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Hausarbeit, 2007, 20 Seiten
Autor: Andreas Mittag
Fach: Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur
Details
Tags: Geschichte, Hinterlassenschaft, Hugenotten, Südafrika
Jahr: 2007
Seiten: 20
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 10 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-02286-6
ISBN (Buch): 978-3-638-92381-1
Dateigröße: 1068 KB
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Zusammenfassung / Abstract
1. Einleitung Nicht selten wird das Vermächtnis der Hugenotten, die vor 320 Jahren am Kap der Guten Hoffnung landeten, unterschätzt oder sogar übersehen. Selbst Südafrikaner, die einen fran-zösischen Nachnamen wie Rousseau, Theron oder Fourie tragen, sind von ihrem hugenot-tischen Erbe oft nicht bewusst. Erst wenn man in der Kaufhalle an den zahlreichen südafri-kanischen Weinen vorbeigeht, ahnt man möglicherweise einen Zusammenhang zwischen dem Kap und französischem Erbgut. Doch was hat genau ein Sauvignon Blanc aus den Cape Winelands mit französischen Glaubensflüchtlingen zu tun? Der Einfluss jener französischer Protestanten, die wegen religiöser Verfolgung das Hexa-gon verlassen mussten, mag im Vergleich zu ihrem Nachlass in Ländern wie die USA, Eng-land und Deutschland zunächst gering erscheinen. Daher ist es umso reizvoller, ihren Spuren an der südlichen Spitze Afrikas nachzugehen. Warum und wie kamen Hugenotten überhaupt ans Kap und wie viele haben sich hier niedergelassen? Inwiefern ist die Weinin-dustrie in Südafrika den Hugenotten zuzuschreiben? Gibt es andere Anzeichen außer der Weinindustrie, dass die französische Kultur einst das südliche Afrika prägte? In dieser Hausarbeit werde ich mich mit der oft vernachlässigten Geschichte der südafrika-nischen Hugenotten beschäftigen und deren Erbe in der heutigen Republik Südafrika un-tersuchen. Die auserwählte Literatur stammt größtenteils von südafrikanischen Autoren, die sich seit Jahrzehnten mit dem Thema befassen, oft um ihre eigene hugenottische Ge-nealogie aufzudecken. Zu Beginn werde ich auf den Ursprung des Begriffs Huguenot ein-gehen und die Vorgeschichte der Hugenottenverfolgung kurz schildern. Anschließend werde ich mich mit der Flucht, Reise und Ankunft sowie der Entwicklung der hugenotti-schen Gemeinschaft am Kap auseinandersetzen. Zuletzt widme ich mich der Hinterlassenschaft der südafrikanischen Hugenotten.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Potsdam
Philosophische Fakultät
Institut für Romanistik
Wintersemester 2007/08
HausarbeitzuModulGK
Maudé,DeVilliers,LeRoux
ZurGeschichteundHinterlassenschaftder
HugenotteninSüdafrika
vorgelegt von:
Andreas Mittag
Potsdam, 15. Oktober 2007
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Zum
Begriff
Huguenot
3
3
Die Widerrufung der Toleranz 4
4 Die
Flucht 6
5
Transatlantische Reise und Ankunft am Kap der Guten Hoffnung 8
6
Das Leben am Kap und die wachsende Unzufriedenheit 10
7 Parlez-vous
encore
français? 12
8
Der Weg zur Solidarität 13
9
Ein wertvolles Erbe 15
10 Literatur- und Quellenverzeichnis 19
2
1 Einleitung
Nicht selten wird das Vermächtnis der Hugenotten, die vor 320 Jahren am Kap der Guten
Hoffnung landeten, unterschätzt oder sogar übersehen. Selbst Südafrikaner, die einen franzö-
sischen Nachnamen wie Rousseau, Theron oder Fourie tragen, sind von ihrem hugenottischen
Erbe oft nicht bewusst. Erst wenn man in der Kaufhalle an den zahlreichen südafrikanischen
Weinen vorbeigeht, ahnt man möglicherweise einen Zusammenhang zwischen dem Kap und
französischem Erbgut. Doch was hat genau ein Sauvignon Blanc aus den
Cape Winelands
mit
französischen Glaubensflüchtlingen zu tun?
