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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 35 Pages
Author: Sebastian Münch
Subject: Cultural Studies
Details
Institution/College: University of Hildesheim (Institut für Theater und Medien)
Tags: Jahre, Tanzmusik, Schwerpunkt, Jazz, Mainstream, Schlager, 50er, 60er, 70er, 80er, DDR, Kulturpolitik
Year: 2007
Pages: 35
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 28 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-03170-7
ISBN (Book): 978-3-640-38923-0
File size: 246 KB
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Abstract
Was war und wer repräsentierte Tanzmusik in der DDR? Gab es sie überhaupt – vor allem: gab es den DDR-Jazz? Und wenn ja, wie wurde er gespielt? – Dies sind einleitend nur drei kurze Fragen, mit denen man einen schier endlosen Fragenkatalog beginnen könnte, der es sich zur Aufgabe macht, die Tanzmusik, speziell den Jazz, in der DDR näher zu untersuchen. Aber bei aller Fülle der möglichen Fragen steht doch eine an oberster Stelle: „Hat es in der DDR überhaupt Jazz gegeben?“ Und ebenso schnell wie einem Unwissendem die Frage einfällt, kommt seitens der Fachkundigen und Künstler prompt die Antwort: „Ja, hat es. Und wie!“ Aber wie sah dieser Jazz im „[…] gut isolierten Gewächshaus […]“ DDR genauer aus? Was waren die beliebtesten Strömungen und Bands und besonders: Welche Stellung hatte der Jazz innerhalb der Kulturpolitik der DDR? Rainer Bratfisch fasst die vierzig Jahre Jazzgeschichte in seinem Buch „Freie Töne – Die Jazzszene in der DDR“ wie folgt zusammen: „Die Position des Jazz schwankte immer zwischen strikter Ablehnung und leiser Anerkennung, mehr oder weniger offener Verfolgung und verschämter Duldung, offener Antipathie und heimlicher Sympathie. […] Trotzdem wurde der Jazz in der DDR nie zum DDR-Jazz. Seine weltweite Reputation insbesondere in den siebziger und achtziger Jahren erspielte er sich durch die tagtägliche Auseinandersetzung mit einer restriktiven Kulturpolitik, die den Jazz, nachdem Verbote in den fünfziger Jahren nicht griffen, in den sechziger Jahren duldete, um dann in den letzten beiden DDR-Jahrzehnten zu versuchen, ihn zu vereinnahmen. Was nicht zu verbieten war, wurde schließlich staatlich gefördert – in Verkennung der Tatsache, dass Jazz a priori Protestmusik ist und in seinen besten Beispielen vom Affront gegen jedes Establishment lebt.“ Die DDR war ein Jazzland mit einem unvorstellbar großen Publikum. Konzerte von Jazz-Musikern waren grundsätzlich ausverkauft und überfüllt, Jazz-Platten erreichten wirkliche Traumauflagen, die Musik an sich war erstaunlich progressiv und wandelte sich fortwährend. „Vor allem in der Free-Jazz-Phase entwickelten ostdeutsche Musiker einen Stil, der weit mehr als der im Westen ein eigenständiges Gesicht bewahrte, der darüber hinaus nicht nur ein elitäres, sondern ein relativ breites Publikum ansprach.“
Excerpt (computer-generated)
Hausarbeit
Thema:
40 Jahre Tanzmusik in der DDR Schwerpunkt Jazz
von
Sebastian Münch
Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis, HF Musik, 5.Semester
Lehrveranstaltung: Lob des Mainstream 1, Schlager nach 1949
Semester: WS 2006/07
Hannover, den 13. März 2007
