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Der Conceptualizer vs. die Zentrale Kontrolle

Subtitle: Ein Vergleich zweier Sprachproduktionsmodelle

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 20 Pages
Author: Petia Trojca
Subject: Speech Science / Linguistics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 20
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V87223
ISBN (E-book): 978-3-638-02229-3
ISBN (Book): 978-3-638-92586-0
File size: 425 KB

Abstract

Sprachproduktion ist ein Teilgebiet der Psycholinguistik und gilt im Vergleich z.B. zur Sprachrezeption als ein relativ unterentwickeltes Forschungsgebiet. Dies hängt damit zusammen, dass die kognitiven Vorgänge, die bei der Produktion von Sprache eine Rolle spielen, sich experimentell nur schwer erforschen lassen. Sprachliches Planen ist ein mentaler Vorgang und als solcher ist er der direkten Beobachtung nicht zugänglich. Aus diesem Grund stützt sich die Sprachproduktionsforschung auf der Analyse von Versprechern, Aphasien und Pausen beim Sprechen. Dies hat auch zur Folge, dass es verschiedene Meinungen darüber gibt wie genau die einzelnen Teilprozesse auf den unterschiedlichen Ebenen der Sprachproduktion ablaufen. Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit werde ich zum Zwecke der Vollständigkeit versuchen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der bisher entwickelten Sprachproduktionsmodelle kurz aufzuzeigen, sowie in groben Zügen die einzelnen Ebenen des Sprachproduktionsprozesses darzustellen. Das zweite und dritte Kapitel beschäftigen sich mit dem zentralen Gegenstand dieser Arbeit, der ersten Ebene der Sprachproduktion. Ich werde anhand der konkurrierenden Modelle von Levelt (1989) und Herrmann und Grabowski (1994) die einzelnen Prozesse, die auf dieser Ebene stattfinden beschreiben und werde versuchen die Unterschiede aufzuzeigen, die sich beim Vergleich der beiden Modelltypen ergeben.


Excerpt (computer-generated)





Der Conceptualizer vs. die Zentrale Kontrolle

Ein Vergleich zweier Sprachproduktionsmodelle

Von

Petia Trojca

Ruhr-Universität Bochum

Sprachwissenschaftliches Institut

SS 2007

Seminar: Sprachproduktion


Inhaltsverzeichnis


Einleitung _________________________________________________________________ 2

1. Modelle der Sprachproduktion ______________________________________________ 2

2. Die konzeptuelle Ebene im Sprachproduktionsmodell von Levelt __________________ 5

2.1 Makroplanung_____________________________________________________________ 6

2.1.1 Selektion_______________________________________________________________________ 6

2.1.2 Linearisierung___________________________________________________________________ 9

2.2 Mikroplanung_____________________________________________________________ 9

3. Die konzeptuelle Ebene in der Mannheimer Regulationstheorie der Sprachproduktion

von Herrmann und Grabowski _______________________________________________ 11

3.1 Die Zentrale Kontrolle _____________________________________________________ 12

3.1.1 Der Fokusspeicher ______________________________________________________________ 12

3.1.2 Die Zentrale Exekutive___________________________________________________________ 14

3.1.2.1 Selektion der Fokusinformation ________________________________________________ 14

3.1.2.2 Aufbereitung der Fokusinformation _____________________________________________ 15

3.1.2.3 Linearisierung der Fokusinformation ____________________________________________ 15

3.2 Die Hilfssysteme ___________________________________________________________ 16

4. Schlussbemerkung_______________________________________________________ 17

Literaturverzeichnis ________________________________________________________ 18

1


Einleitung

Sprachproduktion ist ein Teilgebiet der Psycholinguistik und gilt im Vergleich z.B. zur

Sprachrezeption als ein relativ unterentwickeltes Forschungsgebiet. Dies hängt damit

zusammen, dass die kognitiven Vorgänge, die bei der Produktion von Sprache

eine Rolle

spielen, sich experimentell nur schwer erforschen lassen. Sprachliches Planen ist ein mentaler

Vorgang und als solcher ist er der direkten Beobachtung nicht zugänglich. Aus diesem Grund

stützt sich die Sprachproduktionsforschung auf der Analyse von Versprechern, Aphasien und

Pausen beim Sprechen. Dies hat auch zur Folge, dass es verschiedene Meinungen darüber gibt

wie genau die einzelnen Teilprozesse auf den unterschiedlichen Ebenen der Sprachproduktion

ablaufen.

Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit werde ich zum Zwecke der Vollständigkeit

versuchen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der bisher entwickelten

Sprachproduktionsmodelle kurz aufzuzeigen, sowie in groben Zügen die einzelnen Ebenen

des Sprachproduktionsprozesses darzustellen. Das zweite und dritte Kapitel beschäftigen sich

mit dem zentralen Gegenstand dieser Arbeit, der ersten Ebene der Sprachproduktion. Ich

werde anhand der konkurrierenden Modelle von Levelt (1989) und Herrmann und Grabowski

(1994) die einzelnen Prozesse, die auf dieser Ebene stattfinden beschreiben und werde

versuchen die Unterschiede aufzuzeigen, die sich beim Vergleich der beiden Modelltypen

ergeben.

1. Modelle der Sprachproduktion

Aufgrund der Tatsache, dass Unterschiede zwischen der mündlichen und der

schriftlichen Sprachproduktion angenommen werden, beschränkt sich der größte Teil der

Sprachproduktionsmodelle auf der Produktion gesprochener Sprache. Obwohl es

unterschiedliche Vorstellungen darüber gibt wie der Sprachproduktionsprozess im Einzelnen

zu modellieren ist, unterscheiden die meisten Modelle für gewöhnlich in der einen oder

anderen Form drei Makroebenen der Verarbeitung. In der Terminologie von Levelt (1989)

heißen diese Conceptualizer, Formulator und Artikulator. Auf der Ebene des Conceptualizers

überführt der Sprecher seine mentale Vorstellung, seine intendierte Botschaft mit Hilfe von

unterschiedlichen Makro- und Mikroplanungsprozessen in ein propositionales Format. Unter

Berücksichtigung der Hörererwartungen und der Situation wird entschieden ,,was" genau

gesagt wird. Im nächsten Schritt, auf der Ebene des Formulators, nach einem Zugriff auf das

mentale Lexikon und nach einer Reihe von Enkodierungsprozessen (lexikalische,

2


grammatische und phonologische), findet eine Überführung der konzeptuellen Struktur in

einer sprachlichen Struktur statt. Schließlich wird im Artikulator die phonologische

Repräsentation, unter Anwendung von Realisationsregeln, in motorische Aktivität umgesetzt

(vgl. Schriefers 2003:5; Pechmann 1994:11).

Im Wesentlichen gehen also die meisten Sprachproduktionsmodelle davon aus, dass der

Prozess der Sprachproduktion in einem pragmatisch/konzeptuellen Bereich beginnt, um dann

über einen syntaktisch/semantisch-formulativen in einem sensomotorisch-artikulatorischen

Bereich zu enden. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Modellen sind demzufolge

also woanders zu suchen. Es herrscht zum Beispiel Uneinigkeit darüber, ob die Teilprozesse

der Sprachproduktion bei Veränderungen in der Kommunikationssituation immer in gleicher

Weise ablaufen, ob Feedbacks zwischen den einzelnen Verarbeitungsstufen stattfinden und ob

beim Sprachproduktionsprozess zunächst alle Stufen durchlaufen werden oder ob die

Verarbeitung auf den einzelnen Stufen parallel erfolgen kann. Die vorliegenden Modelle

können also nach verschiedenen Kriterien voneinander unterschieden werden.

Auf der einen Seite stehen sich autonome und kontextsensitive (vgl. Herrmann 2002)

bzw. situierte (vgl. Rickheit und Strohner 2003) Sprachproduktionsmodelle gegenüber1.

Situierte Modelle interessieren sich für die Einflüsse der sich verändernden

Kommunikationssituation auf dem

variierenden

Sprachproduktionsprozess und die daraus

resultierenden unterschiedlichen Äußerungen. Sie gehen der Frage nach, wieso ein Sprecher

eine bestimmte Äußerung in einer bestimmten Situation produziert und nicht eine von einer

Reihe anderer möglicher Äußerungen. Zu dieser Kategorie können unter anderem die Modelle

von Bock (1982), Herrmann und Grabowski (1994) und Hofer und Buhl (1998) gezählt

werden (vgl. Herrmann 2002:216). Autonome Modelle dagegen gehen davon aus, dass

ungeachtet der sich verändernden Diskurssituation, die Teilprozesse der Sprachproduktion im

Wesentlichen immer in gleicher Weise ablaufen. Die einzige relevante Varianzquelle ist

hier die sogenannte ,,message". Vertreter dieser Theorie sind die Modelle von Garrett (1988)

und Levelt (1989) (vgl. ebd.).

