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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 23 Pages
Author: M.A. Melitta Töller
Subject: Art - Painting
Details
Institution/College: LMU Munich (Institut für Kunstgeschichte)
Tags: Narrative, Strategien, Andy, Warhols, Crash, Erzählende, Bilder, Jahrhundert
Year: 2007
Pages: 23
Grade: 2
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-00721-4
ISBN (Book): 978-3-638-91174-0
File size: 165 KB
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Abstract
Im Oeuvre von Andy Warhol nehmen die Bilder der Death-and-Disaster-Serie einen besonderen Platz ein. In ihnen beschäftigt Warhol sich, ganz im Sinne der amerikanischen Pop Art, intensiv mit der Gleichgültigkeit der durch die Massenmedien verbreiteten Informationen und schafft dabei gleichzeitig eine Art ‚schönen Horror’, der vom Betrachter emotional bewältigt werden kann. Warhol selbst hat zu seinen Disaster-Bildern zwar wiederholt gesagt, dass sie von ihm nicht kritisch gemeint seien, aber dadurch, dass sie von der Gesellschaft akzeptiert und in verschiedensten Ausstellungen gezeigt wurden, wurden die Bilder dann doch zu einer Kritik an eben dieser Gesellschaft. Warhols Disaster-Motive haben einen festen Platz in unserem visuellen Gedächtnis gefunden, da sie einen Spiegel auf unsere Gesellschaft, auf unseren Lebensstil werfen; und natürlich auch, da sie, schon bevor Warhol sie für seine Bilder benutzte, millionenfach in verschiedenen Medien reproduziert wurden. Die Disaster-Serie ist auch von daher besonders interessant, da es Warhol hier gelungen ist, die Grenze zwischen bildender Kunst und Massenkultur einzureißen, Sinn und Bedeutung von ‚Kunst’ an sich in Frage zu stellen. Anhand eines umgrenzten Ausschnitts der Death-and-Disaster-Serie, den Car-Crash-Bildern, möchte ich in dieser Hausarbeit die verschiedenen narrativen Strategien aufzeigen die Warhol, bewusst oder unbewusst, benutzt, um seine persönliche Geschichte unserer modernen Wirklichkeit zu erzählen bzw. um uns von ihr zu berichten. Den Schwerpunkt bildet dabei Warhols Technik der Repetition der einzelnen Photovorlagen, doch auch Siebdrucktechnik, Farbwahl, das Einsetzen von Leerstellen usw. tragen dazu bei, dass Warhol die bekannten Pressebilder nicht einfach erneut reproduziert hat, sondern mit seinen Bildern eine kritische Aussage getroffen hat.
Excerpt (computer-generated)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Kunstgeschichte
Hauptseminar: Erzählende Bilder im 20. Jahrhundert
Narrative Strategien
in Andy Warhols Car-Crash-Bildern
von
Melitta Töller
HF: Englische Literaturwissenschaft, NF: Neuere deutsche Literaturwissenschaft,
NF: Kunstgeschichte (M.A.)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. „Ist es nicht großartig, wie schrecklich Autowracks sind!“ 2
3. Loslösung von malerischen Traditionen 3
4. Photographie und Pressebild 5
5. Narrative Strategien 6
5.1. Komposition 7
5.2. Siebdruck 7
5.3. Farbwahl 8
5.4. Repetition 10
6. Fruchtbarer Augenblick? 13
7. Leerstellen 14
7.1. Das ‚leere’ Feld 15
8. Thematisierung des Sehprozesses 16
9. Schluss 17
10. Literaturverzeichnis 19
1. Einleitung
„Die Welt Andy Warhols ist eine Welt voller Widersprüche. Die Welt Andy Warhols ist eine Welt ohne Widersprüche. Es ist alles wahr und es ist nichts wahr. Die Bilder Andy Warhols sind eine Kopie der Welt, aber die Welt ist eine Kopie der Bilder Warhols.“1
Im Oeuvre von Andy Warhol nehmen die Bilder der Death-and-Disaster-Serie einen besonderen Platz ein. In ihnen beschäftigt Warhol sich, ganz im Sinne der amerikanischen Pop Art, intensiv mit der Gleichgültigkeit der durch die Massenmedien verbreiteten Informationen und schafft dabei gleichzeitig eine Art ‚schönen Horror’, der vom Betrachter emotional bewältigt werden kann. Warhol selbst hat zu seinen Disaster-Bildern zwar wiederholt gesagt, dass sie von ihm nicht kritisch gemeint seien2, aber dadurch, dass sie von der Gesellschaft akzeptiert und in verschiedensten Ausstellungen gezeigt wurden, wurden die Bilder dann doch zu einer Kritik an eben dieser Gesellschaft. Warhols Disaster-Motive haben einen festen Platz in unserem visuellen Gedächtnis gefunden, da sie einen Spiegel auf unsere Gesellschaft, auf unseren Lebensstil werfen; und natürlich auch, da sie, schon bevor Warhol sie für seine Bilder benutzte, millionenfach in verschiedenen Medien reproduziert wurden. Die Disaster-Serie ist auch von daher besonders interessant, da es Warhol hier gelungen ist, die Grenze zwischen bildender Kunst und Massenkultur einzureißen, Sinn und Bedeutung von ‚Kunst’ an sich in Frage zu stellen.
