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"Manhood" im frühen amerikanischen Sport

Examination Thesis, 2005, 103 Pages
Author: Kai Mühlenhoff
Subject: Sport - Sport History

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2005
Pages: 103
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 97  Entries
Language: German
Archive No.: V86569
ISBN (E-book): 978-3-638-00731-3

File size: 1184 KB
Notes :
Die Arbeit beschränkt sich bei weitem nicht bloß auf den Bereich Sportgeschichte, sondern liefert auch für Amerikanisten, Kulturwissenschaftler und Personen, die sich mit 'gender studies' bzw. den sogenannten 'men's studies' befassen, interessante Ergebnisse über das Konzept von "Manhood". Vom Prüfer als "herausragend" tituliert (Note 1,3 wegen der nicht ganz genügenden Reflexion im Schlussteil der Arbeit) mit einem sehr umfangreichen Quellenverzeichnis (über 100 Angaben), das neben den Erläuterungen zur Literatur- und Quellenlage mehr als eine gute Basis für weitere Recherche bildet.


Abstract

Die Arbeit baut auf einem drastischen Wandel von Männlichkeitsidealen auf – dem Wandel eines Ideals, welches tief im Leben der Gemeinde verwurzelt ist, zu einem Ideal, das auf individuellen Leistungen fußt und dabei den männlichen Körper in den Mittelpunkt stellt. Ein Männlichkeitsideal ist ein Cluster von Eigenschaften, Verhaltensweisen und Werten, über die sich ein Mann identifiziert und die von Mitgliedern einer Gesellschaft als das Erstrebenswerte, als dasjenige angesehen werden, was den „guten“ und tugendhaften Mann ausmacht. In einer Zeit (1850-1920), in der weitgreifende soziale, wirtschaftliche und politische Veränderungen um sich griffen, sahen die Männer, die für sich das Ideal einer starken Identität beanspruchten, dieses in ernsthafter Gefahr. BEDERMAN (1995) hat mit dem Ideal des Masculine Primitive und seiner Betonung auf dem Körper auf die nicht von einander zu trennende Beziehung von Körper, Identität und Macht hingewiesen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herrschte die Meinung vor, dass ein starker Körper einem Mann eine starke Identität verlieh und damit die Fähigkeit, sich für sich selbst behaupten und über andere dominieren zu können. Männer haben beständig Strategien entwickelt, für sich das auf Aggressivität, Härte, Kraft und Macht basierende Ideal zu bewahren, beziehungsweise es für ihre individuellen Vorhaben zu Nutze zu machen. Es gilt in diesem Sinne, ihre Strategien herauszuarbeiten, um zu zeigen, welche Funktionen dem Sport dabei als Instrument zur Umsetzung dieser Vorhaben zukamen.


Excerpt (computer-generated)

Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Fachbereich Sportwissenschaft

“Manhood“ im frühen
amerikanischen Sport

Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung
für das Lehramt für die Sekundarstufe II/I

Verfasser: Kai Mühlenhoff

Münster, Juni 2005

 

Inhaltsverzeichnis

1 Untersuchungsgegenstand und struktureller Aufbau der Arbeit ... 1

2 Literatur- und Quellenlage ... 4

3 Der Wandel der Männlichkeitsideale ... 10

3.1 Die Phase der Transformation von communal manhood zu self-made manhood ... 10

3.2 Die Männlichkeitsideale von self-made manhood ... 16
3.2.1 Manly Achiever ... 16
3.2.2 Christian Gentleman ... 18
3.2.3 Masculine Primitive ... 20

4 Intercollegiate athletics und das neue Ideal des Körpers ... 25

4.1 Der Aufstieg des Sports und intercollegiate athletics ... 25

4.2 Das neue Ideal des männlichen Körpers ... 30

4.3 Die Entwicklung eines man of character durch athletics ... 35

5 Die spermatic economy und die Rekapitulationstheorie ... 41

5.1 Die spermatic economy ... 41
5.1.1 Die Rekapitulationstheorie G. Stanley Halls ... 45
5.1.2 Die recapitulation theory of play ... 50
5.1.3 Die recapitulation theory of play und athletics als Männerdomäne ... 55

6 Muscular Christianity, Sport und das Strenuous Life ... 58

6.1 Theodore Roosevelt und das ‚Strenuous Life’ ... 58
6.1.1 Football ... 64
6.1.2 Boxen ... 69

6.2 Muscular Christianity in Amerika ... 76
6.2.1 Thomas Wentworth Higginson ... 78
6.2.2 Die „Remaskulinisierung“ der Kirche und der Athlet als Prediger ... 82

7 Zusammenfassung ... 88

8 Abkürzungsverzeichnis ... 93

9 Abbildungsverzeichnis ... 94

10 Literatur ... 95

 

1 Untersuchungsgegenstand und struktureller Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit baut auf einem drastischen Wandel von Männlichkeitsidealen auf – dem Wandel eines Ideals, welches tief im Leben der Gemeinde verwurzelt ist, zu einem Ideal, das auf individuellen Leistungen fußt und dabei den männlichen Körper in den Mittelpunkt stellt. Ein Männlichkeitsideal ist ein Cluster von Eigenschaften, Verhaltensweisen und Werten, über die sich ein Mann identifiziert und die von Mitgliedern einer Gesellschaft als das Erstrebenswerte, als dasjenige angesehen werden, was den „guten“ und tugendhaften Mann ausmacht.

