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Subtitle: Theoretische Aspekte und praktische Implikationen
Examination Thesis, 2007, 119 Pages
Author: Daniel Schupmann
Subject: English - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Details
Tags: Lernstile, Fremdsprachenunterricht
Year: 2007
Pages: 119
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 100 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-01090-0
ISBN (Book): 978-3-638-91557-1
File size: 885 KB
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Abstract
Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat das Wissenschaftsgebiet der Lernpsychologie zahlreiche Faktoren ausgemacht, die die mitunter stark variierenden Resultate menschlichen Lernens beeinflussen. Als Auslöser für ein gesteigertes Interesse an den Bedingungen von Denk- und Verstehensprozessen gilt dabei der Paradigmenwechsel vom Behaviorismus zum Kognitivismus, der so genannten Kognitiven Wende. Während sich manche Wissenschaftler/innen auf die Betrachtung von Einflussgrößen wie beispielsweise die Intelligenz, Motivation oder soziokulturelle Hintergründe konzentrieren, hat sich eine Forschungsrichtung entwickelt, die sich der Charakteristik unterschiedlicher Lernzugänge widmet, d. h. dem Wie des Lernens. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen diesbezüglich verschiedene Modalitäten der Aneignung, Strukturierung und des Abrufs neuer Informationen – Komponenten des Lernens, deren je spezifische Ausprägungen unter dem Begriff des individuellen Lernstils subsumiert werden. Darüber hinaus werden in zahlreichen Publikationen auch sozial-affektive Beschreibungsgrößen als lernstilbestimmend angesehen. Eine solche weite Definition vertritt z. B. Grotjahn (1998:11). Er sieht Lernstile „im Sinne von intraindividuell relativ stabilen, zunächst situations- und aufgabenunspezifischen Präferenzen (Dispositionen, Gewohnheiten) von Lernern sowohl bei der Verarbeitung (Aufnahme, Strukturierung, Speicherung ...) von Informationen als auch bei der sozialen Interaktion.“ Das Postulat einer Existenz stilgeprägter Lernwege ruft Vertreter verschiedenster Interessensgemeinschaften auf den Plan, die hierin ein theoretisches Konstrukt besonderer Relevanz vermuten. Insbesondere im Bereich der Pädagogik bzw. der mit ihr verkoppelten Fachdidaktiken hat sich ein mittlerweile breiter Diskurs entfaltet, dessen inhaltlicher Schwerpunkt auf der Besprechung lehrpraktischer Auswirkungen liegt.
Excerpt (computer-generated)
Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien
an der Philipps-Universität Marburg
Wissenschaftliche Hausarbeit im Fach
Erziehungswissenschaften
Daniel Schupmann
Lernstile im und für den Fremdsprachenunterricht
Theoretische Aspekte und praktische Implikationen
Datum: 26.Oktober 2007
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 1
2 Begriffsklärung ... 4
2.1 Kognitiver Stil oder Lernstil? ... 4
2.2 Lernstrategien ... 7
2.3 Lern(er)typen ... 11
2.4 Stile in Abgrenzung zu Fähigkeiten ... 13
3 Stand der Lernstilforschung und ausgewählte Vertreter einflussreicher Konzepte sowie deren Relevanz für die Fremdsprachenforschung ... 16
3.1 Lernstile - Versuch einer Kategorisierung ... 17
3.2 Ausgewählte Vertreter einflussreicher Lernstilkonzepte ... 20
3.2.1 Lernstile sind weitestgehend genetisch bedingte, schwer beeinflussbare Persönlichkeitsmerkmale ... 20
3.2.1.1 Gregorc ... 20
3.2.1.2 Dunn & Dunn ... 25
3.2.2 Lernstile beruhen auf den kognitiven Strukturen eines Individuums ... 32
3.2.2.1 Witkin ... 33
3.2.2.2 Riding ... 37
3.2.3 Lernstile sind Teil eines relativ stabilen Persönlichkeitstypus - Der Myers-Briggs-Typenindikator (MBTI) ... 42
3.2.4 Lernstile sind flexible, aber dennoch solide Lernvorlieben - Kolbs Experiential Learning Theory ... 49
3.2.5 Lernorientierungen, -einstellungen und -strategien als konstitutive Größen von Lernstilen am Beispiel Entwistles ... 55
3.2.6 Weitere Einflussgrößen im Fokus der Fremdsprachendidaktik ... 62
3.2.6.1 Ambiguitätstoleranz/-intoleranz ... 63
3.2.6.2 Induktion/Deduktion ... 65
3.3 Abschließende Bewertung der stilbezogenen Fremdsprachenforschung ... 67
4 Unterrichtspraktische Konsequenzen ... 77
4.1 Identifikation von Lernstilen ... 77
4.1.1 Konstruktinhärente Limitationen ... 78
4.1.2 Fragebögen zur Erhebung bevorzugter Lernstrategien am Beispiel des Strategy Inventory for Language Learning ... 81
4.1.3 Lernertagebücher und Sprachlernerinnerungen ... 86
4.1.4 Lautes Denken ... 87
4.1.5 Weitere Alternativen zum Zwecke der Thematisierung unterschiedlicher Lernstile ... 88
4.2 Matching oder Stretching? ... 91
4.3 Lerninhalte vor dem Hintergrund eines stilorientierten Lehrstils ... 96
4.3.1 Integrative Berücksichtigung stilrelevanter Faktoren ... 96
4.3.2 Gezieltes Strategietraining ... 101
5 Schlussbetrachtung ... 104
6 Literaturverzeichnis ... 107
6.1 Sekundärliteratur ... 107
6.2 Elektronische Quellen ... 112
7 Anhang ... 115
1 Einleitung
Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat das Wissenschaftsgebiet der Lernpsychologie zahlreiche Faktoren ausgemacht, die die mitunter stark variierenden Resultate menschlichen Lernens beeinflussen. Als Auslöser für ein gesteigertes Interesse an den Bedingungen von Denk- und Verstehensprozessen gilt dabei der Paradigmenwechsel vom Behaviorismus zum Kognitivismus, der so genannten Kognitiven Wende.
