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Das islamische Bankwesen

Termpaper, 2004, 18 Pages
Author: Seda Demir
Subject: History - Non-German

Details

Event: Islam und Kapitalismus
Institution/College: Bielefeld University
Tags: Bankwesen, Islam, Kapitalismus
Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 18
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V87276
ISBN (E-book): 978-3-638-02237-8

File size: 162 KB

Abstract

1. Einleitung In den islamischen Ländern spielt die Religion eine große Rolle. Der Islam ist keine Religion, die nur auf das Jenseits gerichtet ist. Es gibt keine Trennung zwischen dem Weltlichen und dem Geistlichen. Sie ist vielmehr eine Weltanschauung, die für alle Lebensbereiche Autorität beansprucht. Somit beeinflusst sie nahe zu alle Lebensbereiche des Alltagslebens seiner Anhänger. Dies wirkt sich auch auf das wirtschaftliche Leben bzw. auf das islamische Bankwesen aus. Der Islam ist sozusagen mit der Wirtschaft verbunden. Die islamische Rechtsauffassung, basierend auf dem islamischen Schari’a - Recht, gilt als das oberste bzw. ideale Gesetz. Auf Grund dessen stellt das göttlich verstandene Gesetz die gesamten Normen eines islamischen Geistes dar. Die islamischen Banken versuchen ihre Leistungen adäquat dem islamischen Recht durchzuführen, um so im Einklang damit zu stehen. Das bedeutet vor allem, ohne Zinsen zu operieren. Daher ist in den islamischen Ländern eine andere Bankenwelt vorzufinden, als in westlichen Ländern. In dieser Arbeit soll untersucht werden, inwieweit die islamischen Banken im Einklang mit dem islamischen Recht operieren. Zudem wird ein Blick darauf geworfen, ob der Islam bzw. das Bankwesen sich als Hemmnis für wirtschaftliche Entwicklung auswirkt. Dabei wird zunächst kurz auf die Entstehung des islamischen Bankwesens bzw. auf den historischen Kontext eingegangen. Im folgenden werden die rechtlich - institutionellen Grundlagen herausgearbeitet, und dabei genauer auf den Islam und seine Staats- und Rechtsauffassung eingegangen. Im Anschluss daran werden die Institutionen, die sich im Laufe der Geschichte aus diesem islamischen Recht gebildet haben, dargestellt. Darauf folgend wird deren Einfluss und Bedeutung für das Bankwesen erläutert. Weiterhin wird die Charakteristik des Bankwesens, mit ihren wichtigsten Finanzinstrumenten aufgezeigt, die ihren Ursprung in der Religion und den zuvor erläuterten Institutionen hat. Dabei wird kurz aufgezeigt, ob islamische Banken ihre Finanzinstrumente in der Praxis islamisch islamkonform anwenden. Die Auswirkung des Islams auf die Wirtschaft bzw. das Bankwesen, wird zum Schluss kurz erläutert.


Excerpt (computer-generated)

Universität Bielefeld

Fakultät für Geschichtswissenschaft und Philosophie

Abt.: Geschichte

Grundkurs: Islam und Kapitalismus

SS 2004


Das islamische Bankwesen

Seda Demir

Biologie/Geschichte Sek. I, 4. Sem.


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

S. 1

2. Historischer Hintergrund

S. 2

3. Die rechtlich ­ institutionellen Grundlagen

S.

3

3.1.

Der

Islam

S.

3

3.2.

Der

islamische

Staat

S.

4

3.3.

Das

islamische

Recht

S.

4

4. Institutionen

S. 5

4.1.

Eigentum

S.

5

4.2.

Zakat

S.

5

4.3.

Horten

von

Kapital

S.

6

4.4.

Riba

-

Verbot

S.

6

4.5. Bedeutung der Institutionen für das Bankwesen

S. 6

5. Charakteristik des islamischen Bankwesens

S.

8

5.1.

Formen

islamischer

Finanzierungsarten

S.

8

5.1.1.

Musharaka

und

Mudaraba

S.

8

5.1.2.

Murabaha

S.

11

5.2. Islamischer Banken in der Praxis

S. 12

6. Auswirkungen des Islams auf die Wirtschaft bzw. das Bankwesen

S. 13

7. Schlussbetrachtung

S. 14

8. Literaturverzeichnis

S. 15


1. Einleitung

In den islamischen Ländern spielt die Religion eine große Rolle. Der Islam ist

keine Religion, die nur auf das Jenseits gerichtet ist. Es gibt keine Trennung

zwischen dem Weltlichen und dem Geistlichen. Sie ist vielmehr eine

Weltanschauung, die für alle Lebensbereiche Autorität beansprucht. Somit

beeinflusst sie nahe zu alle Lebensbereiche des Alltagslebens seiner Anhänger.1

Dies wirkt sich auch auf das wirtschaftliche Leben bzw. auf das islamische

Bankwesen aus. Der Islam ist sozusagen mit der Wirtschaft verbunden. Die

islamische Rechtsauffassung, basierend auf dem islamischen Schari′a - Recht, gilt

als das oberste bzw. ideale Gesetz. Auf Grund dessen stellt das göttlich

verstandene Gesetz die gesamten Normen eines islamischen Geistes dar.2 Die

islamischen Banken versuchen ihre Leistungen adäquat dem islamischen Recht

durchzuführen, um so im Einklang damit zu stehen. Das bedeutet vor allem, ohne

Zinsen zu operieren. Daher ist in den islamischen Ländern eine andere

Bankenwelt vorzufinden, als in westlichen Ländern.

