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"Gesundsein" trotz Sozialer Arbeit - Selbstreflexion durch Meditation

Subtitle: Eine Einführung in die Meditation als Methode der physischen und psychischen Gesunderhaltung

Diploma Thesis, 2007, 183 Pages
Author: Dipl. Sozialarbeiter/Sozialpädagoge Carsten Kiehne
Subject: Pedagogy - Adult Education

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2007
Pages: 183
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 186  Entries
Language: German
Archive No.: V87577
ISBN (E-book): 978-3-638-01329-1
ISBN (Book): 978-3-638-91681-3
File size: 540 KB

Abstract

„In allen sozialen Berufen ist die eigene Persönlichkeit das wichtigste Instrument; die Grenzen ihrer Belastbarkeit und Flexibilität sind zugleich die Grenzen unseres Handelns.“ (Schmidbauer 2005, S.7) Aber, wie belastbar und flexibel sind denn die Helfer im Allgemeinen? In den Einrichtungen, in denen ich bisher tätig war, schienen viele Sozialarbeiter, eben diese Kriterien nicht über einen längeren Zeitraum gewährleisten zu können. Oftmals wirkten sie, nach einem kurzen enthusiastischen und idealistisch motivierten Einstieg, sehr belastet und ließen von ihrem übersprudelnden, kreativen Potential und Tatendrang missmutig ab, um lediglich noch „Dienst nach Vorschrift“ zu verrichten. In Fachkreisen nennt sich dieses Phänomen „Burnout-Syndrom. Mit meinen Erfahrungen stehe ich „leider“ keineswegs alleine, und zugegebenermaßen erschrocken, da: „Dass es um die seelische Gesundheit bei den Angehörigen der helfenden Berufe nicht sonderlich gut bestellt ist erweisen einige statistische Studien. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in keiner Berufsgruppe (psychische) Störungen so sehr vertuscht und bagatellisiert werden wie in der, die unmittelbar mit der Behandlung dieser Störungen befasst ist.“ (zit. ebd., S.16) In meiner Diplomarbeit: „Gesundsein“ trotz Sozialer Arbeit – Selbstreflexion durch Meditation, möchte ich mich also mit dem Thema beschäftigen, weshalb gerade die Helfer in Sozialer Arbeit, im Vergleich zu anderen Berufsgruppen überdimensional häufig von seelischen Erkrankungen betroffen sind. In diesem Sinne möchte ich die Frage beantworten, ob eher personelle Schwächen („Helfersyndrom“) oder eher die aufreibende Tätigkeit der Sozialarbeiter für Erkrankungen, wie dem Burnout-Syndrom und der Psychogenen Depression zur Verantwortung zu ziehen sind. Des Weiteren ist es mir ein Anliegen, zu ergründen, welche individuellen Auswege existieren, um diesen Störungen vorzubeugen. Es geht mir in diesem Rahmen also nicht um die Klienten Sozialer Arbeit, sondern um die Helfer selbst. Ferner ist für mich weniger bedeutsam, welche äußeren Arbeitsbedingungen von sozialen Institutionen zur Gesunderhaltung ihrer Beschäftigten verändert werden können. Für mich ist entscheidend, welche Möglichkeiten der Sozialarbeiter im strukturellen Gefüge der Institution hat, für sich selbst Sorge zu tragen, um ungeachtet auch ungünstiger Vorraussetzungen (trotz Sozialer Arbeit), gesund, belastbar und flexibel zu bleiben sowie an Selbsterfahrung zu gewinnen.


Excerpt (computer-generated)

„Gesundsein“ trotz Sozialer Arbeit

- Selbstreflexion durch Meditation
Eine Einführung in die Meditation als Methode
der physischen, psychischen und seelischen Gesunderhaltung

von

Carsten Kiehne

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 9
1.1. Vorwort  ... 9
1.2. Planung, Durchführung und Evaluation des Fragebogens  ... 12

