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Scholary Paper (Seminar), 2006, 18 Pages
Author: B.A. Maria Rieder
Subject: Romance Languages - Spanish Studies
Details
Institution/College: University of Regensburg (Romanistik)
Tags: Dimensionen, Macht, Regenta, Leopoldo, Alas, Spanische, Realismus
Year: 2006
Pages: 18
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 13 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-02138-8
ISBN (Book): 978-3-638-92339-2
File size: 191 KB
"La Regenta" ist ein gesellschaftskritisches realistisches Werk, in dem sich Leopoldo Alas unter anderem kritisch zum Einfluss der Kirche äußert. Gerade in der Zeit des Realismus eignete sich der Roman sehr gut zur Gesellschaftskritik. Inwiefern dies zutrifft wird in in den Ausführungen behandelt und dabei untersucht, auf welchen Ebenen und mit welchen Mitteln sich der Einfluss der Kirche zeigte. Es wird hierbei sowohl auf die materielle, als auch auf die soziale, sowie auf die psychologische Dimension eingegangen, um am Schluss die Frage zu beantworten, warum sich der realistische Roman besonders gut zur Gesellschaftskritik eignete.
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Abstract
„La Regenta es un rechazo absoluto del vivir español contemporáneo con el que Alas estaba en disconformidad; una muestra de su degradación e insignificancia y una elusiva aspiración a modificarle algún día (…) nos muestra: así se vive en la provincia española” Wie dieses Zitat zeigt, war Clarín anscheinend mit den Lebensumständen speziell in der Provinz, wo er auch zu Hause war, nicht zufrieden. Er lebte in einem Spanien, das stark konservativ und klerikal war und in dem der Katholizismus eine dominante Rolle spielte. In der Stadt Vetusta seines Romans „La Regenta“ beschreibt er eine Provinzstadt des 19. Jahrhunderts, die noch nicht sehr von der Industrialisierung eingeholt worden war. Die Aristokratie hatte noch ihren festen Platz in der Gesellschaft, aber die Anfänge des aufstrebenden Bürgertums waren schon zu spüren. Der Klerus war sozusagen die Lunge, durch die die Stadt atmete, die das soziale Leben der Stadt regelte und auf die Leute moralischen Einfluss hatte. Clarín war keinesfalls antiklerikal eingestellt. Er war selber katholisch erzogen worden und konnte, trotz des Einflusses von positivistischen und materiellen Strömungen auf ihn, nicht aus seiner christlich-ethischen Erziehung ausbrechen. Er war nicht gegen die Religion, sondern kritisierte in seinem Roman vielmehr, wie sich die Kirche als Institution verhielt. Der Klerus war für ihn viel zu sehr in weltliche Angelegenheiten verstrickt, wobei die eigentliche Lehre, die eigentlichen Prinzipien des christlichen Glaubens immer mehr in den Hintergrund rückten. Er spricht von Korruption und Verschwörung, von Machtsucht und Geiz unter den Klerikern, aber vor allem von dem unbändigen Einfluss, den die Kirche auf die Bevölkerung hatte, und den sie auch oftmals ausnutzte. Um diese Kritik am Besten auszudrücken, wählte Clarín die Gattung des Romans. Gerade in der Zeit des Realismus eignete sich der Roman sehr gut zur Gesellschaftskritik. Inwiefern dies zutrifft möchte ich in meinen Ausführungen behandeln und dabei untersuchen, auf welchen Ebenen und mit welchen Mitteln sich der Einfluss der Kirche zeigte. Ich werde hierbei sowohl auf die materielle, als auch auf die soziale, sowie auf die psychologische Dimension eingehen, um am Schluss die Frage zu beantworten, warum sich der realistische Roman besonders gut zur Gesellschaftskritik eignete.
