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Elemente des Film Noir in den Filmen "Blue Velvet" und "Lost Highway" von David Lynch

Magisterarbeit, 2005, 160 Seiten
Autor: Sebastian Lühn
Fach: Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 160
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 56  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V87544
ISBN (E-Book): 978-3-638-02260-6
ISBN (Buch): 978-3-638-92119-0
Dateigröße: 674 KB

Zusammenfassung / Abstract

David Lynch gehört zu den erfolgreichsten, aber auch umstrittensten Filmregisseuren der letzten 20 Jahre - und bis in die Gegenwart hinein. Sein Name steht für das Bizarre, das Düstere, das Mehrdeutige und schwer Lesbare in seinen Werken, das Publikum und Kritik gleichermaßen verwirrt wie fasziniert. Lynchs Werke sind nicht eindeutig lesbar, dazu liefern sie zu wenig eindeutige Hinweise und bieten zu breiten Interpretationsspielraum. Denn David Lynch liebt das Spiel mit den Kontrasten – das gleichberechtigte Nebeneinander von Gegensätzlichem ist ein deutliches Merkmal seiner Filme, in denen unterschiedlichste Welten aufeinanderprallen dürfen. Dabei bedient sich der Regisseur auch an Altbewährtem: In Lynchs Filmen finden sehr unterschiedliche Genres, Genreversatzstücke und Stilrichtungen statt und stehen kontrastreich aber gleichberechtigt nebeneinander. Stilpluralität ist eines, wenn nicht das Markenzeichen in den Filmen David Lynchs. In der Fachliteratur zu Lynch wird diese Stilpluralität immer wieder benannt. Auffällig ist dabei, dass seine Werke insbesondere und immer wieder mit dem Film Noir in Verbindung gebracht werden, jenem Korpus von (vor allem) US-Kriminal- und Detektivfilmen ab den 1940er Jahren, die einen neuen, zynischen und pessimistischen Grundton an den Tag legten und sich den Konventionen klassischer Hollywood-Filme verwehrten. Filme, die das Flair der 1940er und 50er Jahre vermittelten, den Jahren, in denen David Lynch (geboren 1946) seine Kindheit verlebte. Bei genauerer Betrachtung stechen dabei zwei Filme aus dem Oeuvre Lynchs ins Auge, die am häufigsten mit dem „Prädikat“ Film Noir in Verbindung gebracht werden: "Blue Velvet" (1986) und "Lost Highway" (1997). Doch so oft diese beiden Werke auch mit dem Stempel "noir" versehen werden, so oft fehlt es diesen Klassifizierungen an Substanz, an näherer Erläuterung. Diese Arbeit soll zeigen, ob die Filme "Blue Velvet" und "Lost Highway" einer genaueren Analyse im Hinblick auf die Verwendung von Film Noir-Elementen standhalten, ob sie tatsächlich in eine derart auffällige Nähe zu dieser Stilrichtung gerückt werden können. Dazu wird zunächst der Film Noir als solcher vorgestellt und definiert, in seine Historie gebettet und anhand von wiederkehrenden Merkmalen charakterisierbar gemacht. Anschließend werden die zu untersuchenden Filme mit Hilfe einer theoretischen Anaylsemethode auf die zuvor ausführlich erarbeiteten Charakteristika des Film Noir hin eingehend untersucht.


Textauszug (computergeneriert)

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 
Institut für Theater- und Medienwissenschaft

Elemente des Film Noir in den Filmen
Blue Velvet und Lost Highway von David Lynch

Magisterarbeit

im Studiengang
MAGISTER ARTIUM
der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
in der Philosophischen Fakultät II
(Sprach- und Literaturwissenschaften)

vorgelegt von

Sebastian Lühn

Erlangen, im August 2005

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 5
1.1 Fragestellung  ... 7
1.2 Vorgehensweise  ... 7
1.3 Quellenlage  ... 8

2. Film Noir – Geschichte und Definitionsproblematik ...  9

3. Stil-Begriff und Grundlagen zur Stil-Analyse  ... 23
3.1 Stil-Begriff  ... 23
3.2 Stil-Analyse nach Bordwell/Thompson  ... 24
3.2.1 Neoformalismus  ... 24
3.2.2 Filmtheorie und Stil-Begriff nach Bordwell/Thompson  ... 26
3.2.3 Stil-Analyse nach Bordwell/Thompson  ... 29

4. Stilistische Merkmale des Film Noir (Conventions)  ... 33
4.1. Narrative Stil-Elemente des Film Noir  ... 34
4.1.1 Erzählstrukturen  ... 36
4.1.2 Figuren ...  40
4.1.2.1 Der männliche Protagonist ...  40
4.1.2.2 Die Frau im Film Noir  ... 42
4.1.2.3 Familie ... 46
4.1.3 Themen ... 46
4.2 Visuelle Stil-Elemente des Film Noir  ... 50
4.2.1 Lichtgebung ...  52
4.2.2 Kameraführung  ... 55
4.2.3 Setting  ... 58
4.3 Zusammenfassung  ... 62

