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Gedanken zum Ursprung der äthiopischen Juden

Hausarbeit, 2006, 27 Seiten
Autor: Michaela Fleischer
Fach: Afrikawissenschaften

Details

Veranstaltung: Einführung in die Kulturgeschichte Afrikas
Institution/Hochschule: Universität Leipzig (Institut für Afrikanistik)
Tags: Gedanken, Ursprung, Juden, Einführung, Kulturgeschichte, Afrikas
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 27
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V86441
ISBN (E-Book): 978-3-638-02105-0
ISBN (Buch): 978-3-638-92908-0
Dateigröße: 322 KB

Zusammenfassung / Abstract

Falascha – das ist Amharisch und bedeutet übersetzt Fremder oder Außenseiter. Dieser Begriff wurde von anderen Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel christlichen oder muslimischen Gemeinschaften, als Bezeichnung für die äthiopischen Juden, welche sich selbst Beta Israel (Haus Israel) nennen, genutzt. Es sind insbesondere geographische Gegebenheiten und religiöse Unterschiede, auf welche dies zurückzuführen ist. Sie lebten in den Bergen um Gondar im Norden und Nordwesten Äthiopiens. Bis zur Ankunft protestantischer Missionare in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts, welche eine Wende in der Geschichte der äthiopischen Juden bedeutete, lebten sie isoliert von der restlichen jüdischen Welt und sogar von den Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Ab diesem Zeitpunkt, vor allem aber ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts, wurde ihnen erstmals von verschiedenen jüdischen Organisationen Beachtung geschenkt. Im Rahmen dieser Interaktionen erfuhren die äthiopischen Juden von ihren Glaubensbrüdern, von deren Existenz sie bis dahin nichts wussten. Zwar gab es vorher bereits diverse Kontakte zu Reisenden und Forschern und Berichte von diesen, jedoch wurde ihnen nie so viel Beachtung geschenkt wie zu jener Zeit. Auf Grund von spärlichen Quellen über die äthiopischen Juden sind die Meinungen über ihren Ursprung und ihre Geschichte bis heute geteilt. Einer Legende nach sind sie die Nachfolger des Königs Salomo und der Königin Saba. Auf diese führen auch die äthiopisch-orthodoxen Christen ihren Ursprung zurück. Einer anderen Ansicht zur Folge sind die Falascha die Nachfolger des verloren gegangenen Stammes Dan. Diese ist die offizielle Meinung der israelischen Regierung, die es ihnen erlaubte ab 1975 gemäß dem „Law of return“ nach Israel einzuwandern. Wissenschaftler jedoch, nicht (fehl-)geleitet durch Glauben und Religion, vertreten zu diesen beiden Thesen sehr unterschiedliche Ansichten. Ein Teil von ihnen glaubt den Ursprung der äthiopischen Juden in Ägypten. Der andere Teil wiederum streitet diese Theorie ab und führt ihre Anfänge auf Südarabien zurück. Um etwas Licht ins Dunkel dieser sehr verschiedenen Ansichten zu bringen, werde ich im Folgenden auf jede einzeln eingehen.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Leipzig, Institut für Afrikanistik

Veranstaltung: Einführung in die Kulturgeschichte Afrikas

SS 2006

Hausarbeit

Gedanken zum Ursprung der äthiopischen Juden

von Michaela Fleischer


INHALT

1.

Hypothesen zum Ursprung der Falascha

2

1.1

DIE LEGENDE DER KÖNIGIN VON SABA UND DEM
KÖNIG VON ISRAEL

2

1.1.1

DIE BETA ISRAEL ALS NACHFOLGER SALOMOS ?

4

1.2

DER STAMMESVATER ABRAHAM, DIE GESCHICHTE
ISRAELS UND DIE ZERSTREUUNG DES JÜDISCHEN
VOLKES

5

1.2.1

DIE GESCHICHTE ISRAELS UND DIE ZERSTREUUNG DES
JÜDISCHEN VOLKES

7

1.2.2

DIE JUDEN ÄTHIOPIENS UND DER STAMM DAN

9

1.3

ÄGYPTEN UND DIE JUDEN

13

1.3.1

ÄGYPTEN ALS ERSTE QUELLE JÜDISCHEN EINFLUSSES
AUF ÄTHIOPIEN ?

14

1.4

JUDEN IN SÜDARABIEN

18

1.4.1

SÜDARABIEN ALS URSPRUNG FÜR DIE JÜDISCHEN
EINFLÜSSE IN ÄTHIOPIEN

18

2.