Während sich manche Wissenschaftler/innen auf die Betrachtung von Einflussgrößen wie beispielsweise die Intelligenz, Motivation oder soziokulturelle Hintergründe konzentrieren, hat sich eine Forschungsrichtung entwickelt, die sich der Charakteristik unterschiedlicher Lernzugänge widmet, d. h. dem Wie des Lernens. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen diesbezüglich verschiedene Modalitäten der Aneignung, Strukturierung und des Abrufs neuer Informationen – Komponenten des Lernens, deren je spezifische Ausprägungen unter dem Begriff des individuellen Lernstils subsumiert werden. Darüber hinaus werden in zahlreichen Publikationen auch sozial-affektive Beschreibungsgrößen als lernstilbestimmend angesehen. Eine solche weite Definition vertritt z. B. Grotjahn (1998:11). Er sieht Lernstile
„im Sinne von intraindividuell relativ stabilen, zunächst situations- und aufgabenunspezifischen Präferenzen (Dispositionen, Gewohnheiten) von Lernern sowohl bei der Verarbeitung (Aufnahme, Strukturierung, Speicherung ...) von Informationen als auch bei der sozialen Interaktion.“
Das Postulat einer Existenz stilgeprägter Lernwege ruft Vertreter verschiedenster Interessensgemeinschaften auf den Plan, die hierin ein theoretisches Konstrukt besonderer Relevanz vermuten. Insbesondere im Bereich der Pädagogik bzw. der mit ihr verkoppelten Fachdidaktiken hat sich ein mittlerweile breiter Diskurs entfaltet, dessen inhaltlicher Schwerpunkt auf der Besprechung lehrpraktischer Auswirkungen liegt. Die Ausgangsbasis bildet hierbei die Argumentation, dass Lernstile notwendigerweise auch im Bezugsrahmen von Lehrstilen betrachtet werden müssten, wobei das diesem Aufeinandertreffen inhärente Konfliktpotenzial weit reichende Einflüsse auf den persönlichen Lernerfolg impliziere.
So gibt es auch im spezifischen Kontext der Fremdsprachenforschung1 Hinweise darauf, dass es bezüglich des Lernens fremder Sprachen durchgängig erkennbare Muster i. S. möglicherweise wirksamer Sprachlern- und Sprachproduktionsstile gibt (vgl. Schulz-Wendler 2001:38ff). Nicht eindeutig geklärt ist hingegen das Verhältnis dieser charakteristischen Phänomene zu allgemeineren Lernpräferenzen eines Lerners/einer Lernerin, ein Umstand, der den Kern des Interesses der vorliegenden Arbeit berührt.
Diese beschäftigt sich zunächst mit der Frage, welche Stildimensionen, d. h. stilprägend funktionale Merkmale, für die Aufnahme- und Verarbeitungsprozesse fremdsprachlicher Informationen verantwortlich sind. Diesbezüglich wird sich herausstellen, dass eine solche Bestimmung vor dem Hintergrund einer Vielzahl von weitgehend ambivalenten Forschungsbeiträgen sowohl inhaltlich als auch terminologisch abenteuerlich ist.
In einem weiteren Schritt sollen die unterrichtspraktischen Konsequenzen geklärt werden, die sich aus der zuvor durchgeführten Aufarbeitung theoretischer Konzeptionen ergeben.
Schon an dieser Stelle sollte der Leser/die Leserin darauf hingewiesen werden, dass er/sie insbesondere im Verlauf der Besprechung der für den Fremdsprachenunterricht bedeutsamen Lernstilkonzepte einer überdurchschnittlich hohen Zahl englischsprachiger Literaturquellen begegnen wird. Dieser Umstand resultiert aus der nahezu exklusiv nordamerikanisch und britisch geprägten Lernstilforschung, wobei der bescheiden ausfallenden Auswahl deutschsprachiger Autor/innen besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Die inhaltliche Struktur der Arbeit deckt zunächst den Bedarf an terminologischem Verständnis, indem Kapitel 2 in grundlegendes Vokabular und wichtige Differenzierungen einführt.
