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Hilde und Gerlint - Antagonisten?

Scholary Paper (Seminar), 2008, 23 Pages
Author: Elisabeth Junge
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Event: Proseminar Kudrun
Institution/College: LMU Munich (Institut für deutsche Philologie)
Tags: Hilde, Gerlint, Antagonisten, Proseminar, Kudrun
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 23
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V87289
ISBN (E-book): 978-3-638-01688-9
ISBN (Book): 978-3-640-33655-5
File size: 248 KB

Abstract

In der „Kudrun“ treten immer wieder Frauen als Herrscherinnen und Beraterinnen auf. Neben Hilde, die Hagen dazu anhält, Buhurte zu veranstalten, um seine Ehre zu verteidigen und Kudrun, die am Ende für die Versöhnung zwischen mehreren Königshäusern verantwortlich ist, nehmen Hilde, die Tochter Hagens, und Gerlint, die Königin der Normannen, zentrale Positionen innerhalb des Werkes ein. So ist es Hilde, die nach dem Tod ihres Mannes das Ruder in die Hand nimmt und einen Feldzug gegen die Ormanier organisiert, um ihre Tochter wieder begrüßen zu können. Gerlint hingegen nimmt eine zentrale Position bei der Knechtschaft Kudruns ein. Sie ist diejenige, die immer wieder versucht ihren Willen zu brechen und endlich in die Heirat mit Hartmut einzustimmen. Da sich schon in diesen kurzen Schilderungen Parallelen wie auch Differenzen bei diesen beiden Herrscherinnen zeigen, beschäftige ich mich damit genauer in der vorliegenden Arbeit. Ziel hierbei ist es, diese Übereinstimmungen und Unterschiede anhand einzelner Verhaltensweisen in bestimmten Szenen genauer herauszuarbeiten, um mich am Schluss der Frage zu widmen, ob denn nun Hilde und Gerlint als die wirklichen Antagonisten des Kudrunepos zu sehen sind.


Excerpt (computer-generated)

Ludwig ­Maximilians- Universität München

Institut für deutsche Philologie

Fachteil Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters (Mediävistik)

Proseminar ,,Kudrun"

WS 2007/2008

Hilde und Gerlint - Antagonisten?

Vorgelegt von:

Elisabeth Junge

3


TGliederung

T

1 Einleitung 5

2

Figur der Hilde 5

2.1

Hildes Position gegenüber Hartmut und Herwig 6

2.2

Hildes ,,Rache" ­ die Antwort auf den Brautraub und Königsmord 7

2.2.1

Widerstand bei Kudruns Entführung und Reaktion auf die Ermordung des Ehemanns 7

2.2.2 Initiierung

der

Rückentführung 10

2.3

Bereitschaft zur Versöhnung 11

3

Figur der Gerlint 13

3.1

Gerlints Funktion bei Hartmuts Werbung 14

3.2

Funktion bei Vorbereitung und Ausführung des Brautraubes 14

3.3

Kudruns Knechtschaft durch Gerlint 16

3.3.1

Versuch der Beeinflussung im Guten 16

3.3.2 Gerlint

als Teufelin 18

3.4 Gerlints Schicksal 21

4 Schluss 22

5 Literaturverzeichnis 24

4


1 Einleitung

In der ,,Kudrun" treten immer wieder Frauen als Herrscherinnen und Beraterinnen auf.

Neben Hilde, die Hagen dazu anhält, Buhurte zu veranstalten, um seine Ehre zu verteidigen

und Kudrun, die am Ende für die Versöhnung zwischen mehreren Königshäusern

verantwortlich ist, nehmen Hilde, die Tochter Hagens, und Gerlint, die Königin der

Normannen, zentrale Positionen innerhalb des Werkes ein. So ist es Hilde, die nach dem Tod

ihres Mannes das Ruder in die Hand nimmt und einen Feldzug gegen die Ormanier

organisiert, um ihre Tochter wieder begrüßen zu können. Gerlint hingegen nimmt eine

zentrale Position bei der Knechtschaft Kudruns ein. Sie ist diejenige, die immer wieder

versucht ihren Willen zu brechen und endlich in die Heirat mit Hartmut einzustimmen.

Da sich schon in diesen kurzen Schilderungen Parallelen wie auch Differenzen bei diesen

beiden Herrscherinnen zeigen, beschäftige ich mich damit genauer in der vorliegenden

Arbeit. Ziel hierbei ist es, diese Übereinstimmungen und Unterschiede anhand einzelner

Verhaltensweisen in bestimmten Szenen genauer herauszuarbeiten, um mich am Schluss der

Frage zu widmen, ob denn nun Hilde und Gerlint als die wirklichen Antagonisten des

Kudrunepos zu sehen sind.

2 Figur der Hilde

Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich mich mit der Figur der Hilde beschäftigen. Hilde ist

zwar eine Figur, der man nicht zu viel Individualität zusprechen kann1, allerdings spielt der

Erzähler durch sie mit bestimmten Klischees und Schemata. Hilde tritt zum einen als höfische

Frau, aber auch als alleinige Herrscherin auf, wie ich später noch zeigen werde. Ferner

repräsentiert sie die Vätergeneration in der ,,Kudrun" und somit auch den absoluten

Rachegedanken, an dem sie aber nicht unverrückbar festhält. Außerdem erscheint sie immer

wieder in Positionen, die sonst vom König bekleidet werden. Deswegen werde ich im ersten

Teil meiner Arbeit zuerst Hildes Position bei zwei Werbern um Kudrun betrachten, um

1 Insgesamt gibt es im Text 3 Figuren mit dem Namen Hilde; dies suggeriert eine gewisse Austauschbarkeit

5


danach auf die Planung und Art ihrer Rache einzugehen. Abschließen werde ich den Anfang

meiner Arbeit mit der Betrachtung Hildes im Versöhnungsteil der Kudrun.

