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Konstantin S. Stanislawski - Die psychologische Schauspielmethode seiner Frühphase

Scholary Paper (Seminar), 2002, 19 Pages
Author: Claudia Schnurbus
Subject: Theater Studies

Details

Event: Proseminar: Theatertheorie
Institution/College: Ruhr-University of Bochum (Institut für Theaterwissenschaft)
Tags: Schauspieltheorie, Stanislawski
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 19
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V8733
ISBN (E-book): 978-3-638-15627-1

File size: 202 KB


Excerpt (computer-generated)

Konstantin S. Stanislawski
- Die psychologische Schauspielmethode seiner Frühphase

von Claudia Schnurbus

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 4

2. Kurze Biographie und politische Hintergründe 5

3. Die Arbeit des Schauspielers an der Rolle
( "Verstand schafft Leiden") 7

3.1. Die Periode des Kennenlernens 7
3.1.1. Die erste Lektüre 7
3.1.2. Die Analyse 8
3.1.3. Das Erschaffen und Beleben der äußeren und inneren Umstände 9
3.1.4. Das Bewerten der Fakten und Ereignisse des Stücks 10

3.2. Die Periode des Erlebens 11
3.2.1. Schöpferische Aufgaben 12
3.2.2. Physische und elementar-psychologische Aufgaben 13
3.2.3. Psychische Rollenpartitur, Innere Tonart und Überaufgabe 14
3.2.4. Das Überbewußtsein 15

3.3. Die Periode des Verkörperns 16

4. Fazit 17

5. Literaturverzeichnis 19

 

1. Einleitung

Konstantin S. Stanislawski ist einer der bekanntesten Regisseure und Theaterreformer des 20. Jahrhunderts; wahrscheinlich aber auch einer der am häufigsten mißverstandenen. Mit seinem Namen werden Begriffe wie ′Kunst des Erlebens′ oder ′Wahrheit der Gefühle′ verbunden, viele davon wurden jedoch schon oft falsch interpretiert. Dies hängt unter anderem damit zusammen, daß bei der reinen Sinnbetrachtung dieser Worte leicht falsche Schlüsse gezogen werden können. Zu einem großen Teil trägt jedoch auch Stanislawski selbst die Schuld an diesen Rezeptionsproblemen:
"Die bisweilen vage und keineswegs immer konstante Terminologie, deren er sich bei der Abfassung seiner Schriften bediente, und die teilweise nur skizzenhafte Erläuterung von methodischen Prinzipien, die manchmal schon bald verworfen und durch neue Grundsätze ersetzt wurden, erschweren eine präzise Bestandsaufnahme des Systems ebenso wie eine genaue Beschreibung von dessen Genese." (Ahrends 1992, S.7).
Wenn man sich also mit Stanislawskis Lehre, seinem sogenannten ′System′, auseinandersetzt, erfordert dies das genaue Studium seiner Schriften und die Betrachtung des Gesamtkontextes innerhalb seines schriftlichen Nachlasses. Hierbei erweist sich jedoch die unbefriedigende Quellenlage als Problem. Viele Schriften wurden bei der Übersetzung aus dem Russischen teilweise sinnentstellend verändert. Zusätzlich wurden viele Schriften erst nach Stanislawskis Tod veröffentlicht und nicht von ihm selbst herausgegeben, was zur Folge hatte, daß aufgrund der politischen Umstände unter Stalin fragwürdige Selektionskriterien angewandt und teilweise sogar manipulative Eingriffe vorgenommen wurden.

Stanislawskis Schaffen wird im allgemeinen in zwei große und zueinander nahezu im Gegensatz stehende Phasen eingeteilt: in einen frühen psychologisch und einen späten physiologisch orientiert arbeitenden Stanislawski. Mittlerweile stellt man sich jedoch die Frage, ob diese strikte Trennung beibehalten werden sollte, da auch schon in seiner frühen Phase Andeutungen auf eine physiologische Technik vorliegen und die Unterscheidung besonders von der sowjetischen Kulturpropaganda bestärkt wurde. (Vgl. Ahrends 1992, S.8).
Unter Einbeziehung der bisher genannten Hintergründe und Schwierigkeiten ergeben sich viele weitere Fragestellungen und Arbeitsansätze: Inwiefern war Stanislawski gezwungen, sich und auch sein ′System′ Stalins Kunstdoktrin anzupassen? Ist das ′System′ auch in der heutigen Zeit und auf nichtrealistische Stücke anwendbar, und wie stark wirkt es noch auf die heutige Schauspielarbeit nach? Weitere Themengebiete wie die Verhältnisse zwischen Stanislawski und Meyerhold oder Stanislawski und Brecht wären zu untersuchen, und zu prüfen, ob man außer den vielen Gegensätzen vielleicht auch Gemeinsamkeiten finden kann.
Da dies jedoch alles sehr komplexe Themenbereiche sind, werde ich mich auf einen Ausschnitt seines umfangreichen schriftlichen Nachlasses beschränken und anhand der Ausführungen Stanislawskis in Die Arbeit des Schauspielers an der Rolle zu "Verstand schafft Leiden" (1916-1920) die Methodik seines frühen ′Systems′ kurz referieren und einige interessante Aspekte genauer hervorheben und kommentieren. Auch wenn die Methoden vielfach von Stanislawski modifiziert wurden und sich in seiner späten Schaffensphase stark veränderten, bin ich doch der Meinung, daß gerade diese frühe Phase interessant und von Bedeutung für seine spätere Entwicklung ist. Viele seiner grundlegenden Ideen, die er auch in seine physiologisch orientierte Methode übertrug, entstanden schon zu dieser Zeit, wie z.B. die ′Überaufgabe′ oder die Wichtigkeit der durchgehenden Handlung.
Bevor ich jedoch zu diesem Hauptteil der Arbeit komme, werde ich noch einige wichtige Aspekte aus der Biographie Stanislawskis unter Einbeziehung der damaligen politischen Umstände in Rußland erläutern.

2. Kurze Biographie und politische Hintergründe


[...]


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