Zusammenfassung und Schlussbetrachtung

22

LITERATURVERZEICHNIS

24


EINLEITUNG

Falascha ­ das ist Amharisch und bedeutet übersetzt Fremder oder Außenseiter. Dieser

Begriff wurde von anderen Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel christlichen oder

muslimischen Gemeinschaften, als Bezeichnung für die äthiopischen Juden, welche sich

selbst Beta Israel (Haus Israel) nennen, genutzt. Es sind insbesondere geographische

Gegebenheiten und religiöse Unterschiede, auf welche dies zurückzuführen ist. Sie lebten in

den Bergen um Gondar im Norden und Nordwesten Äthiopiens. Bis zur Ankunft

protestantischer Missionare in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts, welche eine Wende in

der Geschichte der äthiopischen Juden bedeutete, lebten sie isoliert von der restlichen

jüdischen Welt und sogar von den Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Ab diesem

Zeitpunkt, vor allem aber ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts, wurde ihnen erstmals von

verschiedenen jüdischen Organisationen Beachtung geschenkt. Im Rahmen dieser

Interaktionen erfuhren die äthiopischen Juden von ihren Glaubensbrüdern, von deren Existenz

sie bis dahin nichts wussten. Zwar gab es vorher bereits diverse Kontakte zu Reisenden und

Forschern und Berichte von diesen, jedoch wurde ihnen nie so viel Beachtung geschenkt wie

zu jener Zeit.

Auf Grund von spärlichen Quellen über die äthiopischen Juden sind die Meinungen

über ihren Ursprung und ihre Geschichte bis heute geteilt. Einer Legende nach sind sie die

Nachfolger des Königs Salomo und der Königin Saba. Auf diese führen auch die äthiopisch-

orthodoxen Christen ihren Ursprung zurück. Einer anderen Ansicht zur Folge sind die

Falascha die Nachfolger des verloren gegangenen Stammes Dan. Diese ist die offizielle

Meinung der israelischen Regierung, die es ihnen erlaubte ab 1975 gemäß dem ,,Law of

return" nach Israel einzuwandern. Wissenschaftler jedoch, nicht (fehl-)geleitet durch Glauben

und Religion, vertreten zu diesen beiden Thesen sehr unterschiedliche Ansichten. Ein Teil von

ihnen glaubt den Ursprung der äthiopischen Juden in Ägypten. Der andere Teil wiederum

streitet diese Theorie ab und führt ihre Anfänge auf Südarabien zurück. Um etwas Licht ins

Dunkel dieser sehr verschiedenen Ansichten zu bringen, werde ich im Folgenden auf jede

einzeln eingehen.

1


1.

HYPOTHESEN ZUM URSPRUNG DER FALASCHA

Aufgrund des Fehlens einer Schrift war es in den vielen Bevölkerungsgruppen Afrikas

üblich, dass man sich größtenteils in mündlicher Form mitteilte. Somit wurden Ereignisse,

Ansichten, Geschichten, Erkenntnisse und Bräuche über viele Jahrhunderte hinweg von

Generation zu Generation weitergegeben, ohne dass es für die Richtigkeit des Mitgeteilten

fundierte Beweise gab. Diese Methode der Informationsweitergabe erschwert

Wissenschaftlern den Zugang zu zuverlässigen Quellen bis heute. Damit lässt sich die große

Anzahl widersprüchlicher Ansichten über Afrika und dessen Geschichte erklären. Auch

bezüglich der Vergangenheit der äthiopischen Juden ist das Fehlen zuverlässiger Quellen ein

sehr großes Problem. Dies führte zu sehr unterschiedlichen Ansichten und Theorien bezüglich

ihres Ursprungs. Noch heute, obwohl die Theorie, die Beta Israel seien einer der 10 verlorenen

Stämme, durch den israelischen Staat als die offiziell gültige anerkannt wurde, gehen die

Meinungen der Wissenschaftler auseinander.

1.1

Die Legende der Königin von Saba und dem König von Israel

Schilderungen aus der Bibel nach trat in etwa im Jahr 961 v. Chr. König

Salomo, der Sohn von Batseba und David I, die Nachfolge seines Vaters an und wurde somit

König von Israel und Juda. Diesem Herrscher sagte man große Weisheit nach. Die Königin

von Saba, in äthiopischen Überlieferungen Makeda, in islamischen Bilkis genannt, machte

sich auf die Reise um zu ihm zu gelangen und ihn mit Rätseln auf die Probe zu stellen (,,

Und

als die Königin von Saba die Kunde von Salomo vernahm, kam sie, um Salomo mit

Rätselfragen zu prüfen

").1

1 1. Könige 10, 1

2


Sie sollte erfahren, dass die Erzählungen über ihn zutrafen

,,und sprach zum König: Es

ist wahr, was ich in meinem Lande von deinen Taten und von deiner Weisheit gehört habe.

