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Subtitle: Spanische Demokratie und die Pressefreiheit während der "Transición" anhand des Beispieles der El País
Termpaper, 2006, 34 Pages
Author: Timo Gramer
Subject: Communications: Media and Politics, Politic Communications
Details
Institution/College: University of Leipzig (KMW)
Tags: Pais, Tageszeitung, Internationale, Tageszeitungen, Geschichte, Spannungfeld, Politik
Year: 2006
Pages: 34
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 77 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-02188-3
File size: 194 KB
Diese Hausarbeit über die Entwicklung der spanischen Tageszeitung stellt zugleich einen dezidierten Abriss der spanischen Geschichte nach der Franco-Diktatur dar. Von Pressestreik und Putschversuch über Papierkriege und die GAL-Affäre bishin zum Schock des Terroranschlages in Madrid und die neue PSO-Regierung unter Zapatero. Im Anhang finden sich zahlreiche Abbildungen der El Pais von Comics über Titelseitencheck, Überschriftenanalyse und Vorstellung des Online-Angebotes dieser außergewöhnlichen Tageszeitung.
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Abstract
Einleitung / Fragestellung(en): El Pais und die spanische Demokratie – eine symbiotische Verbindung - „Zur Zeit seiner Gründung hat El Pais das demokratische Niveau der spanischen Gesamtbevölkerung bei weitem übertroffen“ – in diesem Satz fasste der Medienredakteur Axel Veiel im Mai 2001, ein Vierteljahrhundert nach Gründung der auflagenstärksten Zeitung der iberischen Halbinsel, deren historische Bedeutung in dem Artikel „El Pais wird 25 – Der Spiegel der spanischen Seele“ zusammen. Tatsächlich hatte sich El Pais gleich in seiner ersten Ausgabe vom 04.05.1976, mit der ideologischen Titelschlagzeile: „El reconocimiento de los partidos políticos, condición esencial para la integración en Europa.“ , für eine durch Meinungspluralismus gekennzeichnete Demokratie Spaniens und für dessen Integration in ein vereintes Europa ausgesprochen. Und das nicht mal ein halbes Jahr nach dem Tod des langjährigen spanischen Diktators General Franco. Nach mehr als 40 Jahren Militärdiktatur, welche sich unter anderem in einer zumeist rigorosen Pressezensur ausdrückte, ist diese Schlagzeile selbst mit dem heutigen historischen Abstand als äußerst ambitioniert zu bewerten. Im realpolitischen Kontext des damaligen Spaniens, welches sich in den späteren 70’er Jahren erst am Anfang der „transición“, dem Übergang von der Dikatur zur Demokratie, befand, und wirtschaftlich gesehen ein großflächiger Agrarstaat auf der europäischen Landkarte war, nimmt dieses Programm beinahe revolutionäre Züge an. Das eigentlich Erstaunliche aber an den Anfangsjahren von El Pais ist die ausgeprägte Kongruenz von Anspruch und Wirklichkeit: So erfüllte sich das manifestierte Leitbild der Tageszeitung auch realpolitisch und zwar mit der am 31.10.1978 verabschiedeten „Constitución“ und einige Jahre später mit dem Beitritt Spaniens in die europäische Gemeinschaft am 12.06.1985. El Pais wird in dieser von inneren politischen Grabenkämpfen geprägten Zeit zum Symbol des Wandels , zum Ausdruck einer sich neu erschaffenden Identität. Manuel Vicent schrieb anläßlich des 20. Geburtstages der unabhängigen Tageszeitung: „Los progresistas llevaban El País bajo el brazo. Era un guiño ideológico, una señal para reconocer a los tuyos al pie del quiosco, en las cafeterías, en el autobús [...]. En aquel momento los jóvenes rebeldes llevaban El País hasta los lugares de batalla. El periódico era arrollado junto con sus lectores cuando los caballos de policía irrumpían en las cafeterías de Moncloa persiguiendo a los manifestantes.“
Excerpt (computer-generated)
Universität Leipzig
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften
Abteilung Historisch Systematische Kommunikationswissenschaft
Wintersemester 2005/2006
Weltweites Renommee (Meinungs-) Führende Internationale Tages- und
Wirtschaftszeitungen
Eingereicht von:
Timo Gramer
(Diplom-Journalistik/Kulturwissenschaften)
