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Diploma Thesis, 2007, 74 Pages
Author: Damir Cacic
Subject: Economics / Business: Accounting and Taxes
Details
Tags: Analyse, Behandlung, Produkte, IFRIC
Year: 2007
Pages: 74
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 49 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-01025-2
ISBN (Book): 978-3-638-91522-9
File size: 566 KB
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Abstract
In den letzten Jahren bieten zahlreiche Emittenten vermehrt eine Vielzahl sogenannter strukturierter Produkte1(hybrid (combined instruments) auf den Finanzmärkten an, die sich in der detaillierten vertraglichen Ausgestaltung2 und insbesondere hinsichtlich der Auszahlungsprofile unterscheiden, im Kern jedoch ein Basisträgerinstrument (host contract) mit mindestens einem eingebetteten Derivat (embedded derivative) beinhalten. Gründe für die deutliche Emissionszunahme3 sind vor allem darin zu sehen, dass sich Emittenten von strukturierten Produkten günstiger refinanzieren können als über konventionelle Anleihen4. Neben niedrigeren Monitoringkosten der Emission5 spielt die Möglichkeit von Risikotransfers eine große Rolle, wie z.B. im Einsatz mit Kreditderivaten oder der Platzierung von synthetischen ABS-Tranchen6. Vor allem bietet die Emission strukturierter Produkte im Retail-Bereich ein höheres Margenpotenzial7 im Vergleich zu anderen Retailprodukten8. Für Investoren sind strukturierte Produkte interessant, da sich nahezu jedes Risiko-/ Ertragsprofil generieren lässt und einem Investor die Möglichkeit gegeben wird, an Märkten teilzuhaben, „die einzelne Marktteilnehmer aufgrund von Marktunvollkommenheiten selbst nicht schaffen können“9. Dadurch können aufwändige Strategien durch den Kauf meist eines Wertpapiers unterbleiben10. Hintergrund für die Regelungen zur Bilanzierung von eingebetteten Derivaten ist es, zu verhindern, dass die allgemeinen Regeln zur erfolgswirksamen Derivatebilanzierung mit dem beizulegenden Zeitwert umgangen werden, indem das eingebettete Derivat in einen anderen Kontrakt implementiert wird, der nicht zum Fair-Value bilanziert wird [IAS 39.BC37; IFRIC 9.BC6]. Dieses eingebettete Derivat ist ein wesentlicher Bestandteil eines strukturierten Produkts und mithin derjenige Teil, der eine nahezu unendliche Komposition von strukturierten Produkten ermöglicht.
Excerpt (computer-generated)
Diplomarbeit
zur Erlangung des Grades eines Diplom-Ökonomen
über das Thema
Ökonomische Analyse der bilanziellen
Behandlung strukturierter Produkte
nach IAS 39 und IFRIC 9
eingereicht an
der Universität Hohenheim
Institut für Betriebswirtschaftslehre
Lehrstuhl für Rechnungswesen und Finanzierung
Damir Cacic
23.04.2007
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ... III
Tabellenverzeichnis ... III
1 Problemstellung ... 1
2 Strukturierte Produkte ... 3
2.1. Definition und Überblick über strukturierte Produkte ... 3
2.2. Komplexitätszunahme strukturierter Produkte durch Financial Engeneering ... 5
3 Bilanzierung strukturierter Produkte ... 11
3.1. Fair-Value Option ... 11
3.2. Trennungsprüfung derivativer Finanzinstrumente vom Trägerinstrument ... 15
3.2.1. Abspaltungskriterien ... 15
3.2.2. Bilanzierung bei Trennung ... 19
3.2.3. Bilanzierungsbeispiel bei Trennung eines nicht-optionalen Derivats anhand eines Index-Zertifikat ... 21
3.2.4. Bilanzierungsbeispiel bei Trennung eines optionalen Derivats anhand einer Reverse Convertible (Aktienanleihe) ... 23
3.2.5. Trennung nicht-finanzielles Trägerinstrument vom eingebetteten Derivat ... 28
3.3. Bilanzierung ohne Trennung ... 31