5. Exkurs: Neo-Noir  ... 63
5.1 Geschichte  ... 64
5.2 Stilistische Merkmale des Neo-Noir  ... 69
5.2.1 Narrative Stil-Elemente des Neo-Noir  ... 70
5.2.1.1 Erzählstrukturen  ... 70
5.2.1.2 Figuren  ... 72
5.2.1.2.1 Der männliche Protagonist  ... 72
5.2.1.2.2 Die Frau im Neo-Noir  ... 73
5.2.1.2.3 Familie  ... 74
5.2.1.3 Themen  ... 75
5.2.2 (Audio-) Visuelle Stil-Elemente des Neo-Noir  ... 76
5.2.2.1 Farbdesign ...  76
5.2.2.2 Sounddesign  ... 77
5.2.2.3 Setting  ... 78
5.3 Zusammenfassung  ... 80

6. David Lynch  ... 81

7. Die Analyse  ... 85
7.1 Blue Velvet  ... 85
7.1.1 Inhaltsangabe  ... 85
7.1.2 Stil-Analyse von Blue Velvet  ... 86
7.1.2.1 Segmentprotokoll Blue Velvet ...  86
7.1.2.2 Narrative Stil-Elemente des Film Noir in Blue Velvet  ... 88
7.1.2.2.1 Erzählstruktur  ... 89
7.1.2.2.2 Figuren  ... 94
7.1.2.2.3 Themen  ... 104
7.1.2.3 (Audio-)Visuelle Stil-Elemente des Film Noir in Blue Velvet  ... 107
7.1.2.3.1 Lichtgebung  ... 107
7.1.2.3.2 Farbdesign  ... 110
7.1.2.3.3 Sounddesign  ... 112
7.1.2.3.4 Kameraführung  ... 115
7.1.2.3.5 Setting ...  116
7.1.3 Zusammenfassung der Ergebnisse und Resümee  ... 119
7.2 Lost Highway  ... 120
7.2.1 Inhaltsangabe  ... 120
7.2.2 Stil-Analyse von Lost Highway  ... 121
7.2.2.1 Segmentprotokoll Lost Highway ...  121
7.2.2.2 Narrative Stil-Elemente des Film Noir in Lost Highway  ... 124
7.2.2.2.1 Erzählstruktur ... 124
7.2.2.2.2 Figuren  ... 129
7.2.2.2.3 Themen  ... 136
7.2.2.3 (Audio-)Visuelle Stil-Elemente des Film Noir in Lost Highway  ... 137
7.2.2.3.1 Lichtgebung  ... 137
7.2.2.3.2 Farbdesign ...  140
7.2.2.3.3 Sounddesign  ... 141
7.2.2.3.4 Kameraführung ... 144
7.2.2.3.5 Setting  ... 146
7.2.3 Zusammenfassung der Ergebnisse und Resümee  ... 148

8. Schlussbetrachtung  ... 149

9. Filmographie  ... 152

10. Bibliographie  ... 154

 

 

1. Einleitung


„I love 47 genres in one film.
I hate one thing films.”


-David Lynch1

David Lynch gehört zu den erfolgreichsten, aber auch umstrittensten Filmregisseuren der letzten 20 Jahre und bis in die Gegenwart hinein. Sein Name steht für das Bizarre, das Düstere, das Mehrdeutige und schwer Lesbare in seinen Werken, die Publikum und Kritik gleichermaßen verwirren wie faszinieren. Lynchs Werke sind nicht eindeutig lesbar; dazu liefern sie zu wenig eindeutige Hinweise und bieten zu breiten Interpretationsspielraum. Sie sind vielmehr als Welten zu verstehen, in denen sowohl die „äußeren“ als auch die „inneren“ Zustände der Figuren visualisiert werden und kaum noch trennbar miteinander verschmelzen. Hier spielt Lynch in erster Linie mit Kontrasten – das gleichberechtigte Nebeneinander von Gegensätzlichem ist ein deutliches Merkmal seiner Filme, in denen unterschiedlichste Welten aufeinanderprallen dürfen. Dabei „bedient“ sich der Regisseur auch an Altbewährtem: Zahlreiche Genres und Stilrichtungen aus der Filmgeschichte finden sich in Lynchs Werken wieder, in denen komödiantisch gelacht, dramatisch geweint und sich horror-like gegruselt werden kann. In Lynchs Filmen finden sehr unterschiedliche Genres, Genreversatzstücke und Stilrichtungen statt und stehen kontrastreich aber gleichberechtigt nebeneinander. Stilpluralität ist ein Markenzeichen in den Filmen David Lynchs, wie das vorangestellte Zitat von ihm bereits vermuten lässt.

In Schriften über die Filme David Lynchs wird diese Stilpluralität immer wieder benannt. Auffällig ist dabei, dass seine Werke insbesondere und immer wieder mit dem Film Noir in Verbindung gebracht werden, jenem Korpus von (vor allem) US-Kriminal- und Detektivfilmen ab den 1940er Jahren, die einen neuen, zynischen und pessimistischen Grundton an den Tag legten und sich den Konventionen klassischer Hollywood-Filme verwehrten. Filme, die das Flair der 1940er und 50er Jahre vermittelten, den Jahren, in denen David Lynch (geboren 1946) seine Kindheit verlebte.

