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Research Paper, 2005, 122 Pages
Author: Magister Artium Yves Dubitzky
Subject: Politics - International Politics - Topic: Peace and Conflict Studies, Security
Details
Tags: Finanzierung, Terrorismus, Islamismus, Terrorismusbekämpfung, Internationale Beziehungen, Islamistischer Terrorismus
Year: 2005
Pages: 122
Bibliography: ~ 62 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-00369-8
ISBN (Book): 978-3-638-91141-2
File size: 449 KB
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Abstract
„Bereits im Februar 1993 schien in New York die Apokalypse nahe. Islamisten inszenierten in einem Garagendeck des World Trade Centers eine riesige Explosion. Sechs Menschen wurden getötet, über 1000 verletzt. Nur glückliche Umstände, Statik und Schwäche der Bombe verhinderten schon damals den ersten terroristischen Super-GAU.“ Rolf Tophoven, der Mitbegründer und stellvertretende Leiter des Institutes für Terrorismusforschung in Bonn scheint dabei zwei wichtige Komponenten zu vergessen, die 1993 zum optimalen Gelingen fehlten. Zum einen war dies das dilettantische Vorgehen der Terroristen selbst, gepaart mit den zum damaligen Zeitpunkt äußerst freizügig gestalteten Einreisebestimmungen der USA. Zum anderen betraf dies einen sehr weltlichen Aspekt im terroristischen Kalkül: das Geld, das zur Vorbereitung und Durchführung der Aktion notwendig war.
Excerpt (computer-generated)
TU Chemnitz
Philosophische Fakultät
Fachbereich: Internationale Politik
Finanzierung des islamistischen Terrorismus
vorgelegt von
Yves Dubitzky
am 26. Oktober 2005.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 4
1.1 Hinführung zum Thema ... 5
1.2 Fragestellung ... 7
1.3 Aufbau der Arbeit ... 9
1.4 Forschungsstand ... 11
2. Begriffsbestimmung zum Terrorismus ... 15
2.1 Terrorismusbestimmung durch die Vereinten Nationen und die Europäische Union ... 17
2.2 Operationalisierung des Terrorismusbegriff ... 19
3. Die Anfänge der Privatisierung des Terrorismus am Beispiel der PLO und der Hisbollah ... 21
3.1 PLO – Finanzierung durch Wohlfahrtsorganisation ... 23
3.2 Hisbollah – vom staatlich geförderten Terrorismus zur privaten Finanzierung ... 30
4. Terrorismusfinanzierung aus legalen Quellen ... 45
4.1 Das islamische Finanzwesen und islamische Banken ... 45
4.1.1 Die Evolution des islamischen Finanzwesens ... 47
4.1.2 Das Zinsverbot riba ... 53
4.1.3 Die Rolle islamischer Banken bei der Terrorfinanzierung ... 55
4.2 Die islamischen Hilfsorganisationen ... 56
4.2.1 Die Anfänge der islamischen Hilfsorganisationen ... 57
4.2.2 Das Wirken islamischer Hilfsorganisationen vor dem 11. September 2001 ... 60
4.2.3 Das Wirken islamischer Hilfsorganisationen nach dem 11. September 2001 ... 68
4.3 Scheinbar legale Quellen ... 70
5. Terrorismusfinanzierung aus illegalen Quellen ... 74
5.1 Illegaler Handel mit Edelsteinen ... 80
5.2 Drogenschmuggel ... 83
5.3 Zigarettenschmuggel ... 85
6. Möglichkeiten des Transfers terroristischer Gelder ... 87
6.1 Offizielle Zahlungssysteme ... 91
6.2 Alternative Zahlungssysteme – hawala-Transfer ... 94
7. Optionen für den Kampf gegen die Finanzen des Terrorismus ... 100
7.1 Zusammenfassung ... 100
7.2 Konsequenzen für die Bekämpfung der Terrorfinanzierung ... 102
8. Bibliographie ... 111
1. Einleitung
„Bereits im Februar 1993 schien in New York die Apokalypse nahe. Islamisten inszenierten in einem Garagendeck des World Trade Centers eine riesige Explosion. Sechs Menschen wurden getötet, über 1000 verletzt. Nur glückliche Umstände, Statik und Schwäche der Bombe verhinderten schon damals den ersten terroristischen Super-GAU.“1 Rolf Tophoven, der Mitbegründer und stellvertretende Leiter des Institutes für Terrorismusforschung in Bonn scheint dabei zwei wichtige Komponenten zu vergessen, die 1993 zum optimalen Gelingen fehlten. Zum einen war dies das dilettantische Vorgehen der Terroristen selbst, gepaart mit den zum damaligen Zeitpunkt äußerst freizügig gestalteten Einreisebestimmungen der USA. Zum anderen betraf dies einen sehr weltlichen Aspekt im terroristischen Kalkül: das Geld, das zur Vorbereitung und Durchführung der Aktion notwendig war.