3.3.1. Bilanzierung ohne Trennung eines Fremdwährungsderivats vom nicht-finanziellen Basisvertrag ... 34
3.3.2. Bilanzierung ohne Trennung eines Bausparvertrags ... 35
3.4. Neubewertungspflicht nach IFRIC 9 ... 36
3.4.1 Mögliche Zeitpunkte der Neubeurteilung einer Abspaltungspflicht . ... 37
3.4.2. Gründe für Neubeurteilung ... 38
3.4.3. Bilanzierung bei Neubeurteilung ... 39
4. Würdigung ... 45
4.1. Ziele und qualitative Anforderungen an einen IFRS-Abschluss ... 45
4.2. Grundsätzliche Beurteilung ... 53
5. Thesenförmige Zusammenfassung ... 57
Anhang ... VI
Literaturverzeichnis ... VIII
1 Problemstellung
In den letzten Jahren bieten zahlreiche Emittenten vermehrt eine Vielzahl sogenannter strukturierter Produkte1(hybrid (combined) instruments) auf den Finanzmärkten an, die sich in der detaillierten vertraglichen Ausgestaltung2 und insbesondere hinsichtlich der Auszahlungsprofile unterscheiden, im Kern jedoch ein Basisträgerinstrument (host contract) mit mindestens einem eingebetteten Derivat (embedded derivative) beinhalten. Gründe für die deutliche Emissionszunahme3 sind vor allem darin zu sehen, dass sich Emittenten von strukturierten Produkten günstiger refinanzieren können als über konventionelle Anleihen4. Neben niedrigeren Monitoringkosten der Emission5 spielt die Möglichkeit von Risikotransfers eine große Rolle, wie z.B. im Einsatz mit Kreditderivaten oder der Platzierung von synthetischen ABS-Tranchen6. Vor allem bietet die Emission strukturierter Produkte im Retail-Bereich ein höheres Margenpotenzial7 im Vergleich zu anderen Retailprodukten8. Für Investoren sind strukturierte Produkte interessant, da sich nahezu jedes Risiko-/ Ertragsprofil generieren lässt und einem Investor die Möglichkeit gegeben wird, an Märkten teilzuhaben, „die einzelne Marktteilnehmer aufgrund von Marktunvollkommenheiten selbst nicht schaffen können“9. Dadurch können aufwändige Strategien durch den Kauf meist eines Wertpapiers unterbleiben10. Hintergrund für die Regelungen zur Bilanzierung von eingebetteten Derivaten ist es, zu verhindern, dass die allgemeinen Regeln zur erfolgswirksamen Derivatebilanzierung mit dem beizulegenden Zeitwert umgangen werden, indem das eingebettete Derivat in einen anderen Kontrakt implementiert wird, der nicht zum Fair-Value bilanziert wird [IAS 39.BC37; IFRIC 9.BC6]. Dieses eingebettete Derivat ist ein wesentlicher Bestandteil eines strukturierten Produkts und mithin derjenige Teil, der eine nahezu unendliche Komposition von strukturierten Produkten ermöglicht. Den Bilanzierenden stellt dies vor das Problem einer ökonomisch sachgerechten Erfassung und Abbildung teilweise hochkomplexer Finanzinstrumente und erfordert nicht nur solide Kenntnisse des IAS 39 und seiner Spezialvorschriften hinsichtlich der Bilanzierung strukturierter Produkte, sondern dies Themenfeld tangiert auch andere Bilanzvorschriften, da u.U. das originäre Basisinstrument anderen IAS / IFRS Richtlinien zuzuordnen ist11. Ferner muss der Bilanzierende berücksichtigen, ob Eigenkapitalanteile im strukturierten Produkt enthalten sind, die dem Geltungsbereich des IAS 32 unterliegen. Große Schwierigkeiten bereitet die Lex Specialis des IAS 39.11 a), die das sog. „closelyrelated“ Kriterium als wesentlichen Maßstab einer möglichen Trennung beinhaltet, wobei nicht immer ersichtlich ist, ob divergierende Risikofaktoren, die eine Trennungspflicht herbeiführen, vorliegen oder nicht. Gerade die Frage, ob die Aufspaltung eines strukturierten Produkts unterbleibt oder nicht, hat unterschiedliche Ergebniswirkungen zur Folge und kann zudem die Ergebnisvolatilitäten erhöhen.
