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Herrschaft und Königtum in der Ilias

Scholary Paper (Seminar), 2002, 15 Pages
Author: Katharina Meyer
Subject: History - Early and Ancient History

Details

Institution/College: University of Münster
Tags: Herrschaft, Königtum, Ilias
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 15
Grade: 1,4
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V87023
ISBN (E-book): 978-3-638-05929-9

File size: 336 KB

Abstract

Beschäftigt man sich mit einem bestimmten Thema, dem der Herrschaftsformen, in den Epen, muss man als erstes fragen, inwieweit die homerischen Epen als historische Quelle verwendet werden können. Unter der ,Homerischen Frage` versteht man also im allgemeinen die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Verfasser, der Entstehung und der zeitlichen Einordnung der Werke. Dabei gibt es viele verschiedene Ansichten zu dieser Thematik. Einige Forscher sind der Auffassung, dass Homer der Dichter ist, der beide Epen als einheitliches Werk verfasst hat (unitarische Betrachtungsweise). Andere dagegen glauben, dass es zwei oder mehr Dichter gab und dass die Werke eine Sammlung von Einzelgedichten bzw. –liedern zu einem Gesamtwerk sind. Diese Forscher stützen ihre Ansicht auf die Beobachtung, dass in beiden Epen Unstimmigkeiten auftreten und sich sogar selbständige Einheiten aus dem Gesamtepos herauslösen lassen (z.B. Telemachie). Weiterhin gehen einige Forscher davon aus, dass Sage und Dichtung den Stoff umgestaltet haben und dass die Epen daher als Quelle für Ereignisse unbrauchbar sind, aber als Quelle für die Zustände einer Zeit, von der keine anderen schriftlichen Quellen Zeugnis geben, wichtig sind. Diese Forschungsrichtung geht daher auch im großen und ganzen von der Zeit aus, in der die Epen verfasst wurden (8. Jh.). Andere datieren die Epen in das mykenische Zeitalter. Das Ziel meiner Hausarbeit soll eine Erläuterung und Interpretation der Herrschaft und des Königtums in der Ilias anhand des Beispiels des Agamemnon sein. Dies werde ich unter dem folgenden Gesichtspunkt behandeln: Macht und Gefährdung der Anführerstellung Agamemnons. Danach möchte ich auf die traditionelle und neure Homerforschung in diesem Zusammenhang eingehen und abschließend meine eigene Position zu dieser Thematik erläutern.


Excerpt (computer-generated)

1

Westfälische - Wilhelms Universität

Seminar: ,Die Welten des Homer`

SS 2002


Herrschaft und Königtum in der Ilias

Verfasser: Katharina

Meyer


2

Inhaltsverzeichnis

I.

Einleitung

1.) Zur historischen Quellenlage der beiden Epen: ,Die Homerische Frage`

2.) Das Ziel meiner Hausarbeit


II.

Hauptteil

1.) Macht und Gefährdung der Anführerstellung des Agamemnon

1.1)

Warum ist Agamemnon der Oberbasileus?

1.2)

Welche Position nimmt Agamemnon in Bezug auf die anderen Basilees ein

und wie stehen sie zu ihm?

1.3)

Welche Position hat Agamemnon in der Boule und warum nimmt Nestor

eine Sonderstellung ein?

1.4)

Welche politische Position und welche Privilegien hat Agamemnon?

1.5)

Ist die Position eines Basileus erblich und welche Funktion hat die Nennung

der Vorfahren für einen Basileus?

2.) Die Forschungsrichtungen

2.1) Die

traditionelle

Homerforschung

2.2)

Die neuere Homerforschung


III. Schluss

IV. Literaturverzeichnis

V.

Quellen


3

I.

Einleitung

1.) Zur historischen Quellenlage der beiden Epen: ,Die Homerische Frage`

Beschäftigt man sich mit einem bestimmten Thema, dem der Herrschaftsformen, in den

Epen, muss man als erstes fragen, inwieweit die homerischen Epen als historische Quelle

verwendet werden können. Unter der ,Homerischen Frage` versteht man also im

allgemeinen die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Verfasser, der Entstehung

und der zeitlichen Einordnung der Werke. Dabei gibt es viele verschiedene Ansichten zu

dieser Thematik. Einige Forscher sind der Auffassung, dass Homer der Dichter ist, der

beide Epen als einheitliches Werk verfasst hat (unitarische Betrachtungsweise). Andere

dagegen glauben, dass es zwei oder mehr Dichter gab und dass die Werke eine Sammlung

von Einzelgedichten bzw. ­liedern zu einem Gesamtwerk sind. Diese Forscher stützen ihre

Ansicht auf die Beobachtung, dass in beiden Epen Unstimmigkeiten auftreten und sich

sogar selbständige Einheiten aus dem Gesamtepos herauslösen lassen (z.B. Telemachie).

