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(Inter)dependenz? Über das Abhängigkeitsverhältnis zwischen politischem und massenmedialem System

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 23 Pages
Author: Sebastian Schult
Subject: Communications: Media and Politics, Politic Communications

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 23
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 17  Entries
Language: German
Archive No.: V87237
ISBN (E-book): 978-3-638-01214-0
ISBN (Book): 978-3-638-91619-6
File size: 201 KB

Abstract

Politik spielt in der Gesellschaft eine bedeutende Rolle. Ob Wahlen, Machtkämpfe oder verabschiedete Programme: die Gesellschaft ist abhängig von politischen Entscheidungen und deren Auswirkungen. Doch wie nehmen wir das politische System wahr? Kann es die Bürger mit seinen bloßen Inhalten fesseln und zu reger Anteilnahme bewegen? Oder muss es sich stattdessen massenmedialer und dramaturgischer Mittel bedienen, um einer kollektiven Politikverdrossenheit der potentiellen Wähler vorzubeugen? Eines erscheint jedenfalls klar: Politisches und massenmediales System sind gerade in der heutigen Zeit untrennbar miteinander verbunden. Das Verhältnis, das beide Systeme zueinander aufweisen, soll in dieser Arbeit näher untersucht werden, wobei ich mich im Speziellen auf die Abhängigkeiten konzentrieren werde, die sich für Massenmedien und Politik zueinander ergeben. Drückt das politische System den Massenmedien seinen buchstäblichen Stempel auf oder wird Politik für den Rezipienten erst durch Massenmedien erschaffen und somit ein symbolischer Charakter verliehen? Ich stelle die These auf, dass zwischen Politik und Massenmedien ein interdependentes Verhältnis besteht. Zuerst werde ich beide Systeme in einer Gegenstandsbenennung näher erläutern und dabei auch auf das System der Öffentlichkeit eingehen, da dieses in unmittelbaren Zusammenhang zu Politik und Massenmedien steht. Anschließend folgt eine ausführliche Auseinandersetzung mit den Erklärungsansätzen und Modellen zum Abhängigkeitsverhältnis zwischen beiden Systemen, bevor die Arbeit mit einem kurzen Ausblick auf die Zukunft der politisch-massenmedialen Beziehung abgerundet wird.


Excerpt (computer-generated)

Hausarbeit zum Hauptseminar

,,Politische Kommunikation"

Wintersemester ´06/´07

(Inter)dependenz?

Über das Abhängigkeitsverhältnis zwischen politischem und

massenmedialem System

Sebastian Schult

7. Sem., Magister

Germ/Kowi/Angl


Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

3

1 Politisches,

massenmediales

und

öffentliches System

3

1.1 Politisches System

3

1.2 Massenmediales System

4

1.3 Öffentliches System

5

2 Erklärungsansätze und Modelle zur Beziehung zwischen Politik

7

und

Massenmedien

2.1 Dependenzthese

7

2.1.1 Chapel-Hill-Studie und Agenda-Setting

8

2.1.2

Gatekeeper-Forschung

10

2.1.3

Schweigespiralen-Modell

11

2.1.4

Selektive

Wahrnehmung

12

2.2 Instrumentalisierungsthese / Determinationsthese

13

2.3 Interdependenzmodelle

14

2.3.1

Strukturelle

Kopplung

14

2.3.2

Interdependenz

15

2.3.3

Interpenetration

16

2.4 Antagonistisches Modell

16

2.4.1

Funktionaler

Erklärungsansatz

17

2.4.2

Kausaler

Erklärungsansatz

18

3 Zukunftsaussichten

19

4 Schlussbetrachtung

20

5 Literaturverzeichnis

21

2


0 Einleitung

Politik spielt in der Gesellschaft eine bedeutende Rolle. Ob Wahlen, Machtkämpfe oder

verabschiedete Programme: die Gesellschaft ist abhängig von politischen Entscheidungen und

deren Auswirkungen. Doch wie nehmen wir das politische System wahr? Kann es die Bürger

mit seinen bloßen Inhalten fesseln und zu reger Anteilnahme bewegen? Oder muss es sich

stattdessen massenmedialer und dramaturgischer Mittel bedienen, um einer kollektiven