Excerpt (computer-generated)
Universität Regensburg
Institut für Romanistik
Proseminar: Der Spanische Realismus
Sommersemester 2006
Dimensionen kirchlicher Macht in
,,La Regenta" von Leopoldo Alas
Maria Rieder
Lehramt Englisch/Geschichte/Spanisch
Bachelor Englisch/Spanisch
4. Semester in Spanisch
Gliederung
A Einleitung 3
B Mittel kirchlicher Machtausübung 4
1. Einfluss in materieller Hinsicht 4
1.1 Der Wohlstand der Kirche 4
1.2 Kirchliche Geschäfte 5
2. Macht und Kontrolle 6
2.1 Don Restituto Mourelo und Don Custodio 6
2.2 Don Fermín und sein Machtstreben 7
3. Einfluss auf Lebensführung und Gesinnung 8
3.1. Schicksalsbestimmung durch den Klerus 8
3.2 Der Einfluss auf Nichtchristen 8
4. Die Kirche als Mittelpunkt des Lebens und des sozialen Prestiges 9
4.1 Schauplatz Kirche 9
4.2 Christliche Feiertage als soziales Event 9
4.3. Christlichkeit als Bezeugung des Ansehens 10
4.4. Scheinheiligkeit bei Laien und Klerikern 11
5. Der psychisch-moralische Druck der Kirche 12
5.1 Die Bedeutung der Beichte 12
5.2 Die Macht der Sprache 12
5.3 Mystizismus 13
5.4 Einfluss der Kirche auf Körper und Seele 14
6. Der Roman als Mittel für Gesellschaftskritik 15
C Schluss 16
Literaturverzeichnis 17
2
A Einleitung
,,La Regenta es un rechazo absoluto del vivir español
contemporáneo con el que Alas estaba en disconformidad; una
muestra de su degradación e insignificancia y una elusiva aspiración
a modificarle algún día (...) nos muestra: así se vive en la provincia
española"1
Wie dieses Zitat zeigt, war Clarín anscheinend mit den Lebensumständen speziell in der
Provinz, wo er auch zu Hause war, nicht zufrieden. Er lebte in einem Spanien, das stark
konservativ und klerikal war und in dem der Katholizismus eine dominante Rolle
spielte. In der Stadt Vetusta seines Romans ,,La Regenta" beschreibt er eine
Provinzstadt des 19. Jahrhunderts, die noch nicht sehr von der Industrialisierung
eingeholt worden war. Die Aristokratie hatte noch ihren festen Platz in der Gesellschaft,
aber die Anfänge des aufstrebenden Bürgertums waren schon zu spüren. Der Klerus war
sozusagen die Lunge, durch die die Stadt atmete, die das soziale Leben der Stadt regelte
und auf die Leute moralischen Einfluss hatte.2
Clarín war keinesfalls antiklerikal eingestellt. Er war selber katholisch erzogen
worden und konnte, trotz des Einflusses von positivistischen und materiellen
Strömungen auf ihn, nicht aus seiner christlich-ethischen Erziehung ausbrechen. Er war
nicht gegen die Religion, sondern kritisierte in seinem Roman vielmehr, wie sich die
Kirche als Institution verhielt. Der Klerus war für ihn viel zu sehr in weltliche
Angelegenheiten verstrickt, wobei die eigentliche Lehre, die eigentlichen Prinzipien des
christlichen Glaubens immer mehr in den Hintergrund rückten. Er spricht von
Korruption und Verschwörung, von Machtsucht und Geiz unter den Klerikern, aber vor
allem von dem unbändigen Einfluss, den die Kirche auf die Bevölkerung hatte, und den
sie auch oftmals ausnutzte.3
Um diese Kritik am Besten auszudrücken, wählte Clarín die Gattung des Romans.
Gerade in der Zeit des Realismus eignete sich der Roman sehr gut zur
Gesellschaftskritik. Inwiefern dies zutrifft möchte ich in meinen Ausführungen
behandeln und dabei untersuchen, auf welchen Ebenen und mit welchen Mitteln sich
der Einfluss der Kirche zeigte. Ich werde hierbei sowohl auf die materielle, als auch auf
die soziale, sowie auf die psychologische Dimension eingehen, um am Schluss die
Frage zu beantworten, warum sich der realistische Roman besonders gut zur
Gesellschaftskritik eignete.