So schreiben Michelle Le Blanc und Colin Odell, David Lynch bringe den „film noir aesthetic to a colour screen.“2 John Alexander widmet den Noir-Einflüssen auf die Werke Lynchs einen eigenen Abschnitt seines Buches3 und Anne Jerslev stellt fest, „dass alles ganz genau nach dem Schema des film noir abläuft.“4 Dies sind nur Beispiele für die zahlreichen Verweise auf den Film Noir, die sich in der Sekundärliteratur zu Lynch und seinen Filmen finden lassen.

Bei genauerer Betrachtung stechen dabei zwei Filme aus dem Oeuvre Lynchs ins Auge, die am häufigsten mit dem „Prädikat“ Film Noir in Verbindung gebracht werden: Blue Velvet (1986) und Lost Highway (1997).

So bezeichnet Drehli Robnik beide Filme als eine „Geisterbahn-Variante des Film Noir“5. Robert Fischer vergleicht Blue Velvet ebenso mit dem Film Noir6 wie Anne Jerslev, die in dem Film „zentrale Motive des film noir“7 erkennt. Burkhard Röwekamp hingegen sieht Lost Highway eindeutig „in der Tradition des Noir-Films“8; laut Michael Sellmann vereinigt dieser Film „wesentliche Merkmale des modernen film noir in sich.“9 Lost Highway wird gar von David Lynch selbst, der ansonsten dafür bekannt ist, sich wenig zu seinen eigenen Filmen zu äußern, als „Horrorfilm noir des einundzwanzigsten Jahrhunderts“10 bezeichnet. Erneut sind diese Zitate nur Beispiele für die vielen Querverweise zum Film Noir, die sich in der Sekundärliteratur zu Blue Velvet und Lost Highway finden lassen. Querverweise allerdings, die oft nur am Rande bemerkt werden, die hier und da eingestreut wirken und ohne weiteren Kommentar oder weitere Erklärung im Raum stehen bleiben. Aus diesem Umstand ergibt sich die Fragestellung für diese Arbeit.

1.1 Fragestellung

Wie oben angeführt, werden die Filme Blue Velvet und Lost Highway von David Lynch in der Sekundärliteratur häufig mit dem Film Noir in Verbindung gebracht. Fast genauso häufig fehlt es diesen Verweisen aber an Substanz, an näherer Erläuterung. Oft bleiben sie einfach unkommentiert im Raum stehen – als würde vom Leser vorausgesetzt, diese Vergleiche problemlos nachvollziehen zu können. Dieser Meinung bin ich nicht. Dennoch haben die immer wiederkehrenden Verweise auf den Film Noir mein Interesse geweckt und in mir die Frage, ob die Filme Blue Velvet und Lost Highway auch einer genaueren Analyse im Hinblick auf die Verwendung von Film Noir-Elementen standhalten, ob sie tatsächlich in eine derart auffällige Nähe zu dieser Stilrichtung gerückt werden können.

Meine Fragestellung lautet demnach wie folgt: Inwiefern beinhalten die David Lynch-Filme Blue Velvet und Lost Highway Elemente des Film Noir? Eine Frage, auf die ich im Laufe dieser Arbeit eine Antwort finden möchte.

[....]


1 David Lynch zitiert nach: Drazin, Charles: Blue Velvet. New York/London: Bloomsbury, 1998, Seite 56.

2 Le Blanc, Michelle; Odell, Colin: David Lynch. Harpenden: Pocket Essentials, 2003, Seite 79.

3 Alexander, John: The Films Of David Lynch. London: Letts, 1993, Seite 8ff. Der Abschnitt heißt schlicht „Film noir“.

4 Jerslev, Anne: David Lynch – Mentale Landschaften. Wien: Passagen Verlag, 1996, Seite 41. Jerslev bezieht sich hier in erster Linie auf den Lynch-Film Twin Peaks: Fire Walk With Me (1992), stellt aber derartige Noir-Vergleiche auch zu den anderen Werken des Regisseurs her.

5 Robnik, Drehli: Außengeräusche. Das Intervall, das Sprechen, das Wohnen, das Sound Design und das Ganze in den Filmen von David Lynch, in: Pabst, Eckhard (Hrsg.): A Strange World – Das Universum des David Lynch. Kiel: Ludwig, 1998, Seite 41.

6 Fischer, Robert: David Lynch – Die dunkle Seite der Seele. München: Wilhelm Heyne Verlag, 1992, Seite 111.

7 Jerslev, Seite 132.

8 Röwekamp, Burkhard: Vom film noir zur méthode noire – Die Evolution filmischer Schwarzmalerei. Marburg: Schüren Verlag, 2003, Seite 179.

9 Sellmann, Michael: Hollywoods moderner film noir. Würzburg: Verlag Königshausen und Neumann GmbH, 2001, Seite 202.

10 Rodley, Chris (Hrsg.): Lynch über Lynch. London, 1997, Seite 309.


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