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Subtitle: Two-step-flow of communication
Termpaper, 2006, 52 Pages
Author: Etienne Pflücke
Subject: Sociology - Communication
Details
Institution/College: Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg
Tags: Zweistufenfluss, Kommunikation, Medien, Hypothesen, Wirkungsforschung
Year: 2006
Pages: 52
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 37 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-04021-1
ISBN (Book): 978-3-638-93674-3
File size: 497 KB
Das Feld der Medienwirkungsforschung beinhaltet einen enormen Bereich. Trotz der langen und intensiven Forschungen auf diesem Gebiet ist er immer noch aktuell. Die Hypothese des "Two-step-flow of communication" entstand vor einem vor allem politischen Interesse. Da das Gebiet sehr weitläufig ist, fällt es schwer, einen Überblick zu gewinnen und die Literatur hinsichtlich ihrer Verwertbarkeit zu prüfen.
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Abstract
In allen frühen Industriegesellschaften seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Auswirkungen der Presse sowie eine Verbindung zu Parteien vermutet und dementsprechend erforscht. Einer der ersten Wissenschaftler war der Soziologe Max Weber. Er schlug im Geschäftsbericht der ersten Zusammenkunft der Deutschen Gesellschaft für Soziologie eine „Soziologie des Zeitungswesens“ und eine „Soziologie des Vereinswesens“ (vgl. Weber 1911, S. 39ff.) vor. „Weber interessiert, welche Motive bestimmen das Handeln der einzelnen Funktionsträger in den verschiedenen Gemeinschaften und Vergesellschaftungsformen“ (OESTERDIEKHOFF 2001, S. 700). Ausgangspunkt des soziologischen Interesses war die Erforschung von Nachrichtenquellen der damaligen Printmedien. Prägend war Harold D. Lasswell durch die Aufstellung der nach ihm benannten Formel im Jahr 1948. Diese besagt sinngemäß: Wer sagt was mit Hilfe welches Medium zu wem mit welcher Wirkung.Durch Erfindungen medialer Technik, wie Radio- und TV-Geräte, entstand neuer Forschungsstoff, da die Reaktion auf diese Entwicklungen unklar war. Von den Unternehmen wurden die Neuerungen schnell als Werbemittel erkannt. Daher beinhaltete der Forschungsantrieb die Erstellung gerichteter Prognosen über Wissens-, Einstellungs- und Verhaltenseffekte. Die Medienwirkungsforschung entstand in den Vereinigten Staaten, enthält aber aufgrund vieler europäischer Emigranten sehr relevante Importelemente. Die Emigrationswelle in Europa fand in den 1930ern statt und war begründet durch den verstärkten Einfluss der Nationalsozialisten und zunehmende Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch diese. In der Weiterentwicklung der Medienwirkungsforschung entstanden dann zwei differenzierte Forschungsrichtungen. Die Erste war allgemeiner und administrativ. Sie orientierte sich an neopositivistischen, naturwissenschaftlichen Tendenzen. Ein Hauptvertreter dieser Forschungsrichtung war Paul F. Lazarsfeld. Eine zweite Entwicklungstendenz verbreitete sich unter dem Begriff der „kritischen Kommunikationsforschung“. Sie entstand vor allem durch die zunehmende Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts und deren starke beeinflussende Wirkung. Von großem Interesse waren die Aufnahmefähigkeit und –gründe innerhalb der Bevölkerung.
