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Termpaper, 2007, 20 Pages
Author: Carolin Büdel
Subject: Social Pedagogy / Social Work
Details
Tags: Arme, Kinder, Deutschland, Anforderungen, Soziale, Arbeit
Year: 2007
Pages: 20
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 17 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-01496-0
ISBN (Book): 978-3-638-91774-2
File size: 163 KB
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Abstract
„Arme Kinder im reichen Deutschland“ – die Überschrift dieser Hausarbeit klingt paradox, spiegelt aber die Realität in der Bundesrepublik Deutschland wieder. In einem der reichsten Länder der Welt gibt es immer mehr Kinder, die in Armut leben. Kinder und Jugendliche bil-den inzwischen sogar die gesellschaftliche Gruppe, die am häufigsten von Armut betroffen ist. Untersuchungen haben gezeigt, dass bereits heute jedes zehnte Kind unter 18 Jahren in Deutschland in relativer Armut aufwächst . Diese Tendenz ist steigend und es stellt sich die Frage, wie es dazu kommt, dass in einem Land, in dem der Wohlstand offensichtlich ist und in dem es soziale Sicherungssysteme gibt, immer mehr Eltern die finanziellen Mitteln fehlen, ihren Kindern den Mindeststandard zu bieten? Weiterhin ist fraglich, welche Auswirkungen Kinderarmut auf das aktuelle Kinderleben und auf die Zukunftschancen von Kindern haben. Die vorliegende Hausarbeit setzt sich mit diesen Fragestellungen auseinander. Der erste Teil der Arbeit gibt Aufschluss über die genauen Zahlen und Hintergründe von Kinderarmut. In einen besonderen Blickwinkel treten hierbei die Gruppen von Kindern, die in einem besonde-ren Maße von Armut bedroht sind. Der Fokus auf diese Risikogruppen ist besonders wichtig, da hier der Sozialen Arbeit Hinweise über Einsatzfelder und Ansatzmöglichkeiten für die praktische Arbeit gegeben werden. Auf diesen Anhaltspunkten baut der zweite Teil der Haus-arbeit auf. Es stellt sich die Frage nach den Hilfen und Angeboten, welche die Soziale Arbeit zur Behebung von Kinderarmut leisten kann. Den Abschluss der Arbeit bildet ein kurzes Fa-zit.
Excerpt (computer-generated)
Fachhochschule Frankfurt am Main
Berufsbegleitender Fernstudiengang Bachelor of Arts: Soziale Arbeit
Thema:
Arme Kinder im reichen Deutschland
Und die daraus resultierenden Anforderungen an die Soziale Arbeit
Carolin Büdel
März 2007
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung 3
2.
Definition der Begriffe Armut und Kinderarmut 3
2.1.
Armut 3
2.2.
Kinderarmut 4
3.
Situationsanalyse und aktuelle Zahlen zur Kinderarmut 5
4.
Spezifische Risikogruppen für Armut 6
4.1.
Arbeitslosigkeit als Armutsfaktor 6
4.2.
Armut in Haushalten Alleinerziehender 7
4.3.
Armut und Anzahl von Geschwistern 7
4.4.
Armut ausländischer Kinder 7
5.
Auswirkungen von Armut auf die Entwicklung von Kindern 8
5.1.
Auswirkungen auf das Hier und Jetzt der Kinder 8
5.1.1.
Einschränkungen der Erfahrungsbereiche 8
5.1.2.
Einschränkungen von sozialen Kontakten 9
5.2.
Auswirkungen auf die Lebensbiografie der Kinder 11
6.
Anforderung an die Soziale Arbeit in Hinsicht auf Kinderarmut 12
6.1.
Präventive Maßnahmen und Frühförderung 12
6.2.
Soziale Arbeit in und mit den Familien 13
6.3.
Schulsozialarbeit 14
6.4.
Stadtteilorientierte Gemeinwesenarbeit 16
7.
