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Die Sprache des Theaters

Subtitle: Untersuchung einer Fachsprache

Termpaper, 2007, 22 Pages
Author: Sina Schmidt
Subject: German Studies - Semiotics, Pragmatics, Semantics

Details

Event: Gesprochenes Deutsch - Texte, Gespräch, Varietäten
Institution/College: University of Potsdam (Institut für Germanistik)
Tags: Sprache, Theaters, Gesprochenes, Deutsch, Texte, Gespräch, Varietäten, Transkription
Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 22
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V87290
ISBN (E-book): 978-3-638-01689-6
ISBN (Book): 978-3-638-91864-0
File size: 220 KB

Abstract

Die meisten Berufe bilden irgendwann Fachsprachen, so genannte Funktiolekte aus. So auch in der Welt des Theaters. Wodurch ist diese Art zu sprechen gekennzeichnet? Warum ist sie so, wie sie ist? Diese und andere Fragen zu diesem Thema werden mit Hilfe transkribierten Filmmaterials von "Die Spielwütigen" und "Bungalow" untersucht.


Excerpt (computer-generated)

Universität Potsdam

Institut für Germanistik

Seminar: ,,Texte, Gespräch, Varietäten ­ Gesprochenes Deutsch"

SS 07

Sina Schmidt

Studiengang: Germanistik/Philosophie/Musik (M. A.)

Potsdam, den 27. 09. 2007

Die Sprache des Theaters

Untersuchung einer Fachsprache


Gliederung

1. Einleitung 1

2. Zum Untersuchungsmaterial 2

2. 1. ,,Die Spielwütigen" 3

2. 2. ,,Bungalow" 4

3. Pausen 4

4. 1. Partikelfülle bei den Schauspielern 6

4. 2. Partikelfülle bei Regisseuren 8

5. Vagheitsausdrücke 9

6. Metaphorik 10

7. Zusammenfassung 12

8. Literaturverzeichnis 13

9. Anhang 14


1. Einleitung

Die Analyse sprachlicher Strukturen im gesprochenen Deutsch gehört zu den problematischsten

Forschungsfeldern der Sprachwissenschaft. Erste Forschungen, allen voran die Theorien von

Chomsky, legten aus der Schriftsprache abgeleitete Grammatiken zu Grunde und deuteten

Abweichungen im Gesprochenen automatisch als Fehler oder man konstruierte modellhafte

Gesprächssituationen, mit einem idealisierten internalisierten Sprecher, so wie einer idealisierten

internen Sprache.1 Der sprachwissenschaftliche Fokus muss also, wie auch Schablonski es fordert2,

auf Felder wie Pragmatik, den kontextuellen Faktor, etc. erweitert werden. Hierbei wird bereits

ersichtlich, dass repräsentative Ergebnisse nicht mehr nur allein mit empirischen Forschungen der

Sprachwissenschaften erzielt werden können, sondern man an vielen Stellen, vor allem in Bezug

auf die Faktoren, wie Sozialisierung, Pragmatik, paraverbale Analysen, Kommunikationstheorien

etc. oftmals interdisziplinär mit Bereichen der Soziologie, Psychologie,

Kommunikationswissenschaft, Philosophie, Akustik (sowohl im physikalischen, wie auch

musikalischen Bereich), Geschichte u. ä. gearbeitet werden sollte. Wie bei allen analytischen

Wissenschaften, die sich mit dem Menschen, in diesem Falle mit einer ihn ausmachenden Fähigkeit,

der Sprache, beschäftigen, tritt das Problem der Subjekt-Objekt-Beziehung auf3. Der beobachtende

Wissenschaftler ist selbst ein Mensch, der Sprache in sich trägt und sich selbst als Bezugsnorm

verwendet.4 Aus diesem Fakt wird auch klar, dass das Prinzip der Sprache ein derart komplexes

System ist, das durch dermaßen viele Faktoren beeinflusst wird, dass eine vollständige Analyse

wohl kaum zu realisieren ist5. Letztendlich kann man beobachten, interpretieren, verallgemeinern

und Hypothesen aufstellen, die so lange gültig sind, bis ein anderer sie mit neuen Erkenntnissen u.

