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Diskursanalyse zu den Text-Bild-Beziehungen des Anschlags am 11.09.2001

Termpaper, 2007, 22 Pages
Author: Carolin Catharina Wolf
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 22
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V86313
ISBN (E-book): 978-3-638-01815-9
ISBN (Book): 978-3-638-92071-1
File size: 202 KB

Abstract

[...] Die Kombination von Bild und Text bietet verschiedene Vorzüge: „In der massenmedialen Bildübermittlung dient diese vor allem zur Information über Geschehenes und zum Beweis der Wahrheit des Mitgeteilten wie über Behauptungen und Aussagen. Die optische Information erreicht den Bildbetrachter üblicherweise in Begleitung eines sprachlichen Kommentars. Dieser ergänzt die Bildmitteilung. Er kann die optische Information mehr oder weniger stark beeinflussen, wird aber den ganzen Sinnkontext der Bilder nie völlig freilegen können.“ Diese Frage nach der gegenseitigen Ergänzung und Beeinflussung von Text und Bild im Einzelnen soll weiter unten ausgeführt werden. Sie bildet allerdings nur einen Abschnitt der vorliegenden Arbeit: Ausblick Im theoretischen Teil der vorliegenden Arbeit sollen vor allen Dingen Grundbegriffe, die für eine praktische Auseinandersetzung im Bereich einer Diskursanalyse unerlässlich sind, Erklärung finden. Es werden die Fragen nach Vor- und Nachteile der Zeichensysteme Text und Bild und deren Wechselwirkung zur Sprache kommen, außerdem soll ein Überblick über die relevanten linguistischen Teildisziplinen Syntax, Semantik und Pragmatik gegeben werden. Im praxisbezogenen Teil werden schließlich oben erwähnte Grundbegriffe zur Anwendung kommen, indem die in den Medien veröffentlichten Bilder des World Trade Centers zum Anschlag des 11.Septembers 2001 sowohl synchron als auch diachron ausgewertet werden. Oberstes Ziel stellt hierbei das Herausstreichen von Unterschieden, Gemeinsamkeiten und Auffälligkeiten in den verschiedenen linguistischen Teildisziplinen dar, als auch die Untersuchung der Frage nach den Funktionen, die die gleichen Bilder bei Erstveröffentlichung und dann im späteren Gebrauch übernehmen. [...]


Excerpt (computer-generated)

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Germanistisches Seminar

Hauptseminar: ,Text-Bild-Beziehungen

aus linguistischer Sicht′

Wintersemester 2006/ 2007

Carolin Catharina Wolf

Diskursanalyse zu den Text-Bild-Beziehungen

des Anschlags am 11.09.2001



Diskursanalyse zu den Text-Bild-Beziehungen

des Anschlags am 11.09.2001

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 3

1.1 Ausblick 4

2 Theorie 5

2.1

Was ist ein Bild? - das Bild als Modell der Wirklichkeit 5

2.2

Bild oder Sprache - was ist überlegen? 5

2.3 Text-Bild-Wechselwirkung 7

2.4 Bildsyntax 8

2.5 Bildsemantik 9

2.6 Bildpragmatik 10

3 Praxis 12

3.1 Analyse 12

3.2 Synchrone

Diskursanalyse 13

3.3 Diachrone

Diskursanalyse 16

4 Schlussbetrachtungen 20

5 Bibliographie 21

2


1 Einleitung

Geschrieben steht: ,,Im Anfang war das Wort"1.

Im so genannten optischen Zeitalter, in welchem wir uns seit der Wende vom 19. zum 20.

Jahrhundert befinden, erfolgt- dem Anfang zum Trotz- allerdings mehr und mehr eine

Verlagerung von der Schrift zum Bild. Ausschlaggebend für diese visuelle Zeitenwende,

diesen iconic- beziehungsweise pictorial turn2, sind verschiedenste Aspekte. Zum Einen

dürften das ,Unbehagen der Sprache′, welches zum Beispiel Bertolt Brecht schon 1935 in

seinen Überlegungen zu den ,,

Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit

" mit den Worten

,,Wer in unserer Zeit Bevölkerung statt Volk sagt, unterstützt schon viele Lügen nicht"3

treffend zum Ausdruck brachte und damit auf den Tatbestand, dass wenn wir mit Sprache auf