In dieser Arbeit soll untersucht werden, inwieweit die islamischen Banken im

Einklang mit dem islamischen Recht operieren. Zudem wird ein Blick darauf

geworfen, ob der Islam bzw. das Bankwesen sich als Hemmnis für wirtschaftliche

Entwicklung auswirkt.

Dabei wird zunächst kurz auf die Entstehung des islamischen Bankwesens bzw.

auf den historischen Kontext eingegangen. Im folgenden werden die rechtlich -

institutionellen Grundlagen herausgearbeitet, und dabei genauer auf den Islam und

seine Staats- und Rechtsauffassung eingegangen. Im Anschluss daran werden die

Institutionen, die sich im Laufe der Geschichte aus diesem islamischen Recht

gebildet haben, dargestellt. Darauf folgend wird deren Einfluss und Bedeutung für

das Bankwesen erläutert. Weiterhin wird die Charakteristik des Bankwesens, mit

ihren wichtigsten Finanzinstrumenten aufgezeigt, die ihren Ursprung in der

Religion und den zuvor erläuterten Institutionen hat. Dabei wird kurz aufgezeigt,

ob islamische Banken ihre Finanzinstrumente in der Praxis islamisch

islamkonform anwenden. Die Auswirkung des Islams auf die Wirtschaft bzw. das

Bankwesen, wird zum Schluss kurz erläutert.

1 Ipektchi, M.: ,,Bankbetriebliche Geschäftstätigkeit nach islamischem Recht ­Theoretische

Grundlegung und ausgewählte Aspekte zur Internationalisierung", zgl. Diss. Univ. Hamburg

1997, S. 13.

2 Ghaussy, A. Ghanie: Das Wirtschaftsdenken im Islam: von der orthodoxen Lehre bis zu den

heutigen Ordnungsvorstellungen, Bern, Stuttgart 1986, S. 32.

1


2. Historischer Hintergrund

Die theoretischen Überlegungen über die Abschaffung der Zinsen und über die

Rolle der Banken in der Wirtschaft fingen bereits in den 40er Jahren an. Zunächst

waren die islamischen Länder lange Zeit abhängig von den damaligen

europäischen Kolonialmächten.3 In den 50er und 60er Jahren erlangten sie ihre

Souveränität, übernahmen jedoch vorerst die von den Kolonialmächten

aufgebaute Finanzwirtschaft. Die Bankpraktiken wurden somit nach westlichem

Vorbild gehandhabt, was auch bedeutet, dass entgegen dem aus der Schari′a

abgeleiteten islamischen Recht, Zinsgeschäfte getätigt wurden.4 Die Gründung

islamischer Banken begann mit einem Sparkassenprojekt in der ägyptischen

Kleinstadt Mit - Ghamr. Nach mehreren theoretischen Diskussionen um eine

Neuorientierung des Bankwesens in islamischen Ländern 5 wurde 1963 die

sparkassenähnliche Institution eröffnet.6 Der Initiator des Projektes war Ahmed El

- Naggar. Das erfolgreiche Experiment der Sparkasse wurde für eine weitere

Ausbreitung und Errichtung islamischer Banken7 als Grundstein geachtet.8 Von

den Impulsen, die durch die praktischen Erfahrungen des Sparkassenprojektes

gegeben wurden, begann in den 70er Jahren die Errichtung islamischer Banken.

Mitte der 70er Jahre wurden islamische Banken in den islamischen Ländern rasch

entwickelt. Im März 1975 wurde in Dubai schließlich das erste große

Bankenprojekt von 5 Privatpersonen gestartet, die "Dubai Islamic Bank".9 Fast

alle islamischen Banken der islamischen Länder waren aufgrund privater

Initiatoren gegründet, ausgenommen die "Islamic Development Bank". In diesen

Ländern befand sich ein Dualsystem der Finanzwirtschaften. Dieses Dualsystem

ermöglichte dem Kunden zwischen einer westlich orientierten und einer

islamischen Bank zu wählen. 10 Die ,,Islamic Development Bank" ist eine

3 Noor-Ebad, H.: Islamische Banken in Theorie und Praxis sowie ihre Auswirkungen auf die

finanzielle Ressourcenallokation, zgl. Diss. Univ. Köln 1988, S. 1-2.

4 Ipektchi, M.: S. 36.

5 Unter den islamischen Ländern werden alle Länder verstanden, deren Bevölkerung in der

Mehrheit oder mindestens 30 Prozent aus Muslimen besteht. Es sind schätzungsweise rund eine

Milliarde Gläubige vorhanden, somit ist der Islam die zweitstärkste Religion. Den größten Teil

der Muslimischen Welt schließen gegenwärtig 45 Länder ein.

6 Noor-Ebad, H.: S. 93.

7 Islamische Banken lassen sich als Finanzinstitute definieren, die ihre Geschäfte zinsfrei

abwickeln, entsprechend dem islamischen Recht, der Schari′a. Die islamischen Banken sind

risikoreich und beruhen auf dem Erfolgsbeteiligungsprinzip.

8 Ipektchi, M.: S. 37-41.

9 Noor-Ebad, H.: S. 90 f.

10 Ipektchi, M.: S. 38.

2



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