2.1 Hildes Position gegenüber Hartmut und Herwig

Hartmut von Ormanie beginnt um Kudrun zu werben. Während bei den vorhergehenden

Werbern nur Hetel explizit bei den Verhandlungen erwähnt wurde, wird nun auch Hilde

beteiligt2. Hilde deckt hier ein Lehensverhältnis auf, das zwischen ihrem Vater Hagen und

Ludwig, dem Vater von Hartmut, besteht:

,,ez lêch mîn vater Hagene hundert unde drî/ sînem

vater bürge dâ ze Garadîne"

(610,2-3). Im folgenden Vers macht Hilde deutlich, dass es

unpassend wäre, wenn sie nun diese Lehen durch eine Heirat wieder zurückerlangen würden:

,,diu lêhen naemen übele von Ludewîges hende die mâge mîne."

(610,4) Somit wird deutlich,

dass Kudrun, würde sie Hartmut ehelichen, unter Stand heiraten würde, was aber nicht im

Interesse ihrer Eltern ist. So bezieht Hilde sehr deutlich Position, indem sie Hartmut durch

die Werbungsboten ausrichten lässt:

,,si wirt niht sîn wîp"

(612,1). Desweiteren solle sich

Hartmut keine Hoffnungen machen, dass er sich mit Kudruns Minne rühmen kann (612,3).

Hilde agiert hier somit nicht wie die typische Brautmutter3, die normalerweise zwischen

Werber und Brautvater vermittelt, sondern sie ist hier diejenige, die die Werbung ablehnt,

was normalerweise Aufgabe des Brautvaters wäre.

In der 12. Âventiure tritt Herwig nun mit Gewalt an die Hegelingen heran, da er die Werbung

um Kudrun nicht ruhen lassen möchte. Hilde nimmt hier nun die nach dem

Brautwerbungsschema typische Position ein und fungiert als Vermittlerin. Auf Hetels Frage,

was sie über die Handlungen Herwigs denkt (635,4), reagiert sie wie folgt:

,,Waz sol ich dar zuo sprechen <ni> wan allez guot?

ez dunket mich niht unbillîch, ob ein ritter tuot

mit lieb und ouch mit leide daz man ûf êre prîse.

wie möhte im misselingen? Hérwî´c ist bíderbe unde wîse."

(636,1-4)

Hilde sieht also Herwigs Werbungsabsicht hier als legitim an und fahndet nicht nach

eventuellen Standesunterschieden. Später dann, als Herwig bereits in die Burg eingedrungen

ist und der Kampf zwischen ihm und Hetel durch Kudrun geschlichtet wurde, ist auch Hilde

2 SCHMITT (2002), S. 226

3 SCHMIDCADALBERT (1985), S. 86

6


anwesend, als Herwig das Wort an Kudrun richtet (655,4). Auch die Erlaubnis, dass er um

Kudrun werben darf, kommt nicht nur vom Brautvater, sondern wird auch von der

Brautmutter erteilt:

,,Urlóubes gerte <ze> werben umb daz kint/ der récké vil küene. daz

erloubte sint/ Hetele unde Hilde."

(659,1-3). Nachdem die Eltern in die Hochzeit

eingestimmt hatten, ist es aber wiederum Hilde, die entscheidet, dass Kudrun noch ein Jahr

am hegelingischen Hofe bleiben wird4:

,,Er wânde mit im füeren die juncfrouwen dan. des

gunde im niht ir muoter./ Hilde sprach <zem künige>, si wollte<s> zuo der krône baz

bereiten"

(666,1-2 und 4).

Hilde tritt bei der jeweiligen Werbung von Hartmut und Herwig ganz verschieden auf.

Während der Erzähler ihr bei der Situation mit Herwig die typische Rolle der Brautmutter

zuteilt, lässt er sie bei der Werbung Hartmuts als diejenige auftreten, die explizit die

Werbung abweist und somit in dieser Szene dominanter auftritt als der Brautvater

2.2 Hildes ,,Rache" ­ die Antwort auf den Brautraub und Königsmord

Um auf die Rachegedanken Hildes und die spätere Ausführung näher eingehen zu können,

werde ich vorher Hildes Position und Verhalten bei der Entführung ihrer Tochter und ihre

Reaktion auf den Mord an Hetel betrachten. Als Folge dieser Ereignisse gilt ihr Beschluss der

Rückentführung von Kudrun und die Rache an denen, die soviel Leid über sie gebracht

haben.

2.2.1 Widerstand bei Kudruns Entführung und Reaktion auf die Ermordung des

Ehemanns

Nachdem Herwig in Seeland von Siegfried angegriffen wird, sendet Kudrun, auf sein Bitten

hin, ihren Vater und andere Helfer aus, um ihm beizustehen. Hartmut, der von der relativ

unbeschützt zurückgebliebenen Kudrun erfährt, wappnet sich für eine Werbungsfahrt, bei der

er im schlimmsten Fall die Braut mit Gewalt entführen wird. Als er nach seiner Ankunft

allerdings Boten aussendet, die Kudrun seine Werbungsabsicht nochmals im Guten

überbringen sollen, reagiert Hilde sehr heftig und lässt Herwig über seine Boten ausrichten:

4 SCHMITT (2002), S. 227

7



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