Inhaltsverzeichnis
1 Intro 3
2
Main Theme 4
2.1 Die Jahre 1945 bis 1950 eine Spurensuche 4
2.1.1
Berlin und das Radio Berlin Tanzorchester 4
2.1.2
Leipzig und Kurt Henkels 5
2.1.3
Erste Jazzsendungen im Radio 6
2.2 Die 50er Jahre ein ewiges Hin und Her 7
2.2.1 Das Ende vieler Orchester 7
2.2.2 ,,Die wissen auch nicht, was sie wollen!" 8
2.2.3
Kurzes Tauwetter 10
2.2.4 ,,Kampf der Dekadenz!" 11
2.3 Die 60er Jahre die Szene etabliert sich 14
2.3.1 Ambivalente Kulturpolitik und freieres Spiel 14
2.3.2
Das Ende der großen Tanzorchester 16
2.3.3 ,,Jazz und Lyrik" & ,,Lyrik Jazz Prosa" 16
2.3.4 Andere Veranstaltungsreihen 18
2.4
Die 70er Jahre der DDR-Jazz wird international 20
2.4.1
Lockerung in der Kulturpolitik ,,Jazzland DDR" 20
2.4.2
Die Hochzeit des Free Jazz Jazzwerkstatt Peitz 25
2.5
Die 80er Jahre ,,Konsolidierung vor dem Absturz" 27
2.5.1 Neue Wege 27
2.5.2 ,,Eldenaer Jazz Evenings" - Das Jazzfestival an der Küste 29
3
Bridge 30
4
Coda 32
5
Literaturliste 33
2
1
Intro
Was war und wer repräsentierte Tanzmusik in der DDR? Gab es sie überhaupt vor allem:
gab es den DDR-Jazz? Und wenn ja, wie wurde er gespielt? Dies sind einleitend nur drei
kurze Fragen, mit denen man einen schier endlosen Fragenkatalog beginnen könnte, der es
sich zur Aufgabe macht, die Tanzmusik, speziell den Jazz, in der DDR näher zu untersuchen.
Aber bei aller Fülle der möglichen Fragen steht doch eine an oberster Stelle: ,,Hat es in der
DDR überhaupt Jazz gegeben?" Und ebenso schnell wie einem Unwissendem die Frage
einfällt, kommt seitens der Fachkundigen und Künstler prompt die Antwort: ,,Ja, hat es. Und
wie!"
Aber wie sah dieser Jazz im
,,[...] gut isolierten Gewächshaus [...]"
1
DDR genauer aus? Was
waren die beliebtesten Strömungen und Bands und besonders: Welche Stellung hatte der Jazz
innerhalb der Kulturpolitik der DDR?
Rainer Bratfisch fasst die vierzig Jahre Jazzgeschichte in seinem Buch ,,Freie Töne Die
Jazzszene in der DDR" wie folgt zusammen:
,,Die Position des Jazz schwankte immer zwischen strikter Ablehnung und leiser
Anerkennung, mehr oder weniger offener Verfolgung und verschämter Duldung, offener
Antipathie und heimlicher Sympathie. [...] Trotzdem wurde der Jazz in der DDR nie zum
DDR- Jazz. Seine weltweite Reputation insbesondere in den siebziger und achtziger Jahren
erspielte er sich durch die tagtägliche Auseinandersetzung mit einer restriktiven
Kulturpolitik, die den Jazz, nachdem Verbote in den fünfziger Jahren nicht griffen, in den
sechziger Jahren duldete, um dann in den letzten beiden DDR- Jahrzehnten zu versuchen,
ihn
zu vereinnahmen. Was nicht zu verbieten war, wurde schließlich staatlich gefördert in
Verkennung der Tatsache, dass Jazz a priori Protestmusik ist und in seinen besten Beispielen
vom Affront gegen jedes Establishment lebt."
2
Die DDR war ein Jazzland mit einem unvorstellbar großen Publikum. Konzerte von Jazz-
Musikern waren grundsätzlich ausverkauft und überfüllt, Jazz-Platten erreichten wirkliche
Traumauflagen, die Musik an sich war erstaunlich progressiv und wandelte sich fortwährend.
,,Vor allem in der Free-Jazz-Phase entwickelten ostdeutsche Musiker einen Stil, der weit
1 Bratfisch, Rainer.
Freie Töne Die Jazzszene in der DDR
. Berlin 2005. Seite 7.