1 vgl.: Poncela, Serrano S. "Un estudio de La Regenta", in: Sergio Beser (Hg.),
Clarín y "La Regenta"
,
Barcelona: Ariel, 1982, S. 145.
2 vgl.: Poncela, "Estudio", S. 148.
3 vgl.: Poncela, "Estudio", S. 149.
3
B Mittel kirchlicher Machtausübung
1. Einfluss in materieller Hinsicht
1.1 Der Wohlstand der Kirche
In der Behandlung des Themas, mit welchen Mitteln die Kirche Macht auf die
Gesellschaft ausübte, möchte ich zunächst den ökonomisch-materiellen Aspekt
beleuchten.
Die lange Beschreibung der Kathedrale weist schon darauf hin, dass die Kirche von
zentraler Bedeutung ist. Zusammen mit den umliegenden Gebäuden wie Klöstern und
Büros nimmt sie einen großen Teil der Stadt ein,4 und muss somit einen gewissen
Reichtum erlangt haben. Wie kommt es zu diesem Wohlstand der Kirche, oder was sind
zumindest ansatzmäßig Gründe dafür? Anhand der Figur des Magistrals Fermín de Pas
zeigt Clarín, wie dieser im Laufe seiner Karriere Reichtum durch Simonie und
Ausbeutung einzelner Menschen erwirbt. Fermín ist in Bezug auf seine Machtgier einer
der am meisten im Roman kritisierten Kirchenmänner. Seit dem Beginn seiner Karriere
nutzt er unter der Direktion seiner Mutter Doña Paula jede Chance, an Macht oder Geld
zu kommen. Einigen Bewohners Vestustas fällt dies natürlich auf und kritisieren sein
Verhalten auch dem entsprechend: ,,¿Y las casas que compra el Magistral por esos
pueblos? ¿Y las fincas que ha adquirido doña Paula en Matalerejo, en Roaces, en
Cañedo, en Somieda? ¿Y las acciones del Banco?". (LR S. 310)
Don Santos, zum Bespiel, ist einer der Leute, die wegen Fermín alles verloren haben.
Er hatte ein Geschäft, in dem er heilige Objekte verkaufte und es ging ihm damit recht
gut. Als aber Fermín ein ähnliches Geschäft eröffnet, und alle Geistlichen gezwungen
sind, darin einzukaufen, geht Don Santos Bankrott und muss den Laden schließen (vgl.
LR S. 311). Den Rest seines Lebens hungert er und spült seinen Ärger über die Kirche
mit Alkohol hinunter, wobei es öfter vorkommt, dass er in seinem Rausch nachts laut
rufend durch die Straßen geht und die Kirche, insbesondere Fermín, denunziert. (vgl.
LR S. 465-472) Als er schließlich verarmt stirbt, ohne die heiligen Sakramente
empfangen zu haben, wird ihm ein kirchliches Begräbnis versagt. Seine Freunde, wie
Don Santos aus der niedrigen Klasse, machen aus seiner Bestattung in einem Feld eine
große Demonstration gegen die Ungerechtigkeit und Kälte der Kirche:5 ,,Eso tiene que
ser una manifestación decía el ex alcalde a muchos correligionarios y otros enemigos
del Magistral reunidos en la tienda, al pie del cadáver-. (...) esto es una iniquidad: ese
4 vgl.: Rutherford, John.
La Regenta y el lector cómplice
, Murcia: Universidad de Murcia 1988, S. 151.
5 vgl.: Brent, Albert.
Leopoldo Alas and La Regenta, A Study in Nineteenth Century Spanish Prose
Fiction
. Columbia/Missouri: 1951, S. 78, Fußnote 45.
4
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