Im Bezug auf die Frage, ob und inwieweit die Teilsysteme der Sprachproduktion

miteinander interagieren unterscheidet die Sprachproduktionsforschung zwischen den seriell-

modularen2 und den interaktiv- konnekttionistische Modellen. Interaktiv-konnekttionistische

Modelle, wie zum Beispiel von Dell (1986) und Herrmann und Grabowski (1994), nehmen

1 Herrmann (2002:215) weißt darauf hin, dass die im Folgenden getroffenen Unterscheidungen

üblich für die Sprachproduktionsforschung sind, sich aber bisher keine einheitliche

Klassifikationsterminologie eingebürgert hat.

2 An dieser Stelle muss betont werden, dass obwohl fast alle autonomen Modelle auch eine

Serialität der Teilprozesse voraussetzten (vgl. Herrmann 2002:219), die beiden Kriterien nicht

verwechselt werden dürfen

3


an, dass im gesamten Sprachproduktionssystem eine ständige Interaktion zwischen den

verschiedenen Ebenen stattfindet. Zwischen ihnen ist also ein direktes Feedback möglich.

Weiterhin wird angenommen, dass die einzelnen Verarbeitungsstufen nicht abgeschlossen

sind bevor die nächste Stufe mit der Verarbeitung anfängt, und dass Teile einer generierten

Äußerung auf alle Verarbeitungsstufen präsent sein können. Die Information wird parallel

verarbeitet. (vgl. Rickheit und Strohner 2003:275; Herrmann 2002:218; van der Meer und

Klix 2003:350). Seriell-modulare Modelle, wie zum Beispiel von Garrett (1988) und Fromkin

(1988), gehen dagegen davon aus, dass ein nachgeordneter Teilprozess erst mit der

Verarbeitung anfängt, wenn diese auf dem vorgeordneten Teilprozess schon weitgehend

abgeschlossen ist (Serialität), dass die einzelnen Teilsysteme unabhängig voneinander

(Modularität) und in einer strengen Abfolge arbeiten, und dass keine Feedbacks von einer

nachgeordneten zu einer vorgeordneten Verarbeitungsstufe stattfinden. Die für jeden

Teilprozess benötigte Information ist spezifisch und steht nur auf der jeweiligen

Prozessebene zur Verfügung (vgl.Rickheit und Strohner 2003:273; Herrmann 2002:218).

Das Modell von Levelt (1989) ist als eine Alternative zu strikt seriellen und strikt

interaktiven Modellen zu sehen. Grundlage dieses Modells ist die Annahme der von Kempen

und Hoenkamp (1987) entwickelten inkrementellen Verarbeitung, welche als Synthese

serieller und paralleler Verarbeitung zu verstehen ist. Obwohl die einzelnen

Verarbeitungsstufen auf den Output der vorgeordneten Stufen angewiesen sind, sind doch alle

Teilsysteme gleichzeitig aktiv. Eine Äußerung wird nicht erstmals komplett konzeptualisiert,

dann komplett formuliert und dann komplett artikuliert, sondern während ein schon

konzeptualisierter Teil der Äußerung im Formulator verarbeitet wird, wird der nächste

Teil der Äußerung konzeptualisiert. Die Reihenfolge der artikulierten Mitteilung muss dabei

nicht mit der Reihenfolge der konzeptuellen Fragmente übereinstimmen (vgl. Rickheit und

Strohner 2003:274; Pechmann 1994:13). Ein weiterer Unterschied zu strikt seriellen Modellen

stellt das von Levelt vorgesehene Feedback dar, das entweder nach der phonologischen

Enkodierung, oder nach der Artikulation zum Conzeptualizer gesendet wird. Dort wird es

vom Teilsystem des Monitors aufgenommen und verarbeitet. Der Monitor stellt eine

Kontrollinstanz dar, die die interne- wie auch die externalisierete Sprache (internal and overt

speech) überwacht und gegebenenfalls korrigiert (vgl. Rickheit und Strohner 2003:274).

4



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