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"Mit drei Hurras auf Kaiser und Vaterland" - Wirtschaftsbürgertum im Ersten Weltkrieg

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 23 Pages
Author: Matthias Rouwen
Subject: History - World War I, Weimar Republic

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 23
Grade: 1
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V87255
ISBN (E-book): 978-3-638-01677-3
ISBN (Book): 978-3-638-91859-6
File size: 102 KB

Abstract

„Mit drei Hurras auf Kaiser und Vaterland“ reitet Kurt Klamroth, ein Vertreter des Wirtschaftsbürgertums im deutschen Kaiserreich am 1. August 1914, dem Tag der deutschen Mobilmachung als Rittmeister der Reserve in den folgenschwersten europäischen und in eine bis dahin nicht gekannten Gewalt ausufernden Krieg. Wie wurde dieser Krieg also innerhalb des gehobenen Wirtschaftsbürgertums aufgenommen? Wie ging man in solchen großkaufmännischen Kreisen mit der Realität des Krieges um? Und was sind die Gründe dafür? Das sind die Fragen, die in dieser Arbeit bearbeitet werden sollen. Die Forschung hat sich bei der Bearbeitung dieser Fragen bislang zurückgehalten. Es gibt keine Monografie, die sich explizit mit dem Leben von Wirtschaftsbürgern im Ersten Weltkrieg auseinandersetzt. Es gibt also kaum die Möglichkeit der Berufung auf einschlägige Literatur zu diesem Thema. Daher soll in dieser Arbeit der Versuch unternommen werden, auf der Grundlage einer Familienbiographie Stellung zu diesem Thema zu beziehen. Im Jahr 2004 wurde die kommerziell erfolgreiche Biographie „Meines Vaters Land – Geschichte einer deutschen Familie“ von der als erste „heute“-Nachrichtensprecherin bekannt gewordenen Journalistin Wibke Bruhns veröffentlicht. Anhand von privaten Tagebüchern und Briefen beschreibt sie dort die Geschichte ihrer eigenen Familie und setzt den Schwerpunkt dabei auf die Darstellung des Lebens ihres Vaters Hans Georg Klamroth, der als Verräter des 20. Juli am 26. August 1944 hingerichtet wurde. Um ihren Vater, seine Begeisterung für das Militär und seine erst sehr spät erfolgte Entwicklung einer wirklich kritischen Einstellung zum NS-Regime nachvollziehen zu können, setzt sie mit ihren Beschreibungen schon im Kaiserreich an. Die biographische Erzählung bietet interessante Einblicke in das Leben und die Haltungen einer großbürgerlichen Familie zu Zeiten von Kaiserreich und Erstem Weltkrieg. Alle Darstellungen werden dabei auf Zitate aus Briefen und Tagebüchern gestützt, so dass eine eigene nicht zu subjektive Betrachtung der geschilderten Umstände möglich wird. Es ist zwar problematisch, eine Arbeit in erster Linie auf ein populärwissenschaftliches Buch zu stützen, besonders weil in diesem Fall eine eigene Einsicht der Quellen nicht möglich ist, weswegen ich hier auf streng wissenschaftliche Quellenangaben verzichten muss.


Excerpt (computer-generated)

Hauptseminar

Bürgertum ­ Middle Classes ­ Bourgoisie. Internationale Vergleiche und

Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert.

Sommersemester 2005

Fakultät IV, Geschichte

,,Mit drei Hurras auf Kaiser und Vaterland"

-

Wirtschaftsbürgertum im Ersten Weltkrieg












Matthias Rouwen


Inhaltsangabe

1. Einleitung

2

2. Herr im Haus ­ Wirtschaftsbürgertum und Monarchie

5

3. Mit drei Hurras ­ Kriegsbegeisterung beim Wirtschaftsbürgertum

7

4. Ein fröhliches Stück Krieg ­. Wirtschaftsbürger im Kriegsdienst 11

5. Marzipan und Zigarren ­ Bürgerliches Leben im Krieg 17

6. Erschreckendes Ende ­ Fazit 20

Literaturverzeichnis 21

1


1. Einleitung

,,Mit drei Hurras auf Kaiser und Vaterland"1 reitet Kurt Klamroth, ein Vertreter

des Wirtschaftsbürgertums im deutschen Kaiserreich am 1. August 1914, dem

Tag der deutschen Mobilmachung als Rittmeister der Reserve in den

folgenschwersten europäischen und in eine bis dahin nicht gekannten Gewalt

ausufernden Krieg. Wie wurde dieser Krieg also innerhalb des gehobenen

Wirtschaftsbürgertums aufgenommen? Wie ging man in solchen

großkaufmännischen Kreisen mit der Realität des Krieges um? Und was sind

die Gründe dafür? Das sind die Fragen, die in dieser Arbeit bearbeitet werden

sollen.

