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Subtitle: Eine Analyse und Interpretation der "Dingdichtung" Rilkes und der Einfluss des Künstlers Rodin anhand der drei Gedichte "Der Panther", "Archaischer Torso Apollos" und "Römische Fontäne" aus der Sammlung der "Neuen Gedichte" (1907)
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 26 Pages
Author: Achim Zeidler
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Tags: Rilke, Rodin, Eine, Freundschaft, Moderne
Year: 2004
Pages: 26
Grade: 1,00
Bibliography: ~ 33 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-01845-6
ISBN (Book): 978-3-638-91984-5
File size: 233 KB
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Abstract
Der am 4. Dezember 1875 in Prag geborenen Dichter René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke, uns besser unter der Kürzung Rainer Maria Rilke bekannt, ist wohl einer jener deutschsprachigen Schriftsteller, die den Anspruch erheben können als „besonders lesenswert“ eingestuft zu werden, um einen Ausspruch Marcel Reich-Ranickis zu verkürzen, für den „Generationen deutscher Leser galt und gilt er als die Verkörperung des Dichterischen, sein klangvoll-rhythmischer Name wurde zum Inbegriff des Poetischen“ (Reich-Ranicki 681). Rilke ist ein Phänomen. Ein Mann, der viele dichterische und künstlerische Phasen, literarische Gattungseinstufungen und bestehende Auffassungen seiner Lebenszeit sprengte. Einer derjenigen, die sich immer verändern und doch nie ändern, denn Rilke war und ist ein Meister der Sprache und Form, er ist die Melodie der Literatur, die er in unzähligen Facetten und Nuancen seinen Lesern zuteil kommen lässt. Wie erwähnt wird das Hauptaugenmerk dieser Hausarbeit auf Rilkes „Römische Fontäne“ (Villa Borghese) gelegt, welches Rilke im Jahr 1906 verfasste und in seinem 1907 erschienenen Band die „Neuen Gedichte“ veröffentlichte. Dieses Gedicht zeigt den sprachlich-stilistischen und rhythmisch-melodischen Wert einer Kunstauffassung verbunden mit einer dichterischen Genauigkeit und spiegelt einen wesentlichen Lebensabschnitt Rilkes wider, den er durch die Zusammenkunft mit einem, für ihn interessantesten und begabtesten impressionistischen Künstlern der Welt, Auguste Rodin, erfahren hat. In dieser Eigenschaft lässt der Dichter die „Wirklichkeit“ der Kunst und Natur erklingen. Wie und mit welchen Mitteln Rilke diese Art der Dichtung erschaffen hat und wie weitreichend der Rodin`sche Einfluss auf dieses Werk einging, werde ich im Folgenden genau untersuchen und eine formale und inhaltliche Interpretation der „Römischen Fontäne“ geben. 1. Einleitung Rainer Maria Rilke und Auguste Rodin sind zwei Künstler, der eine in der literarischen, der andere in der bildenden Kunst, die nicht ohne Schwierigkeiten einer einzelnen Epoche oder eines bestimmten Stils zugeordnet werden können, haben beide doch so vielfältige und weitlaufende Einflüsse in ihrem Leben erfahren, umgesetzt und erzeugt. [...]
Excerpt (computer-generated)
West Virginia University
Eberly College of Arts and Sciences
Department of Foreign Languages
Seminar: Liberal Age (GER 546)
Fall 2004
Rilke und Rodin Eine intensive Freundschaft auf
dem Weg in die Moderne.
Eine Analyse und Interpretation der ,,Dingdichtung"
Rilkes und der Einfluss des Künstlers Rodin anhand der
drei Gedichte ,,der Panther", ,,Archaischer Torso Apollos"
und ,,Römische Fontäne" aus der Sammlung der ,,Neuen
Gedichte" (1907).
by
Achim Zeidler
GERMAN/ TESOL (M.A.)
