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‚Hybridität’ im Kontext der Ars Electronica 2005

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 27 Pages
Author: Jeremy Iskandar
Subject: Musicology

Details

Event: „Welcome to the wired world“ – Digitale Ästhetik im Spiegel der Ars Electronica
Institution/College: University of Bonn (Abteilung für Musikwissenschaft / Sound Studies)
Tags: Kontext, Ars Electronica, Hybridität, Sampling, Digitalität
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 27
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 46  Entries
Language: German
Archive No.: V87670
ISBN (E-book): 978-3-638-02293-4
ISBN (Book): 978-3-638-92384-2
File size: 359 KB

Abstract

„Hybrid – Living in paradox“ hat sich die Ars Electronica 2005 zum Thema gemacht. So heißt es in der Einleitung „Hybrid Cultures“: „Hybrid – kein anderes Wort könnte die charakteristischsten Bedingungen unserer Zeit besser beschreiben“ (Schöpf, 2005, S. 12). Doch was meint ‚hybrid’ in diesem Zusammenhang eigentlich? Folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Begriffsdefinition des Wortes ‚hybrid’ im Kontext der Ars Electronica 2005. Hierbei werden die unterschiedlichen Diskurse, die Thema der Ars Electronica 2005 gewesen sind, aufgeführt und anhand von Beispielen, die den Projekten innerhalb der Ars Electronica entnommen sind, näher untersucht. Weiterhin soll gezeigt werden, wie der Begriff in unterschiedlichen Forschungsdiskursen der letzten Jahrzehnte Verwendung gefunden hat und ob sich Gemeinsamkeiten bezüglich seiner Nutzung herausstellen lassen, die ein allgemeingültiges Bild seiner Verwendung erlauben. Im Inhaltsverzeichnis zum Katalog der Ars Electronica 2005 sind die einzelnen Beiträge und Projekte verschiedenen Diskursen des Hybriden zugeordnet, die da wären: „Hybrid Cultures“, „Hybrid Politics“, „Hybrid Ecologies“ und „Hybrid Creatures“. Im Folgenden soll daher herausgestellt werden, welche Bedeutung der Begriff ‚Hybrid’ im Kontext der verschiedenen Diskurse einnimmt, beziehungsweise wie er von den Teilnehmern der Ars Electronica 2005 in ihren jeweiligen Arbeiten thematisiert wird. Vorerst beschäftigt sich der folgende Abschnitt aber mit der Darstellung der ursprünglichen Begriffsdefinition. Zudem soll ein Überblick darüber gegeben werden, in welchen Diskursen diese Begriffsdefinition innerhalb der modernen Forschung bisher Verwendung gefunden hat und welche Bedeutung der Begriff dort einnimmt.


Excerpt (computer-generated)

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Abteilung für Musikwissenschaft / Sound Studies



Sommersemester 2007

Seminar:

,,Welcome to the wired world" ­

Digitale Ästhetik im Spiegel der

Ars Electronica

Thema:

,Hybridität′ im Kontext der Ars Electronica 2005

Name:

Jeremy Iskandar

(6. Fachsemester Musikwissenschaft, mittelalterliche Geschichte,

Neue Deutsche Literatur)


I. Inhaltsverzeichnis

I. Inhaltsverzeichnis 2

II. Vorwort 3

III. Diskurse des Hybriden 4

IV. Hybrid - Living in paradox: Die

Ars Electronica

2005 7

V. Das (Computer-)Interface ­ Schnittstelle einer hybriden Welt 10

VI. ,,Sampling" ­ Musiktechnisches Verfahren und kulturtheoretisches 14

VII. Hybridität im Kontext von ,,Virtueller Realität" und ,,Interaktiver Kunst" 17

VIII. Nachwort 21

IX. Literatur- und Quellenverzeichnis 23

X. Anhang 26

2


II. Vorwort

,,Hybrid ­ Living in paradox" hat sich die

Ars Electronica

2005 zum Thema gemacht. So

heißt es in der Einleitung ,,Hybrid Cultures": ,,Hybrid ­ kein anderes Wort könnte die charak-

teristischsten Bedingungen unserer Zeit besser beschreiben" (Schöpf, 2005, S. 12).

Doch was meint ,hybrid′ in diesem Zusammenhang eigentlich?

Gerfried Stocker und Christine Schöpf führen in der oben genannten Einleitung mit der Auf-

zählung von Begriffen wie ,Politik′, ,Wirtschaft′, ,Kultur′, ,Identität′, ,Kreaturen′ und ,Öko-

logie′ gleich mehrere Bereiche an, in denen ,Hybridität′ und ,Hybridisierung′ im Zuge der

Ars Electronica

2005 thematisiert worden sind (vgl. ebda.).

Folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Begriffsdefinition des Wortes ,hybrid′ im Kon-

text der

Ars Electronica

2005. Hierbei werden die unterschiedlichen Diskurse, die Thema der

Ars Electronica

2005 gewesen sind, aufgeführt und anhand von Beispielen, die den Projekten

innerhalb der

Ars Electronica

entnommen sind, näher untersucht. Weiterhin soll gezeigt wer-

den, wie der Begriff in unterschiedlichen Forschungsdiskursen der letzten Jahrzehnte Ver-

wendung gefunden hat und ob sich Gemeinsamkeiten bezüglich seiner Nutzung herausstellen

lassen, die ein allgemeingültiges Bild seiner Verwendung erlauben.

3


III. Diskurse des Hybriden

Im Inhaltsverzeichnis zum Katalog der

Ars Electronica

2005 sind die einzelnen Beiträge und

Projekte verschiedenen Diskursen des Hybriden zugeordnet, die da wären: ,,Hybrid Cultures",

,,Hybrid Politics", ,,Hybrid Ecologies" und ,,Hybrid Creatures".

Im Folgenden soll daher herausgestellt werden, welche Bedeutung der Begriff ,Hybrid′ im

Kontext der verschiedenen Diskurse einnimmt, beziehungsweise wie er von den Teilnehmern

der

Ars Electronica

2005 in ihren jeweiligen Arbeiten thematisiert wird.

Vorerst beschäftigt sich der folgende Abschnitt aber mit der Darstellung der ursprünglichen

Begriffsdefinition. Zudem soll ein Überblick darüber gegeben werden, in welchen Diskursen

diese Begriffsdefinition innerhalb der modernen Forschung bisher Verwendung gefunden hat

und welche Bedeutung der Begriff dort einnimmt.

In seiner lexikalischen Definition bedeutet ,hybrid′ ,,[...] gemischt, aus Verschiedenem zu-

sammengesetzt" (Der kleine Duden, 1991, S. 169).

Als Fachterminus wird er vor allem in natur- und technikwissenschaftlichen Diskursen einge-

setzt. So bezeichnet der Begriff der ,Hybridsierung′ in der Chemie die ,,[...] Verschmelzung

von Atomorbitalen derselben Hauptquantenanzahl, aber unterschiedlicher Nebenquantenzah-

len [...]" (Neumüller, 2003, S. 316) und in der Biologie (dort: ,Hybride′) einen ,,Mischling,

[einen] Abkömmling zweier Lebewesen versch. Rasse, Art oder Gattung [...]" (Der Brock-

haus, 2000, S. 79), wobei der Begriff hier hauptsächlich für die Pflanzenwelt Verwendung

findet (siehe auch: Ebd., S. 398).

Sowohl in der Chemie und Biologie, als auch in der Medizin und Technik, bezieht sich der

Begriff auf eine Kombination verschiedener Elemente, mit dem Ziel, eine Effizienzsteigerung

herbeizuführen. Ein wesentliches Merkmal von Hybridisierung in natur- und technikwissen-

schaftlichen Diskursen ist zudem ein erhöhter Komplexitätsgrad, so zum Beispiel bei der

Entwicklung immer komplexer werdender Rechner (vgl. Schneider, 1997, S. 18f.).

Seit der Begriff vor einigen Jahrzehnten auch außerhalb seiner Nutzung als Fachterminus in

anderen Forschungsbereichen Einzug gefunden hat, findet man ihn heutzutage in zahlreichen

Diskursen innerhalb der Forschung wieder.

Hierzu schreibt Irmela Schneider, dass man ,,generell [...] zwischen naturwissenschaftlichen,

technikwissenschaftlichen, soziologischen, ästhetischen, philosophischen, linguistischen oder

medientheoretischen Diskursen des Hybriden" (ebd., S. 17) unterscheiden könne. Weiterhin

führt sie an, dass der Begriff zu den charakterisierenden Merkmalen von Analysen der post-

4


modernen Gesellschaft gehöre und ,,Hybridizität [...] sich in der postmodernen Gesellschaft ­

so eine These von William Bergquist ­ durch die Kombination von prämodernen und moder-

nen Organisationsformen" (ebd., S. 13) bilden würde. In dieser Bedeutung lässt sich dem Be-

griff der ,Hybridisierung′ der Begriff der ,Modernisierung′ im Sinne einer linear verlaufen-

den Entwicklung gegenüberstellen.

Egal ob als Fachterminus - wie in der Chemie oder Biologie - oder im metaphorischen Sinne

gebraucht, lassen sich in allen Diskursen des Hybriden gewisse Gemeinsamkeiten in der Ver-

wendung des Begriffes feststellen. Im Wesentlichen meint der Begriff immer eine Vermi-

schung und Kombination verschiedener Elemente, um eine höhere Effizienz, beziehungswei-

se ein besseres Ergebnis zu erreichen (vgl. ebd., S. 18).