Politikverdrossenheit der potentiellen Wähler vorzubeugen? Eines erscheint jedenfalls klar:

Politisches und massenmediales System sind gerade in der heutigen Zeit untrennbar

miteinander verbunden. Das Verhältnis, das beide Systeme zueinander aufweisen, soll in

dieser Arbeit näher untersucht werden, wobei ich mich im Speziellen auf die Abhängigkeiten

konzentrieren werde, die sich für Massenmedien und Politik zueinander ergeben. Drückt das

politische System den Massenmedien seinen buchstäblichen Stempel auf oder wird Politik für

den Rezipienten erst durch Massenmedien erschaffen und somit ein symbolischer Charakter

verliehen? Ich stelle die These auf, dass zwischen Politik und Massenmedien ein

interdependentes Verhältnis besteht. Zuerst werde ich beide Systeme in einer

Gegenstandsbenennung näher erläutern und dabei auch auf das System der Öffentlichkeit

eingehen, da dieses in unmittelbaren Zusammenhang zu Politik und Massenmedien steht.

Anschließend folgt eine ausführliche Auseinandersetzung mit den Erklärungsansätzen und

Modellen zum Abhängigkeitsverhältnis zwischen beiden Systemen, bevor die Arbeit mit

einem kurzen Ausblick auf die Zukunft der politisch-massenmedialen Beziehung abgerundet

wird.

1 Politisches, massenmediales und öffentliches System

1.1 Politisches System

Das politische System ist ein Subsystem der Gesellschaft und hat als dieses die Aufgabe,

gesellschaftliche Ziele zu verwirklichen. Diese Ziele manifestieren sich nicht im politischen

System selbst, sondern ganz wesentlich im kulturellen System. So liegen sie beispielsweise

den jeweiligen Gesetzesschriften eines Staates zu Grunde. Wie diese Ziele verwirklicht

werden sollen und welchen Problemen sowie Interessen sich der Staat zuwendet, obliegt nun

3


der Entscheidung des politischen Systems, das in dieser Hinsicht Macht ausüben muss

(Eichhorn 1996, S. 118).

[...] die Legitimation für diese Machtausübung erhalten politische Systeme in Demokratien vom eigentlichen

,,Souverän", dem Volk, durch freie und allgemeine Wahlen. Die Legitimierung staatlicher Institutionen ist

wichtig, um den zivilen Gehorsam zu bewahren, der letztendlich den Staat stabilisiert ­ eine demokratische

Gesellschaft kann sich nicht darauf verlassen, die gesellschaftlichen Spielregeln durch Strafandrohungen

aufrechtzuerhalten. Institutionen wie Parlamente und Regierungen konkretisieren gesellschaftliche Ziele in Form

von Gesetzen und sorgen für die Durchführung dieser Gesetze. (Eichhorn 1996, S. 118)

Der Prozess, der sich innerhalb des politischen Systems vollzieht, lässt sich als Verhandlung

zwischen unterschiedlichen Gruppen hinsichtlich ihrer Interessen umreißen. Die politischen

Institutionen übernehmen dabei die Führungsrolle. Ist die Zahl der Interessengruppen jedoch

zu groß, kann dieser Prozess stagnieren. Deutsch (1976) warnt vor einer mangelnden

Integration unterschiedlicher Interessen, da diese eine Krise in dem jeweiligen

gesellschaftlichen Bereich nach sich ziehen würde (Eichhorn 1996, S. 119).