Excerpt (computer-generated)
Der Zweistufenfluss der Kommunikation
Two-Step-Flow of Communication
Etienne Pflücke
18.10.2006
Inhalt
1. Ursprünge der Medienwirkungsforschung ..3
2. Entstehung ..5
2.1
Forschungsmethoden
..9
2.2 Wahlstudien und Forschungsergebnisse 10
2.2.1 Die ,,People′s Choice"-Studie 12
2.2.2 Die Rovere-Studie 15
2.2.3 Die Decatur-Studie 18
2.2.4 Die Elmira-Studie 21
2.2.5 Die Drug-Studie 22
3. Der Zwei-Stufen-Fluss der Kommunikation 23
3.1 Spezifische Eigenschaften der ,,Opinion Leader" 25
3.2 Im Gegensatz: die ,,Opinion Follower" 28
4. Der aktuelle Forschungsstand 30
4.1 Das Opinion Sharing 34
5. Kritik und Weiterführung einiger Ansätze 37
6. Fazit 39
7. Quellen- und Literaturverzeichnis 47
2
1. Ursprünge der Medienwirkungsforschung
In allen frühen Industriegesellschaften seit Ende des 19. Jahrhunderts
wurden die Auswirkungen der Presse sowie eine Verbindung zu Parteien
vermutet und dementsprechend erforscht. Einer der ersten Wissenschaftler
war der Soziologe Max Weber. Er schlug im Geschäftsbericht der ersten Zu-
sammenkunft der Deutschen Gesellschaft für Soziologie eine ,,Soziologie des
Zeitungswesens" und eine ,,Soziologie des Vereinswesens" (vgl. Weber
1911, S. 39ff.) vor. ,,Weber interessiert, welche Motive bestimmen das Han-
deln der einzelnen Funktionsträger in den verschiedenen Gemeinschaften
und Vergesellschaftungsformen" (OESTERDIEKHOFF 2001, S. 700).
Ausgangspunkt des soziologischen Interesses war die Erforschung von
Nachrichtenquellen der damaligen Printmedien. Prägend war Harold D.
Lasswell durch die Aufstellung der nach ihm benannten Formel im Jahr 1948.
Diese besagt sinngemäß: Wer (1) sagt was (2) mit Hilfe welches Medi-
ums (3) zu wem (4) mit welcher Wirkung (5)? Daraus ergaben sich einzelne
Forschungsgebiete, die sich wie folgt darstellen lassen:
(1) die Kommunikatorforschung
(2) die Aussagenforschung, speziell die Erforschung der Kommuni-
kationsinhalte (Inhaltsanalyse)
(3) die Medienerforschung
(4) die Publikums- beziehungsweise Rezipientenforschung
(5) die Wirkungsforschung
(vgl. LASSWELL 1948, S. 48).
Durch Erfindungen medialer Technik, wie Radio- und TV-Geräte, ent-
stand neuer Forschungsstoff, da die Reaktion auf diese Entwicklungen unklar
war. Von den Unternehmen wurden die Neuerungen schnell als Werbemittel
erkannt. Daher beinhaltete der Forschungsantrieb die Erstellung gerichteter
Prognosen über Wissens-, Einstellungs- und Verhaltenseffekte.
3
Die Medienwirkungsforschung entstand in den Vereinigten Staaten, ent-
hält aber aufgrund vieler europäischer Emigranten sehr relevante Importele-
mente. Die Emigrationswelle in Europa fand in den 1930ern statt und war
begründet durch den verstärkten Einfluss der Nationalsozialisten und zu-
nehmende Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch diese.
In der neueren Medienwirkungsforschung wurde eine Unterteilung in
drei Phasen der ursprünglichen Medienwirkungsforschung vorgenommen.
1.) ca. 1910-1945 die Phase der starken Medienwirkungen
2.) ca. 1946-1970 die Phase der schwachen Medienwirkungen
3.) ab ca. 1971 die Phase der moderaten Medienwirkungen
(vgl. DONSBACH 1991, S. 19).
Interpretatorisch heißt dies, dass in der ersten Phase die Massenme-
dien noch über eine Omnipotenz verfügten und starke Effekte in der Beein-
flussung der Bevölkerung erzielen konnten. Prägend waren die Propagan-
dawirkung des Ersten Weltkrieges und die Beeinflussungsmaschinerie der
Nationalsozialisten im zweiten Weltkrieg. Die Verbreitung des Radios in den
20er Jahren leistete auch einen Anteil zur massenmedialen Allmacht.
Die zweite Phase war die für den Themenschwerpunkt dieser Arbeit
wichtigste Zeit, denn hier entstanden die meisten Studien und Hypothesen
des Zweistufenflusses der Kommunikation. Das Zeitintervall beinhaltete eine
nur bestätigende Massenmediennutzung. Der Terminus der Verstär-
ker-Hypothese wurde geprägt. Dieser besagt, dass sich die Rezipienten nur
noch den Informationen aussetzen, die ihrer Prädisposition entsprechen. Die
Meinungsbeeinflussung erfolgte vermehrt durch interpersonale Kommunika-
tion.