Beispielsweise findet man in der Musik den Begriff der ,Hybridtechnik′, der hierbei eine

Kopplung analoger und digitaler Komponenten meint, mit dem Ziel die als ,Stärken′ beider

Systeme festgelegten Elemente, miteinander zu kombinieren, also zu einer höheren Effizienz

zu gelangen (vgl. Burow, 1998, S. 89 und S. 336).

Im Bereich medientheoretischer Diskurse hat die ,Kategorie des Hybriden′ auch die Sichtwei-

se auf die Beziehung zwischen Mensch und Technik verändert. So schreibt Frank Hartmann:

Mensch und Technik als Gegensatz zu denken würde den medientheoretischen

Diskussionsstand unterlaufen. Seit die Maschinen des Industriezeitalters ihre

Macht an die Medien abgegeben haben, hat auch das einst von Heidegger be-

schworene

Wesen der Technik

sich verändert (Hartmann, 2003, S. 41).

In diesem Kontext spricht der Medienwissenschaftler Marshall McLuhan von der ,,hybriden

Energie" (vgl. McLuhan, 1995, S. 84), welche sich aus der Beziehung zwischen Mensch und

Medien ergeben würde. Auch McLuhan sieht im Prozess der Hybridisierung eine Effizienz-

steigerung (vgl. ebda.). Hybridisierung bedeutet für McLuhan ,,[...] Umbruchphasen in der

Medienentwicklung [...]" (Schneider, 1997, S. 31). Neue Medien würden auf bereits beste-

hende Medien einwirken, sie verändern, und die daraus resultierende Vermischung (wie wei-

ter oben erwähnt ein Kernelement von Hybridisierung) ließe dann ein klareres Bild der ein-

zelnen Komponenten entstehen, da eine deutlichere Differenzierung als zuvor notwendig sei.

Gleichzeitig führt McLuhan an, dass die Hybridsierung von Medien die menschliche Sinnes-

wahrnehmung verändern würde (vgl. McLuhan, 1995, S. 91), wobei sich grundsätzlich zwei

Hauptphasen unterscheiden ließen: ,,Die Entwicklung von der oralen zur Schriftkultur und die

Entwicklung zum elektronischen Zeitalter" (Schneider, 1997, S. 31).

Nimmt man McLuhans Ausführungen als Beispiel dafür wie der Begriff der ,Hybridisierung′

innerhalb eines wissenschaftlichen Diskurses im metaphorischen Sinne gebraucht wird, so

5


lassen sich eindeutig Gemeinsamkeiten mit seiner Verwendung als Fachterminus feststellen.

Auch bei McLuhan meint Hybridisierung einen Prozess, bei dem sich unterschiedliche Ele-

mente miteinander vermischen, Neues entsteht, und es zu einer Effizienzsteigerung und er-

höhter Komplexität kommt.

Versucht man nun die Thematisierung der ,Kategorie des Hybriden′ in den verschiedenen

Diskursen bezüglich ihrer Gemeinsamkeiten zu analysieren, so lassen sich letztendlich einige

allgemeingültige Punkte aufführen, die jeden Diskurs des Hybriden charakterisieren und ge-

mäß Irmela Schneider wie folgt zusammengefasst werden können:

1. ,,Hybridisierung gehört als Kulturphänomen seit rund zwei Jahrzehnten zur Signatur

der Zeit. Prozesse der Hybridisierung bilden ein verbindendes Merkmal für Entwick-

lungen, die auf ganz unterschiedlichen Sektoren und in bezug auf sehr heterogene

Phänomene zu beobachten sind" (Schneider, 1997, S. 56).

2. Der Prozess der Hybridisierung ruft eine Steigerung der Effizienz hervor und führt zu

größerer Komplexität. Dies lässt sich vor allem im Bereich der Technologie aufzeigen,

wo Faktoren wie Multifunktionalität oder erhöhte Prozessorgeschwindigkeit von Be-

deutung sind.

3. Die Diskurse des Hybriden machen bisher geltende, grundlegende Unterscheidungen

und Trennungen (Dichotomien) ungültig1 und erfordern eine Theorie des Hybriden,

die komplex genug sein muss, um die daraus entstehenden Entwicklungen, welche e-

ben nicht nur linear in Richtung eines der beiden Extreme verlaufen, ausreichend be-

schreiben zu können.

Dies erfordert vor allem auch eine notwendig gewordene Interdisziplinarität in der

Analyse solcher Hybridbildungen, die ,,[...] nicht analysiert werden [können], wenn

man das Denken allein an Disziplinen und Gegenständen ausrichtet" (ebd., S. 57),

sondern eher dann, wenn man Denkkategorien der Problemzusammenhänge folgt.

Dies resultiert daraus, dass eine Isolierung von Hybridbildung als Einzelphänomen

nicht erfolgen kann (vgl. ebd., S. 56ff.).

1 Siehe hierzu auch das Zitat von Frank Hartmann auf Seite 3.

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