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Analyse der Erzählung 'Portret' von Nikolaj V. Gogol close

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Analyse der Erzählung 'Portret' von Nikolaj V. Gogol

Scholary Paper (Seminar), 2004, 20 Pages
Author: Viktoria Krasnik
Subject: Russian / Slavic Languages

Details

Event: Proseminar
Institution/College: University of Frankfurt (Main)
Tags: Analyse, Erzählung, Portret, Nikolaj, Gogol, Proseminar
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 20
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V86339
ISBN (E-book): 978-3-638-04652-7
ISBN (Book): 978-3-638-94222-5
File size: 559 KB

Abstract

Die Erzählung „Portret“ von Nikolaj V. Gogol’ kam in zwei Fassungen heraus. Die erste schrieb er in den Jahren 1833-1834 und ließ sie in dem ersten Teil der Erzählsammlung „Arabeski“ im Jahre 1835 drucken. Die zweite - verbesserte - Fassung veröffentlichte er in der Zeitschrift „Sovremennik“ im Jahre 1842, und diese ging in das dritte Band der ersten Ausgabe letzter Hand seiner Werke ein. Die letzte werde ich auch in meiner Arbeit behandeln, denn sie ist die heute allgemein verbreitete Fassung. Die Textanalyse soll anhand der Lektüre „Einführung in die Erzähltheorie“ von Matias Martinez und Michael Scheffel erfolgen, deren Ansätze ich im vierten Kapitel ausführlich vorstellen werde. Im fünften Kapitel werde ich auf das Thema des Proseminars Bezug nehmen und die Darstellung des Phantastischen erläutern. Und davor wird in den ersten Kapiteln das Umfeld von „Portret“ präsentiert, gefolgt von den Motiven und Hauptfiguren der Erzählung.


Excerpt (computer-generated)

INSTITUT FÜR VERGLEICHENDE SPRACHWISSENSCHAFT,

PHONETIK UND SLAVISCHE PHILOLOGIE

DER JOHANN WOLFGANG GOETHE-UNIVERSITÄT

FRANKFURT AM MAIN

Sommersemester 2004

Hausarbeit für das Proseminar:

,,Literarische Phantastik: Teufelsfiguren in der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts"

Analyse der Erzählung ,,Portret" von Nikolaj V. Gogol′

Eingereicht am 30.09.2004

von

Viktoria Bliferniz-Krasnik


GLIEDERUNG

1. Einleitung

3

2. ,,Portret" im Kontext der Erzählsammlung ,,Arabeski"

4

3. Motive

in

der

Erzählung

7

3.1.

Der Wahnsinn

7

3.2.

Die Kraft des Geldes

8

4. Die zwei Teile der Erzählung und ihre Hauptfiguren

10

4.1.

ýartkov (Teil 1)

10

4.2.

Der Maler (Teil 2)

12

5. Die Darstellung des Phantastischen

14

5.1.

Der phantastische Raum: Peterburg 14

5.2.

Die phantastische Figur: der Wucherer

15

5.3.

Die Spiegelung des Phantastischen auf der realen Ebene 16

6. Zusammenfassung

17

Literaturverzeichnis


1. Einleitung

Die Erzählung ,,Portret" von Nikolaj V. Gogol′ kam in zwei Fassungen heraus.

Die erste schrieb er in den Jahren 1833-1834 und ließ sie in dem ersten Teil der

Erzählsammlung ,,Arabeski" im Jahre 1835 drucken. Die zweite - verbesserte -

Fassung veröffentlichte er in der Zeitschrift ,,Sovremennik" im Jahre 1842, und

diese ging in das dritte Band der ersten Ausgabe letzter Hand seiner Werke ein.

Die letzte werde ich auch in meiner Arbeit behandeln, denn sie ist die heute

allgemein verbreitete Fassung.

Die Textanalyse soll anhand der Lektüre ,,Einführung in die Erzähltheorie" von

Matias Martinez und Michael Scheffel erfolgen, deren Ansätze ich im vierten

Kapitel ausführlich vorstellen werde.

Im fünften Kapitel werde ich auf das Thema des Proseminars Bezug nehmen und

die Darstellung des Phantastischen erläutern.

Und davor wird in den ersten Kapiteln das Umfeld von ,,Portret" präsentiert,

gefolgt von den Motiven und Hauptfiguren der Erzählung.

- 3 -


2. ,,Portret" im Kontext der Erzählsammlung ,,Arabeski"

Gogol′ nannte seine Erzählung ,,Portret". Tat er dies, weil das Porträt des

Wucherers eine ausschlaggebende Rolle im Schicksal der Hauptfiguren spielte,

oder weil er ein Porträt der zeitgenössischen Gesellschaft geben wollte, oder weil

er sein eigenes Porträt - seine Seele - zur Schau stellte?

Wahrscheinlich gibt es in dieser seltsamen Erzählung tatsächlich sowohl den

sozialen als auch den ethischen wie auch den ästhetischen Sinn. Sie stellt eine

Überlegung dar: Was ist ein Mensch überhaupt, was ist die Gesellschaft, die

Kunst? Diese Fragen schwirrten in den Köpfen russischer Bürger am Anfang des

19. Jahrhunderts und diese beschäftigten sich mit biblischen Überlegungen über

,,gut" und ,,böse" und über deren endlosen Kampf in der menschlichen Seele.

