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Die Maquiladora-Industrie Nordmexikos

Subtitle: Hintergründe, Entwicklung sowie ökonomische und soziokulturelle Auswirkungen eines US-amerikanisch-mexikanischen Grenz-Phänomens

Scholary Paper (Seminar), 2005, 18 Pages
Author: Florian Dittmar
Subject: Geography / Earth Science - Economic Geography

Details

Event: Die Grenze zwischen Mexiko und den USA
Institution/College: Catholic University Eichstätt-Ingolstadt
Tags: Maquiladora-Industrie, Nordmexikos, Grenze, Mexiko, Maquiladora, NAFTA, USA
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 18
Grade: gut
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V87153
ISBN (E-book): 978-3-638-01296-6

File size: 300 KB

Abstract

1. Einleitung Mexiko als „Land der Gegensätze“ – dieses Attribut lässt sich auf die verschiedensten Aspekte und Facetten des Staates anwenden, und wird gerne und oft auf soziokulturelle, ökonomische wie auch räumliche Gegebenheiten bezogen. Die nordmexikanische Maquiladora-Industrie nimmt in diesem Diskurs eine interessante Mittelstellung ein: geschaffen und gefördert, um existierende räumliche und wirtschaftliche Ungleichheiten abzumildern, hat sie im Gegenzug neue Gegensätze und Grenzziehungen geschaffen und steht seit vielen Jahren im Mittelpunkt einer kontroversen Debatte um Industrialisierung und Modernisierung. Wie im Folgenden gezeigt werden wird, war es insbesondere die räumliche Nähe zum „großen Nachbarn“ USA, welche die Geschichte der Maquiladoras entscheidend lenkte und das Entstehen dieses Phänomens ermöglichte. Innerhalb weniger Jahre entstand eine Industrieform, in welchem bald hunderttausende mexikanischer Arbeitskräfte importierte US-amerikanische Vorprodukte zum späteren Reexport zusammensetzten, und welche die wirtschaftlichen Verflechtungen, Menschenströme sowie die räumlichen Denkmuster einer ganzen Nation nachhaltig beeinflusste. Die vorliegende Arbeit will eine generelle Übersicht über die Entstehung und Entwicklung der Maquiladora-Industrie sowie über ihren derzeitigen Status bieten. Von Interesse werden hierbei die Ziele Mexikos und der USA zu Beginn des Programms, die heute zu konstatierenden positiven wie negativen Auswirkungen, sowie die in einen supranationalen Zusammenhang einzuordnenden Veränderungen des Sektors sein. Eine kurze Diskussion der soziokulturellen Aspekte der Maquiladoras im nationalen Kontext wird den Überblick komplettieren, wobei hier ein Versuch zur Erklärung gewisser räumlicher Denkmuster unternommen werden wird.


Excerpt (computer-generated)

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt Sommersemester 2005

Zentralinstitut für Lateinamerika-Studien

9154 Ü: Die Grenze zwischen Mexiko und den USA

Datum: Oktober 2005












Die Maquiladora-Industrie Nordmexikos

Hintergründe, Entwicklung sowie ökonomische und soziokulturelle Auswirkungen eines

US-amerikanisch-mexikanischen Grenz-Phänomens























Verfasser:

Florian Dittmar


Inhalt

1. Einleitung 3

2. Entstehung und Entwicklung der Maquiladora-Industrie 3

2.1 Vorgeschichte 3

2.2 Ziele des Maquiladora-Programms 5

2.3 Entwicklung und Wachstum des Sektors 5

2.4 Wandel des Produktionscharakters: Die Drei-Generationen-These 8

3. Bewertung der erreichten Ziele 9

4. Symbolik und soziokulturelle Aspekte der Maquiladoras 11

5. Neuere Entwicklungen 13

6. Zusammenfassung und Ausblick 15

Literaturverzeichnis 17

2


1. Einleitung

Mexiko als ,,Land der Gegensätze" ­ dieses Attribut lässt sich auf die verschiedensten

Aspekte und Facetten des Staates anwenden, und wird gerne und oft auf soziokulturelle,

ökonomische wie auch räumliche Gegebenheiten bezogen. Die nordmexikanische

Maquiladora-Industrie nimmt in diesem Diskurs eine interessante Mittelstellung ein:

geschaffen und gefördert, um existierende räumliche und wirtschaftliche Ungleichheiten

abzumildern, hat sie im Gegenzug neue Gegensätze und Grenzziehungen geschaffen und steht

seit vielen Jahren im Mittelpunkt einer kontroversen Debatte um Industrialisierung und

Modernisierung. Wie im Folgenden gezeigt werden wird, war es insbesondere die räumliche

Nähe zum ,,großen Nachbarn" USA, welche die Geschichte der Maquiladoras entscheidend

lenkte und das Entstehen dieses Phänomens ermöglichte. Innerhalb weniger Jahre entstand

eine Industrieform, in welchem bald hunderttausende mexikanischer Arbeitskräfte importierte

US-amerikanische Vorprodukte zum späteren Reexport zusammensetzten, und welche die

wirtschaftlichen Verflechtungen, Menschenströme sowie die räumlichen Denkmuster einer

ganzen Nation nachhaltig beeinflusste.