Fazit 18
Quellenangaben 19
2
1. Einleitung
,,Arme Kinder im reichen Deutschland" die Überschrift dieser Hausarbeit klingt paradox,
spiegelt aber die Realität in der Bundesrepublik Deutschland wieder. In einem der reichsten
Länder der Welt gibt es immer mehr Kinder, die in Armut leben. Kinder und Jugendliche bil-
den inzwischen sogar die gesellschaftliche Gruppe, die am häufigsten von Armut betroffen
ist. Untersuchungen haben gezeigt, dass bereits heute jedes zehnte Kind unter 18 Jahren in
Deutschland in relativer Armut aufwächst1. Diese Tendenz ist steigend und es stellt sich die
Frage, wie es dazu kommt, dass in einem Land, in dem der Wohlstand offensichtlich ist und
in dem es soziale Sicherungssysteme gibt, immer mehr Eltern die finanziellen Mitteln fehlen,
ihren Kindern den Mindeststandard zu bieten? Weiterhin ist fraglich, welche Auswirkungen
Kinderarmut auf das aktuelle Kinderleben und auf die Zukunftschancen von Kindern haben.
Die vorliegende Hausarbeit setzt sich mit diesen Fragestellungen auseinander. Der erste Teil
der Arbeit gibt Aufschluss über die genauen Zahlen und Hintergründe von Kinderarmut. In
einen besonderen Blickwinkel treten hierbei die Gruppen von Kindern, die in einem besonde-
ren Maße von Armut bedroht sind. Der Fokus auf diese Risikogruppen ist besonders wichtig,
da hier der Sozialen Arbeit Hinweise über Einsatzfelder und Ansatzmöglichkeiten für die
praktische Arbeit gegeben werden. Auf diesen Anhaltspunkten baut der zweite Teil der Haus-
arbeit auf. Es stellt sich die Frage nach den Hilfen und Angeboten, welche die Soziale Arbeit
zur Behebung von Kinderarmut leisten kann. Den Abschluss der Arbeit bildet ein kurzes Fa-
zit.
2. Definition der Begriffe Armut und Kinderarmut
Um den Begriff Kinderarmut besser einordnen zu können, wird vorausgehend der Begriff
Armut im Allgemeinen definiert.
2.1. Armut
Wer arm ist bzw. was unter Armut zu verstehen ist, wird in der öffentlichen, politischen sowie
wissenschaftlichen Diskussion kontrovers diskutiert. Deshalb ist es schwierig, eine allgemein
gültige Definition festzulegen. Im Lexikon wird der Begriff Armut ganz allgemein verstanden
als ,,ein Mangel an Chancen, ein Leben zu führen, das gewissen Minimalstandards entspricht"
(http://de.wikipedia.org/wiki/Armut, Abruf am 22.02.2007). Der jeweilige Minimalstandard
ist von Land zu Land unterschiedlich. In der EG werden Menschen als arm angesehen, ,,die
über ein Einkommen von weniger als 50% (Mittelwert) bzw. 60% (Median) des durchschnitt-
1 Vgl.: http://www.bpb.de/publikationen/AKTWHQ,0,0,Kinderarmut.html, Abruf am 07.03.2007
3
lichen Pro-Kopf-Einkommens des jeweiligen Landes verfügen" (vgl. Chassé 2003, S.50).
Vielen Wissenschaftlern ist diese Definition nicht umfassend genug. Kürner definiert Armut
beispielsweise wie folgt: ,,Armut ist kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Prob-
lem, das sozialpolitisch gelöst werden muss und sozialpädagogisch begleitet werden kann.
Armut bedeutet vielmehr eine allgemeine Unterversorgung mit wichtigen Gütern als Folge
einer ungleichen Verteilung ökonomischer Ressourcen und gesellschaftlicher Lebenslagen"
(Kürner/Nafroth 1994, S. 21).
Wenn heute bezogen auf Deutschland vom Begriff Armut gesprochen wird, ist dieser nicht
verbunden mit Hunger und Elend. Diese ,,absolute Armut" herrscht in den Ländern der dritten
Welt vor und meint die Nichtgewährleistung von Grundbedürfnissen des physischen Exis-
tenzminimums (vgl. Chassé 2003, S. 49). In hoch entwickelten Ländern wie Deutschland
spricht man daher von einer ,,relativen Armut", da das durchschnittliche Wohlstandniveau in
Deutschland wesentlich über dem physischen Existenzminimum liegt. Allerdings ist Armut
sehr vielschichtig und daher nicht nur ein ökonomisch-materielles, sondern auch ein soziales,
kulturelles und psychisches Phänomen. Chassé schreibt hierzu: ,,Im Konzept von relativer
Armut als Unterversorgung wird Armut verstanden als multidimensionale Unterversorgung in
den zentralen Lebensqualitätsbereichen der Gesellschaft wie Bildung, Arbeit, Ernährung,
Wohnung, Gesundheit, soziale Teilhabe usw." (2003, S. 50) Armut ist demnach ein Resultat
kausaler Folgen: die unterdurchschnittliche Verfügbarkeit von Ressourcen kann zu sozialer
Ausgrenzung führen, mit der Folge, dass das psychische und physische Überleben von Men-
schen bedroht wird.