Und ich hab′s nicht glauben wollen, bis ich gekommen bin und es mit eigenen Augen gesehen

habe. Und siehe, nicht die Hälfte hat man mir gesagt. Du hast mehr Weisheit und Güter, als

die Kunde sagte, die ich vernommen habe." 2

Über weitere Ereignisse während des Treffens der beiden Monarchen lassen sich in der

Bibel keine Belege finden. Quelle hierfür ist das Kebra Nagast,

"Book of the Glory of Kings"3

.

Dieses Buch ist das Fundament der äthiopisch-orthodoxen Kirche und der salomonischen

Dynastie, die sich auf dieses Werk beruft um ihre direkte Abstammung von König Salomo zu

verteidigen und zu belegen, da es die Geschichte dieser enthält. Es wurde im 13. Jahrhundert

ursprünglich im Ge`ez verfasst, später jedoch auch in europäische Sprachen übersetzt. Dieses

Buch dient den äthiopischen Königen als Grundlage, auf der sie ihren Anspruch auf den

Thron durch die Abstammung von Salomon geltend machen.

An der Stelle in der Bibel wo davon erzählt wird, wie Salomo Makeda reich

beschenkt4, findet man im Kebra Nagast die Schilderung anderer Ereignisse vor. Laut dieses

Werkes schliefen die beiden miteinander (

"[...] and they slept together." 5)

und Makeda

gebar einen Sohn ("[...]

and she brought forth a man child[...]"6

, als sie bereits wieder in

ihrem Reich, dem heutigen Äthiopien, angekommen war. Auch im Kebra Nagast wird, wie im

Buch der Könige in der Bibel, von den Geschenken berichtet, die Salomo der Königin vor der

Rückkehr in ihre Heimat übergibt.

2 1. Könige 10, 6-7

3 E.A. Wallis Budge

,,The Kebra Nagast",

p.vii.

4 1. Könige 10, 10-12

5 E.A. Wallis Budge

,,The Kebra Nagast"

30, p.35

3


Mit dem Ring, den sie bekam, sollte ihr Sohn zu Salomo zurückkehren. Er sollte als

Zeichen dienen, sodass der Vater seinen Sohn bei dessen Ankunft erkennen konnte. Er, der

von seiner Mutter Bayna Lehkhem genannt wurde, trat im Alter von 22 Jahren die Reise nach

Jerusalem an. Dort angekommen wollte Salomo seinen Sohn, entgegen dem Willen dessen

Mutter, zum König von Israel machen. Dieser jedoch lehnte ab, da er seiner Mutter die

Rückkehr nach Äthiopien versprochen hatte. Auf die Ablehnung des Thrones über Israel

reagierte der König mit der Entscheidung, seinen Sohn salben zu lassen und ihn in einer

Zeremonie zum König Äthiopiens zu machen. Man gab ihm den Namen David II, er wurde in

die Religion Israels eingeführt und wurde die zehn Gebote sowie die Einhaltung des Sabbat

gelehrt. Äthiopien sollte das zweite Königreich Israels werden und somit beschloss Salomo

alle Erstgeborenen Söhne des israelitischen Hofstaates ebenfalls mit auf den Weg zu schicken.

Als Menelik I, wie man ihn in seinem Heimatland nannte, zurückgekehrt war, wurde er dort

der erste König.

1.1.1

Die Beta Israel als Nachfolger Salomos ?

"We came (during the time of Solomon)...after Jeremiah the prophet...We came in the

reign of Solomon. We arrived by way of Sennar, whence we crossed over to

Aksum...Clearly we came in the time of Solomon. "7

Dieses Zitat stammt von Abba Yitzhak und findet sich in seinen Berichten, die er

Mitte des 19. Jahrhunderts verfasst hat, wieder. Sie zählen zu den ältesten schriftlichen

Quellen zu Tradition und Ursprung der äthiopischen Juden. Sie stimmen überein mit der

Geschichte von Salomon und Saba, die im Kebra Nagast beschrieben ist. In Folge dessen

sollen die Beta Israel die direkten Nachfolger Meneliks I, dem Sohn Salomons, sein. Sie

sollen abstammen von ihm und den Erstgeborenen Söhnen des israelitischen Hofstaates, die

mit ihm nach Äthiopien gingen. Biblische Belege für die Ansiedlung einer jüdischen

Gemeinde jedoch gibt es nicht. Die äthiopische Fassung dieser Geschichte im Kebra Nagast

6 E.A. Wallis Budge

,,The Kebra Nagast"

32, p.38

7 Corinaldi 1998, S. 48

4



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