Dem schließt sich in Kapitel 3 ein Lagebericht zum anfänglich unstrukturiert wirkenden Feld der Lernstilforschung an. Dieser thematische Prolog mündet in die Wahl einer Taxonomie, die im weiteren Verlauf als unentbehrlicher Bezugspunkt dienen soll.
Sodann beginnt die systematische Darstellung der für das erste Etappenziel der Arbeit relevanten Lernstilkonzepte. Derer sind es acht, wobei sich im Rahmen der gewählten Klassifikation eine Möglichkeit zur Einordnung dieser in fünf Gruppen aufzeigen wird.
Nicht einem bestimmten Lernstilkonzept zurechenbar, jedoch gleichermaßen bedeutsam, folgt die Besprechung zweier Stildimensionen, deren Berücksichtigung hinlänglich dargelegt wird.
Nach Abschluss der Sammlung potenziell im Rahmen des Fremdsprachenlernens wirksamer Merkmale, wird auf Grundlage der in den jeweiligen Teilkapiteln besprochenen Positionen eine von dieser Stelle an gültige Selektion vorgenommen. Sie stellt gleichermaßen eine abschließende Bewertung des Theorieteils und das Fundament für die folgenden Überlegungen hinsichtlich lehrpraktischer Implikationen dar.
Kapitel 4 widmet sich anfänglich bestehenden Alternativen zur Thematisierung und Identifikation von Lernstilen im Fremdsprachenunterricht. Besonderes Interesse gilt dabei der Gefahr methodischer Verwicklungen. Daraufhin wird die zentrale Frage geklärt, welcher Stellenwert der Berücksichtigung von Lernvorlieben im unterrichtspraktischen Alltag gegeben werden soll.
Die Antwort hierauf legitimiert den letzten Abschnitt, der zum einen praxisbezogene Vorschläge zur Umsetzung eines integrativen Lehrstils unterbreitet und darüber hinaus über den Aufbau und die Durchführung eines gezielten Lernstrategietrainings informiert.
Die Arbeit schließt mit einer vergleichsweise knappen Gesamtbewertung, da zugunsten der Nachvollziehbarkeit zentrale Erkenntnisse und teilweise abschließende Beurteilungen schon den jeweiligen Kapiteln beigefügt werden.
2 Begriffsklärung
Zum Zwecke einer (wo möglich) eindeutigen und unmissverständlichen Verwendung lernstilbezogener Begrifflichkeiten soll dieses Kapitel zunächst die zentralen, allzu oft unzulässigerweise synonym verwendeten Termini voneinander abgrenzen. Dies erscheint notwendig, möchte man die Grenzen des auf den ersten Blick scheinbar unüberschaubaren Forschungsgebiets der Lernstile bzw. deren inhaltlich verwandter wissenschaftlicher Konstrukte einengen, um die im weiteren Verlauf der Arbeit beabsichtigte Fokussierung auf die Bedeutung lernstiltheoretischer Überlegungen für den Fremdsprachenunterricht zu ermöglichen.
Eine solche Notwendigkeit wird umso deutlicher, führt man sich die Kritik zahlreicher Autor/innen vor Augen, zentrale Bezeichnungen würden mitunter „inkonsistent und unscharf“ (Grotjahn 1998:11) oder unpräzise (vgl. Cassidy 2004:420) verwendet. Es fällt auf, dass diesbezüglich vor allem die Begriffe Lernstil und Kognitiver Stil keiner exakten Unterscheidung zugeführt oder aber abwechselnd als dem jeweils anderen Konstrukt über- oder untergeordnet beschrieben werden. Über die Klärung der Beziehung dieser Konzepte hinaus sollen weiterhin die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale hinsichtlich Stil und Fähigkeit herausgearbeitet sowie die Begriffe Lernstrategie und Lerntyp näher beleuchtet werden. Letzterer wird gerade im deutschsprachigen Raum häufig mit Lernstil gleichgesetzt.
2.1 Kognitiver Stil oder Lernstil?
Das Wort Stil beschreibt in verschiedensten Zusammenhängen eine durchgängige Verhaltensweise oder Erscheinungsform, die für ein Individuum oder eine Gruppe charakteristisch ist. Ein Stil kann i. d. S. beobachtbar sein, z. B. in Form eines Bekleidungsstils oder eines Bewegungsstils. Die an dieser Stelle behandelten Stile hingegen entziehen sich einer unmittelbaren Beobachtungsmöglichkeit, da sie sich überwiegend aus mentalen Prozessen speisen:
„When viewed from a phenomenological perspective, stylistic characteristics reveal themselves to be surface indicators of two deep levels of the human mind: whole systems of thought, and peculiar qualities of the mind which an individual uses to establish links with reality.“ (Gregorc 1984:51)
[...]
1 Mit Bezug auf Schulz-Wendler (2001) wird der Begriff Fremdsprachenforschung in der vorliegenden Arbeit in Anlehnung an Grotjahn (1999) als Sammelbegriff für Sprachlehr- /Sprachlernforschung, Fremd-/Zweitsprachenerwerbsforschung sowie Fremdsprachendidaktik verwendet.
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