Der Einfluss jener französischer Protestanten, die wegen religiöser Verfolgung das Hexagon
verlassen mussten, mag im Vergleich zu ihrem Nachlass in Ländern wie die USA, England
und Deutschland zunächst gering erscheinen. Daher ist es umso reizvoller, ihren Spuren an
der südlichen Spitze Afrikas nachzugehen. Warum und wie kamen Hugenotten überhaupt ans
Kap und wie viele haben sich hier niedergelassen? Inwiefern ist die Weinindustrie in Südafri-
ka den Hugenotten zuzuschreiben? Gibt es andere Anzeichen außer der Weinindustrie, dass
die französische Kultur einst das südliche Afrika prägte?
In dieser Hausarbeit werde ich mich mit der oft vernachlässigten Geschichte der südafrikani-
schen Hugenotten beschäftigen und deren Erbe in der heutigen Republik Südafrika untersu-
chen. Die auserwählte Literatur stammt größtenteils von südafrikanischen Autoren, die sich
seit Jahrzehnten mit dem Thema befassen, oft um ihre eigene hugenottische Genealogie auf-
zudecken. Zu Beginn werde ich auf den Ursprung des Begriffs
Huguenot
eingehen und die
Vorgeschichte der Hugenottenverfolgung kurz schildern. Anschließend werde ich mich mit
der Flucht, Reise und Ankunft sowie der Entwicklung der hugenottischen Gemeinschaft am
Kap auseinandersetzen. Zuletzt widme ich mich der Hinterlassenschaft der südafrikanischen
Hugenotten.
2 Zum Begriff Huguenot
Die Herkunft des Wortes
Huguenot
ist sehr umstritten. Obwohl ursprünglich abwertend ge-
braucht, bezeichneten sich später die Mitglieder der protestantischen Gemeinden Frankreichs
selbst als ,,Hugenotten". Einige Historiker vermuten, dass der Begriff von König
Huguet
ab-
3
stammt, jenem frommen König aus Tours, der sich wie die Kalvinisten nachts mit seinen An-
hängern traf, um Gott zu ehren. Das nächtliche Ritual der Hugenotten ergab sich zwangsläu-
fig aus der Ablehnung des Protestantismus im katholisch dominierten Frankreich tagsüber
waren Gottesdienste selten möglich (Coertzen 1988, S. 16f.).
Andere Gelehrte nehmen an, dass
Huguenot
mit dem schweizerischen
Eidgenossen
verwandt
ist, zumal Genf das Zentrum der kalvinistischen Bewegung war. Während der Verschwörung
von Amboise1 schwuren die Kalvinisten Treue zu einander, so wie es die Eidgenossen in der
Schweiz taten. Somit soll der Begriff
Eidgenosse
übernommen und romanisiert worden sein
bzw. aus der Schmelzung der Wörter
Hugues2
und
Eidgenosse
hervorgehen. Ein direkter Zu-
sammenhang zwischen den Termini ist jedoch fraglich, zumal die Namen
Hugues
und
Hu-
guenot
bereits im 14. Jahrhundert Verwendung finden, während der deutsche Begriff
Eidge-
nosse
erst im 16. Jahrhundert auftaucht (ebd.).
Die am stärksten vertretene Theorie besagt, dass der Name
Huguenot
bereits vor 1560 in
Gebrauch war, die Verschwörung von Amboise um 1560 soll lediglich die Verbreitung des
Begriffs beschleunigt haben. Um 1560 wuchs der Protestantismus rasant an und somit der
abfällige Ausdruck. Ebenso kamen andere verächtliche Bezeichnungen hinzu wie
hannetons
(Maikäfer) und
papillon
de nuit
(Nachtfalter). In Südafrika wurden dagegen solche abwerten-
den Begriffe für die protestantischen Neuankömmlinge vorerst abgewiesen. Vielmehr wurde
in Dokumenten von
Fransche Vluchtelingen
(Französischen Flüchtlingen) oder einfach
,,Franzosen" gesprochen, später sogar von ,,französischen Kolonisten". Der Gebrauch des
Begriffs
Huguenots
wurde am Kap im Allgemeinen erst im 18. Jahrhundert etabliert, jedoch
trug er keineswegs dieselbe negative Konnotation wie im Frankreich des Louis XIV. (ebd.).