1. semester
Morgantown, WV, 12/15/2004
Inhaltsverzeichnis
0. Vorwort 2
1. Einleitung 2
2. Rilke ,,vor" und ,,mit" Rodin 3
3. Rilkes Veränderungen 5
4. Das ,,Dinggedicht" 7
5. Gedichte 1: "Der Panther" 9
6. Gedichte 2: ,,Archaischer Torso Apollos" 10
7. Gedichte 3: ,,Römische Fontäne" 11
7.1 Formale Interpretation 11
7.1.1 Gedichtform 11
7.1.2 Kurzinhalt des Gedichtes 11
7.1.3 Sinngruppen 11
7.1.4 Rhythmus 12
7.1.5 Metrik 13
7.2 Reimklang 13
7.2.1 Klangfolge der Endreime 13
7.2.2 Klangwert der Endreime 14
7.2.3 Klangwert der Stabreime 15
7.3 Signalwert der Ausdrucksmittel Satz und Wort 16
7.3.1 Satzbau 16
7.3.2 Wortformen 17
7.3.3 Wortwahl und Metaphern 18
8. Zusammenfassende inhaltliche Interpretation 19
9. Schlussbetrachtung 20
10. Literaturverzeichnis 22
1
0. Vorwort
Der am 4. Dezember 1875 in Prag geborenen Dichter René Karl Wilhelm Johann Josef Maria
Rilke, uns besser unter der Kürzung Rainer Maria Rilke bekannt, ist wohl einer jener
deutschsprachigen Schriftsteller, die den Anspruch erheben können als ,,besonders
lesenswert" eingestuft zu werden, um einen Ausspruch Marcel Reich-Ranickis zu verkürzen,
für den ,,Generationen deutscher Leser galt und gilt er als die Verkörperung des
Dichterischen, sein klangvoll-rhythmischer Name wurde zum Inbegriff des Poetischen"
(Reich-Ranicki 681).
Rilke ist ein Phänomen. Ein Mann, der viele dichterische und künstlerische Phasen,
literarische Gattungseinstufungen und bestehende Auffassungen seiner Lebenszeit sprengte.
Einer derjenigen, die sich immer verändern und doch nie ändern, denn Rilke war und ist ein
Meister der Sprache und Form, er ist die Melodie der Literatur, die er in unzähligen Facetten
und Nuancen seinen Lesern zuteil kommen lässt.
Wie erwähnt wird das Hauptaugenmerk dieser Hausarbeit auf Rilkes ,,Römische Fontäne"
(Villa Borghese) gelegt, welches Rilke im Jahr 1906 verfasste und in seinem 1907
erschienenen Band die ,,Neuen Gedichte" veröffentlichte. 1
Dieses Gedicht zeigt den sprachlich-stilistischen und rhythmisch-melodischen Wert einer
Kunstauffassung verbunden mit einer dichterischen Genauigkeit und spiegelt einen
wesentlichen Lebensabschnitt Rilkes wider, den er durch die Zusammenkunft mit einem, für
ihn interessantesten und begabtesten impressionistischen Künstlern der Welt, Auguste Rodin,
erfahren hat. In dieser Eigenschaft lässt der Dichter die ,,Wirklichkeit" der Kunst und Natur
erklingen.
Wie und mit welchen Mitteln Rilke diese Art der Dichtung erschaffen hat und wie
weitreichend der Rodin`sche Einfluss auf dieses Werk einging, werde ich im Folgenden genau
untersuchen und eine formale und inhaltliche Interpretation der ,,Römischen Fontäne" geben.
1. Einleitung
Rainer Maria Rilke und Auguste Rodin sind zwei Künstler, der eine in der literarischen, der
andere in der bildenden Kunst, die nicht ohne Schwierigkeiten einer einzelnen Epoche oder
eines bestimmten Stils zugeordnet werden können, haben beide doch so vielfältige und
weitlaufende Einflüsse in ihrem Leben erfahren, umgesetzt und erzeugt.
1 Um einen unmittelbaren Eindruck über Rilke vor der Zusammenkunft mit Rodin zu bekommen, habe ich die
unter 1. beschriebenen Phasen des Dichters, seine Aufenthalte und Reiseziele, sowie seine literarische
Auffassung kurz angeführt. Sie besitzen deshalb nicht den Anspruch auf Vollzähligkeit und sollen nur ein
knappes Rilke Verständnis geben.
2
Folgt der Dichter und Schriftsteller Rilke noch zu Beginn seines Wirkens der Tradition der
Neoromantiker, durch die er das Musikalische und das Religiöse zum Hauptthema seiner
Gedichte erklärt und deren Bedeutungen er erhöht und stilisiert, so tritt eine weitgehende
Veränderung zur Jahrhundertwende ein. Durch ausgedehnte Reisen in Länder Europas und
Afrikas und durch Zusammenkünfte mit unterschiedlichen literarischen und künstlerischen
Persönlichkeiten, erlangt er dabei über den Impressionismus, den Jugendstil und den
Symbolismus zu einem Kernstück seines Lebenswerkes, dass er durch Symbiose zwischen
der Bekanntschaft der Kunst- und Lebensauffassung Auguste Rodins und der Weltmetropole
paris erlangt. Durch Rodin erfährt er das ,,Erlernen des Schauens" und es bildet sich eine neue
Welt heraus, in der Rilke die Objekte, die Dinge, in den Fokus nimmt. Diese Sachlichkeit
erweckt er zu einer ganz neuen Art von Poetik, die er in seinen ,,Dinggedichten"
niederschreibt und 1907 in der Sammlung ,,Neue Gedichte" publiziert.