Neben der Problematik der Identifikation eingebetteter derivativer Finanzinstrumente12 ist es möglich, dass sich im Zeitablauf makroökonomische und regulatorische Rahmenbedingungen derart ändern, dass die wirtschaftlichen Merkmale und Risiken des Träger- und derivativen Finanzinstruments korrespondieren und somit die erste Bedingung einer Trennung des IAS 39.11 aufgehoben wäre. Eine Trennungspflicht bestünde nun ex post nicht mehr. Hier liefert IFRIC 9 genaue Vorgaben und lässt eine nachträgliche Neubeurteilung der Trennungspflicht nur dann zu, wenn eine Änderung von Vertragsbedingungen zu wesentlichen Änderungen der Zahlungsströme führt. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Basis- oder das eingebettete Instrument oder beide zusammen eine signifikante Änderung der Zahlungsströme hervorrufen. Relevant ist eine signifikante Cash–Flow-Änderung, wobei zu klären bleibt, was „signifikant“ in praxi zu bedeuten hat. Hier besteht weiterhin Auslegungsbedarf. Da sich die Identifikation eingebetteter Derivate, die auch in einen nicht-finanziellen Vertrag eingebunden sein können, als besonders schwierig gestaltet, bleibt zu erörtern, inwieweit die umfangreichen Regelungen Sinn machen.
2 Strukturierte Produkte
2.1. Definition und Überblick über strukturierte Produkte
Obwohl der Standard IAS 39 keine Legaldefiniton für strukturierte Produkte vorsieht, erschließt sich die Definition eines strukturierten Produkts indirekt über IAS 39.10, der ein eingebettetes Derivat als einen integralen Bestandteil eines nicht derivativen Basisvertrags (non-derivative host contract) bezeichnet13. In der amtlichen EU-Übersetzung wird „hybrid (combined) instrument“ als strukturiertes (zusammengesetztes) Finanzinstrument wiedergegeben, was insofern begrifflich etwas unscharf gefasst zu sein scheint, da das Epitheton ´hybrid`14 suggerieren könnte, dass vorrangig in irgendeiner Form Eigenkapitalkomponenten in strukturierten Produkten enthalten sind.
Bezeichnend für strukturierte Produkte ist, dass sie zum Teil ähnlichen Zahlungsstromschwankungen ausgesetzt sind wie ein alleinstehendes Derivat. Wenn dieses eingebettet ist, verändert es einen oder alle Cash-Flows des Basisvertrags in Abhängigkeit von einem bestimmten Zinssatz, dem Preis eines Finanzinstruments, Warenpreisen, Wechselkursen, Preis- oder Kursindizes, einem Bonitätsrating oder -Index oder einer anderen Variablen, sofern diese keine finanzielle Variable darstellt und nicht spezifisch für eine Partei des Vertrags ist [IAS 39.10]. Das eingebettete Derivat modifiziert die Zahlungsströme des Basisinstruments und erlaubt eine „flexible Transformation von Zahlungen über Perioden und eine flexible Risikoallokation“ 15.
Sobald das eingebettete Derivat an Dritte vertraglich übertragbar wird, handelt es sich um kein strukturiertes Produkt, sondern um ein eigenständiges Instrument (separate financial instrument)16. Solch ein Derivat ist dann als kein eingebettetes zu deklarieren und muss nach den für Derivate herrschenden Vorschriften in die Kategorie17 held for trading eingestuft und bilanziell abgebildet werden18. Die Kombination verschiedener Basisinstrumente mit mindestens einem oder mehreren Derivaten führt zu einer Fülle von Kombinationsmöglichkeiten von strukturierten Produkten, was eine Klassifizierung etwas schwierig gestalten lässt. Dennoch gewährt die folgende Abbildung einen Überblick über gängige und marktfähige Produkte:
(Abb. 1: Auswahl marktgängiger strukturierter Produkte19 - In der Downloadversion enthalten)
Während das Gros strukturierter Produkte ein zinstragendes Kassainstrument als Basisinstrument beinhaltet, so sind es gerade die in letzter Zeit immer häufiger gehandelten und emittierten Zertifikate20, welche die Entwicklung bestimmter Aktien, Rohstoff- und anderer Wertpapierpakete nachbilden. Das Basisinstrument entspricht meist einem Index und es wird i.d.R. kein Kuponzins gezahlt21. Nicht jedes zusammengesetzte Produkt muss jedoch zwingend ein eingebettetes Derivat enthalten. Die Auswirkung des derivativen Bestandteils eines strukturierten Produkts muss jedenfalls so stark sein, dass der Cash-Flow des strukturierten Produkts ähnlichen Schwankungen unterliegt wie ein freistehendes Derivat (stand alone derivative). Dadurch stellt das IASB die Konformität der Definition freistehender und eingebetteter Derivate sicher und erleichtert die Abgrenzung einzelner Vertragsbestandteile. Dies zeigt sich insbesondere daran, dass das IASB für die Definition von eingebetteten Derivaten fast wortwörtlich die Definition von freistehenden Derivaten benutzt:
„Ein eingebettetes Derivat verändert einen Teil oder alle Cash Flows aus einem Kontrakt in Abhängigkeit von einem bestimmten Zinssatz, Preis eines Finanzinstruments, Rohstoffpreis, Wechselkurs, Preis- oder Kursindex, Bonitätsrating oder –index oder einer anderen Variablen.“ [IAS 39.10 Satz 2].