6. Fachsemester.
,,Mucho más que un periódico"
Die spanische Tageszeitung El Pais
und die junge spanische Demokratie
Eine symbiotische Beziehung ?!? -
1
Einleitung / Fragestellung(en): El Pais und die spanische Demokratie eine
symbiotische Verbindung ?!?
,,Zur Zeit seiner Gründung hat El Pais das demokratische Niveau der spanischen
Gesamtbevölkerung bei weitem übertroffen"
in diesem Satz fasste der Medienredakteur
Axel Veiel im Mai 2001, ein Vierteljahrhundert nach Gründung der auflagenstärksten Zeitung
der iberischen Halbinsel, die historische Bedeutung ebendieser in dem Artikel
,,El Pais wird
25 Der Spiegel der spanischen Seele"
1 zusammen. Tatsächlich hatte sich
El Pais
gleich in
seiner ersten Ausgabe vom 04.05.1976, nicht mal ein halbes Jahr nach dem Tod des
langjährigen spanischen Diktators General Franco, mit der ideologischen Titelschlagzeile:
,,El
reconocimiento de los partidos políticos, condición esencial para la integración en Europa."2
für eine durch Meinungspluralismus gekennzeichnete Demokratie Spaniens und für dessen
Integration in einem vereinten Europa ausgesprochen.
Nach mehr als 40 Jahren Militärdiktatur, welche sich unter anderem in einer zumeist
rigorosen Pressezensur ausdrückte, ist diese Schlagzeile selbst mit dem heutigen historischen
Abstand als äußerst ambitioniert zu bewerten. Im realpolitischen Kontext des damaligen
Spaniens, welches sich in den späteren 70′er Jahren erst am Anfang der ,,
transición",
dem
Übergang von der Dikatur zur Demokratie, befand und wirtschaftlich gesehen nicht viel mehr
als ein großflächiger Agrarstaat auf der europäischen Landkarte war, nimmt dieses Programm
beinahe revolutionäre Züge an. Das eigentlich Erstaunliche aber an den Anfangsjahren von
El
Pais
ist die ausgeprägte Kongruenz von Anspruch und Wirklichkeit ebendieser: So erfüllte
sich das manifestierte Leitbild der Tageszeitung auch realpolitisch und zwar mit der am
31.10.1978 verabschiedeten ,,Constitución"3 und einige Jahre später mit dem Beitritt Spaniens
in die europäische Gemeinschaft am 12.06.1985.
El Pais
wird in dieser von inneren
politischen Grabenkämpfen geprägten Zeit zum Symbol des Wandels4, zum Ausdruck einer
sich neu erschaffenden Identität. Manuel Vicent schrieb anläßlich des 20. Geburtstages der
unabhängigen Tageszeitung:
1 Veiel, Axel:
El Pais wird 25 Der Spiegel der spanischen Seele
, Frankfurter Rundschau, Frankfurt
15.05.2001, Seite 15.
2
,,Die Anerkennung der politischen Parteien, grundlegende Bedingung für die Integration in Europa."
Titelschlagzeile der ersten Ausgabe des
,,El Pais"
vom 05. Mai 1976, als PDF-Datei abrufbar unter
http://www.elpais.es/corporativos/elpais/img/19760504.pdf.
3Mit dieser neu geschaffenen Verfassung Spaniens konstituierte sich die parlamentarische Monarchie Spaniens
(mitsamt dem Recht der freien Meinungsäußerung), die heutzutage weiterhin Bestand hat. Der 31.10.1978 gilt
somit als Endpunkt der
,,Transición"
dem Übergang von der Diktatur Franco′s zur Demokratie.