Weiterhin gehen einige Forscher davon aus, dass Sage und Dichtung den Stoff umgestaltet

haben und dass die Epen daher als Quelle für Ereignisse unbrauchbar sind, aber als Quelle

für die Zustände einer Zeit, von der keine anderen schriftlichen Quellen Zeugnis geben,

wichtig sind. Diese Forschungsrichtung geht daher auch im großen und ganzen von der

Zeit aus, in der die Epen verfasst wurden (8. Jh.). Andere datieren die Epen in das

mykenische Zeitalter. Sie verweisen auf verschiedene mykenische Elemente ( Ortsnamen,

Gegenstände, Bräuche, usw.) und archäologische Funde. Dabei sind mehreren Forschern

aber auch Anachronismen aufgefallen, die nicht in den Kreis der mykenischen Zeit passen,

sondern einer späteren Zeit angehören. Diese Forscher vertreten die Auffassung, dass sich

bei Homer drei historische Ebenen überlagern: die mykenische Welt, an die der Dichter die

Erinnerung bewahren wollte, die ,Dunklen Jahrhunderte` und die Zeit, in der er lebte.

Relativ einig sind sich die Forscher über die Zeit, in der die Epen entstanden sind. Sie

werden ins 8. Jahrhundert datiert. Dabei nehmen die Forscher an, dass die Odyssee

deutlich jünger ist als die Ilias und noch bis ins 7. Jahrhundert hineinreicht.

Die Beantwortung der Frage nach der Verwendung der homerischen Epen als historische

Quelle ist also als durchaus positiv zu bewerten.

2.) Das Ziel meiner Hausarbeit

Das Ziel meiner Hausarbeit soll eine Erläuterung und Interpretation der Herrschaft und des

Königtums in der Ilias anhand des Beispiels des Agamemnon sein. Dies werde ich unter

dem folgenden Gesichtspunkt behandeln:


4

Macht und Gefährdung der Anführerstellung Agamemnons

Danach möchte ich auf die traditionelle und neure Homerforschung in diesem

Zusammenhang eingehen und abschließend meine eigene Position zu dieser Thematik

erläutern.

II. Hauptteil
1.) Macht und Gefährdung der Anführerstellung des Agamemnon

Der Großteil der Forschungsarbeiten über das homerische Königtum in der Ilias befasst

sich in Wirklichkeit eigentlich mit dem Herrscher- bzw. Königtum des Agamemnon. Das

mag zum einen daran liegen, dass es in diesem Fall ein einigermaßen ausreichendes und

ausführliches Material zu geben scheint und zum anderen aber gerade das entstehende Bild

sehr uneinheitlich und problematisch erscheint.

Dabei bereiten solche widersprüchlichen Stellen Schwierigkeiten, wie z.B.:

,,Denn ich meine, es wird ein Mann in Zorn geraten, der groß unter allen

Argeiern Gewalt hat, und es gehorchen ihm die Achaier.

Denn mächtiger ist ein König, wenn er zürnt einem geringeren Mann."1

,,Doch gehe ich selber und hole Briseis, die schönwangige,

In meine Hütte, dein Ehrgeschenk! Daß du es gut weißt,

Wieviel besser ich bin als du, und daß auch ein anderer sich hüte,

sich mir gleich zu dünken und gleichzustellen ins Angesicht!"2

Diese Stellen würden ja eindeutig für einen äußerst mächtigen König, der über allem und

jedem steht, sprechen. Demgegenüber stehen aber auch Stellen, die diese

Widersprüchlichkeit aufzeigen, die ich vorhin schon erwähnte. Stellen, an denen sich

Agamemnon Kritik von den übrigen Basilees gefallen lassen muss:

,,Doch dir gab nur eines von zweien der Sohn des krummgesonnenen Kronos:

Mit dem Herrscherstab gab er dir, geehrt zu werden von allen,

Kampfkraft aber gab er dir nicht, was die größte Stärke ist."3

wo er nichts dagegen unternehmen kann, wenn Achilleus sich vom Kampf enfernt und den

Atriden ungestraft beschimpft und der Feigheit bezichtigt:

,,Wahrlich! einst wird nach Achilleus eine Sehnsucht kommen den Söhnen der Archaier"4



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