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Bedeutung, Möglichkeiten und Grenzen der Ausspracheschulung im Englischunterricht

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 22 Pages
Author: Daniel Schupmann
Subject: English - Pedagogy, Didactics, Literature Studies

Details

Event: Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Fremdsprachenunterricht
Institution/College: University of Marburg
Tags: Bedeutung, Möglichkeiten, Grenzen, Ausspracheschulung, Englischunterricht, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Fremdsprachenunterricht
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 22
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V87087
ISBN (E-book): 978-3-638-03132-5
ISBN (Book): 978-3-638-92913-4
File size: 218 KB

Abstract

Der Ausspracheschulung wird im Fremdsprachenunterricht in sehr unterschiedlicher Weise Aufmerksamkeit zuteil. Allzu oft fristet dieser für den tatsächlichen Gebrauch der Zielsprache ggf. essentielle Bestandteil jedoch ein weitgehend stiefkindliches Dasein. Selbst diejenigen Lehrenden, die sich hin und wieder dieses vernachlässigten Bereichs annehmen, tun dies mitunter ohne klar formulierte Beweggründe, geschweige denn auf dem Fundament systematisch angelegter Vermittlungsmethoden und -techniken. Welche Ursachen zeichnen für diesen im Vergleich zu anderen Teilgebieten des Fremdsprachenunterrichts (z. B. Grammatikvermittlung, Wortschatzarbeit) geringen Stellenwert verantwortlich? Digeser (1993:58) unterscheidet zwischen drei möglichen Hintergründen. Demnach sei der „sysiphusartige“ Charakter der Ausspracheschulung für viele Lehrende ausschlaggebend, mit der Zeit eine gewisse Resignationshaltung einzunehmen: „Ausspracheschulung muß ja in nahezu allen Unterrichtsphasen stattfinden und bedeutet eine Aufgabe, mit welcher die Lehrerin/der Lehrer nie an ein Ende gelangt, an dem das Zeichen Aufgabe erfüllt aufleuchtet.“ (ebd.) Zudem rechtfertigten Fremdsprachenlehrer/innen eine entsprechende Geringschätzung immer öfter mit dem Argument, dass Englisch als Weltsprache zunehmend dem Zwecke der Kommunikation zwischen Nicht-Muttersprachlern diene, die allesamt eine defizitäre Aussprache aufwiesen und sich dennoch verständigen könnten. Schließlich schlage sich eine derartige Interessenverschiebung auch in den existierenden Lehrwerken und Unterrichtsmaterialien nieder, sodass Lehrenden mit überdurchschnittlicher Motivation zur Thematisierung ausspracherelevanter Unterrichtsinhalte vergleichsweise wenige Ressourcen zur Verfügung stünden (ebd.). Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, inwieweit insbesondere die ersten beiden Argumentationsstränge haltbar sind bzw. welche Gegenpositionen und weiteren Ansätze bemüht werden können, die eine ggf. größere Relevanz der Ausspracheschulung nahe legen.


Excerpt (computer-generated)

Philipps-Universität Marburg

Fachbereich 21 ­ Erziehungswissenschaften

HS

Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Fremdsprachenunterricht

WS 2006/2007

Bedeutung, Möglichkeiten und Grenzen der

Ausspracheschulung im Englischunterricht

Eingereicht von:

Daniel Schupmann


Inhaltsverzeichnis

1

Einleitung 3

2

Der Stellenwert der Aussprache beim Erlernen einer Fremdsprache 4

2.1

Kann im Sinne des EIL auf Ausspracheschulung verzichtet werden? 4

2.2

Warum ist eine gute Aussprache wichtig? 6

2.3

Welches Aussprachemodell sollte vermittelt werden? 7

3

Kompetenzbereiche der Aussprache 9

3.1

Segmental 10

3.2

Supra-segmental 10

4

Einflussgrößen des Aussprachelernerfolgs 12

4.1

Einstellung und Motivation gegenüber der Zielsprache 12

4.2

Alter (Critical Hypothesis) 13

4.3

Muttersprache (Contrastive Hypothesis) 14

5

Ausgewählte Ansätze der Ausspracheschulung 15

6

Schlussbetrachtung 19

Literaturverzeichnis 21

2


1

Einleitung

Der Ausspracheschulung wird im Fremdsprachenunterricht in sehr unterschiedli-

cher Weise Aufmerksamkeit zuteil. Allzu oft fristet dieser für den tatsächlichen

Gebrauch der Zielsprache ggf. essentielle Bestandteil jedoch ein weitgehend

stiefkindliches Dasein. Selbst diejenigen Lehrenden, die sich hin und wieder die-

ses vernachlässigten Bereichs annehmen, tun dies mitunter ohne klar formulierte

Beweggründe, geschweige denn auf dem Fundament systematisch angelegter

Vermittlungsmethoden und -techniken.

Welche Ursachen zeichnen für diesen im Vergleich zu anderen Teilgebieten des

Fremdsprachenunterrichts (z. B. Grammatikvermittlung, Wortschatzarbeit) ge-

ringen Stellenwert verantwortlich? Digeser (1993:58) unterscheidet zwischen

drei möglichen Hintergründen. Demnach sei der ,,sysiphusartige" Charakter der

Ausspracheschulung für viele Lehrende ausschlaggebend, mit der Zeit eine ge-

wisse Resignationshaltung einzunehmen:

,,Ausspracheschulung muß ja in nahezu allen Unterrichtsphasen stattfinden

und bedeutet eine Aufgabe, mit welcher die Lehrerin/der Lehrer nie an ein

Ende gelangt, an dem das Zeichen

Aufgabe erfüllt

aufleuchtet." (ebd.)

Zudem rechtfertigten Fremdsprachenlehrer/innen eine entsprechende Gering-

schätzung immer öfter mit dem Argument, dass Englisch als Weltsprache zu-

nehmend dem Zwecke der Kommunikation zwischen Nicht-Muttersprachlern

diene, die allesamt eine defizitäre Aussprache aufwiesen und sich dennoch ver-

ständigen könnten.

Schließlich schlage sich eine derartige Interessenverschiebung auch in den exis-

tierenden Lehrwerken und Unterrichtsmaterialien nieder, sodass Lehrenden mit

überdurchschnittlicher Motivation zur Thematisierung ausspracherelevanter Un-

terrichtsinhalte vergleichsweise wenige Ressourcen zur Verfügung stünden

(ebd.).

Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, inwieweit insbesondere die ersten

beiden Argumentationsstränge haltbar sind bzw. welche Gegenpositionen und

weiteren Ansätze bemüht werden können, die eine ggf. größere Relevanz der

Ausspracheschulung nahe legen.

Zu diesem Zwecke sollen zunächst einige grundlegende Gedanken zum Stellen-

wert der Aussprache beim Fremdsprachenlernen dargestellt werden. Dem folgend

3


wird der Fokus auf die inhaltlichen Bestandteile der Aussprache gerichtet und

welche dieser für das Lernen der Sprache als Nicht-Muttersprachler besonders

bedeutsam sind.

Ein weiterer Abschnitt widmet sich den Hauptfaktoren, die für den Aussprache-

lernerfolg als entscheidend angesehen werden, bevor ausgewählte Ansätze zur

Einbindung der Ausspracheschulung in den unterrichtspraktischen Alltag vorge-

stellt werden.

Während viele der besprochenen Bereiche auf das Fremdsprachenlernen i. A.

bezogen werden können, richten sich einige Überlegungen und insbesondere bei-

spielhaft genannte Aussprachephänomene an die spezifische Umgebung des Eng-

lischunterrichts.

