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Europa um 1870: Die Entwicklung der westeuropäischen Industriegesellschaften und ihre Folgen für die Politik

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 24 Pages
Author: Achim Zeidler
Subject: History - 19. Century

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 24
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V86357
ISBN (E-book): 978-3-638-00725-2
ISBN (Book): 978-3-638-91324-9
File size: 141 KB

Abstract

1. Einleitung: Anfänge der Industrialisierung: Im 18. Jahrhundert veränderten sich die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen; die Voraussetzungen für die Industrielle Revolution wurden geschaffen. Dieser Prozess entwickelte sich anfangs in Großbritannien und dynamisierte sich von dort in den folgenden Jahrzehnten nach Kontinentaleuropa. Eine neue Arbeitsauffassung, die aufgrund der Aufhebung von Beschränkungen Privatkapital für Investitionen zur Produktionsausweitung im Großgewerbe begründete, ermöglichte der Kapitalgesellschaft den wirtschaftlichen Liberalismus. Neuerungen und Fortschrittlichkeit in Bereichen der Naturwissenschaften, Technik und Mechanisierung bewirken, das nun Freihandelsgebiete entstehen in denen eine Agrarrevolution durchgeführt wird. Durch Flurbereinigungen, effizientere Nutzung der offenen Feldfluren und Neuerungen im Fruchtwechsel-System erhöhen sich die Felderträge. Aufgrund der steigenden Bodenerträge, der Vereinfachung der körperlichen Arbeit mittels Maschinentechnik und der Verbesserung des Medizinwesen kommt es jedoch zu einem sprunghaften Anstieg der Bevölkerungszahlen. Folgen sind Überbevölkerung und die Entstehung von Nahrungsmitteldefiziten. Die Maschinen, Lohnarbeit und die wachsenden Fabrikstädte führen dazu, dass eine Landflucht einsetzt. Die meisten Menschen versuchen in den großen Industriestandorten, die durch einen erweiterten Ausbau der Infrastruktur besser und schneller zu erreichen sind, ihr Geld zu verdienen. Da jedoch aufgrund eines Überangebotes an Arbeitskräften zu einem Absinken des Lohnniveaus und zu einem gnadenlosen Konkurrenzkampf unter den Industriestandorten und -zweigen kommt, verelenden die breiten Massen zunehmend. Der Pauperismus führt deswegen zu der Heranbildung eines großstädtischen Proletariats, welches durch die neuen Fabriksysteme Massengüter und Massenkonsum vorantreibt. Die Folgen im sozialen Bereich sind jedoch Zersplitterungen in reiche Kapital- und Firmeneigentümer und arme Fabrikarbeiter. Eine Einteilung in verschiedene Klassen entsteht, bei der die unteren Schichten kein Mitspracherecht an Verbesserungen der sozialen Bedingungen und der Gestaltung der Politik haben. Diese Veränderungen der traditionellen Strukturen, die sich durch die Industrielle Revolution zunächst in England und später in ganz West- und Südeuropa durchsetzen, führen zu einer erweiterten europäischen Industriegesellschaft, die außer den ökonomischen und ökologischen auch weitreichende politische Resultate als Zeichen des Fortschritts mit sich brachten. Besonders auf die Folgen für die Politik, die durch die Entwicklung der Industriestaaten herbeigeführt wurden, soll im folgenden der Fokus dieser Hauptseminararbeit gelegt und geklärt werden, inwieweit sich die westeuropäischen Staaten in ihrer politischen Praxis in Gesellschaft und Staatlichkeit durch die Industrielle Revolution verändert haben...


Excerpt (computer-generated)

Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte unter Einbeziehung der Landesgeschichte

HS: Europa um 1870

Semester: SS 2004

Die Entwicklung der westeuropäischen Industriegesellschaften und ihre Folgen für die Politik

Vorgelegt von:

Achim Zeidler

Lehramt Realschule Germanistik/ Geschichte
6. Semester

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Anfänge der Industrialisierung 3

2. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen 4
2.1 Bevölkerungsexplosion 4
2.2 Mobilisierung der Gesellschaft 4
2.3 Aufschwung der Landwirtschaft 5
2.4 Verbesserung der Lebensbedingungen 6

3. Industrielle Revolution in Europa 7
3.1 Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur 7
3.2 Übergang zur industriellen Gesellschaft 7

4. Soziale Folgen der Industrialisierung 9
4.1 Vermassung und Anonymisierung der Gesellschaft 9
4.2 Der Pauperismus 12

5. Politische Ebene 14
5.1 Bedeutung der Revolution von 1848/49 14
5.2 Verfassungspolitischer Bereich 14
5.3 Zwischen monarchischem und parlamentarischem System 16
5.4 Politische Praxis 17

6. Politische Folgen der Industrialisierung 19

7. Bewertung der Industriellen Revolution 22

8. Literaturangaben 23

 

 

1. Einleitung: Anfänge der Industrialisierung:

Im 18. Jahrhundert veränderten sich die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen; die Voraussetzungen für die Industrielle Revolution wurden geschaffen. Dieser Prozess entwickelte sich anfangs in Großbritannien und dynamisierte sich von dort in den folgenden Jahrzehnten nach Kontinentaleuropa.