Als 1995 der Hauptverantwortliche des ersten Terroranschlags auf das Welthandelszentrum, Ramzi Yousef, in Islamabad festgenommen und in die USA ausgeflogen wurde, sagte dieser beim Überflug der Stadt New York und dem Betrachten der Zwillingstürme: „Wenn ich mehr Geld und Zeit gehabt hätte, um eine größere Bombe zu bauen, stünden die Türme nicht mehr.“2 In der Tat müssen in den frühen 1990er Jahren die Finanzstrukturen des Terrornetzwerkes al-Qaida erst schwach ausgebildet gewesen sein, um einen Anschlag von der Größenordnung des World Trade Centers effektiv ausführen zu können: „This self-sufficiency hurt the early cells of Al Qaeda, notably the first WTC bombing cell in 1993. In the early part of the 1990s, Al Qaeda did not have the necessary ressources, or at least chose not to use them for its operational cells.”3 Fast zwei Jahre später, nach seiner Verhaftung im Januar 1995, kam Ramzi Yousef nicht umhin, wieder und wieder zu betonen, er hätte bei der Planung der Anschläge nicht über genügend Geld verfügt: So hätte er beispielsweise den Plan verwerfen müssen, Giftgas einzusetzen und selbst der Einsatz eines Lastkraftwagens wäre zu teuer gewesen. Ein Gerichtsbeobachter kam daher zu dem Schluss, dass es sich bei den Äußerungen eher um Statements handele. Gut möglich, dass Yousef darauf drängte, für künftige Anschläge mehr Geld zur Verfügung zu stellen, um das Gelingen eines Anschlags zu garantieren.4 Sein Drängen sollte Gehör finden...
1.1 Hinführung zum Thema
Die Anschläge vom 11. September 2001 auf das Welthandelszentrum in New York und auf das Pentagon in Washington bedeuteten in jeder Hinsicht eine Zäsur in der Geschichte. Zusätzlich verliehen diese parallel ausgeführten Anschläge dem Terrorismus ein neues Gesicht und verhalfen ihm zu einer neuen Qualität seines weltweiten Agierens. Doch worin bestehen die Unterschiede zwischen dem so genannten neuen Terrorismus und dem vor dem besagten, markanten Datum Mitte September 2001? Lassen sich an diesem „neuen“ Terrorismus auch neue Qualitätsmerkmale hinsichtlich dessen Finanzierung ablesen? Stehen gestiegene Einnahmen gar in Korrelation zu Auswirkungen?
Die Anschläge oder Anschlagsversuche, wie sie die Weltöffentlichkeit in der vergangenen Dekade beobachten konnte, sind Beweis dafür, dass die gegenwärtige Form des transnational agierenden Terrorismus durchaus in der Lage ist, komplexe Aktionen, und dazu zählen parallel durchgeführte Angriffe, zu planen und in die Tat umzusetzen. Diese Entwicklung lässt Rückschlüsse auf Struktur und Aufbau terroristisch orientierter Gruppen der neuesten Generation zu, für die die islamistische al-Qaida bin Ladens geradezu exemplarisch steht: Finanzielle Rücklagen und operatives Kapital, eine verbesserte terroristische Infrastruktur und neue Wege der Kommunikation sind Zeichen für eine deutlich gesteigerte Professionalisierung der Täter.
Der transnationale Terrorismus stellt vor allem in seiner Zielsetzung eine Weiterentwicklung des internationalen Terrorismus dar.5 Während der internationale Terrorismus zwar weltweit agierte und zuweilen Allianzen mit anderen lokalen Terrorgruppen einging, verfolgte er dennoch nationale Ziele. Für den transnationalen Terrorismus hingegen besteht ein solches geographisches Korsett nicht. Der Anspruch der Terroristen ist globaler geworden: Für sie steht die Veränderung der Weltlage mehr im Mittelpunkt als die Fokussierung auf eine spezielle Region.
Die Entwicklung des internationalen Terrorismus hat bewiesen, dass mit der Ausweitung der Anschläge auf ein globales Terrain auch die Ausgaben für die Planung und Durchführung solcher Aktionen entsprechend gestiegen sind. Besonders das Unterhalten von Ausbildungslagern, die Nutzung von Drogen und Schmuggelrouten, die Bereitstellung von Rückzugsräumen, die Garantie eines reibungslosen Übertretens von Grenzen mithilfe gefälschter Pässe und Dokumente und die Versorgung der Familien der Attentäter ließen die Fixkosten für eine Terrororganisation in die Höhe schnellen. Im Klima des Ost-West-Gegensatzes stellten sich die Terroristen bereitwillig unter den Schutz von Staaten und deren Geheimdiensten. Dazu zählten im Nahen Osten vor allem Länder wie Libyen, der Irak, der Iran oder Syrien. Nicht immer konnten genaue Unterschiede festgemacht werden, inwiefern es sich um Mitglieder einer Terrororganisation handelte oder um gemeine Söldner, die im Dienste eines Landes standen und dessen Aufträge ausführten. Die Generierung von Geld hing in den meisten Fällen davon ab, wo sich auf der ideologischen Skala die einzelnen Terrororganisationen befanden. Dennoch erhielt z.B. die Palestine Liberation Organization (PLO) bereits zu Zeiten des Kalten Krieges Zuwendungen von nichtstaatlichen Akteuren.