Die vorliegende Arbeit will eine generelle Übersicht über die Entstehung und Entwicklung

der Maquiladora-Industrie sowie über ihren derzeitigen Status bieten. Von Interesse werden

hierbei die Ziele Mexikos und der USA zu Beginn des Programms, die heute zu

konstatierenden positiven wie negativen Auswirkungen, sowie die in einen supranationalen

Zusammenhang einzuordnenden Veränderungen des Sektors sein. Eine kurze Diskussion der

soziokulturellen Aspekte der Maquiladoras im nationalen Kontext wird den Überblick

komplettieren, wobei hier ein Versuch zur Erklärung gewisser räumlicher Denkmuster

unternommen werden wird.

2. Entstehung und Entwicklung der Maquiladora-Industrie

2.1 Vorgeschichte

Gegensätze prägen die mexikanische Gesellschaft, und ökonomische Gegensätze waren es

auch, die dort seit jeher große Migrationsströme verursacht haben. Schon seit dem Ersten

Weltkrieg diente hierbei der Norden des Landes zunehmend als Etappenziel ausreisewilliger

Mexikaner, welche auf Beschäftigung in den USA hofften. Die Grenzregion auf

mexikanischer Seite wurde hierbei zum Auffangbecken nicht nur der Neuankömmlinge vor

dem Grenzübertritt, sondern auch der (oft gescheiterten) Rückkehrer aus den Vereinigten

3


Staaten. Insbesondere nach der im Jahr 1964 erfolgten Aufkündigung des

Bracero

-

Abkommens, mit welchem mexikanischen Saisonarbeitern die Einreise in die USA erlaubt

war, konnte dies festgestellt werden, als hunderttausende Mexikaner in ihr Heimatland

zurückströmten (vgl. NUHN 1994, 558). Dies führte schnell zu einem immensen

Siedlungswachstum in den betroffenen Regionen, wobei die fehlende Industrialisierung ­ die

existierenden Grenzstädte waren bis zur Mitte des 20. Jahrhundert noch vorwiegend auf

Aufzucht und Export von Vieh spezialisiert ­ hohe Arbeitslosigkeit und Armut zur Folge

hatte (vgl. DEMLER 2004, 41). Die mexikanische Regierung reagierte hierauf, und lenkte

ihre Wirtschaftsförderung seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmend deutlicher auf die

Grenzregion: bereits in den 1930er Jahren wurden in Baja California und Sonora regionale

Freihandelszonen eingerichtet, nach dem zweiten Weltkrieg kam es zu Investitionen in die

Infrastruktur (vgl. NUHN 1994, 559). Das zu jener Zeit von Mexiko eingeführte

Entwicklungsmodell der Importsubstitution wurde in der Grenzregion ausgesetzt ­ regionale

Exportorientierung sollte der Industrialisierung Aufschwung verleihen und

Entwicklungsprozesse anstoßen (vgl. ebd., 558). Am weitreichendsten zur industriellen

Entwicklung der Region trug jedoch eine Reihe von Gesetzen und Programmen bei, welche in

den 1960er Jahren von staatlicher Seite erlassen wurden. Das 1962 von López Mateos ins

Leben gerufene nationale Grenzentwicklungsprogramm PRONAF (

Programa Nacional

Fronteriza

) sorgte hierbei für eine deutliche Aufwertung der Infrastruktur, wodurch das 1965

von Díaz Ordaz erlassene Programm zur Industrialisierung der Grenzregion (

Programa de

Industrialización de la Frontera Norte

) einen weiter gefassten Ansatz beschreiten konnte

(vgl. INEGI 2001). Durch zahlreiche neu geschaffene regionale Ausnahmeregelungen wurde

insbesondere auf Investitionen ausländischer Unternehmer abgezielt: Zollschranken für auf

den späteren Reexport ausgerichtete Materialien und Vorprodukte fielen, und der Landerwerb

in Grenznähe wurde für Ausländer erleichtert. Die genannten Gesetze stellten die Weichen für

das ab dieser Zeit aufkommende Phänomen der bald ,,

Maquiladora

" getauften

Lohnveredelungsindustrie, und sollte die seit den 1950er Jahren bestehenden neuen

Möglichkeiten der internationalen Arbeitsteilung sowie die Verteuerung der Arbeitskraft in

den USA zum Vorteil Mexikos nutzen: arbeitsintensive Produktionsabschnitte US-

amerikanischer Betriebe wurden auf der südlichen Seite der Grenze angesiedelt, um so das

große Reservoir an ungelernten Arbeitskräften des Landes in Wert zu setzen und die

sozioökonomischen Probleme der Region zu lösen. Die räumliche Nähe zu den USA bot

hierbei die denkbar besten Voraussetzungen, um auch der asiatischen Konkurrenz diesen

interessanten Markt nachhaltig streitig zu machen.

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