2. Sind Helfer das einzige Problem in der Sozialen Arbeit? ...  14
2.1. Was ist soziale Arbeit?  ... 14
2.1.1. Begrifflichkeit und Zielsetzung ...  14
2.1.2. Spezifische Merkmale  ... 15
2.1.3. Methoden Sozialer Arbeit ...  17
2.2. Die hilflosen Sozialarbeiter ...  18
2.2.1. Bedeutung des Helfens  ... 18
2.2.2. Helferpersönlichkeit  ... 21
2.2.3. Handlungskompetenz in der Sozialen Arbeit  ... 26
2.2.4. Helfersyndrom oder „Wie gestört …?“  ... 28
2.3. Problemlagen des „unmöglichen Berufes“  ... 33
2.3.1. Belastungen durch Institution und Arbeitsfeld  ... 33
2.3.2. Belastungen im Team  ... 36
2.3.3. Belastungen durch Klienten  ... 39
2.3.4. Selbstbelastungen  ... 41

3. Von Krankheit, Gesundheit und „Gesundsein“  ... 46
3.1. Bedeutung von Krankheit  ... 46
3.1.1. Begriffsdeutung  ... 46
3.1.2. Abgrenzung von Befindlichkeitsstörungen  ... 47
3.1.3. Macht Krankheit Sinn? ...  48
3.2. Krankheitsstatus der befragten Sozialarbeiter  ... 52
3.3. Exkurs in typische Störungsbilder der Helfer in Sozialer Arbeit  ... 57
3.3.1. Psychogene Depression  ... 57
3.3.1.1. Abgrenzung  ... 57
3.3.1.2. Begriffsbestimmung „Depression“ ...  58
3.3.1.3. Epidemiologie  ... 59
3.3.1.4. Symptomatik  ... 60
3.3.1.5. Erklärungsansätze  ... 61
3.3.1.5.1. Die psychoanalytische Ansicht  ... 61
3.3.1.5.2. Theorie der erlernten Hilflosigkeit  ... 61
3.3.1.5.3. Kognitive Theorie von Beck ...  61
3.3.1.5.4. Die Lerntheorie  ... 61
3.3.1.5.5. Humanistische Theorien ...  62
3.3.1.5.6. Persönlichkeitszentrierte Ansätze  ... 63
3.3.1.5.7. Lebensereignisse als Auslöser ... 64
3.3.1.5.8. Multifaktorieller Ansatz  ... 64
3.3.1.6. Möglichkeiten der Intervention und Behandlung  ... 65
3.3.1.6.1. Psychotherapie  ... 65
3.3.1.6.2. Pharmakotherapie  ... 66
3.3.1.6.3. Soziotherapie  ... 68
3.3.1.6.4. Physiotherapie  ... 68
3.3.1.6.5. Ergänzende Therapien  ... 70
3.3.2. Burnoutsyndrom  ... 70
3.3.2.1. Begriffsdeutung  ... 70
3.3.2.2. Symptome  ... 71
3.3.2.3. Burnout als Prozess  ... 72
3.3.2.4. Epidemiologie ...  75
3.3.2.5. Erklärungsansätze ...  75
3.3.2.5.1. Persönlichkeitszentrierte Ansätze  ... 75
3.3.2.5.2. Sozial-, arbeits- und organisationsbezogene … 76
3.3.2.5.3. Gegenseitiges Bedingen und das S-O-R-Schema  ... 77
3.3.2.6. Bewältigungsstrategien  ... 78
3.3.2.6.1. Möglichkeiten auf institutioneller Ebene ...  78
3.3.2.6.2. Möglichkeiten auf personeller Ebene  ... 79
3.4. Gesundheit und „Gesundsein“  ... 81
3.4.1. Bedeutung von Gesundheit  ... 81
3.4.1.1. Subjektive Gesundheitskonzepte ... 81
3.4.1.2. Wissenschaftliche Gesundheitskonzepte  ... 84
3.4.1.2.1. Gesundheitsbegriff der WHO ...  84
3.4.1.2.2. Gesundheitsmodell der Salutogenese  ... 85
3.4.2. Gesundheitsarbeit ...  87
3.4.2.1. Gesundheitsförderung und Prävention  ... 87
3.4.2.2. Auf der Suche nach Faktoren der Resilienz  ... 91
3.4.2.3. Gesundheitsfördernde Maßnahmen in der Sozialen Arbeit  ... 93
3.4.3. „Gesundsein“ als Weg und Ziel ...  96