2

Der Stellenwert der Aussprache beim Erlernen einer

Fremdsprache

Vor dem Hintergrund der einleitend dargestellten, nahezu flächendeckend zu

beobachtenden Vernachlässigung der Ausspracheschulung greift dieses Kapitel

anfangs die Diskussion über die Rolle der englischen Sprache

als lingua franca

auf. Anschließend werden wesentliche Gründe erörtert, die für die Ausrichtung

des Englischunterrichts an muttersprachlichen Normen sprechen. Es soll weiter-

hin geklärt werden, welche Faktoren bei der Wahl eines spezifischen Ausspra-

chemodells Berücksichtigung finden sollten.

2.1

Kann im Sinne des EIL auf Ausspracheschulung verzichtet

werden?

Das Akronym EIL steht für

English as an International Language

und lehnt sich

an die bisher gängigen Bezeichnungen EFL (

English as a Foreign Language

)

bzw. ESL (

English as a Second Language

) an, die bezüglich des Englischunter-

richts mit Nicht-Muttersprachlern die jeweilige Sprachgebrauchsabsicht benen-

nen. Die Terminologie EIL trägt der verstärkten Entwicklung Rechnung, Eng-

lisch zunehmend nicht mehr primär im Zusammenhang der Kommunikation mit

Muttersprachlern zu begreifen, sondern als Weltsprache oder

lingua franca

, d. h.

4


auch und vor allem als Kommunikationsmittel zwischen zwei oder mehreren

Nicht-Muttersprachlern.

Einige Autoren sehen in dieser Entwicklung eine Rechtfertigung, das Anstreben

einer Aussprache, die sich bestmöglich an muttersprachlichen Idealen1 orientiert,

aufzugeben. Andere wiederum befürworten die Schulung einer Vielzahl interna-

tionaler Dialekte wie bspw. südostasiatische Englischvariationen (Singapur, Ma-

laysia) oder die der ehemaligen westafrikanischen Kolonialgebiete. Taylor

(1991: 427) hält fest: ,,Even in the international arena, non-native speakers are

more likely to encounter other non-native speakers than native speakers."

Jenkins (vgl. 1998:122ff) schlägt vor, sich auf wenige an Englisch als Mutter-

sprache orientierte Bereiche zu beschränken, darunter z. B. die Schulung der

co-

re sounds

, deren Beherrschung wesentlich zur korrekten Verständigung beitrü-

gen, andere Ausspracheabweichungen, die vornehmlich auf den Transfer der ei-

genen Muttersprache zurückzuführen seien, jedoch nicht zu beeinflussen. Dies-

bezüglich nennt sie z. B. auch die Aussprache des

th

, das insbesondere für deut-

sche Englischlerner oft schwierig zu erlernen ist, da es nicht zur Gruppe der core

sounds gehöre. Sie geht sogar soweit zu fordern, dass Englischlerner/innen er-

mutigt werden sollten, die Einflüsse ihrer eigenen Muttersprache auf ihre engli-

sche Aussprache bewusst zuzulassen und zu fördern.

Eine solche Argumentation ist für Digeser ungültig: Die Motivation, Englisch zu

lernen, gründe ursprünglich nun einmal auf der Existenz einer muttersprachli-

chen Norm. Die Tatsache, dass die Erreichung einer muttersprachlichen Aus-

sprache in der Regel utopisch sei, sei jedoch kein Grund, diese nicht trotzdem

fortwährend anzustreben und ihr eine erhöhte Aufmerksamkeit im Fremdspra-

chenunterricht zu schenken. Schließlich begnüge man sich z. B. im lexikalischen

oder grammatischen Kompetenzbereich auch nicht prinzipiell mit rudimentären

Formen, sondern strebe stets nach Annäherung an eine bestimmte Norm. Zumal

der Versuch schon einen Wert per se darstelle (vgl. Digeser 1993:58).

Beide hier genannten Positionen sind m. E. unter bestimmten Voraussetzungen

legitim; diese müssen jedoch jeweils im Zusammenhang mit dem primären Ziel

des Sprachenlernens in Einklang gebracht werden. So liegt bspw. dem Englisch-

1 Als muttersprachliche Aussprachemodelle gelten gemeinhin Received Pronunciation (RP) und

General American (GA).

5



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