U. widerlegt.

Trotz all dieser Problemfelder stößt die Sprachwissenschaft immer wieder auf neue Erkenntnisse,

die oftmals anthropologische Dimensionen annehmen. Vor allem Ansätze, die interdisziplinär

arbeiten und stark auf den Kommunikationskontext eingehen führten dazu, dass Erkenntnisse zu

den funktionalen Varietäten des Deutschen jenseits der Standardsprache entwickelt werden konnten.

So lassen sich nicht nur in verschiedenen sozialen Schichten oder kleineren Gruppen oder in den

jeweiligen Regionen spezifische Varietäten nachweisen, sondern bspw. auch in speziellen

1 Vgl. hierzu Peter Schlobinski,

Zur Analyse syntaktischer Strukturen der gesprochen Sprache,

in:

Syntax des

gesprochenen Deutsch,

S. 9-10.

2 Ebd. S. 11.

3 Weiterführend zu dieser Thematik: Armin Koerfer,

Zum Beobachter-Paradoxon in der Sprachwissenschaft,

in:

Sprachtheorie, Pragmatik, Interdisziplinäres.

4 Ebd. S. 11.

5

,,[D]as Geschäft der theoretischen Konzeptualisierung von Sprache [hat] hat weitreichende anthropologische

Implikationen."

Ludwig Jäger,

Erkenntnisobkekt Sprache. Probleme der linguistischen Gegenstandskonstitution,

in:

Sprache und mehr,

S. 72. 1


Berufsgruppen, wo man den so genannten Professiolekt6, also eine ,,Fachsprache" vorfindet.

Im Folgenden möchte ich den Professiolekt im Bereich des Darstellenden Spiels näher untersuchen.

Hierzu beziehe ich mich vor allem auf die Sprachgewohnheiten von Schauspielern, sowie

Regisseuren, indem ich Auszüge aus Interviews des Filmes ,,Die Spielwütigen", sowie ein

Interview aus dem Bonusmaterial zu ,,Bungalow" zur Grundlage meiner Ausführungen mache.

In Anbetracht der Tatsache, dass ein Regisseur darauf angewiesen ist, von seinen Schauspielern

verstanden zu werden und diese wiederum artikulieren müssen, was ihnen Probleme bereitet, liegt

es in der Natur der Sache, dass beide über keinen unterschiedlichen Professiolekt verfügen werden.

Durch welche Merkmale zeichnet sich nun das Sprechen von Theater- oder Filmschauspielern und

-regisseuren aus?

2. Zum Untersuchungsmaterial

Beim Versuch, eine ,,allgemeine" Sprache der Theaterwelt aufzuspüren, ergeben sich automatisch

eine Vielzahl von Untersuchungsproblemen. Es ist kaum möglich, von einer real existierenden

Standardsprache Deutsch zu sprechen, da

das Deutsch

eine Art Universalie darstellt. Es ist ein

Konstrukt, eine Art Durchschnittswert aus mehreren Übereinkünften verschiedener Dialekte,

zusammengefasst und fixiert in diversen Grammatiken, etabliert als Amtssprache, gelehrt in der

Schule und vor allem im Bereich des

Sprechens

, also der

gesprochenen Sprache

geprägt durch viele

regionale, funktionale, soziale etc. Unterschiede, dass es vermessen wäre, von

der Sprache

des

Theaters oder Films zu sprechen.

Des weiteren stellt sich die Frage, ob es

,,genügt [...], den institutionellen Rahmen von

Fernsehgesprächen zu kennen, [...], Informationen über Gesprächsplanung und

Sendungskonzeption und die beteiligten Gesprächspartner zusammenzutragen etc., um dann z. B.

Aussagen darüber machen zu können, wie sich das Gesprächsverhalten der Studiogäste [...] verhält

oder um gar einzelne Elemente des sprachlichen Verhaltens mit bestimmten Faktoren der

Kommunikationskonstellation in Zusammenhang zu bringen?"