2 Ebd.
3
mehr als der im Westen ein eigenständiges Gesicht bewahrte, der darüber hinaus nicht nur
ein elitäres, sondern ein relativ breites Publikum ansprach."
3
Alle Musiker hatten ein und dasselbe Ziel: sich zu befreien von konventionellen Spielweisen
und neue musikalische Strukturen zu entwickeln fernab alter, tradierter Schemata und meist
auch wenig interessiert am politischen Hin und Her.
Mein Ziel in dieser Hausarbeit ist es, einen Überblick über vier Jahrzehnte Tanzmusik mit
dem Schwerpunkt Jazz in der DDR zu geben. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der
historischen, chronologischen Abfolge der einzelnen Jahrzehnte mit ihren jeweiligen
Besonderheiten im Musikleben und der Kulturpolitik.
2
Main Theme
2.1 Die Jahre 1945 bis 1950 eine Spurensuche
2.1.1 Berlin und das Radio Berlin Tanzorchester
Unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkrieges macht sich die sowjetische Seite die Tatsache
zunutzen, dass die Deutschen
,,[...] nach Jahren tanzmusikalischer Enthaltsamkeit süchtig
nach Tanz und Unterhaltung [...]"
4 sind. Um eine neue, nazifreie Kulturszene zu etablieren,
ergreifen die obersten Sowjets erste Initiativen in dem Bereich der Musik. Das Interesse an
Kultur ist groß, war aber an die ernste Absicht gebunden, das sowjetische Gesellschaftsmodell
auf die DDR zu übertragen.
,,Die Russen waren sehr interessiert daran, dass die Theater und Tanzsäle öffneten, dass
Kultur stattfand. Ihnen war es gar nicht so wichtig, was passierte, solange es live passierte. Kurios!
Alle Orchester spielten bald amerikanische Sachen wie ,,Sentimental Journey" oder ,,In the
mood"
5.
Mit der Formierung eines großen Tanzorchesters in Berlin und der Gründung eines neuen
Rundfunks einschließlich der neuen Schallplattenfirma ,,Lied der Zeit" wird der Grundstein
3 Knauer, Wolfgang.
Jazz in Deutschland Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung
. Band 4. Hofheim 1996.
Seite 10.
4 Bratfisch. 2005. Seite 17.
5 ,,Zwischen allen Fronten. Bewegtes Leben: der Rundfunkjournalist Karlheinz Drechsel". In
Jazzzeitung
,
3/2004. Seite 24.
4
für die Entwicklung des Jazz in der DDR gelegt.6 Unter dem Namen ,,Radio Berlin
Tanzorchester" (RBT) treten schon im Mai 1945 deutsche Musiker (zusammen mit
ausländischen Kollegen) öffentlich auf. Die Palette des musikalischen Programms erstreckt
sich von seichter Konzertmusik über Schlager bis hin zu einigen Jazztiteln, die nach und nach
die Oberhand in der Programmgestaltung gewinnen. 1947 wird aus den wichtigsten Solisten
des RBT eine separate Swingband gegründet. Das RBT etabliert sich deswegen zunehmend
als bemerkenswerte Swing-Bigband und nimmt bereits ab 1947 unter dem Plattenlabel
AMIGA Swing- und Bigbandmusik der 20er, 30er und 40er Jahre auf. Zweiter wichtiger
Bestandteil des Programms sind die für eine große Bigbandbesetzung arrangierten
Schlagertitel. Derartige Bearbeitungen stoßen auf riesige Resonanz beim tanzfreudigen
Publikum. Bei fachkundigen Kritikern ist dies allerdings nicht immer der Fall:
,,Die Folge
war, dass etliche Arrangeure [...] ihre Jazzambitionen auf dem Schlagersektor im wahrsten
Sinne des Wortes austobten und die einfältigsten Schnulzen oft in gewaltige, pompöse
Arrangements gehüllt wurden [...]"
7
Ebenfalls wegbereitend ist das mitunter Bebop-artige Spiel des Orchesters um den Jazz-
Geiger und Bandleader Helmut Zacharias, das aufgrund seiner hohen Popularität zu den
ersten Orchestern gehört, die ab 1947 in den AMIGA-Studios eigene Platten aufnehmen.
Ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung eigenständige Jazzszene, genau genommen sogar
der erste Schritt, wird Ende 1945 ebenfalls in Berlin gegangen: Hans Blüthner ruft mit
Erlaubnis der britischen Militärregierung den ,,Hot-Club Berlin e.V." ins Leben. Dieser zwar
im Westteil der Stadt gelegene Club veranstaltet die ersten Jam Sessions mit Musikern aus
allen Besatzungszonen. Im Laufe der ersten Jahre gelingt es sogar, amerikanische Musiker
einzuladen, allen voran den Trompeter Rex Stewart. Diese Session (sechs Stücke) wird auf
drei AMIGA-Platten dokumentiert Berlin wird zur Hauptstadt der Jam Sessions.
2.1.2 Leipzig und Kurt Henkels
Neben der vitalen Musikszene in Dresden mit den zahlreichen Jazz-Clubs und den ,,Dresdner
Tanzsinfonikern" formiert sich auch in Leipzig ein ,,Hot Club" um Kurt Michaelis. Als erstes
Orchester der Stadt gründet sich ,,Die Breves". Als Arrangeur tritt erstmals ein Mann auf, der
später oft in der Jazzszene zu finden sein wird: Rolf Kühn. Er spielt ab 1946 auch im
,,Orchester Kurt Henkels" die Bigband, welche innerhalb kürzester Zeit zur Nummer eins in
6 dazu auch Joachim-Ernst Behrendt: ,,Der deutsche Nachkriegsjazz fing 1945 in Berlin an." In
Ein Fenster aus
Jazz
. Frankfurt/M. 1977. Seite 170.
7 Lange, Horst H.
Jazz in Deutschland. Die deutsche Jazzchronik 1900 1960
. Berlin 1966. Seite 134.
5
der sowjetischen Besatzungszone avanciert. Sogar in West-Deutschland verzeichnet dieses
Orchester große Erfolge. Kurt Henkels wird 1947 vom Sender Leipzig unter Vertrag
genommen und mit ihm sein Orchester, was fortan als Rundfunk-Tanz-Orchester Leipzig
Jazzgeschichte schreibt. Es stellt das RBT weit in den Schatten.
,,Die Sensation für Berlin
war das Orchester Kurt Henkels vom Sender Leipzig. Da können sich manche
Spitzenorchester Berlins eine Scheibe abschneiden. Arrangements und Spiel tadellos und
eigenwillig!"
8 schreibt ein Kritiker nach einem Auftritt des Orchesters im
Friedrichstadtpalast im Mai 1948. Und nach einem zweiten Gastspiel im Oktober heißt es
sogar:
,,Es musste erst ein Orchester aus der Provinz kommen (Sender Leipzig), um den
Berlinern zu zeigen, wie modern gespielt wird. Kurt Henkels ist seit seinem letzten Berliner
Gastauftritt noch viel besser geworden, so dass er in der Ostzone und Berlin konkurrenzlos
dasteht."
9
2.1.3 Erste Jazzsendungen im Radio
,,Die entscheidende Rolle bei der Popularisierung des Jazz in den Nachkriegsjahren spielte
das Radio."
konstatiert Rainer Bratfisch.10
Zunächst gibt es weder Noten noch Aufnahmen, also können sich die Jazz-Fans und vor allem
auch die Musiker nur an das Radio halten um neue Jazz-Musik zu hören. Besonders der
amerikanische Sender AFN (American Forces Network) verbreitet in den ersten
Nachkriegsjahren Swing und Jazz. Natürlich empfangen auch die Radios in der SBZ diesen
Sender und so kommt es häufig zu Szenarien, wie sie Karlheinz Drechsel, später selbst
Moderator namhafter Jazzsendungen, beschreibt:
,,Nach dem Krieg strahlten die
Soldatensender unsere Lieblingsmusik aus und wir hockten uns vor die Radios und notierten
die Melodien mit."