Wirklichkeit verweisen, wir sie deuten, sowie auf das Fehlen einer Metasprache aufmerksam

machte und zunehmende Sprachentwicklungsstörungen4 zur stattfindenden Bilderflut geführt

haben. Demgegenüber stehen, zum Anderen, die Wahrnehmungsnähe von Bildern und deren

leichte Fasslichkeit: ,,Beim stehenden Bild besteht schon nach etwa drei zehntel Sekunden

beim Betrachter eine globale inhaltliche Orientierung, die die weitere Auswertung steuert."5

Während Worte stets arbiträr, also abhängig von einer vorauszusetzenden Konvention sind,

stellen Bilder wirklichkeitsnahe Zeichen dar, welche sich an der Realität orientieren und somit

offen für ihre Auswertung sind.

Bilder werden zunehmend zum ,,unentbehrlichen Werkzeug"6 und zum Gegenstand der

Forschung verschiedener Disziplinen7. Sie bieten den Vorzug geringer mentaler Anstrengung,

1 Bibel, 1. Joh 1

2 So zu lesen bei Straßner, Erich: ,,

Text-Bild-Kommunikation, Bild-Text-Kommunikation

". Tübingen: Niemeyer,

2002

3 verwiesen wird hier auf den Missbrauch der Worte ,,Volk", ,,völkisch", ,,Volksgemeinschaft" etc. in der Nazi-

Zeit

4 : ,,Bei deutschen Kindern stieg in neuester Zeit die Zahl der Sprachentwicklungsstörungen um etwa 600%.

Etwa 33% der Achtklässler an Hauptschulen halten sich selbst für nur eingeschränkt lese- und schreibfähig; 14

% der erwachsenen Deutschen sind kaum, weitere 34 nur mäßig in der Lage, den Inhalt von Texten zu verstehen.

Und schließlich gibt es bei uns mehr als drei Millionen Analphabeten." (Straßner, Erich: ,,

Text-Bild-
Kommunikation, Bild-Text-Kommunikation

". Tübingen: Niemeyer, 2002. S.1)

5 ebd.: S.14

6Sachs-Hombach, Klaus: ,,Bild und Medium. Kunstgeschichtliche und philosophische Grundlangen der

interdisziplinären Bildwissenschaft." Köln: Herbert von Halem, 2006. S.7

7 ,,Einerseits gibt es innerhalb der Kunstgeschichte das Bemühen, diese zu Bildwissenschaft umzuformen und

verstärkt auf die vielfältigen Bildphänomene auszurichten. Andererseits haben sich in den Sozialwissenschaften

zahlreiche empirisch ausgerichtete und in der Philosophie etliche begrifflich orientierte Forschungsansätze zur

Bildthematik herausgebildet. Beide Strömungen streben eine interdisziplinäre Ausrichtung an..." (Sachs-

Hombach, Klaus: ,,

Bild und Medium. Kunstgeschichtliche und philosophische Grundlangen der
interdisziplinären Bildwissenschaft

." Köln: Herbert von Halem, 2006. S.8)

3


schnell konsumierbaren Wissens und bequemer Information. Zudem sind sie attraktiv,

besitzen einen hohen Reizwert, befriedigen Neugierde und Sensationslust.8

Der Zeitung, so Straßner, gelinge es, selbst ,,Bilder des Elends zum Gegenstand des Genusses

zu machen."9 Sie bietet dem Leser die Möglichkeit über Fotos via Bildunterschrift in den

Text eines Berichts beziehungsweise einer Reportage einzusteigen.

Die Kombination von Bild und Text bietet verschiedene Vorzüge: ,,In der massenmedialen

Bildübermittlung dient diese vor allem zur Information über Geschehenes und zum Beweis

der Wahrheit des Mitgeteilten wie über Behauptungen und Aussagen. Die optische

Information erreicht den Bildbetrachter üblicherweise in Begleitung eines sprachlichen

Kommentars. Dieser ergänzt die Bildmitteilung. Er kann die optische Information mehr oder

weniger stark beeinflussen, wird aber den ganzen Sinnkontext der Bilder nie völlig freilegen

können."10

Diese Frage nach der gegenseitigen Ergänzung und Beeinflussung von Text und Bild im