4 Vgl.:
Horizonterweiterung-World Press Trends
unter:
http://216.239.59.104/search?q=cache:T43MM4KiBsoJ:www.paperholic.com/weblog/index.php%3Ftag%3Dpu
blishing+zeitungsmarkt%2BSpanien&hl=de
2
,,Los progresistas llevaban El País bajo el brazo. Era un guiño ideológico, una señal
para reconocer a los tuyos al pie del quiosco, en las cafeterías, en el autobús [...]. En
aquel momento los jóvenes rebeldes llevaban El País hasta los lugares de batalla. El
periódico era arrollado junto con sus lectores cuando los caballos de policía irrumpían
en las cafeterías de Moncloa persiguiendo a los manifestantes."5
El Pais etablierte sich in den Köpfen der spanischen Bevölkerung somit schon in seinen
Anfangsjahren als
"politisch-gesellschaftliches Gegenprogramm zum Franquismus"6
und
"übernahm sofort eine Führungsrolle in der spanischen Presse" 7 aus einer noch jungen
Zeitung war auch ein Stück aktives Politikum geworden, eine
"Vorreiterin der
Demokratisierung"8
.
Genau an diesem Punkt stellt sich zwangsläufig die Frage, ob
El Pais
nur zu einer für das
Renommé der Zeitung günstigen Phase auf den Markt kam, den noch unsicheren Kursus
Spaniens beschreiben und die neu aufkommenden Stimmungen seiner Einwohner geschickt
nutzen konnte oder ob sie, und dies wäre in der Tat in Westeuropa einzigartig , den
gesellschaftlichen Wandel selbst verkörperte und die politische Richtung des Landes auch
mitbestimmte. Betont der Journalist Walter Haubrich, dass El Pais genauso alt sei wie die
spanische Demokratie9, so geht das zu Beginn der Hausarbeit genannte Zitat von Axel Veiel:
,,Zur Zeit seiner Gründung hat El Pais das demokratische Niveau der spanischen
Gesamtbevölkerung bei weitem übertroffen"
noch einen Schritt weiter: Indirekt billigt Veiel
dem
,,diario independiente de la mañana"10
mit dieser Aussage einen politisch
antizipierenden Charakter zu. Sein Bild vom
,,Spiegel der spanischen Seele"
wird unter dem
von ihm selbst propagierten Demokratiegehalt der Zeitung noch übertroffen die Rolle des
5 "Die Progresisten /Fortschrittlichen hatten
El País
unter die Achsel geklemmt dabei. Es war ein ideologischer Wink,
ein Signal, um die Deinen am Kiosk, in den Cafés, im Bus zu erkennen. In dieser Zeit hatten die jugendlichen Rebellen
El País
sogar auf dem « Schlachtfeld » dabei. Die Zeitung selbst, zusammen mit ihren Lesern wurde niedergeknüppelt,
wenn die Polizeipferde in die Cafetería von Moncloa [Campus der Universität in Madrid] eindrangen, um die
Demonstranten zu verfolgen. » Zitiert aus: Manuel Vicent:
Daguerrotipo de 20 años
. 4.05.1996, Edición Especial 20
años, in: Cruz Seoane, Maria/ Sueiro, Susana:
Una historia de El Pais y del Grupo PRISA,
Barcelona: Random House
Mondadori S.A., 2004, S. 85.
Vgl. Auch: Espantaleón Peralta, Antonio:
El Pais y la Transición politica,
Granada, Editorial Universidad de Granada,
2002, S.25 ff.
6 In: Ingendaay, Paul:
Dreitausend Briefe von einem einzigen Leser Das Flaggschiff der spanischen
Modernisierung: Die Tageszeitung ,,El Pais" feiert die zehntausendste Nummer,
Frankfurter Allgemeine
Zeitung, Frankfurt 19.10.2004, S.40.
