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Die Bildnisse des Kaisers Hadrian

Hausarbeit, 2007, 19 Seiten
Autor: Florian Gils
Fach: Archäologie

Details

Veranstaltung: Bildnisse römischer Kaiser und Kaiserinnen
Institution/Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (Klassische Archäologie)
Tags: Bildnisse, Kaisers, Hadrian, Bildnisse, Kaiser, Kaiserinnen
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2007
Seiten: 19
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 24  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V86554
ISBN (E-Book): 978-3-638-02127-2

Dateigröße: 906 KB

Zusammenfassung / Abstract

Die Arbeit behandelt die sieben als solche (mehr oder weniger allgemein) anerkannten Bildnistypen des römischen Kaisers Hadrian (1117-138 n.Chr.) 1) Bildnistypus „Stazione Termini“ 2) Typus Vatikan Chiaramonti 392 3) Typus Rollockenfrisur 4) Typus Panzer-Paludamentumbüste Baiae 5) Typus Panzerbüste Imperatori 32 6) Panzerbüste Vatican Busti 283 7) Typus Tarragona und untersucht sie auf Abfolge, Zeitstellung und Ausgabeanlaß hin. Aktualisierung der Arbeit: in die Auflistung der Portraitköpfe muß inzwischen noch ein im August 2007 in Sagalassos (110km nördlich Antalya/Türkei) gefundenes Stück aufgenommen werden (Frankfurter Rundschau Nr. 189, 16.08.2007, Magazin S. 47), daß m.E. (soweit der Presseabbildung zu entnehmen) zum Typus Rollockenfrisur gehören dürfte.


Textauszug (computergeneriert)

Klassische Archäologie

Seminar: Bildnisse römischer Kaiser und Kaiserinnen

Florian Gils

8. Semester WS 2006/07

Die Bildnisse des Kaisers Hadrian

Inhaltsverzeichnis

1) Biographie 1

2) Die Portraits 2

2.1) Typus Stazione Termini 3

2.2) Typus Vatikan Chiaramonti 392 4

2.3) Typus Rollockenfrisur 6

2.4) ,,Typus" Panzer-Paludamentumbüste Baiae 8

2.5) Typus Panzerbüste Imperatori 32 9

2.6) Panzerbüste Vatican Busti 283 11

2.7) ,,Typus" Tarragona 12

3) Einzelbildnisse? 13

4) Provinzialportraits ­ Schlechte Kopien oder fremder Wertekanon? 13

5),,Klitterungen" 15

6) Zusammenfassung 15

Literatur- und Quellenliste


1) Biographie:

1

Hadrian wurde am 4. Januar 76 in Italica (Spanien) als P. Aelius (Publi Fili Sergia) Hadrianus

geboren.2 Seine Eltern waren der Praetorier Publius Aelius Hadrianus Afer und Domitia Paulina.

86 starb sein Vater und er wurde unter die Obhut von Trajan und Caelius Attianus gestellt, 93

empfing er die Toga virilis, wurde Richter in Erbschaftsangelegenheiten und dann Tribun der Legio

II Adiutrix in Aquincum.

96 wurde er zur V makedonischen Legion versetzt, 97 zur Legio XXII Primigenia Pia Fidelis in

Obergermanien.

98 starb Kaiser Nerva und Trajan wurde sein Nachfolger. Hadrian überbrachte Trajan persönlich

die Todesnachricht.

100 erfolgte die Vermählung mit Vibia Sabina, der Großnichte Trajans; das Verhältnis zu seiner

Frau soll kein besonders gutes gewesen sein. Wesentlich besser verstand er sich dagegen mit seiner

Schwiegermutter Matidia, der Nichte Trajans.

101 bekleidete er die Quaestur.

Hadrian nahm an beiden Dakerfeldzügen Trajans teil, wurde 105 Volkstribun, 106 Legat der Legio

I Minervia Pia Fidelis, sowie Prätor, übte im Jahre 107 die Funktion eines Legatus pro Praetore

Imperii in Dacien und Pannonien aus und bekleidete 108 schließlich sein erstes (Suffect-)Konsulat.