Mit 20 Jahren kam Gogol′ nach Peterburg, in die ,,Stadt seiner Träume". Es

passierte aber alles nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte: Er musste das Geld

als Beamter verdienen. Die Bezahlung war bejammernswert, solches Dasein

erschütterte ihn. ,,Der kalte Himmel war alles andere als gastfreundlich; Gogol′

fühlte sich allein und verlassen mitten in dieser Eiswüste."1 Er wohnte in der

Nähe von Kolomna und beschrieb diesen Teil der Stadt in ,,Portret" so:

,,Lml \k_ g_ihoh`_ gZ ^jm]b_ qZklb I_l_j[mj]Z; lml g_ klhebpZ b g_

ijh\bgpby; dZ`_lky, keurbrv, i_j_c^y \ dhehf_gkdb_ mebpu, dZd

hklZ\eyxl l_[y \kydb_ fheh^u_ `_eZgvy b ihju\u. Kx^Z g_ aZoh^bl

[m^ms__, a^_kv \k_ lbrbgZ b hlklZ\dZ, \k_, qlh hk_eh hl klhebqgh]h

^\b`_gvy."2

Die Enttäuschung war tief, die Gedanken düster. Zum Glück dauerte seine

Erfolglosigkeit nicht lange an, er schrieb eine Geschichte nach der anderen und

kriegte gute Kritiken. 1835 wurde seine Erzählsammlung ,,Arabeski" veröffent-

licht und somit begann der Weg des Gogol′-Realisten an.

In der Mitte der 30er Jahre versah die fortgeschrittene Jugend ihre Gespräche mit

Gogol′s Zitaten und die Intelligenz sprach in Auszügen aus seinen Texten.3

1 Evdokimov, Paul.

Der Abstieg in die Hölle: Gogol und Dostojewskij.

Salzburg 1965. S. 24.

2 Gogol′, Nikolaj V.

Izbrannye soþinenija v dvuch tomach

. Moskva 1984. S. 460.

3 Gukovskij, Grigorij A.

Realizm Gogolja

. Leningrad 1959. S. 244.

- 4 -


Aber auch umgekehrt übernahm Gogol′ Einiges von seiner Umwelt, denn

ýartkovs Gestalt, Beschreibung seines Zimmers, Lebensart der Peterburger

Künstler usw. sind Eindrücke, die er in der Kunstakademie gewann, wo er sich

mit jungen Malern traf.

Als ,,Portret" in erster Fassung herauskam, bekam er schlechte Kritik. Belinskij

nannte ihn einen ,,misslungenen Versuch Gogol′s in der phantastischen Manier"

und vom zweiten Teil sagte er gar, er sei ,,entschieden nichts wert".4

Die Erzählung besteht aus zwei Teilen, die auf den ersten Blick nicht miteinander

verknüpft sind, sondern wie nicht chronologische Geschichten nebeneinander

stehen. Die erste wird erst nach dem Lesen der zweiten, als erläuternder

Einschub, verständlich. In beiden steht aber das dämonische Bild im Mittelpunkt,

dessen diabolische Wirkung im zweiten Teil erklärt wird.

Die erste Fassung enthielt eine Prophezeiung: ,,Bald, sehr bald wird ..., der

Antichrist in der Welt erscheinen"5. Sie war mit vielen religiösen Motiven

versehen und wies mehrere phantastische und unerklärliche Momente auf.

Die zweite war jedoch weniger eine Variante der ,,Arabeski"-Fassung, als ein

neues Produkt, das sich sowohl in dem wesentlichen Gerüst seines Ideen-

gehaltes

als auch in der gestalterischen Darlegung vom ersten ,,Portret"

unterschied. Gogol′ schrieb sie in Rom, wo er eine Zeit lang lebte und Aleksandr

Ivanov kennenlernte, einen jungen Maler, dessen unermüdliche Arbeit zusammen

mit Belinskijs Kritik Gogol′ dazu brachte, seine Einstellung zu ,,Portret" zu

ändern und die Erzählung zu überarbeiten.6 In dem Begleitbrief bei der

Übersendung dieser an den Herausgeber des ,,Sovremennik" schrieb Gogol′:

,,Ich sende Ihnen meine Erzählung ,,Das Bildnis". (...). Lesen Sie sie: Sie

werden sehen, dass nur der Stickrahmen der früheren Erzählung verblieb,

dass alles darauf neu gestickt ist. In Rom habe ich sie ganz umgearbeitet

oder, besser, ganz neu geschrieben "7

In dieser zweiteiligen Erzählung vereinigen sich Kunst- und Religionsfragen, die

absolut zueinander gehörten im Gogol′s Schaffen. In ,,Portret" dachte er über

4 Zitiert nach: Amberg, Lorenzo. Kirche, Liturgie und Frömmigkeit im Schaffen von N.V. Gogol′. In:

Peter Brang, Georges Nivat, Robert Zett (Hrsg.).

Slavica Helvetica

. Band 24. Bern 1986. S. 143 f.

5 Zitiert nach: Evdokimov, Paul. S. 42.

6 Amberg, Lorenzo. S. 156 ff.

7 Zitiert nach: Setschkareff, V. N.V. Gogol: Leben und Schaffen. In: Max Vasmer (Hg.).

Veröffentlichungen der Abteilung für slavische Sprachen und Literaturen des Osteuropa-Instituts
(Slavisches Seminar) an der freien Universität Berlin

. Band 2. Berlin 1953. S. 172.

- 5 -



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