Eine neue Arbeitsauffassung, die aufgrund der Aufhebung von Beschränkungen Privatkapital für Investitionen zur Produktionsausweitung im Großgewerbe begründete, ermöglichte der Kapitalgesellschaft den wirtschaftlichen Liberalismus. Neuerungen und Fortschrittlichkeit in Bereichen der Naturwissenschaften, Technik und Mechanisierung bewirken, das nun Freihandelsgebiete entstehen in denen eine Agrarrevolution durchgeführt wird. Durch Flurbereinigungen, effizientere Nutzung der offenen Feldfluren und Neuerungen im Fruchtwechsel-System erhöhen sich die Felderträge. Aufgrund der steigenden Bodenerträge, der Vereinfachung der körperlichen Arbeit mittels Maschinentechnik und der Verbesserung des Medizinwesen kommt es jedoch zu einem sprunghaften Anstieg der Bevölkerungszahlen. Folgen sind Überbevölkerung und die Entstehung von Nahrungsmitteldefiziten. Die Maschinen, Lohnarbeit und die wachsenden Fabrikstädte führen dazu, dass eine Landflucht einsetzt. Die meisten Menschen versuchen in den großen Industriestandorten, die durch einen erweiterten Ausbau der Infrastruktur besser und schneller zu erreichen sind, ihr Geld zu verdienen. Da jedoch aufgrund eines Überangebotes an Arbeitskräften zu einem Absinken des Lohnniveaus und zu einem gnadenlosen Konkurrenzkampf unter den Industriestandorten und -zweigen kommt, verelenden die breiten Massen zunehmend. Der Pauperismus führt deswegen zu der Heranbildung eines großstädtischen Proletariats, welches durch die neuen Fabriksysteme Massengüter und Massenkonsum vorantreibt. Die Folgen im sozialen Bereich sind jedoch Zersplitterungen in reiche Kapital- und Firmeneigentümer und arme Fabrikarbeiter. Eine Einteilung in verschiedene Klassen entsteht, bei der die unteren Schichten kein Mitspracherecht an Verbesserungen der sozialen Bedingungen und der Gestaltung der Politik haben. Diese Veränderungen der traditionellen Strukturen, die sich durch die Industrielle Revolution zunächst in England und später in ganz West- und Südeuropa durchsetzen, führen zu einer erweiterten europäischen Industriegesellschaft, die außer den ökonomischen und ökologischen auch weitreichende politische Resultate als Zeichen des Fortschritts mit sich brachten. Besonders auf die Folgen für die Politik, die durch die Entwicklung der Industriestaaten herbeigeführt wurden, soll im folgenden der Fokus dieser Hauptseminararbeit gelegt und geklärt werden, inwieweit sich die westeuropäischen Staaten in ihrer politischen Praxis in Gesellschaft und Staatlichkeit durch die Industrielle Revolution verändert haben.

2. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen

2.1 Bevölkerungsexplosion:

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts zählte Europa einschließlich der russischen europäischen Gebiete etwa 266 Millionen Einwohner. Das waren rund 80 Millionen oder 42,3 % mehr als um 1900 und etwa 126 Millionen oder 90 % mehr als um 1750. Die meisten Teile der Bevölkerung lebten zu dieser Zeit noch im agrarischen Sektor, die Herausbildung von Großstädten über 100.000 Einwohnern war gegenüber den kleineren Städten mit gerade einmal 40 weit unterlegen. Die Metropolen Paris und London zählten als einzige Städte in Europa mehr als eine Millionen Bewohner. Etwa 70 % der Bevölkerung erlangte seinen Lebensunterhalt aus der Landwirtschaft, vor allem im Kontinentaleuropa waren diese Quoten um 1850 des öfteren noch höher. Der Anteil des agrarischen Sektors am Gesamtnationaleinkommen sank zwar in dieser Zeit stetig, in Mitteleuropa betrug er um die Mitte des Jahrhunderts ca. 47 % gegenüber nur noch 21 % im Mutterland der Industriellen Revolution, England.1

2.2 Mobilisierung der Gesellschaft

Die Gewerbefreiheit und die Bauernbefreiung entbanden die bisher Abhängigen von ihrer Vormundschaft. Dadurch trat eine Mobilisierung der Gesellschaft ein, die sich zumeist aus ökonomischen Vorteilen geleitet den Wohnort und die Arbeitsart selbst suchten. Die traditionelle, ländliche Heimat wurde somit verlassen. Die Landflucht trieb die Menschen in die anwachsenden Städte, in denen sie versuchten, die für sie passende Arbeit zu finden und nicht an die Ständegesellschaft gebunden zu sein.

Die Industrialisierung mit ihren neu entstehenden Berufsaussichten und –bildern entwickelte eine regionale und vertikale Mobilität, in der die Bevölkerungsschwerpunkte in Deutschland durch eine Ost-West-Wanderung zu einer Verschiebung nach Westen führten.2 Industriegroßstandorte wie das Ruhrgebiet entstehen und weitere Großstädte vor allem im Westen der deutschen Staaten wurden ausgebildet.

[....]


1 Gall, Lothar (1997), S. 4

2 www.lsg.musin.de, S. 1


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