4. Selbstreflexion  ... 98
4.1. Das Selbst und die Reflexion  ... 99
4.1.1. Wahres Selbst und Selbstbild  ... 99
4.1.2. Selbstreflexion  ... 100
4.2. Weshalb selbstreflexives Arbeiten?  ... 101
4.3. Wie kann ich mich selbst reflektieren?  ... 106
4.3.1. Die Arbeit am Gewahrsein oder „Bewusstheit im Alltag“  ... 106
4.3.2. Bewusstseinserweiternde Verfahren und Techniken ...  111
4.3.2.1. Psychotherapie  ... 111
4.3.2.2. Entspannungstechniken  ... 112
4.3.2.3. Tagebuch und Traumdeutung  ... 113
4.3.2.4. Gebete  ... 113
4.3.2.5. Askese ...  115

5. Meditation  ... 118
5.1. Was ist Meditation?  ... 119
5.1.1. Meditative Stimmungen  ... 119
5.1.2. Meditation als Methode ... 121
5.2. Die Arbeitsweise in der Meditation  ... 122
5.2.1. Meditationsfördernde Bedingungen  ... 124
5.2.1.1. Äußere Faktoren  ... 124
5.2.1.2. Die richtige Meditationszeit  ... 126
5.2.1.3. Meditationsritual  ... 127
5.2.1.4. Die innere Haltung  ... 128
5.2.1.4.1. Wesenszüge und innere Einstellung  ... 129
5.2.1.4.2. Der ethische Unterbau  ... 133
5.2.1.5. Die äußere Haltung  ... 137
5.2.2. Meditationshemmende Bedingungen  ... 140
5.3. Wirkungsweise der Meditation  ... 144
5.3.1. Meditation und körperlich-geistige Gesundheit ...  144
5.3.2. Meditation und seelische Gesundheit  ... 145
5.4. Meditationsformen  ... 147
5.4.1. Grundlegende Stile ...  147
5.4.1.1. Informelle Meditation oder Achtsamkeit  ... 147
5.4.1.2. Formelle Meditation  ... 148
5.4.2. Eine Methode genügt!  ... 149
5.4.3. Ausgewählte Meditationsmethoden des Buddhismus  ... 151
5.4.3.1. Vergegenwärtigung des Atems  ... 151
5.4.3.2. Metta – Meditation  ... 152
5.4.3.3. Vipassana – Meditation  ... 156

6. Abschluss  ... 160
6.1. Zusammenfassung  ... 160
6.2. Ausblick  ... 164

7. Literaturverzeichnis  ... 168

8. Anhang  ... 181

 

 

1. Einleitung

1.1. Vorwort

"In allen sozialen Berufen ist die eigene Persönlichkeit das wichtigste Instrument; die Grenzen ihrer Belastbarkeit und Flexibilität sind zugleich die Grenzen unseres Handelns." (Schmidbauer 2005, S.7)

Aber, wie belastbar und flexibel sind denn die Helfer im Allgemeinen?

In den meisten Einrichtungen, in denen ich bisher tätig war, schienen viele Sozialarbeiter, eben gerade diese Kriterien nicht über einen längeren Zeitraum gewährleisten zu können. Oftmals wirkten sie, nach einem kurzen enthusiastischen und idealistisch motivierten Einstieg in die jeweilige Institution, sehr belastet und ließen von ihrem übersprudelnden, kreativen Potential und Tatendrang missmutig ab, um lediglich noch "Dienst nach Vorschrift" zu verrichten. In Fachkreisen nennt sich dieses Phänomen "Burnout-Syndrom", ausgelöst z.B. durch Überengagement, Enttäuschung, körperliche und emotionale Verausgabung, Unachtsamkeit bezüglich des eigenen Empfindens und dem "Praxisschock".

Mit meinen Erfahrungen stehe ich auch "leider" keineswegs alleine, und zugegebenermaßen erschrocken, da: "Dass es um die seelische Gesundheit bei den Angehörigen der helfenden Berufe nicht sonderlich gut bestellt ist [(jenes ist noch eine freundliche sowie motivierende Ausdrucksweise der gravierenden Problematik)], erweisen einige statistische Studien. […] Dabei ist zu berücksichtigen, dass in keiner Berufsgruppe (psychische) Störungen so sehr vertuscht und bagatellisiert werden wie in der, die unmittelbar mit der Behandlung dieser Störungen befasst ist." (zit. ebd., S.16)