,,Die
dritte Phase
begann mit
Maxwell E. McCombs′
und
Donald E.
Shaws
Studie zur ,Agenda-Setting Function of Mass Media′ ... und mit
Elisabeth Noelle-Neumanns
Forschungsbericht ,Return to the Concept of
Powerful Mass Media′" (NOELLE-NEUMANN 2002, S. 601). Bis zu Anfang
4
der 70er konzentrierte sich die Massenkommunikationsforschung auf den
Sektor der öffentlichen Kommunikation. ,,Nicht nur Inhaltsanalysen, sondern
auch Befragungen und Experimente standen im Vordergrund der neuen
Massenkommunikationsforschung" (SCHENK 2002, S. 5). Diese Entwicklung
zeichnete sich ab, da durch die Studien der zweiten Phase eine getrennte
Erforschung der massenmedialen und der interpersonalen Kommunikation
notwendig geworden war. Es verkürzten sich die Wechsel zwischen mas-
senmedialer und interpersonaler Kommunikation. Heute weiß man, dass der
Erklärungsansatz der schwachen Medienwirkungen aus der zeit von 1946-
1970 korrekt ist.
In der Weiterentwicklung der Medienwirkungsforschung entstanden
dann zwei differenzierte Forschungsrichtungen. Die Erste war allgemeiner
und administrativ. Sie orientierte sich an neopositivistischen, naturwissen-
schaftlichen Tendenzen. Ein Hauptvertreter dieser Forschungsrichtung war
Paul F. Lazarsfeld. Eine zweite Entwicklungstendenz verbreitete sich unter
dem Begriff der ,,kritischen Kommunikationsforschung". Sie entstand vor al-
lem durch die zunehmende Verbreitung nationalsozialistischen Gedanken-
guts und deren starke beeinflussende Wirkung. Von großem Interesse waren
die Aufnahmefähigkeit und gründe innerhalb der Bevölkerung.
2. Entstehung
Die gesamte Entwicklung betrachtend lässt sich festhalten, dass das
Modell des ,,Two-Step-Flow of Communication" eine häufig kommentierte
und kritisierte Theorie der Medienwirkungsforschung ist.
Die Hypothese des Zweistufenflusses der Kommunikation ist ein Teil
der klassischen Medienwirkungsforschung. Letztere entstand im Kontext der
Entstehung des Wirkungsbegriffes, welcher sich aus Ursachen ergibt. Die
gebräuchlichsten Bezeichnungen lauten:
5
- Stimulus-Response-Modell
- Reiz-Reaktions-Modell
- Hypodermic-Needle-Modell
- Transmission Belt-Theorie
- Magic Bullet-Theorie
(vgl. JÄCKEL 2005, S. 60).
Abb.: 1 - Grundstruktur des Stimulus-Response-Modells mit mas-
senmedialer Erweiterung
(in Anlehnung an JÄCKEL 2005, S. 61)
Diese Theorien behaupten, dass jedes Individuum der Gesellschaft
über die Massenmedien (Stimulusaussendung) gleichermaßen erreichbar ist.
Jedes Gemeinschaftsmitglied erhält die gleichen Stimuli, woraus sich bei
allen ähnliche Reaktionen erklären würden. Mit der Annahme dieser Theorie
war der Glauben an eine massenmediale Omnipotenz geboren.
In Abbildung 1 habe ich das Stimulus-Response-Modell um die mas-
senmediale Kommunikation erweitert. Die Massenmedien senden akustische
Reize (Nachricht) aus, die von den Rezipienten aufgenommen werden. Diese
Reize rufen bei den Nachrichtenkonsumenten Reaktionen hervor. Da die
Ursache der Reaktionen die Reizaussendung der Massenmedien war, er-
folgte eine Beeinflussung (initiierte Verhaltensänderung) der Gefolgschaft.
,,Für diese Theorie der ,omnipotenten′ Medien lieferten die damaligen psy-
chologischen und soziologischen Theorien die entsprechenden Annahmen"
(SCHENK 1978, S. 17).