Ab 113 nahm er an Trajans Partherfeldzug teil, wurde 117 Statthalter von Syrien in Antiochia und

dort im Zuge eines Aufstandes erstmals mit den Juden konfrontiert.

Noch zu Lebzeiten Trajans begann mit dem 1. Januar 117 Hadrians zweites Konsulat.

Obwohl Hadrian sich lange und stets in großer Nähe zu Trajan aufgehalten hatte, war er kein

öffentlich designierter Nachfolger, als Trajan im August 117 in Selinunt in Kleinasien starb. Wenn

Trajan Hadrian überhaupt offiziell adoptiert hat, dann ist es vermutlich auf dem Sterbebett

geschehen. Schon in der Antike wurde freilich gemunkelt, Plotina, die Frau Trajans, habe in den

Tagen nach Trajans Tod die Nachfolge Hadrians entschieden. Was wirklich geschah, liegt bis heute

im Dunkel.

Jedenfalls war Hadrians Nachfolge umstritten und so kam es, daß es noch während Hadrians

Abwesenheit ­ er brauchte ein komplettes Jahr, bis er in Rom eintraf, weil er im Osten erst die

Verhältnisse ordnen mußte ­ zur ,,Verschwörung der vier Konsulare" kam. Die vier wurden

daraufhin ermordet, vermutlich auf Hadrians Veranlassung, auch wenn dieser öffentlich beeidete,

mit dem Tod der Männer nichts zu tun zu haben. Der Senat verzieh ihm diese Tat jedoch nie, was

sich auch im überlieferten Geschichtsbild Hadrians negativ niederschlägt.

119 bekleidete er sein drittes und letztes Konsulat.

Wenn auch Hadrians Amtseinführung alles andere als reibungslos verlaufen war, so bedeutete doch

seine nun folgende 21jährige Herrschaft eine Blüte für Frieden, Wohlstand und Kunst. Er gab die

von Trajan eroberten Gebiete im Nahen Osten an die Parther zurück und enthielt sich auch sonst

aller Feldzüge.

In Rom ließ er zahlreiche Gebäude wiederherstellen (z.B. der Neubau des Pantheon) und neu

errichten, wie etwa den Venus- und Roma-Tempel. Dies geschah jedoch nicht nur in Rom. Die

Historia Augusta bemerkt dazu nicht ohne einen Anflug von Spott: ,,In fast jeder Stadt ließ er

irgendein Gebäude errichten und veranstaltete öffentliche Spiele."3 In Tivoli entstand eine riesige

Palast- und Parkanlage, die Villa Hadriana.

1 Zur Biographie Hadrians: P. v. Rhoden, P. Aelius Hadrianus, RE 1,1,1, 1893, 493-520; W. Weber, Untersuchungen

zur Geschichte des Kaisers Hadrianus, 1907; A. R. Birley, Hadrian, der rastlose Kaiser, 2006. Zur Ämterlaufbahn:

C. Evers, Les portraits d´Hadrien ­ Typologie et ateliers, 1994, 17f; D. Kienast, Römische Kaisertabelle ­

Grundzüge einer römischen Kaiserchronologie, 1990, 128-131. Hauptquellen zu Hadrian: Historia Augusta, De

Vita Hadriani, ed. by T. E. Page et all., The Loeb Classical Library, 31953, kurz HA genannt, Cassius Dio, Roman

History, 69 (Epitome), ed. by T. E. Page et all., The Loeb Classical Library, 31961. Rezeption: S. Mortensen,

Hadrian ­ Eine Deutungsgeschichte, 2004; (literarisch) M. Yourcenar, Ich zähmte die Wölfin ­ Die Erinnerungen

des Kaisers Hadrian, 1953.

2 Dem widerspricht jedoch Birley, a.O., 7, der Rom als Geburtsort ansieht.

3 HA, 19, 2.

1


Hadrian verfaßte eine eigene Autobiographie und war auch selbst dichterisch tätig4.