7 De Polanco Jesús im Interview mit Berlekamp ,Hinnerk:
,,Gute Zeiten schaffen nur Probleme" El Pais
Verleger Polanco plädiert für billige Zeitungen,
Berliner Zeitung, Berlin 09.10.2003, S.16.
8 In: Ingendaay, Paul:
Dreitausend Briefe von einem einzigen Leser.
9 In: Haubrich, Walter:
So alt wie die Demokratie Spaniens größte Zeitung wird zwanzig Jahre alt,
Frankfurter
Allgemeine Zeitung, Frankfurt 04.05.1996, S.21.
10
,,Unabhängige, am Morgen erscheinende Tageszeitung"
Dieses Selbstverständnis prangt seit der ersten
Ausgabe von El Pais in Form einer Unterzeile des Logos gut sichtbar im Zeitungskopf der Titelseite.
3
Mediums als bloßer Reflektor der politisch-gesellschaftlichen Situation steht an der Schwelle
zur Identifizierung des spanischen Schicksals mit dem Werdegang der neuen Zeitung.
In seinem Artikel11 schreibt Axel Veiel weiter, dass
El Pais
noch immer zu einem Land passe,
dass sich in den vergangene 25 Jahren in atemberaubendem Tempo verändert habe es drängt
sich der Eindruck einer symbiotischen Beziehung auf. Vor allem zwischen den Anfangsjahren
von
El Pais
und der Entwicklung Spaniens zu einer jungen Demokratie. Inwieweit treffen
dann
konventionelle
Aussagen amerikanisch/westeuropäischer
Kommunikationswissenschaften wie:
,,Die journalistische Kultur eines Landes kann nur
durch Analyse der Rahmenbedingungen wie Verfassung, parlamentarischem System des
Staates und seines Regierungsoberhauptes erfahrbar gemacht werden (...12) sie ist nur Teil
einer Kommunikationskultur eines Landes"
auf den Fall
El Pais
zu? Und wie verhält es sich
mit dem Rollenbild des Journalisten in dieser für Spanien so wichtigen Phase der
,,Transición"
fungiert(e) dieser auch bei der
,,erfolgreichsten der jüngeren Tageszeitungen
Europas"13
,,nur" als derjenige, welcher Themen von allgemeinem Interesse redaktionell
aufbereiten und zur öffentlichen Diskussion stellt(e), oder verkörperte(e)
El Pais
auch eine
Art Institution, eine
,,cuarto poder",
ohne dass sich in ihren ersten Jahren die anderen drei
Säulen des Staates schon grundlegend herausgebildet hätten?
Diese Fragen gilt es in den kommenden Kapiteln dieser Hausarbeit vor allem mit Hilfe des
politisch-gesellschaftlichen Kontextes und der Entwicklung der spanischen Presselandschaft
nach der Franco-Diktatur zu beleuchten, wenngleich die hinreichende Klärung dieser Fragen
aufgrund divergierender öffentlich geäußerter Meinungen wohl nicht möglich sein wird.
Vielmehr sollen politische Zusammenhänge aufgezeigt und erläutert, Problemata im
spanischen Pressesystem erörtert und historische Ereignisse unter dem Slogan von
El Pais: ,,
Mucho más que un periódico" beschrieben werden.
Dabei greift der Autor neben Artikeln aus
der deutschen Qualitätspresse und wissenschaftlichen Aufsätzen vor allem auf aktuelle
spanische Publikationen zurück, die sich wie
Maria Cruz Seoane/ Susana Sueiro14 oder
Antonio Espantaleón Peralta15
auf differenzierte, anschauliche und sehr vielseitige Art und
Weise direkt mit dem Phänomen
El Pais
beschäftigen. Zudem fliessen generelle
Presseanalysen spanischer Medien- und Kommunikationswissenschaftler sowie zahlreiche
11 Veiel, Axel:
El Pais wird 25 Der Spiegel der spanischen Seele,
Frankfurter Rundschau.