[...]
1 Im Folgenden wird einheitlich der Begriff „strukturiertes Produkt“ verwendet und bezeichnet stets ein originäres Finanzinstrument, in das mindestens ein derivatives Finanzinstrument vertraglich eingebettet ist. Synonym findet in der Literatur oftmals der Begriff „compound instrument“ Verwendung, der jedoch nach IAS 32 weitaus enger gefasst ist und eine Anleihe darstellt, die sowohl Fremd- als auch Eigenkapitalelemente erhält. M.a.W. ein Fremdkapitaltitel mit eingebettetem Eigenkapitalteil. Für eine genauere Abgrenzung des Begriffs vgl. Kap. 2.1.
2 Vgl. Kuhn/ Scharpf (2006), S. 477.
3 Vgl. hierzu die Anlagen 1 und 2 im Anhang.
4 Vgl. Baule/ Entrop/ Wilkens (2006), S. 1 f.
5 Vgl. Krahnen (2005), S. 10 f. Ebenso Scharpf (2006), Rz. 3451.
6 Bei synthetischen ABS-Transaktionen werden die Forderungen nicht wie bei einer sog. True Sale Transaktion auf eine Zweckgesellschaft übertragen, sondern verbleiben in der Unternehmung. Das Ausfallrisiko eines Referenzportfolios wird künstlich auf die SPV übertragen.
7 Vgl. hierzu das Interview mit Heiko Weyand,einem HSBC Experten, in „DIE ZEIT“ vom 30.11.2006/ Nr. 49, S. 50 über Preisintransparenzen und gängige Margen im Zertifikatehandel.
8 Vgl. Entrop/ Scholz/ Wilkens (2007), S. 15 f. Anhand von Leveraged-Open-End Zertifikaten wird gezeigt, dass die Margengewinne aus Emittentensicht bemerkenswert sind. Es wird jedoch auch eingeräumt, dass durch zunehmenden Wettbewerbdruck diese in Zukunft sinken dürften.
9 Hachmeister (2006), S. 63.
10 Vgl. HSBC (2007), S. 91.
11 Vgl. hierzu Kap. 3.2.2.
12 Vgl. Bellavite-Hövermann/ Barckow (2003), Rz. 39.
13 Vgl. IAS 39.10 , 1. HS.
14 Zur genaueren Abgrenzung von hybriden Finanzinstrumenten vgl. Brüggemann/ Lühn/ Siegel (2004), S. 341 f. Vgl. auch hierzu Heuser/ Theile (2005), Rz. 1007.
15 Vgl. Hachmeister (2006), S. 63.
16 Ein Standardbeispiel sind Optionsanleihen, bei denen der Optionsschein separat handelbar ist.
17 Vgl. Kap. 3.1. zu den Wertkategorien für Finanzinstrumente.
18 Erläuterungen zu den unterschiedlichen Wertkategorien bei Finanzinstrumenten vgl. Kap. 3.
19 In Anlehnung an Tolle et al. (2005), S. 91. Eine etwas andere Unterscheidung strukturierter Produkte nach begrenztem und unbegrenztem Gewinnpotenzial und pfadabhängigem und unabhängigem Zahlungsprofil bei Wilkens/ Stoimenov (2005), S. 513.
20 Vgl. Anlage 1 im Anhang. Ein Grund für die Zunahme des Zertifikatehandels liegt darin begründet, dass hier die Transaktionskosten imVergleich. zu anderen Anlageformen wie z.B. Aktienfonds niedriger sind.
21 I.d.R. sind Kuponzahlungen im Produkt eingepreist.
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