Hadrian war viel auf Reisen. Erstmals von 121­125 (vom Westen des Reiches (Vollendung des

germanischen Limes; Bau des Hadrianswalles in Britannien), über Mauretanien, Kleinasien und

Griechenland), eine etwas kürzere Reise (Afrika) fand im Sommer 128 statt, die zweite große

Reichs-Reise von 128­132 (Griechenland -128 Annahme des Titels Olympios-, Kleinasien, Asien,

Ägypten -130 Tod des Antinoos und Gründung von Antinoopolis-, Syrien, Griechenland). Eine

dritte ,,Reise" 132-134 hatte einen kriegerischen Hintergrund: Hadrians Versuch, auf den

Trümmern des unter Titus 70/71 zerstörten Jerusalem eine Stadtneugründung namens ,,Aelia

Capitolina" anzulegen, hatte in Judäa zum sog. Bar-Kochba-Aufstand geführt, der erst 135

endgültig niedergeschlagen werde konnte. Vermutlich aus diesem Anlaß nahm Hadrian den Titel

Imperator II an.

Von der letzten Reise kehrte Hadrian offenbar bereits gesundheitlich angeschlagen zurück. Ab 136

verschlechterte sich sein Zustand zusehends, sodaß er im Sommer desselben Jahres L. Ceionius

Commodus zum designierten Nachfolger erhob, der fortan den Namen L. Aelius Caesar trug. In

diesen Zusammenhang fällt die Hinrichtung von Hadrians 90jährigem Schwager L. Iulius Ursus

Servianus und dessen Enkels Fuscus, die sich gegen Hadrians Nachfolgepläne aufgelehnt hatten.

Die Regelung schlug jedoch fehl, denn schon am 1. Januar 138 starb der gesignierte Nachfolger an

einem Blutsturz und Hadrian mußte sich nach einer neuen Lösung umsehen. Am 25. Februar 138

adoptierte er den damals schon 51jährigen T. Aurelius Fulvus Boionius Arrius Antoninus (den

späteren Kaiser Antoninus Pius) und verfügte gleichzeitig, daß dieser die beiden Knaben L.

Ceionius Commodus, den Sohn des vormaligen designierten Nachfolgers und L. Annius Verus (den

späteren Kaiser Marc Aurel) adoptieren mußte. Noch zu Lebzeiten übergab er Antoninus die

tribunizische und prätorische Gewalt und bestellte ihn zum Reichsverweser. Kaum fünf Monate

später starb Hadrian am 10. Juli 138 in Baiae, den Quellen zufolge an der Wassersucht. Da sein

Grabmal, das Mausoleum Hadriani zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellt war, wurden seine

Gebeine mehrfach umgebettet, bis er dort endlich (wohl Anfang 139) seine letzte Ruhestätte fand.

Der Senat verweigerte ihm zunächst die consecratio und erst die Intervention des Antoninus Pius

setzte sie schließlich durch.

2) Die Portraits

Statura fuit procerus, forma comptus,

Er war hochgewachsen und eine

flexo ad pectinem capil o, promissa

stattliche Erscheinung, sein Haar

barba, ut vulnera, quae in facie

pflegte er zu Locken zu kämmen, und

naturalia erant, tegeret, habitudine

er trug einen Bart, um die angeborenen

robusta.

Gesichtsmale zu verbergen; er hatte

eine kräftige Konstitution.

Von Hadrian sind etwa 150 sicher zuweisbare rundplastische Portraits überliefert, die im

Allgemeinen in sieben Bildnistypen unterschieden werden:

1) Bildnistypus ,,Stazione Termini"
2) Typus Vatikan Chiaramonti 392
3) Typus Rollockenfrisur
4) Typus Panzer-Paludamentumbüste Baiae
5) Typus Panzerbüste Imperatori 32
6) Panzerbüste Vatican Busti 283
7) Typus Tarragona

4 Die Autobiographie selbst ist verloren, sie war jedoch indirekt wohl eine der Hauptquellen für die Historia Augusta.

Eine Auflistung seiner Dichtungen bei v. Rhoden, a.O., 495.