Der Masculine Primitive wurde von ROTUNDO (1982) definiert. Es war ein Ideal, welches hielt, dass Männer voller Instinkte und Leidenschaften sind, die Ausdruck brauchen, um im Streben nach Macht und Erfolg in der Welt von Nutzen zu sein. Mit diesem Ideal ging ein stark gestiegenes Interesse am männlichen Körper einher. Bewegung, das gezielte Ausbilden des Körpers, Gesundheit und zeitweise sogar Genuss an körperlicher Betätigung – diese Faktoren nahmen in der zweiten Hälfte des 19. Jh. feste Bestandteile im Leben vieler Männer ein.

In einer Zeit, in der weitgreifende soziale, wirtschaftliche und politische Veränderungen um sich griffen, sahen die Männer, die für sich das Ideal einer starken Identität beanspruchten, dieses in ernsthafter Gefahr. BEDERMAN (1995) hat mit dem Ideal des Masculine Primitive und seiner Betonung auf dem Körper auf die nicht von einander zu trennende Beziehung von Körper, Identität und Macht hingewiesen. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts herrschte die Meinung vor, dass ein starker Körper einem Mann eine starke Identität verlieh und damit die Fähigkeit, sich für sich selbst behaupten und über andere dominieren zu können. Dieser Grundgedanke liegt der folgenden Betrachtung zu Grunde und soll zum Schluss innerhalb der Zusammenfassung der Ergebnisse in seinen Gesamtzusammenhang eingeordnet werden.

Männer haben beständig Strategien entwickelt, für sich das auf Aggressivität, Härte, Kraft und Macht basierende Ideal zu bewahren, beziehungsweise es für ihre individuellen Vorhaben zu Nutze zu machen. Es gilt in diesem Sinne, ihre Strategien herauszuarbeiten, um zu zeigen, welche Funktionen dem Sport dabei als Instrument zur Umsetzung dieser Vorhaben zukamen.

Der Verlauf der Arbeit gliedert sich dabei wie folgt: Zunächst wird der politische und soziale Wandel, der dazu geführt hat, dass sich die Männlichkeitsideale des 19. Jh. langsam herausbildeten, geschildert. Daran schließt sich eine Definition der vorherrschenden Ideale Manly Achiever, Christian Gentleman und Masculine Primitive. Obwohl das Hauptaugenmerk dieser Arbeit auf den Masculine Primitive gerichtet ist, ist es sinnvoll, die anderen Ideale mit einzubeziehen, da sie sich in manchen Bereichen überschneiden, beziehungsweise deutlich voneinander abgrenzen. Ich orientiere mich bei der Darstellung der Ideale an der weißen Mittelschicht. Dies ergibt sich nicht allein aus dem Sachverhalt, dass die bestehende Literatur zu dem Thema, die Essays und monografischen Schriften, sich zum überwiegenden Teil mit der Mittelschicht befassen, sondern dass sie im Verlauf des 19. Jh. sehr einflussreich geworden ist, ihre Kultur oft maßgebend war und so einen großen Einfluss auch auf andere Schichten ausgeübt hat.

Da ROTUNDO (1982) das Entstehen des Masculine Primitive zeitgleich mit den ersten intercollegiate athletic competitions auf 1850 setzt, beginne ich nach einer kurzen Vorstellung der wichtigsten verwendeten Forschungsliteratur und der Definition der Männlichkeitsideale mit dem Aufstieg der athletics an den Universitäten und Colleges. Weil das Ideal des Masculine Primitive eine starke Betonung auf den Körper legt, wird ferner beschrieben wie sich das Ideal des männlichen Körpers in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verändert hat. Darüber hinaus – und vor allem weil sich die folgenden Kapitel vorwiegend mit athletics befassen - soll die beständig steigende Wertschätzung von athletics als „Entwicklungsmedium“ für Körper, Gesundheit und Moral entgegengebracht, skizziert und begründend dargelegt werden.

In Kapitel 5 werden G. Stanley Halls tief verborgene Intentionen, die sich hinter seiner Rekapitulationstheorie verbargen, erläutert. Luther Gulick, der seine recapitulation theory of play mit kindgerechten Spielen und athletics verband, hat immens zu den Umsetzungen der Ideen Halls beigetragen. Die recapitulation theory of play, dies soll im letzten Abschnitt des Kapitels kurz erläutert werden, hat enorm dazu beigetragen Frauen die Teilnahme an stark wettkampforientierten athletics zu untersagen.

Kapitel 6 befasst sich mit dem von Theodore Roosevelt proklamierten „Strenuous Life“ und muscular Christianity in Amerika. Roosevelt, der immer eine starke Betonung auf Männlichkeit gelegt hat, hat dies mit seiner Forderung nach einem „energievollen“ Leben für die amerikanischen Männer auf alle übertragen wollen. Dabei hat er seine Politik in Vorhaben wie Rassenkampf und Imperialismus geformt. Anhand des football wird deutlich, wie sehr er es wertschätzte und für imperialistische Zwecke gebrauchte. Der Teil über boxing zeigt die allmähliche Akzeptanz bei höheren Schichten und den Kampf zwischen den Boxern Jim Jeffries und Jack Johnson und verdeutlicht hierbei in besonderem Maße die Beziehung von Körper, Identität und Macht. Muscular Christianity war eine in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts aus England herübergeschwappte Bewegung. Sie spielte in die „Strenuous Life“-Philosophie hinein. Thomas Wentworth Higginson forderte eine robuste Gesundheit und dabei athletics und Freiluftaktiviäten um Männer stark zu machen und für ganz weltliche Unterfangen zu rüsten. Der Prediger Billy Sunday wird zum Schluss vorgestellt. Als Athlet hatte er großen Erfolg am Bestreben der protestantischen Kirche die Männer wieder zurückzuholen.

Abschließend werde ich in einem zusammenfassenden Kapitel meine Ergebnisse vorstellen und diskutieren.

[...]


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