Einzelnen soll weiter unten ausgeführt werden. Sie bildet allerdings nur einen Abschnitt der

vorliegenden Arbeit:

1.1 Ausblick

Im theoretischen Teil der vorliegenden Arbeit sollen vor allen Dingen Grundbegriffe, die für

eine praktische Auseinandersetzung im Bereich einer Diskursanalyse unerlässlich sind,

Erklärung finden. Es werden die Fragen nach Vor- und Nachteile der Zeichensysteme Text

und Bild und deren Wechselwirkung zur Sprache kommen, außerdem soll ein Überblick über

die relevanten linguistischen Teildisziplinen Syntax, Semantik und Pragmatik gegeben

werden.

Im praxisbezogenen Teil werden schließlich oben erwähnte Grundbegriffe zur Anwendung

kommen, indem die in den Medien veröffentlichten Bilder des World Trade Centers zum

Anschlag des 11.Septembers 2001 sowohl synchron als auch diachron ausgewertet werden.

Oberstes Ziel stellt hierbei das Herausstreichen von Unterschieden, Gemeinsamkeiten und

Auffälligkeiten in den verschiedenen linguistischen Teildisziplinen dar, als auch die

8 Dieses Prinzip hat sich auch die Bild-Zeitung zunutze gemacht. Sie wendet sich an ,,den ,optischen′ Menschen,

den modernen Analphabeten" (Straßner, S.23). Ihr Herausgeber Axel Springer erklärt 1959, er sei sich darüber

im Klaren gewesen, ,,dass der deutsche Leser eines auf keinen Fall wolle, nämlich nachdenken. Und darauf habe

ich meine Zeitungen eingerichtet." (Straßner, Erich: ,,

Text-Bild-Kommunikation, Bild-Text-Kommunikation

".

Tübingen: Niemeyer, 2002. S.23, Evangelisches Sonntagsblatt, 05.07.1959)

9 ebd.: S.22

10 ebd.: S.19

4


Untersuchung der Frage nach den Funktionen, die die gleichen Bilder bei

Erstveröffentlichung und dann im späteren Gebrauch übernehmen.

2 Theorie

2.1 Was ist ein Bild? - das Bild als Modell der Wirklichkeit

11

Nach Sachs-Hombach ist ein Gegenstand ein Bild, wenn er erstens artifiziell, flächig und

relativ dauerhaft ist, wenn wir ihn zweitens auf Grund dieser Eigenschaften als Zeichen

auffassen und wenn wir drittens diese Zuschreibung des Inhalts auf Grundlage unserer

visuellen Wahrnehmungskompetenzen vornehmen.12

Im Gegensatz zum Wort, das stets arbiträr ist, werden Bilder als ikonische beziehungsweise

wahrnehmungsnahe Zeichen klassifiziert.

Die Bedeutung eines Bildes ist die Regelhaftigkeit seiner Verwendung im

Kommunikationsprozess, gemäß der Bestimmung der Bedeutung eines Wortes als die

Regelhaftigkeit seines Gebrauchs in der Sprache durch Ludwig Wittgenstein.

Im Folgenden wird ausschließlich von darstellenden Bildern, also Fotos, die Rede sein,

welche Sachs-Hombach von Strukturbildern (Grafiken, Karikaturen) und so genannten

reflexiven Bildern (Kunstwerke) unterscheidet.

2.2 Bild oder Sprache - was ist überlegen?

Die Frage nach der Überlegenheit von Sprach- oder Bildzeichen ist eng verknüpft mit Frage,

was diese im Einzelnen zu leisten imstande sind.

Das semiotische Potential von Sprache und Bild teilt Winfried Noeth folgendermaßen auf:

1) Raum und Zeit

2) Visuelles und Nichtvisuelles

3) Konkretes und Abstraktes

4) Einzelnes und Allgemeines13

5) Selbstreflexion und Metaierung

11 vgl.: ,,Das Bild ist ein Modell der Wirklichkeit." (Ludwig Wittgenstein )

12 Sachs-Hombach, Klaus: ,,Das Bild als kommunikatives Medium. Elemente einer allgemeinen

Bildwissenschaft." Köln: Herbert von Halem, 2003. S.88

13 Kategorie 3 und 4 verschwimmen

5



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