Ziel dieser Arbeit ist es den Pariser Aufenthalt Rilkes (mit Unterbrechungen ist dieser für die
Jahre 1902 1914 zu verzeichnen) und die neue Kunstauffassung des Dichters aufzuführen.
Dabei wird der Rodin´sche Einfluss, der Einfluss der Stadt Paris und die Veränderungen der
Kunst und Literatur Rilkes erörtert, sowie die Wirkung und Wichtigkeit der Dinggedichte und
ihre Auswirkungen als Zeichen der Modernität.
Neben einem detaillierten Forschungs- und Überblicksbericht über die Entstehungsgeschichte
und das Wesen der Dinggedichte, werden diese Merkmale in einer Betrachtung der drei
Gedichte ,,der Panther", ,,Archaischer Torso Apollos" und am ausführlichsten bei der
,,Römischen Fontäne" gezeigt.
2. Rilke ,,vor" und ,,mit" Rodin
Von der böhmischen Heimat losgelöst, tritt Rainer Maria Rilke um die Wende zum 20.
Jahrhundert ,,in die Welt hinaus" (Schneditz 12). In dieser Welt bilden sich künstlerische
Reife und die formale Gestaltungskraft des Dichters aus.
Rilke besuchte in seinem Leben viele Länder, er unternahm unzählige Reisen, die ihm jeweils
nachhaltigen Eindruck vermittelten und ihn zu seinen Werken inspirierten .
In seinen Reisen nach Russland in den Jahren 1899 und 1903 wurde Rilkes arteigene
dichterische Ausprägung und vor allem das religiöse Element in dessen Bewusstsein erweckt.
Ergebnisse dieser Reisen waren die Werke Das Stundenbuch und Die Geschichten vom lieben
Gott.
3
Bei einem Kurzaufenthalt in Worpswede, einem norddeutschen Künstlerdorf, in welchem
Rilke das Sujet der Malerei sowie seine Ehegattin Clara Westhoff kennen lernte, erhob er das
Gefühl der Landschaft über das Medium der Malerei (Schneditz 13).
Im November 1903 reiste Rilke zusammen mit Clara nach Rom. Dort bewohnten sie ein
kleines Gartenatelier, das seine Frau für ihre Studienzwecke nahe der Villa Borghese mietete.
Im Borghese Garten fühlte sich der Dichter sehr wohl, was ein Brief an Arthur Holitscher
vom 5. November 1905 beweist: Die Villa und der Garten sind ihm ,,schon in den ersten
Tagen ein vertrauter Zufluchtsort" so schreibt Rilke, der
,,
Getriebene, der es zumeist nicht
länger als ein paar Monate, manchmal auch nur Wochen oder Tage an einem Ort aushielt.",
wie ihn Hans- Ulrich Treichel charakteristisch bezeichnet (116).