2.2. Kinderarmut
Kinderarmut war in der deutschen Armutsforschung lange kein Thema und wurde zunächst
auch nicht als ein eigenständiges soziales Problem begriffen (vgl. Chassé, Rasch, Zander
2005, S. 39). Erst zu Beginn der 90er Jahre wurde die sozialpolitische und sozialpädagogische
Brisanz von Kinderarmut zur Kenntnis genommen. Um Kinderarmut zu messen, legen Wis-
senschaftler meist das Einkommen der Eltern zugrunde (vgl. Butterwegge/Klundt/Zeng 2005,
S. 101). Von Kinderarmut sind demnach Kinder betroffen, deren Familien weniger als die
Hälfte des durchschnittlichen Haushaltseinkommens zur Verfügung steht. Dieses Konzept
wird als Ressourcenansatz bezeichnet (vgl. Chassé 2003, S.49). Allerdings ist auch Kinder-
armut ein ,,mehrdimensionales Phänomen" und es ist deshalb nicht sinnvoll, die Einkom-
mensarmut zum alleinigen Kriterium für Armut zu machen (Chassé 2003, S.68). Die Betrach-
tung in Relation zu weiteren Lebensbereichen wie Arbeit, Bildung, Wohnung, Gesundheit,
4
Freizeit und sozialen Netzwerken ist wichtig (vgl. Chassé 2003, S.51). Dieser Ansatz wird im
Lebenslagenkonzept verfolgt. Erst mit dem Zusammenfallen des Einkommenskriteriums und
anderen Unterversorgungslagen lässt sich in diesem Konzept Kinderarmut definieren. Da die-
ses Konzept differenzierter ist als der Ressourcenansatz, spiegelt es eher die Alltagswirklich-
keit von Kindern wider. Nach diesem Ansatz wird von Kinderarmut gesprochen, wenn ein
Kind von materiellen
und
immateriellen Problemlagen betroffen ist.
3. Situationsanalyse und aktuelle Zahlen zur Kinderarmut
Die Tatsache, dass im reichen Deutschland viele arme Menschen leben ist unumstritten und
durch zahlreiche Untersuchungen belegt. Die Armut wird zunehmend heterogener, was be-
deutet, dass das Bild der Armut nicht mehr nur von ,,traditionellen Armen" geprägt wird, son-
dern mehr und mehr auch von ,,Normalhaushalten" (vgl. Chassé 2003, S.53). In der Literatur
wird in diesem Zusammenhang vom Phänomen der ,,neuen Armut" gesprochen (Chassé 2003,
S. 53). Ebenfalls nachgewiesen ist, dass die heutige Generation von Kindern die von Armut
am stärksten betroffene Gruppe darstellt (vgl. Chassé 2003, S.60). Während früher hauptsäch-
lich Senioren einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt waren, trifft es heute immer mehr Kin-
der und Jugendliche, so dass Armutsforscher bereits von der ,,Infantilisierung" der Armut
sprechen (vgl. Chassé 2003, S.53).
Die aktuellen Zahlen zur Kinderarmut sind beunruhigend. Demnach wächst in Deutschland
mehr als jedes zehnte Kind unter 18 Jahren in relativer Armut auf (vgl.
http://www.bpb.de/publikationen/AKTWHQ,0,0,Kinderarmut.html, Abruf am 07.03.2007).
Neben den relativen Armutsquoten sind die Sozialhilfebezugsquoten ein weiterer Armutsin-
dikator, welcher Aufschluss über Kinderarmut gibt. Im Jahre 2005 veröffentlichte das Statisti-
sche Bundesamt hierzu eine alarmierende Statistik (siehe Abb. 1). Demnach erhielten Ende
2003 rund 1,1 Millionen Minderjährige Sozialhilfe (7,2%). Im Vergleich zur Gesamtbevölke-
rung (3,4%) ist dies ein mehr als doppelt so hoher Hilfebedarf (vgl. Statistisches Bundesamt
2005).
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