfangen? Sollen diese
Millionen und Abermillionen Stunden mit Cigarrenrauchen, Trinken und Spielen, oder mit
Spazierengehen, Politisiren und Inriguiren oder mit Romanen- und Giftblätterlesen etc. zuge-
bracht werden"15
Die gravierendste Folge für das innerstädtische Handwerk war also (und das nicht nur in
Schweinfurt, sondern in Städten überall in Deutschland) ein zunehmender Preisverfall und ein
schwindender Absatzmarkt. Doch nicht nur der Absatz der Produkte wurde für die Handwer-
ker schwieriger, auch die Arbeitskräfte liefen ihnen davon. Die Gesellen, die bei den Meistern
10Lindner, Walter (1998): Eine Revolution fällt nicht vom Himmel. Ökonomische und soziale Indikatoren der
Revolution 1848/49 in Schweinfurt. In: Die Revolution 1848/49 in Franken. Hg von Günter Dippold und Ulrich
Wirz. Bayreuth. Verlagsdruckerei Schmidt GmbH. S.80 (Im Folgenden als Lindner 1998)
11 Lindner 1998 S. 80
12 Lindner 1998 S. 80
13 vgl. Lindner 1998 S. 81
14 vgl. Lindner 1998 S. 82
15 Lindner 1998 S. 83
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