Durch seinen darauf folgenden zwölfjährigen Aufenthalt in Paris änderte sich seine
dichterische und künstlerische Einstellung nun maßgeblich. In der französischen Hauptstadt,
die für Rilke ein einmaliges und unvergessliches Erlebnis ausmachte, wie aus dem folgenden
Schreiben an Clara hervorgeht: ,,(...) truly a great, strange city ... very, very strange to me. I
am perturbed by the many hospitals that I come upon everywhere. I understand why they
continually recur in Verlaine, Baudelaire and Mallarmé. One sees the sick going there on foot
or by conveyance in all the streets. One sees them at the windows of the Htel-Dieu in their
peculiar attire, the gloomy, drab, prescribed garb of the sick. One feels, suddenly, that in this
vast town there are armies of the sick, hosts of the dying, nations of the dead" (31. August
1902). Das positivste oder für Rilke einschneidende Erlebnis aber waren natürlich nicht die
Menschenmassen an Kranken und Ausgestoßenen oder die apokalyptischen Eindrücke der
dekadenten Grosstadtmetropole (obwohl diese Beobachtungen den Motivstoff der
,,Aufzeichnungen" weithin ausfüllten), sondern Rilke lernte den Bildhauer und Künstler
Auguste Rodin kennen, den er aufgrund einer Recherche über eine zu verfassende
Künstlermonographie befragen wollte und mit dem er als Sekretär und Freund zeitweise sehr
verbunden war. Unter Einfluss des ,,Phänomen Rodin
"
(Holthusen 67) sollte er von nun an
seine Bewunderung für die Kunst der ,,Dinge" entfalten und eben dieser Rodin erwuchs zu
seiner stilistischen Ikone, zu einem Vorbild ohnegleichen heran, welches für Rilke die
schöpferische Lebenskraft in größter Intensität darstellte. Rilkes Bewunderung für diesen
Mann, der durch sein Dasein
,,
eine menschliche Analogie zum Dasein der Natur"
repräsentierte und das ,,Ganze" (Kusenberg 70) in sich verkörperte, spiegeln Briefe Rilkes,
wie der folgende von 1905, an seine Frau Clara wider:
[...] was sind alle Ruhe Zeiten, alle Tage in Wald und Meer, alle Versuche, gesund zu
leben, und die Gedanken an all dieses: was sind sie gegen diesen Wald, gegen dieses
4
Meer, gegen das unbeschreiblich getroste Ausruhen in seinem haltenden und
tragenden Blick, gegen das Anschauen seiner Gesundheit und Sicherheit. Es rauscht
von Kräften, [...]Sein Bespiel ist so ohnegleichen, seine Größe steigt so vor einem an
wie ein ganz naher Turm, und dabei ist seine Güte, wenn sie kommt, wie ein weißer
Vogel, der einen schimmernd umkreist, bis er sich zutraulich auf der Schulter
niederlässt. Er ist alles, weithin alles. (Gesammelte Briefe, 1904-1907).
Der Pariser Aufenthalt an der Seite Rodins bedingte den entscheidenden Umformungsprozess
in Rilkes dichterischer Haltung: Das Neuromantische, Musikalische und Religiöse, das in der
ersten Phase seiner Erschaffungswerke überwiegend und vorherrschend erscheint, wird nun in
den Hintergrund gedrängt. Rilkes Orientierung zielt von nun an auf das Künstlerische, das
Plastische. Seine Versform wird hart, streng, umgrenzt (Schneditz 13).
Die Faszination für den Künstler Rodin, die Rilke durch die Begegnung mit ihm entdeckte, ist
die Antriebsfeder, die treibende Kraft, um die Kunst, die Dingwerdung, in einer modern-
komplizierten Seelenwelt zu fassen (Kusenberg 72).
Rodin war für Rilke der Künstler, der Bildner, der auf sich nicht mehr acht hat, der
sich selbst unwichtig wird vor dem Werk, und der ´Schauende´ im eminenten Sinne.
Der dem Wirklichen
zugewandte
.
So beschreibt Dehn vortrefflich das Bild Rodins, die Verzückung und den Sinn die Rainer
Maria Rilke durch die Zusammenkunft mit diesem Mann erlangte (Dehn 26).
Den Einfluss Rodin sieht man an der ,,Römischen Fontäne", die er in Zurückerinnerung an
den wundervollen Borghese Garten aus seiner Zeit in Rom (1903) nun im Juli 1906 in Paris
als Gedicht zu Papier bringt. Es entsteht nun die neue Sphäre der ,,Dinggedichte".
Der große Künstler nimmt sich sehr viel Zeit für den jungen deutschsprachigen Dichter, der
sich bemüht den französischen Spracherwerb äußerst rasch zu erlangen. Als Rilke 1905 nach
Paris zurückkam, wohnte er als ,,Sekretär" bei Rodin in Meudon. Bald übernimmt er für den
vielbeschäftigten Franzosen dessen gesamte Korrespondenz in ,,einem Französisch, für das es
sicher irgendwo ein Fegefeuer gibt" (Brief an Andreas-Salomé vom 14. November 1905).
3. Rilkes Veränderungen
In einem Brief vom 11. September 1902 schreibt Rilke an Rodin:"(...) meine Arbeit, weil ich
sie so liebte, sie ist während dieser Jahre zu etwas Feierlichem geworden, zu einem Fest,
gebunden an die seltenen Momente der Eingebung, und es gab Wochen, da ich nichts anderes
tat, als mit unendlicher Traurigkeit die schöpferische Kraft zu erwarten."
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