1.2 Fragestellung
Ziel der Arbeit wird es sein, Methoden der Finanzierung des Terrorismus aufzuzeigen, wobei sich das Hauptaugenmerk auf die gegenwärtig ausdrucksstärkste Form des Terrorismus, den radikalen Islamismus richten wird. Bezugnehmend darauf beschäftigt sich die Arbeit mit folgender Fragestellung: Wie finanziert sich der islamistische Terrorismus? In diesem Zusammenhang ergeben sich eine Reihe weiterer Fragen:
1. Was wird allgemein unter dem Begriff „Terrorismus“ verstanden?
2. Wie gestaltete sich die Finanzierung des Terrorismus in der Vergangenheit? Gab es Unterschiede zu den heutigen Methoden der Finanzierung? Macht es auch diesbezüglich Sinn, von einem „neuen“ Terrorismus zu sprechen? Gab es Tendenzen hin zu einer Privatisierung bzw. Entstaatlichung des Terrorismus schon vor dem Ende des Kalten Krieges?
3. Welche Verbindungen bestehen zwischen dem politischen Islam, dem islamischen Finanzwesen und den islamischen Hilfsorganisationen? Ist der Verdacht, der gegen einige islamische Finanzhäuser offen von der US-Administration ausgesprochen wurde, gerechtfertigt? Welche Nischen bietet das islamische Finanzwesen der Finanzierung von Terrororganisationen?
4. Welcher vermeintlich legalen und illegalen Quellen bedienen sich terroristisch orientierte Vereinigungen? Welche Rolle spielen nichtstaatliche Akteure bei der Finanzierung? Wer sind die Akteure und Profiteure, d.h., wer investiert in politische Gewalt und wer schlägt Gewinn daraus?
5. Ist angesichts der zunehmenden Verflechtung von Terrorismus und Organisierter Kriminalität eine getrennte Bekämpfung ihrer finanziellen Ressourcen noch aktuell?
Die Aufgabe der Arbeit kann es meines Erachtens nicht sein, investigativ die klandestinen Wege und dunklen Kanäle der Terrorfinanzierung bis ins kleinste Detail zu verfolgen. Dies gehört in den Bereich der polizeilichen und geheimdienstlichen Arbeit und steht deshalb außerhalb der Reichweite dessen, was mit dieser Arbeit erreicht werden kann. In der Literatur werden dazu sehr unterschiedliche Prioritäten gesetzt, doch gerade die Faktenlage stellt sich zuweilen sehr widersprüchlich dar: Ist die al-Qaida aktiv in den Drogenanbau und den Schmuggel von Narkotika verwickelt, wie das Autorenpaar Ray Takeyh und Nikolaus Gvosdev schreibt?6 Oder ist Osama bin Laden tatsächlich völlig unbeteiligt?7
[...]
1 Vgl. Tophoven, Rolf: Neue terroristische Strukturen. Osama bin Laden und die ‚Al-Qaida’, in: Frank, Hans/Hirschmann, Kai (Hrsg.): Die weltweite Gefahr. Terrorismus als internationale Herausforderung, Berlin 2002, S. 246.
2 Zit. nach: Mascolo, Georg/Stark, Holger: Operation Heiliger Dienstag, in: Der Spiegel, 44 (2003), S. 125.
3 Vgl. Basile, Mark: Going to the Source. Why Al Qaeda’s Financial Network Is Likely to Withstand the Current War on Terrorist Financing, in: Studies in Conflict and Terrorism, 27 (2004), S. 172. (Im Folgenden: Basile 2004.)
4 Vgl. Emerson, Steven: American Jihad. The Terrorist Living Among Us, New York 2003, S.51f. (Im Folgenden: Emerson 2003.)
5 Vgl. Schneckener, Ulrich: Netzwerke des Terrors. Charakter und Strukturen des transnationalen Terrorismus. Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin 2002, S. 18. (Im Folgenden: Schneckener 2002.)
6 Vgl. Takeyh, Ray/Gvosdev, Nikolas: Do Terrorist Networks Need a Home?, in: The Washington Quarterly, 25 (Summer 2002), S. 97-108. (Im Folgenden: Takeyh/Gvosdev 2002.)
7 Vgl. Gunaratna, Rohan: Inside Al Qaeda. Global Network of Terror, New York 2003. (Im Folgenden: Gunaratna 2003.)
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