3 Die Widerrufung der Toleranz
Die Glaubens- und Gewissensfreiheit der Hugenotten, die Henri IV. (Henri de Navarre) am
13. April 1598 im
Edit de Nantes
billigte, war an den Versuch gekoppelt, die Expansion des
Protestantismus zu unterbinden. Das Edikt bestätigte zum einen den katholischen Glauben als
1 gescheiterter Versuch von Anton de Bourbon-Navarre, seinem Bruder Louis Bourbon-Condé und den Hugenot-
ten, u.a. durch die Entführung des Königs Franz II. die Macht in Frankreich zu ergreifen
2 Besançon Hugues war im 16. Jahrhundert prominenter Befürworter der Schweizerischen Eidgenossenschaft
und setzte sich für den Zusammenschluss des Stadtstaates Genf und der Eidgenossenschaft ein
4
Staatsreligion, zum anderen wurden den Kalvinisten bestimmte Rechte und Freiheiten ge-
währleistet. Die Ausbreitung des protestantischen Glaubens wurde jedoch zunehmend er-
schwert, indem man allmählich die im Edikt enthaltenen Privilegien einengte bzw. reduzierte
(Coertzen 1988, S. 2ff.).
Henri IV. (1589-1610) war ein protestantischer König eines katholischen Reiches. Er hatte es
folglich schwer, sich gegen den katholischen Bund durchzusetzen. Um dem Bürgerkrieg ein
Ende zu bringen, wandte er sich schließlich 1592 dem Protestantismus ab. Die Kalvinisten in
Frankreich nahmen ihm diese Entscheidung übel, doch da er ,,im Herzen" ein wahrer Protes-
tant geblieben war, unterzeichnete der König 1598 das Toleranzedikt von Nantes (Reaman
1964, S. 53). Neben dem Recht, eigene Schulen zu öffnen, politische Versammlungen zu or-
ganisieren, protestantische Gottesdienste zu halten und öffentliche Ämter zu bekleiden, er-
laubte das Edikt den Protestanten, bestimmte Städte zu besetzen. Unter diesen Städten zählte
v.a. La Rochelle, auf die auch viele Südafrikaner ihre Herkunft zurückführen können. Die
Entscheidung des Henri IV. beendete kurzfristig die seit vierzig Jahren andauernde Verfol-
gung der Protestanten und galt als erster Schritt zur Glaubensfreiheit der Hugenotten: ,,Even
for his brethren in creed his triumph was a benefit secured, for it was an end of persecution
and a first step towards liberty" (ebd., S. 54).
Nach der Ermordung des Henri IV. am 14. Mai 1610 kam der neunjährige Louis XIII. an die
Macht. Dessen Mutter Marie de Medici übernahm die Regentschaft und auf ihr Betreiben
wurde Richelieu zum Kardinal ernannt. Richelieu, der später aufgrund seiner ausgezeichneten
Führungsqualitäten von Louis XIII. zum Ersten Minister befördert wurde, betrachtete die po-
litische Macht der Hugenotten als bedrohlich und überredete den König, die hugenottische
Hochburg La Rochelle anzugreifen. Es dauerte ganze fünfzehn Monate, die weitaus überlege-
nere hugenottische Flotte zu besiegen, die zeitweise von der englischen Marine unterstützt
wurde. La Rochelle verlor 1628 ihre Autonomie und damit ihre Bedeutung als protestanti-
scher Zufluchtsort. Richelieu gestatte den Hugenotten jedoch weiterhin das Recht auf protes-
tantische Gottesdienste und schützte ihre bürgerlichen Freiheiten. Außerdem durften Huge-
notten noch öffentliche Ämter bekleiden, sie wurden in der Armee und anderen Bereichen
mehr oder minder gleichwertig behandelt (Reaman 1964, S. 55f.).
Als Louis XIV. (1643-1715) König wurde, war er mit seinen fünf Jahren ebenfalls wie sein
Vorgänger noch nicht regierfähig. Es war wieder einmal die Mutter, welche die Regentschaft
5
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