Die Forschung hat sich bei der Bearbeitung dieser Fragen bislang

zurückgehalten. Es gibt keine Monografie, die sich explizit mit dem Leben von

Wirtschaftsbürgern im Ersten Weltkrieg auseinandersetzt. Es gibt also kaum die

Möglichkeit der Berufung auf einschlägige Literatur zu diesem Thema. Daher

soll in dieser Arbeit der Versuch unternommen werden, auf der Grundlage einer

Familienbiographie Stellung zu diesem Thema zu beziehen. Im Jahr 2004

wurde die kommerziell erfolgreiche Biographie ,,Meines Vaters Land ­

Geschichte einer deutschen Familie" von der als erste ,,heute"-

Nachrichtensprecherin bekannt gewordenen Journalistin Wibke Bruhns

veröffentlicht. Anhand von privaten Tagebüchern und Briefen beschreibt sie

dort die Geschichte ihrer eigenen Familie und setzt den Schwerpunkt dabei auf

die Darstellung des Lebens ihres Vaters Hans Georg Klamroth, der als Verräter

des 20. Juli am 26. August 1944 hingerichtet wurde.2 Um ihren Vater, seine

Begeisterung für das Militär und seine erst sehr spät erfolgte Entwicklung einer

wirklich kritischen Einstellung zum NS-Regime nachvollziehen zu können, setzt

sie mit ihren Beschreibungen schon im Kaiserreich an.

1 Kriegstagebuch Kurt Klamroths. Zit. n. Wibke Bruhns: Meines Vaters Land. Geschichte einer

deutschen Familie. 16. Aufl. Berlin: Econ 2005. S. 51. Die Originalquellen sind nicht zugänglich,

weswegen ich mich auf die Angaben der Autorin verlassen muss.

2 Vgl. Bruhns, S. 379.

2


Die biographische Erzählung bietet interessante Einblicke in das Leben und die

Haltungen einer großbürgerlichen Familie zu Zeiten von Kaiserreich und Erstem

Weltkrieg. Alle Darstellungen werden dabei auf Zitate aus Briefen und

Tagebüchern gestützt, so dass eine eigene nicht zu subjektive Betrachtung der

geschilderten Umstände möglich wird.

Es ist zwar problematisch, eine Arbeit in erster Linie auf ein populärwissen-

schaftliches Buch zu stützen, besonders weil in diesem Fall eine eigene

Einsicht der Quellen nicht möglich ist, weswegen ich hier auf streng

wissenschaftliche Quellenangaben verzichten muss. Das Buch bietet aber auch

besondere Chancen: Es setzt die Schilderungen in einen realen

Zusammenhang von persönlicher Entwicklung und persönlichen Umständen.

Es zeigt also nicht verallgemeinerte Umstände auf, sondern liefert konkrete

Informationen, die auf zumindest eine Familie tatsächlich zutreffen. Es kann

dabei hinterfragt werden, inwieweit die Halberstädter Kaufmannsfamilie

Klamroth als Prototyp einer Familie des Wirtschaftsbürgertums gesehen werden

kann.

Viele Punkte sprechen allerdings dafür: Es handelt sich um eine protestantische

Familie, die im norddeutschen Halberstadt fest verwurzelt ist. Politisch ist man

der Rechten zugetan und gegenüber der Linken schlecht gestimmt. Der eigene,

sehr erfolgreiche und immer wieder innovative Landhandel steht an erster

Stelle, doch dem Vaterland zu dienen ist ebenfalls Pflicht. Der Rang des

Reserveleutnanten ist für die männlichen Familienmitglieder Ausdruck dieser

Mentalität. Im privaten Bereich gilt eine anständige Ausbildung des Mannes als

Voraussetzung für die Ehe. Selbstverständlich entspricht man den bürgerlichen

Vorstellungen von Kultur. Man musiziert selbst und selbst im Krieg liest man

anspruchsvolle Literatur. Die Familie entspricht also in diesen Bereichen den

Vorstellungen einer typischen bürgerlichen Familie, weswegen eine nähere

Betrachtung ihrer Verhältnisse im Krieg als Einzelstudie sinnvoll erscheint.

3


Als Ausgangspunkt für die Untersuchung des wirtschaftsbürgerlichen Lebens,

soll das Verhältnis von Wirtschaftsbürgertum und autoritärem Staat betrachtet

werden, da hier eine zentrale Bedingung für die bürgerliche Unterstützung von

Monarchie und Kriegsbegeisterung liegt.

4



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