2


Sechs dieser Typen wurden in der ersten grundlegende Untersuchung von Max Wegner aus dem

Jahre 1956 anhand der Aufstellungs-, bzw. Fundorte oder besonders charakteristischer Merkmale

der von Wegner jeweils als beste Repliken angesehenen Stücke benannt. Diese vermeintlich

besten Bildnisse werden heute allerdings nicht mehr durchgängig als Leitportraits anerkannt. Typus

Tarragona wurde dann von Fittschen/Zanker als separater Typus hinzugefügt.5 Diese sieben Typen

werden in der vorliegenden Arbeit vorgestellt.

Ein weiterer Abschnitt wird sich mit der Frage nach Provinzial- und eventuellen Einzelportraits

beschäftigen. Ebenso wird kurz auf das Problem der ,,Klitterungen" einzugehen sein.

2.1) Typus Stazione Termini

a) Repliken:

6

Italien

41 Florenz, Galleria degli Uffizi 108, Inv. 1914 Nr. 46.7

48 Houghton Hall.

104 Rom, Palazzo dei Conservatori, Scala I.4, Inv.nr. 817

107 Rom, Museo Nazionale delle Terme, Inv.nr. 124.491.

Griechenland

50 Istanbul, Archäologisches Museum 585, Inv.nr. 50.

Kleinasien

8 Antalya, Museum, Inv.nr. 2649 (Perge).

Kyrenaica

33 Cyrène, Museum, Inv. C.17017.

57 London, British Museum Nr. 1381.

b) Varianten:

8

Italien

26 Cassino, Museo Archeologico.

108 Rom, Museo Nazionale Romano, Inv. 172.224.

120 Rom, Palazzo Altemps, Scalone.

43 Foligno, Museo Civico.

126 Rom, Palazzo Valentini.

129 Rom, Villa Borghese (salone).

139 Tortosa, Museo Municipal.

Griechenland

75 Olympia, Museum, Inv.nr. 148.

Kleinasien

65 Milet, Museum

Kyrenaica

34 Cyrène, Museum, Inv. C.58001.

Westeuropa

55 London, British Museum, Inv.nr. 48.11-3.1.

93 Porec, Museo del Parentino, Inv. AR.206.

c) ,,Klitterungen":

Griechenland

24 La Canée, Archäologisches Museum, Inv.nr. 82 (Stazione Termini + Chiaramonti 392).

Kleinasien

89 Pergamon, Museum, Inv.nr. 783 (Stazione Termini + Chiaramonti 392).

Westeuropa

53 Klagenfurt, Landesmuseum für Kärnten, Inv. L/606 (Stazione Termini + Chiaramonti 392).

5 Ein vermeintlicher achter Typus, der einen ,,trauernden Hadrian" darstellen soll, wird in der Forschung allgemein

abgelehnt. S. dazu: C. Evers, Les portraits d´Hadrien ­ Typologie et ateliers, 1994, 273-77.

6 Evers, a.O., 216f. Alle Replikenlisten nach C. Evers. Die vorangestellte Ziffer bezeichnet die von Evers vergebene

Nummer. Eine zusätzliche Anmerkung zu den Repliken wird im Folgenden nur gegeben, sofern die Daten von den

in der Liste der in K. Fittschen / P. Zanker, Katalog der römischen Portraits in den Capitolinischen Museen und den

anderen kommunalen Sammlungen der Stadt Rom I, 1985 aufgelisteten Repliken abweichen.

7 Bei Fittschen/Zanker, a.O., 44 weicht die Inv.Nr. ab: 1914.146.

8 Varianten und ,,Klitterungen" bei Fittschen/Zanker, a.O. bestenfalls in den Fußboten angegeben. Dies gilt für alle

Typen. Dafür reiht Evers die von P. Zanker, Provinzielle Kaiserporträts ­ Zur Rezeption der Selbstdarstellung des

Princeps, 1983 aufgeführten ,,Provinzialportraits" unter ihre Repliken, bzw Varianten ein.

3



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