7

Was für das Fernsehen als problematisch gilt, ist bei einem Dokumentarfilm, der im Kino lief und

später auf DVD zu kaufen ist, nicht weniger problematisch. Nach Linke ist die Mediensituaition

dadurch gekennzeichnet, dass es einen

,,zweiten, ′äußeren′ Kommunikationskreis[...]"8

gibt, der

neben einem inneren Kommunikationskreis, also dem real anwesenden Interviewer, gegebenenfalls

dem Kameramann und Zuschauern, ebenfalls bedient werden muss. Ein wichtiger Unterschied

jedoch zwischen einem ,,reinen" Fernsehinterview und einem Kinodokumentarfilm besteht darin,

6 Michael Hoffmann,

Funktionale Varietäten des Deutschen kurz gefasst,

S. 6.

7 Angelika Linke,

Gespräche im Fernsehen,

S. 41.

8 Ebd. S. 42. 2


dass die meisten Sendungen für das Fernsehen relativ schnell produziert werden müssen, um den

Prgrammfluss9 nicht zu unterbrechen. Der Kinofilm hingegen wird mit äußerster Sorgfalt von

mehreren Instanzen geprüft und minutiös geplant, so dass nichts zufällig geschieht. D. h. auch, dass

es schier unmöglich ist, tatsächlich die Situation des Sprechers zu rekonstruieren, da die Monologe

zusammen geschnitten wurden und eventuell teilweise abgesprochen waren, oder mehrfach gedreht

wurden. Dennoch ist davon auszugehen, dass es bestimmte Merkmale gibt, die auch in solchen

Fällen deutlich zu erkennen sind. Auch ist ein Schauspieler durch seinen Beruf häufig gezwungen,

seine Emotionen oder die seiner darzustellenden Figur auf eine bestimmte Weise zu reflektieren,

dass dies wieder prägend auf die Alltagssprache des Akteurs wirkt. Wird er privat mit seiner Familie

über die eigenen Gefühle sprechen, bedient er sich ab und an sicher auch dem ,,Fachvokabular",

dass er tagtäglich dafür zu verwenden gelernt hat.

Die interviewten Schaupieler des Filmes

,,Die Spielwütigen"

kommen aus verschiedensten Orten

Deutschlands und wurden unterschiedlich sozialisiert. Diese Sozialisation spielt selbstverständlich

in alle Lebensbereiche mit ein und beeinflusst den so genannten Professiolekt, der niemals in einer

lehrbuchtauglichen

Reinform

auftauchen wird. Dennoch gibt es signifikante Überschneidungen und

Merkmale, die sich bei allen untersuchten Gesprächen finden lassen. Um eine

,,Durchschnittssprache der Theaterwelt" zu konstruieren, wäre es von Nöten, eine viel größere

Anzahl an ,,Probanden" empirisch zu untersuchen und vor allem die Untersuchungsumstände

stärker zu verfeinern, um die jeweilige Kontextabhängigkeit zu prüfen.

2. 1. ,,Die Spielwütigen"

Bei diesem Film des Regisseurs Andreas Veiel, von welchem ebenfalls ein Ausschnitt aus einem

Interview des Bonunsmaterials transkribiert wurde, handelt es sich um einen Dokumentarfilm, in

welchem vier angehende Schauspieler sieben Jahre lang mit der Kamera begleitet werden, auf dem

Weg zu ihrem Berufsziel. Zu sehen sind die Vorbereitungen für die Aufnahmeprüfung, das

Absolvieren selbiger an der Berliner Schauspielschule ,,Ernst Busch", die Ausbildung und

abschließend ein Ausblick auf den Werdegang nach erfolgreichem Abschluss. Der Film mischt

immer wieder Interviews der Akteure über deren persönliche Träume, Ideen, Emotionen, Erlebnisse

und Beobachtungen und Unterrichtssituationen, Gespräche mit den Eltern und Vorspiele.

Hieraus ergibt sich, dass die Gespräche nicht in ,,natürlicher" Umgebung aufgenommen wurden, da

mindestens ein Kameramann, sowie die Kamera als solche immer einen gewissen Einfluss auf die

Sprecher ausübten. Da die Interviews allerdings über einen so langen Zeitraum geführt wurden,

normalisiert sich dies vermutlich langsam, da die Kamera für die vier Studenten im Laufe der Zeit

9

,,Wie beim Rundfunk ist das Konzept des Fließens [beim Fernsehen] von alles übergreifender Wichtigkeit; beide

Medien produzieren pausenlos und fortgesetzt"

James Monaco,

Film verstehen,

S. 491. 3



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