11 Auch Reinhard Lorenz, Leiter des Jazzclubs Eisenach, erinnert sich:
,,Mein frühes Eisenacher Jazzleben verbrachte ich nahezu allabendlich vor dem
Rundfunkempfänger. [...] Der AFN wurde schließlich meine Musikuniversität."
12
Der Berliner Rundfunk sendet einmal pro Woche eine halbe Stunde und alle vierzehn
Tage eine Dreiviertelstunde Musik des Radio Berlin Tanzorchesters. Andere Jazz-Sendungen
8 In
Melodie
5/1948. Seite 11.
9 In
Melodie
9/1948. Seite 11.
10 Bratfisch. 2005. Seite 26.
11 ,,Zwischen allen Fronten. Bewegtes Leben: der Rundfunkjournalist Karlheinz Drechsel". In
Jazzzeitung
,
3/2004.
12 Lehmann, Theo. ,,Blues & Trouble. Das erste Bluesbuch der DDR" In Rauhut, Michael/Kochan, Thomas
Bye
bye, Lübben City. Bluesfreaks, Tramps und Hippies in der DDR
. Berlin 2004. Seite 315.
6
haben ebenfalls eine halbe Stunde, manchmal aber auch nur zwanzig Minuten zur Verfügung.
Ein Großteil der Produktionen ist live, das heißt die Bands sind wirklich im Studio und
spielen dort denn Schallplatten gibt es noch nicht, schon gar nicht von kleineren
Besetzungen.
Neben dem Berliner Rundfunk etabliert sich der West-Sender RIAS mit seinen eigenen
Aufnahmen des ,,RIAS-Tanzorchesters". Ebenso wird in Leipzig verfahren. Dort gibt es ab
1946 Jazzsendungen im Programm, häufig mit dem ,,Orchester Kurt Henkels".
Während der AFN über ein Archiv von 20000 Platten verfügt, müssen die ersten Moderatoren
von Jazz-Sendungen bei anderen Sendern, wenn keine Live-Einspielungen erfolgen, auf ihre
privaten Schallplattenkollektionen zurückgreifen. Der Abwechslung im Programm sind somit
schnell Grenzen gesetzt.
Da die sowjetische Militäradministration mit dem Potsdamer Abkommen das Sendemonopol
zugesprochen bekommt, wird der Empfang nicht sozialistischer Sender in der SBZ nach und
nach immer mehr gestört. Wo dies nicht möglich ist, wird in den Folgejahren der Empfang
,,kapitalistischer Sender" schlicht verboten.
2.2 Die 50er Jahre ein ewiges Hin und Her
2.2.1 Das Ende vieler Orchester
Überhaupt lässt sich in immer größerem Maße beobachten, wie die sozialistischen
Funktionäre ,,ihre Finger im Spiel haben" und es dem amerikanisch orientierten Jazz in der
SBZ schwer und schwerer machen. Der ,,kalte Krieg" dringt schnell bis in die Kulturpolitik
vor.
,,Nach der Phase der sogenannten antifaschistisch-demokratischen Umwälzung in den
Jahren von 1945 bis 1949 begann mit der Gründung der DDR eine unverhohlene
Orientierung auf das sowjetische Vorbild und damit auch auf die stalinistische
Kulturpolitik."
13
Englische Titel werden eingedeutscht, viele Bigbands geben ihre
amerikanische Spielweise zugunsten einer ,,neuen, sozialistischen Tanzmusik" auf. Am
Beispiel des RBT lässt sich zeigen, dass viele Musiker nicht mit dieser Entwicklung
einverstanden sind: schon im Mai 1950 ist das original besetzte RBT nur noch Geschichte
viele der überwiegend im Westen Berlins ansässigen Musiker kündigen über kurz oder lang
ihren Vertrag.
13 Noglik, Bert. ,,Hürdenlauf zum freien Spiel Ein Rückblick auf den Jazz der DDR". In
Jazz in Deutschland
Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung
. Band 4. hrsg. von Wolfram Knauer. Hofheim 1996. Seite 207.
7
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