12 Machill, Marcel:
Journalistische Kultur. Rahmenbedingungen im internationalen Vergleich,
Opladen,
Wiesbaden 1997, S.10.
13 Haubrich, Walter:
So alt wie die Demokratie,
FAZ.
14 Cruz Seoane, Maria/ Sueiro, Susana:
Una historia de El Pais y del Grupo PRISA,
Barcelona: Random House
Mondadori S.A., 2004.
15
Espantaleón Peralta, Antonio:
El Pais y la Transición politica,
Granada, Editorial Universidad de Granada, 2002.
4
Schaubilder, Grafiken, Fotos und Diagramme sowie Aufsätze aus dem Internet in die Arbeit
mit ein.
In dieser geht der Autor chronologisch vor und orientiert sich dabei vor allem an dem
Vier-
Phasen-Modell
der spanischen Medienlandschaft nach der Franco-Dikatur von
Daniel
Salamanca Orrego
16, welches er aber aufgrund der spezifischen Geschichte des
,,diario
independiente de la mañana"
ein wenig abändert
:
Demnach erstreckt sich die erste Phase, in
die auch die Gründung von
El Pais
fällt, zwischen dem Tod Francos am 20.11.1975 bis zum
Wahlerfolg der
Sozialistischen Spanischen Arbeiterpartei (PSOE )
unter
Felípe Gonzalez
im
Jahre 1982. Diese Phase stellt, hinsichtlich der oben formulierten Fragestellungen die
Wichtigste dar, da
El Pais
in dieser den Grundstein für ihre Ideologie, ihre nationale wie
internationale Reputation sowie ihren wirtschaftlichen Erfolg legt. Neben ihrer
Entstehungsgeschichte soll hier vor allem der Putschversuch durch Antonio Tejero und die
besondere Reaktion der Zeitung darauf beleuchtet werden, da dieses Ereignis bis heute eines
der Prägendsten, sowohl der demokratischen Geschichte Spaniens, als auch des Einflusses
von
El Pais
auf die politische Situation des Landes ist.
Die zweite Phase umfasst die Jahre 1982 bis 1996, von der Regierungsübernahme der
Sozialisten bis zu deren Machtverlust im Jahre 1996 an die
Partido Popular (PP)
unter
José
María Aznar
.
In diesen Jahren versuchen unzählige parlamentarische Initiativen dem
Mediensektor einen gesetzlichen Rahmen zu geben, der
PRISA
-Verlag von
Jésus de
Polanco17,
dem auch
El Pais
gehört expandiert in unzähligen verschiedenen Genres und wird
zu einem der weltweit größten Medienunternehmen, welches auch das Selbstverständnis
seiner größten und erfolgreichsten Zeitung als
,,diario independiente de la mañana"
vor
große Bewährungsproben stellen soll. Zudem betreibt die konservative Presse einen rigorosen
investigativen Journalismus, um die Skandale der sozialistischen Regierung aufzudecken und
in radikale journalistische Opposition zu
El Pais
zu treten.Spätestens gegen Ende dieser
zweiten Phase spaltet sich die spanische Presselandschaft in zwei sich diametral
gegenüberstehende Lager der Wunsch nach hoher Auflage und Meinungsmacht nimmt
Züge eines erbitterten und mit harten Bandagen geführten Kampfes an.
16 Salamanca Orrego, Daniel:
Spaniens Medien auf dem Weg zur Konzentration und Konsolidierung Aktuelle
Bestandsaufnahme von Presse, Hörfunk und Fernsehen.
In: Media Perspektiven 04/1996, S.209-223. Da
dieser Aufsatz vor zehn Jahren geschrieben worden ist, müssen sich die dort erarbeiteten Zeitspannen in dieser
im Jahre 2006 verfassten Hausarbeit zwangsläufig ändern. Die grundsätzliche Aufteilung der Nach-Franco-Zeit
des spanischen Pressewesens sowie die Grundüberlegungen Salamanca Orregos werden aber beibehalten.