Das politische System trägt gegenüber der gesamten Gesellschaft Pflichten und wird

hinsichtlich dieser von den Bürgern kontrolliert. Beschränkte sich diese Kontrolle früher auf

regelmäßige Wahlen, so gibt es seit vielen Jahren im Zuge der medialen Vielfalt auch

alternative Ausdrucksmöglichkeiten für bürgerliche Gruppierungen, um auf die Politik

Einfluss zu nehmen (Eichhorn 1996, S. 20).

Das politische System ist also, um seine Funktionsfähigkeit zu erhalten, auf Informations-Input über

gesellschaftliche Prozesse und ihre Auswirkungen auf das politische System angewiesen (Eichhorn 1996,

S. 120).

1.2 Massenmediales System

Das System der Massenmedien besitzt in einer demokratischen Gesellschaft eine

entscheidende Bedeutung, da es sowohl für Bürger als auch politische Akteure einen

essentiellen Bestandteil zur öffentlichen Artikulation sowie zum Informationsgewinn darstellt

(Eichhorn 1996, S. 120).

Das heißt allerdings nicht, daß Massenmedien sich nur in demokratischen Gesellschaften entwickeln können:

Massenmedien sind multifunktionale Systeme, sie werden in ihrer Entwicklung vom politischen und kulturellen

4


System beeinflusst (und beeinflussen diese Systeme ihrerseits). In den zahlreichen Katalogen, die Funktionen der

Massenmedien auflisten, finden sich dann auch Differenzierungen nach unterschiedlichen

Gesellschaftssystemen. (Eichhorn 1996, S. 120)

Stuiber (1978) unterscheidet das massenmediale System hinsichtlich der normativen sowie

der systemtheoretischen Perspektive. Während er dem normativen Ansatz eine gewisse

Beliebigkeit unterstellt, kritisiert er am systemtheoretischen Ansatz eben jene (im Namen

bereits implizierte) Systemverhaftung. Sinn macht für ihn wiederum die von Ronneberger

(1964) vorgenommene Katalogisierung des massenmedialen Systems. Dieser betrachtet

Massenkommunikation als ein System, ,,deren Funktionen sich auf der Basis von

Umwelterwartungen herausbilden." (Eichhorn 1996, S. 120) Die Funktionen gliedert er auf in

soziale und politische Funktionen, wobei soziale Orientierung, Sozialisation und Regeneration

zu den sozialen Funktionen gehören. Die Herstellung von Öffentlichkeit, politische

Sozialisation und Integration, Kritik und Kontrolle sowie politische Bildung ordnet er

hingegen den politischen Funktionen zu (Eichhorn 1996, S. 120 f.).

Stuiber [...] sieht in der sozialen Orientierung die Grunddimension massenmedialer Funktionen. Sie findet ihr

politisches Korrelat im Schaffen von Öffentlichkeit, denn dies bedeutet gleichzeitig die Grundlage für

politische

Orientierung [...]. (Eichhorn 1996, S. 121)

Allerdings setzt das Herstellen von Öffentlichkeit voraus, dass sämtliche gesellschaftlichen

Gruppen einen gleichberechtigten Zugang zu den Massenmedien erhalten ­ eine Forderung,

die kaum gewährleistet werden kann (Eichhorn 1996, S. 121). Ist das Herstellen von

Öffentlichkeit also Voraussetzung für politische Orientierung, so ist auch letztere nur schwer

realisierbar.

1.3 Öffentliches System

Ohne eine Theorie der öffentlichen Meinung läßt sich Medienwirkung nicht verstehen und umgekehrt: Ohne

eine Theorie der Medienwirkung versteht man Prozesse öffentlicher Meinung nicht. (Noelle-Neumann 1991. In:

Eichhorn 1996, S. 121)

Dieses Zitat von Noelle-Neumann verdeutlicht, wie eng Öffentlichkeit und Massenmedien

miteinander verzahnt sind. Es lohnt sich also an dieser Stelle, dem Öffentlichkeitsbegriff

einen eigenen Abschnitt zu widmen, in dem vornehmlich seine systemtheoretische

5



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