In meiner Diplomarbeit: "Gesundsein" trotz Sozialer Arbeit - Selbstreflexion durch Meditation, möchte ich mich also mit dem Thema beschäftigen, weshalb gerade die Helfer in der Sozialen Arbeit, im Vergleich zu anderen Berufsgruppen überdimensional häufig von seelischen Erkrankungen betroffen sind. In diesem Sinne möchte ich die Frage beantworten, ob eher personelle Schwächen (beispielsweise das "Helfersyndrom") oder doch mehr die aufreibende Tätigkeit der Sozialarbeiter für Erkrankungen, wie dem Burnout-Syndrom und der Psychogenen Depression zur Verantwortung zu ziehen sind. Des Weiteren ist es mir ein Anliegen, zu ergründen, welche individuellen Auswege existieren, um diesen Störungen vorzubeugen bzw. welche Faktoren dafür Sorge tragen, dass sich Sozialarbeiter dem "Gesundsein" nähern. Es geht mir in diesem Rahmen also erstens, nicht um die Klienten Sozialer Arbeit, sondern um die Helfer selbst. Zweitens ist für mich weniger bedeutsam, welche äußeren Arbeitsbedingungen von sozialen Institutionen (höheres Budget, mehr Personal, verringerte Klientenzahl, mehr Entscheidungsfreiheit, Supervision etc.) zur Gesunderhaltung ihrer Beschäftigten verändert werden können. Für mich ist hier entscheidend, welche Möglichkeiten der einzelne Sozialarbeiter im strukturellen Gefüge der Institution hat, für sich selbst Sorge zu tragen, um ungeachtet eventuell auch ungünstiger Vorraussetzungen (trotz Sozialer Arbeit), gesund, belastbar und flexibel zu bleiben sowie an Selbsterfahrung zu gewinnen.

Damit ich mir als Helfer mein "Gesundsein", was ich deutlich von der "Gesundheit" abgrenzen möchte, erhalte, ist es für mich essentiell, äußere Belastungen überhaupt als solche wahrzunehmen. Ferner, muss ich auf die derzeitige Belastbarkeit meines Organismus eingehen und letzten Endes, dessen Widerstandsfähigkeit gegenüber auftretenden Stressoren (alltägliche Widrigkeiten, kritische Lebensereignisse und Entwicklungsaufgaben) erhöhen.

Meines Erachtens, kann ich mittels der Meditation diesen Erfordernissen Rechnung tragen. Mir ist es möglich in einer Selbstreflexion zu ergründen, inwiefern sich meine Arbeitsbedingungen einschränkend auf mein Wohlbefinden auswirken und, wie es momentan überhaupt um mein seelisches Befinden bestellt ist. Meditation hilft mir darüber hinaus, etwaigen Problemen gelassener und entspannter entgegenzutreten. Meditation stellt damit ein Mittel zum Ausgleich der alltäglichen Betriebsamkeit dar, ist aber noch zu weit größerem im Stande!

Meditation ist Bewusstwerdung, "das grundsätzliche Programm des Lebens, das durch alle Zeiten geht." (Kuby 2006, S.221)

1.2. Planung, Durchführung und Evaluation des Fragebogens

Mein erster Arbeitsschritt war, um diese Thematik für mich zu erschließen, einen Fragebogen zu erstellen (vgl. Anhang A) und in Lüneburg studierende und schon berufstätige Sozialarbeiter, in Form einer postalischen Befragung zu interviewen. (vgl. Bortz u.a. 2006, S.256) Dafür habe ich, im Zeitraum von Mitte Januar bis Mitte Februar 2007, 120 Fragebögen in der Universität Lüneburg sowie verschiedenen Institutionen Sozialer Arbeit (Diakonisches Jugendwohnheim, Lebenshilfe, Caritas Kinderheim) ausgegeben.

Ich entschied mich für einen, der Bandbreite der Thematik kaum gerecht werdenden (und darum auch wenig detaillierten, die Vielfalt reduzierenden), nur zwei Seiten kurzen Fragebogen, um die Mitwirkungsmotivation meiner Kommilitonen und Berufsgenossen nicht überzustrapazieren. Die hohe Rücklaufquote von 62,5 Prozent, was 75 beantworteten Bögen entspricht, gab mir recht und bestätigt meines Erachtens auch den recht interessanten bzw. brisanten Inhalt meiner Umfrage. (vgl. ebd., S.256 f.) Weitere Vorteile dieser quantitativen Methode der Datenerhebung, sind dessen Kosteneffizienz und dessen eher geringe Zeitaufwand, aufgrund seiner Standardisierung.

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