17 Dieser wird in der zweiten Phase endgültig zum
Global Player
und zu einem Vertreter der neu auftretenden
Spezies der
Medien-Mogule.
5
Die dritte Phase stellen die zwei Legislaturperioden der
PP-Regierung (
1996 2004)
dar, die
sich einen erbarmungslosen und nicht immer hinter verschlossenen Türen geführten
Krieg
mit
PRISA
liefert, in den zwangsläufig auch
El Pais
involviert ist. Einen weiteren
Schwerpunkt der Hausarbeit bildet hier das mediale Nachspiel des Al Quaida-Attentats vom
11.03.2004 am Madrider Atocha Bahnhof. An diesem Beispiel lässt sich sehr anschaulich die
problematisch enge Verbindung von Presse und politischen Parteien in Spanien sowie der
ausgeprägte Regionalismus der autonomen Gebiete darstellen.
Die abschliessende vierte Phase umfasst die Jahre seit dem erneuten Regierungsantritt der
Sozialisten unter José Luis Rodríguez Zapatero vom 14.03.2004 bis heute, mitsamt den
neuesten politischen wie wirtschaftlichen Entwicklungen der spanischen Presselandschaft.
Abschliessend kommentiert und bewertet der Autor die dargestellten Phasen der
,,bis heute
anhaltenden Erfolgsstory einer Tageszeitung"18
unter besonderer Berücksichtigung der
politschen wie vor allem journalistischen Entwicklung von
El Pais
und setzt diese in
kritischen Bezug zu deren ursprünglichen Idealen der Unabhängigkeit, vor allem in Relation
zu der andauernden Expansion ihres Verlegers
PRISA
, und erstellt ein Fazit über die nationale
und internationale Bedeutung der Zeitung sowie deren journalistische Qualität. Dabei
kommen sowohl ihnhaltliche Schwerpunkte als auch formale grafische Gestaltung der
Zeitung zum Ausdruck. Dabei ist allen Kapiteln der besondere Hintergrund der hypothetisch
aufgeworfenen Symbiose von
El Pais
und der noch jungen spanischen Demokratie nach mehr
als 40 Jahren Diktatur gemein.
Begonnen hat die Erfolgsgeschichte von
El Pais
im Jahre 1972, in einer Zeit, die gemeinhin
als ausklingender Franquismus19 beschrieben wird, da General Franco in der Zeit von 1970-
1975 schon von einer schweren Krankheit gezeichnet und sein Ableben absehbar war20. In
diesem Jahr versammelten Jesús de Polanco und José Ortega Spottorno, Sohn des berühmten
spanischen Philosophen José Ortega y Gasset, Intellektuelle der gemäßigten Franco-
Opposition um sich, um sie für die Idee einer unabhängigen, liberalen und vor allem
demokratisch gesinnten Tageszeitung zu gewinnen. Die Zeiten für eine solch gewagte
Neugründung waren aber alles andere als günstig. Zwar existierte die grundsätzliche
18 Vgl. Jean-Pierre Castellani:
Die Tagespresse im Medienwettbewerb.
In: Bernecker, Walter L. / Dirscherl,
Klaus (Hsg.):
Spanien heute. Politik, Wirtschaft, Kultur.
S. 667-671.
19 In Spanien besser bekannt als
,,tardofranquismo"
oder
,,pretransición"
, also einer Zeit des Spätfranquismus
oder des Vorüberganges salopp könnte man sagen, dass in dieser Zeit politisch etwas in der Luft lag, obwohl
noch niemand so genau wusste, was.
20 Vergleiche auch Cruz Seoane/Susana Sueiro:
Una historía de El Pais y del Grupo Prisa,
S. 144:
,,El hecho
biológico de la
cercana muerte de Franco".
6
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