6
Erste Forschungen zu Medienwirkungen fanden in den 40er und 50er
Jahren des 20. Jahrhunderts statt. In dieser Wissenschaft unterscheidet man
soziopsychologische und soziologische Untersuchungen, wobei sich erstere
auf die Einstellungen und den Intellekt einzelner Individuen beziehen. Zwei-
tere behandeln diese Fakten gruppenbezogen, das heißt in Anwendung auf
die Gesellschaft.
Konkrete Fragen nach der Erreichbarkeit der Rezipienten durch die Me-
dien und deren Handeln aufgrund der konsumierten Botschaft traten auf.
Nach anfänglichen Erkenntnissen erfolgte eine Meinungsänderung nur durch
Gratifikationsaussicht oder rationelle Einsicht. Die Akademiker gelangten zu
dem Ergebnis, dass die Gesprächsinhalte weniger relevant sind, als das
Ausführen der Kommunikation. Auf dieser Erkenntnis beruhen auch das An-
erkennungsbedürfnis im Kollegenkreis und der Konformitätsdruck. Das be-
deutet, der zwischenmenschliche Aspekt wird von den Rezipienten subjektiv
höher gestellt und die Beeinflussung durch interpersonale Kontakte wird er-
möglicht (vgl. 2.2.1).
Die
Annerkennung
zwischen Kollegen sowie das Bedürfnis den Konfor-
mitätsdruck zu befriedigen, bezeichnen eine Verhaltensabstimmung und
orientierung anhand der persönlichen Umwelt. Die Relevanz der Kommuni-
kation wurde schon in früheren Gesellschaften festgestellt. Der österreichi-
sche Psychologe Paul Watzlawick formulierte auf dieser Basis: ,,[Man] kann
nicht
nicht
kommunizieren" (WATZLAWICK 2003, S. 51). Er bezeichnete
diese Tatsache als ein metakommunikatives Axiom. ,,Die Unmöglichkeit nicht
zu kommunizieren ... ist ... ein wesentlicher Teil des schizophrenen Dilem-
mas" (WATZLAWICK 2003, S. 52). Schizophrenes Verhalten wirkt für Au-
ßenstehende häufig als der Versuch jegliche Kommunikation zu vermeiden.
Da Schweigen oder Regungslosigkeit eine Ablehnung widerspiegeln, kann
dieser Versuch nicht gelingen.
Die Wissenschaftler stellten fest, dass, sofern sich die Bevölkerung den
Massenmedien aussetzte, sie dies nur selektiv ausführt. Mit anderen Worten:
die Befragten nahmen nur Rundfunksendungen wahr, die dem eigenen Mei-
7
nungsbild entsprachen und dieses bestätigten. Der damit beschriebene Ver-
stärkereffekt beinhaltet zusätzlich die Tatsache einer Gruppenabstimmung.
Das bedeutet, die Wähler sind sozial homogenen Einheiten, beispielsweise
in einer gleichen Kirchengemeinde oder Vereinsmitgliedschaft organisiert,
und gegenüber konformen Gruppenmeinungen eher empfänglich (vgl.
SCHENK 2002, S. 320). Der Unterschied liegt in der Intensität der Informa-
tionsverarbeitung. Menschen informieren sich mit höherem Bildungsstand
anhand mehrerer verschiedener Medien. Das Ergebnis formulieren Paul F.
Lazarsfeld und Herbert Menzel treffend: ,,Eine paradoxe Folge dieses Tatbe-
standes ist, daß [sic] diejenigen, die über ein Problem am meisten lesen und
hören, die geringste Wahrscheinlichkeit bieten, daß [sic] ihre Meinungen und
Absichten verändert werden" (LAZARSFELD 1973, S. 119).
Abb.: 2 - Einflussfaktoren für eine Meinungsänderung
Mit Abbildung 2 verdeutliche ich zum Abschluss dieses Kapitels verein-
facht die wichtigsten Einwirkungen der Einstellungsbeeinflussung. Es wird
eine Nachricht herausgegeben, welche den Zweck hat die Meinung des Re-
zipienten zu ändern. Je nach Stärke der Prädisposition beim Nachrichten-
8
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