Anhand eines umgrenzten Ausschnitts der Death-and-Disaster-Serie, den Car-Crash-Bildern, möchte ich in dieser Hausarbeit die verschiedenen narrativen Strategien aufzeigen die Warhol, bewusst oder unbewusst, benutzt, um seine persönliche Geschichte unserer modernen Wirklichkeit zu erzählen bzw. um uns von ihr zu berichten. Den Schwerpunkt bildet dabei Warhols Technik der Repetition der einzelnen Photovorlagen, doch auch Siebdrucktechnik, Farbwahl, das Einsetzen von Leerstellen usw. tragen dazu bei, dass Warhol die bekannten Pressebilder nicht einfach erneut reproduziert hat, sondern mit seinen Bildern eine kritische Aussage getroffen hat.
2. „Ist es nicht großartig, wie schrecklich Autowracks sind!“ 3
„[Andy Warhol] traf die Entscheidung für ein Thema danach, was schick und was schockierend war – niemals spielten ästhetische Motive eine Rolle. Und das ist ein Zeichen von Stärke.“4 Warhols Car-Crash-Bilder waren provokativ und sollten Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Es ist jedoch nicht eindeutig nachweisbar wie Warhol 1962 auf die Idee gekommen ist eine Bilderserie über das Thema Death-and-Disaster zu beginnen. In einigen Quellen heißt es, Warhol wurde durch seinen Freund Henry Geldzahler inspiriert, der bei einem gemeinsamen Mittagessen im Januar 1962 die Daily News mit der Schlagzeile „129 DIE IN JET“ ausbreitete. Diese Schlagzeile soll Warhol dazu inspiriert haben, Bilder von anonymen Opfern zu machen, in denen nicht die dargestellten Personen, sondern nur das Ereignis selbst die Phantasie des Betrachters anregen soll.5 In anderen Quellen sagt Warhol: “It was Christmas or Labor day – a holiday – and every time you turned on the radio, they said something like ‘4 million are going to die’. That started it.”6 Die Unfall-Prognosen sollten Autofahrer zur Vorsicht ermahnen, doch Warhol sah in ihnen eher zu erreichende Richtzahlen. Seiner Meinung nach verlockte die vorausgesagte Todeszahl die Autofahrer dazu, die Richtzahlen auch zu erfüllen.7 Diesen Eindruck gibt Warhol an den Betrachter auch durch seine Titelwahl weiter: Fünf Tode auf Orange (1963), Fünf Tode auf Rot (1963), Fünf Tode Siebzehnmahl in Schwarzweiß (1963) etc. „Mit den Zahlen assoziiert man unwillkürlich olympische Rekorde, die freilich noch nicht die letzten zu sein brauchen, vielmehr neue Höchstleistungen, mehr Tode zu wünschen geben.“8 Auch andere zeitgenössische Künstler zeigten Interesse an dem Thema Autounfall und Tagesjournalismus: als Hintergrund für Jasper Johns Green Target (1955) hat dieser zum Beispiel eine Collage aus Zeitungsartikeln verwendet, auf der man ein Photo mit der Überschrift „Verletzte bei einem Verkehrsunfall“ erkennen kann.9
[....]
1 Bastian, Heiner (Hrsg.): Joseph Beuys. Robert Rauschenberg. Cy Twombly. Andy Warhol. Sammlung Marx (Ausstellungskatalog Berlin, Nationalgalerie 1982), München 1982, S.161.
2 „Ich finde, daß ich die USA repräsentiere, aber ich bin kein Gesellschaftskritiker.“ Andy Warhol (1967), zitiert nach: Hendrickson, Janis: „America really is the Beautiful”. Überlegungen zu dem Werdegang eines Künstlers, in: Andy Warhol. ‚Ich erkannte, daß alles, was ich tue, mit dem Tod zusammenhängt.’, hrsg. von Karl-Egon Vester, Hamburg 1987, S.12-17, S.12.
3 Andy Warhol, zitiert nach: Crone, Rainer: Andy Warhol, Hamburg 1970, S.29.
4 Robert Rauschenberg, zitiert nach: Bourdon, David: Warhol, Köln 1989, S.62.
5 Vgl. z.B. Ratcliff, Carter: Andy Warhol, München 1984, S.33.
6 Andy Warhol, zitiert nach: Beyeler, Ernst und Georg Frei: Introduction, in: Andy Warhol. Series and Singles, hrsg. von Fondation Beyeler (Ausstellungskatalog Basel, Ausstellung Riehen 2000), Basel 2000, S.17-25, S.25.
7 Nach: Bourdon, David: Warhol, Köln 1998, S.142.
8 Inboden, Gudrun: Andy Warhol. White Disaster I. 1963, Stuttgart 1992 (= Werkstudien / Staatsgalerie Stuttgart, Bd. 2), S.23.
9 Nach: Bourdon 1989, S.66.
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